Ursachen, Sympomte und Ausprägungsformen verschiedener Sexualpräferenzen

Schwarzer Strapsgürtel und rote Peitsche

Ursachen und Ausprägungsformen gängiger Paraphilien - welche sexuellen Vorlieben gibt es und wie kann man diese richtig ausleben?

Paraphilien sind für die Allgemeinheit kaum ein Begriff, spricht man allerdings von Perversionen wissen plötzlich alle Bescheid. Aber – es gibt keine Perversionen, sondern sexuelle Vorlieben die aus dem Rahmen fallen oder einen handfesten psychischen Hintergrund haben. Nicht alle, aber viele Paraphilien jedoch sind erst zu dem geworden was die Gesellschaft aus ihnen gemacht hat: Sexuelle Störungen.

Begriffserklärung "Paraphilien"

Zur Erklärung vorab, was mit Paraphilien überhaupt gemeint ist, eine kleine Stippvisite in Sachen Begriffserklärung. "Para" - also "neben" oder "abseits" - und "Philie" oder "Philia" - "Freundschaft" oder "Liebe" - bezeichnen als Ganzes eine bestimmte sexuelle Vorliebe, die bei einer Art Sucht oder starken Abhängigkeit und weiterführenden Handlungen erst zu einer gestörten sexuellen Präferenz wird.

Die Übergänge hierbei sind fließend, denn was den einen als normal erscheint, zeigt sich bei einem anderen Menschen schon als krank. Doch um es vorweg zu nehmen: Wirklich krank sind nur die wenigsten der Liebhaber ungewöhnlicher Liebespraktiken und der Begriff "pervers" ist selbst unter Fachleuten nicht mehr erwünscht.

Abnorme sexuelle Vorlieben

Als Paraphiler bezeichnet zu werden bedingt zunächst einmal die "abnorme" sexuelle Vorliebe. Diese kann sich in vielfältigen Formen zeigen und ist so lange wie das ABC und unter Umständen auch noch länger.

Allen gemeinsam ist der besondere Kick, der zur Erregung und auch körperlichen Erfüllung führen soll und die beinhaltete Ausschließlichkeit. Genau diese lässt etwa "normales" Verhalten zu einer Paraphilie werden.

Beispiele verschiedener sexueller Vorlieben

Einige Beispiele aus dem Bereich der Paraphilien geben einen minimalen Einblick in die Welt der meist stillen und tabuisierten Sexualpräferenzen:

  • Amputophile finden diesen Kick darin, wenn sie ihr Liebesleben nur mit einem Menschen ausleben können oder wollen, der eine körperliche Behinderung aufweist.
  • Choreophile finden diesen Reiz nur dann, wenn sie einer anderen Person beim Tanzen zu sehen.
  • In der Zoophilie steht die "intensive" Liebe zum Tier im Vordergrund.
  • Bei der Objektophilie fühlt sich der Betroffene sexuell zu einem bestimmten Gegenstand oder auch einem Objekt, wie einem Haus, einer Brücke oder auch einer Lok, hingezogen. Hier ist der Übergang zum Fetischismus schleichend und eine Abgrenzung fällt oft schwer.
  • So etwa auch bei der Koprophilie, die die Vorliebe für sexuelle Spiele mit Fäkalien beinhaltet.
  • Die Nekrophilie geht im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen.

Wie sich eine spezielle sexuelle Vorliebe äußern kann, zeigen wir anhand des Beispiels der Objektophilie...

Ursachen und Ausprägungsformen einer Objektsexualität (Objektophilie)

Objektsexualität wird auch als Objektophilie bezeichnet. Gemeint ist damit eine Liebes- oder Sexualbeziehung zu einem bestimmten Gegenstand. Die Betroffenen, die sich selbst als Objektsexuelle bezeichnen, verstehen die Objektophilie nicht als Fetischismus, sondern als eigenständige sexuelle Orientierung.

Begriffserklärung anhand eines Fallbeispiels

In der Medizin und der Psychologie hat sich der Begriff "Objektsexualität" noch nicht etabliert. Erfunden wurde er von der schwedischen Modellbauerin Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer.

Diese behauptet von sich, seit 1979 mit der Berliner Mauer verheiratet zu sein und führt seither auch ganz offiziell den Namen Eklöf-Berliner-Mauer. So gilt die Schwedin als erste Objektsexuelle der modernen Zeit. Seit dem Mauerfall am 9. November 1989 betrachtet sie sich allerdings als Witwe.

Die bizarre Geschichte der schwedischen Modellbauerin wurde mehrfach im Internet dokumentiert.

Eija-Riitta Eklöf ist allerdings nicht die einzige Objektsexuelle. So gibt es noch mehr Menschen, die sich von Gegenständen wie

sexuell angezogen fühlen. Dazu gehört zum Beispiel die amerikanische Bogenschützin Erika Eiffel, die mit dem Pariser Eiffelturm in den Stand der Ehe trat. Darüber hinaus gründete die Aktivistin die Organisation OS Internationale. Deren Ziel ist es, sich für Objektsexuelle zu engagieren.

In Deutschland gibt es ca. 25 bekennende Objektsexuelle, die sich im Internet organisieren.

Ursachen

Objektsexualität ähnelt dem Fetischismus. Von diesem unterscheidet sich die Objektophilie jedoch dadurch, dass das Objekt der Begierde gewissermaßen als eigenständige Lebensform betrachtet wird und nicht nur der sexuellen Stimulation dient.

Das Objekt fungiert dabei als Ersatz für einen Menschen. So billigt der Objektsexuelle dem Gegenstand eine eigene Körperlichkeit und Identität zu.

