13. August 2007
Stellen Sie sich vor, Ihr 17 Monate altes Kind hat einen harmlosen Infekt und dann, akuter Fieberanstieg, plötzliche Bewusstlosigkeit, rhythmische Muskelzuckungen, verdrehte Augen und Speichel, der unkontrolliert aus dem Mund fließt. Ein Anblick, der Eltern verständlicherweise in Angst und Schrecken versetzen kann.
Doch, so unheimlich und beängstigend er auf die Eltern auch wirken kann, zum Glück sind Fieberkrämpfe in der Regel harmlos. Oberarzt Dr. Klaus Wiermann aus der Klinik für Neonatologie, Kinder- und Jugendmedizin des Elisabeth-Krankenhauses Essen kann besorgte Eltern beruhigen und gibt hilfreiche Tipps: "Ein Fieberkrampf tritt in früher Kindheit stets in Verbindung mit einem fieberhaften Infekt und meist bei schnellem Fieberanstieg auf – dabei muss die Temperatur nicht unbedingt sehr hohe Werte erreichen. Die meisten Fieberkrämpfe sehen dramatischer aus als sie sind. Normalerweise löst sich der Krampf bereits nach wenigen Minuten wieder, und das Kind fällt in einen Erschöpfungsschlaf. Wichtig zu wissen, nach einem solchen Fieberkrampf bleiben dem Kind keine körperlichen Schäden."
Die genauen Entstehungsursachen von Fieberkrämpfen sind nicht bekannt. "Neben Fieber – als notwendiger Voraussetzung – sind die Krämpfe abhängig vom Alter des Kindes und der speziellen Entwicklungs- und Reifungsphase des Gehirns", so Dr. Wiermann. "Liegt außerdem eine auffällige familiäre Häufung von Fieberkrämpfen vor, können sie auch genetisch bedingt sein. Grundsätzlich kann es bei fast allen fieberhaften Virusinfektionen und bakteriellen Erkrankungen zu Krampfanfällen kommen. Aber nur etwa vier Prozent aller Kinder zwischen dem sechsten Monat und dem fünften Lebensjahr sind betroffen. Besonders häufig treten Fieberkrämpfe jedoch zwischen dem 14. und 18. Lebensmonat auf. Bei etwa einem Drittel der betroffenen Kinder kommt es zu einem zweiten. Nach und nach nimmt das Risiko eines Krampfes jedoch ab und im Alter von drei bis vier Jahren hat das Kind die Fieberkrämpfe erfahrungsgemäß hinter sich."

EKE - Oberarzt Dr. Klaus Wiermann untersucht einen kleinen Patienten
In den meisten Fällen handelt es sich bei der fieberauslösenden Erkrankung um einen eher harmlosen Virusinfekt, beispielsweise eine Mittelohrentzündung oder eine Angina. "Da aber auch eine Gehirnhaut- oder Hirnentzündung für das Auftreten eines Krampfanfalls bei Fieber verantwortlich sein können, wird eine neurologische Untersuchung zum Ausschluss durchgeführt", erklärt Dr. Wiermann. "Fieberkrämpfe ähneln außerdem den Krämpfen, die bei einer Epilepsie auftreten. Im Gegensatz zur Epilepsie liegt einem Fieberkrampf aber keine Störung der Hirnfunktion zugrunde. Er hat nur äußerst selten etwas mit dieser Krankheit zu tun. Nur etwa ein bis drei Prozent der Kinder mit Fieberkrämpfen bekommen zu einem späteren Zeitpunkt auch eine Epilepsie. Aber, je ausgeprägter sie sind und je länger die Krampfanfälle dauern, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Fieberkrampfgeschehen in eine Epilepsie übergehen kann. Deshalb ist es besonders wichtig, einen Fieberkrampf auch von einer beginnenden Epilepsie abzugrenzen."
Ein Fieberkrampf lässt sich nicht vorhersehen. Das erschwert die Vorbeugung, denn bis man merkt, dass ein Kind Fieber bekommt, ist der Anfall unter Umständen schon da. "Ein vom Arzt verschriebenes krampflösendes Medikament sollte nur während eines Anfalls und nicht prophylaktisch – wenn das Kind einmal Fieber hat – verabreicht werden. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass es durch die vorsorgliche Gabe von krampflösenden Mitteln zu keiner Anfallsminderung kommt", so Dr. Wiermann und rät allen Eltern: "Sollte Ihr Kind einen Fieberkrampf erleiden, bewahren Sie vor allem Ruhe. Bei den meisten Kindern bleibt es bei dem einen Fieberkrampf. Da es aber in 30 bis 40 Prozent der Fälle zu weiteren kommen kann, sollte für den Fall der Fälle ein Notfallpäckchen mit fiebersenkenden und krampflösenden Medikamenten vorrätig sein. – Es ist nicht sinnvoll und eher belastend für die Eltern wie auch für das Kind, wenn beispielsweise bei jedem Schnupfen ständig das Fieberthermometer gezückt wird. Wichtig ist es aber, Verwandte, Freunde und die Tagesmutter zu informieren, ebenso den Kindergarten oder andere Einrichtungen, in denen sich das Kind gelegentlich aufhält, damit im Notfall zeitnah und umsichtig reagiert werden kann."
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