Die Ursachen für Objektophilie liegen im Dunkeln, denn nur selten konsultieren die Betroffenen einen Therapeuten. Davon abgesehen wurde die Objektsexualität wissenschaftlich bisher kaum erforscht.

Ausprägungsformen

Die Objekte der obskuren Begierde können bei einer Objektophilie vollkommen unterschiedlich sein und reichen von simplen Gegenständen bis hin zu großen Bauwerken.

Ein typisches Merkmal der Objektophilie ist, dass die Betroffenen sich von bestimmten Objekten verstanden fühlen und mit ihnen zusammenleben wie mit einem Menschen. Dabei werden auch Probleme besprochen und das Objekt um Rat gefragt.

Sogar zu Streitigkeiten, wie in einer normalen Beziehung, kann es kommen, auch wenn diese eher einseitig verlaufen. Darüber hinaus üben die Objekte auf die Objektophilen eine erotische Wirkung aus, wobei es meist auch zu Sex kommt.

Behandlung

Eine spezielle Therapie gegen Objektophilie gibt es nicht. So stufen die meisten Betroffenen die Objektsexualität keineswegs als unnatürlich oder gar als Krankheit ein, sondern sind mit ihr glücklich und zufrieden. Eine Therapie ist nur dann sinnvoll, wenn auch wirklich Leidensdruck besteht.

Pädophilie

Ebenfalls unter die Paraphilien fällt der Hang der Pädophilen, wobei gerade diese Paraphilie schon seit Jahrtausenden praktiziert wird und einst als normal galt. Heute ist von dieser Normalität der alten Zeiten vor zig Jahrhunderten oder Jahrtausenden wirklich nichts mehr zu sehen und die juristische Verfolgung ist den unterschiedlich geprägten Pädophilen gewiss.

Auch fällt jede andere Paraphilie in den Bereich der Justiz sobald eine andere Person oder Sache während der Liebesspiele genötigt, belästigt oder auch geschädigt wird.

Die psychischen Ursachen einer möglichen Paraphilie

In der Psychiatrie werden die Auslöser einer möglichen Paraphilie ebenso heiß diskutiert wie die eigentliche Einstufung in einem der diagnostischen und statistischen psychiatrischen Handbücher (auch Katalog genannt).

Schwierig wird es zudem, dann sowohl die Ursachen zu finden als auch eine mögliche Therapie durchzuführen, denn die meisten paraphil veranlagten Menschen (mehr Männer als Frauen) fühlen sich nicht abhängig und behandlungsbedürftig.

Wobei diese Einstufung als Paraphilie auch oft nicht zu recht vorhanden ist, denn betrachtet sich man die meisten Menschen etwas intensiver in ihren Vorlieben und "Süchten", dann zeigt ein auffallend hoher Prozentsatz eine gewisse sexuelle Präferenz:

  • beim Beobachten anderer Menschen, wenn sie sich in irgendeiner Form Zärtlichkeit geben
  • nur zu wollen und zu können, wenn der Partner ein gewisses Kleidungsstück trägt

Paraphilien und deren Einstufung sind ein ebenso interessantes als auch schwieriges Feld im Bereich der Psychologie und Psychiatrie, das sicherlich aufgrund der schwammigen Übergänge von Norm und Abnorm nie ganz aufgeschlüsselt werden kann - Einteilungen, die in der Regel durch die Gesellschaft erfolgen oder auch über Jahrhunderte geprägt wurden.

Generelle sexuelle Vorlieben bei anderen Menschen lassen sich laut Forschern mitunter von dem Aussehen der Eltern abhängig machen...

Sind sexuelle Vorlieben Resultate der Erziehung?

Nach Ansicht von Wissenschaftlern prägen sich Merkmale und Eigenschaften, die ein Mensch sexuell attraktiv findet, bereits im frühen Lebensstadium aus. Der Frage, warum bestimmte Attribute sexuell als attraktiver eingestuft werden als andere, gingen zahlreiche Verhaltensforscher über einen längeren Zeitraum nach.

Bei ihren Studien berücksichtigten sie auch das Elternhaus der befragten Personen. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass es Zusammenhänge zum Aussehen der Eltern gibt.

  • Trägt zum Beispiel ein Elternteil eine Brille, werden im späteren Leben oftmals Lebenspartner gewählt, die ebenfalls eine Brille tragen.
  • Ähnliches gilt, wenn die Eltern rauchen.
  • Darüber hinaus werden heterosexuelle Männer häufig von Frauen angezogen, die ähnliche Merkmale wie ihre Mütter aufweisen.
  • Bei heterosexuellen Frauen ist dies dagegen oftmals bei ihren Vätern der Fall.

Dieser Prozess entwickelt sich jedoch erst mit der Geschlechtsreife und gilt vor allem für etwa gleichaltrige Partner.

Sexuelle Vorlieben richtig ausleben

Sexualexperten raten Menschen, die spezielle sexuelle Vorlieben haben, diese genussvoll auszuleben - selbstverständlich nur solche, die sich in menschlicher und rechtlicher Sicht vertreten lassen. In einer Partnerschaft ist es wichtig, den Partner mit einzubeziehen und mit ihm über verborgene Sehnsüchte zu sprechen.

Grundvoraussetzung ist selbstverständlich, dass der Partner oder andere Menschen dabei nicht verletzt werden. So muss man nicht jedes Extrem voll und ganz ausleben.

Manchmal reicht es schon aus, sich in der Phantasie damit zu befassen oder es mit einer Light-Version zu probieren.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Suspender Belt and Crop © Lansera - www.fotolia.de

Autor:

Viola Reinhardt - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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