26. Januar 2010
Von Viola Reinhardt
Feine Drähte sind da, wo einst Nerven waren. Das Knie- und Hüftgelenk aus Hightech-Material. Künstliche Linsen im Auge, die einen Menschen wieder sehen lassen. Drei Beispiele von vielen, die eine hochmoderne Medizintechnik offenbaren, die einen Menschen fast wie in einer Werkstatt runderneuern lassen.
Die wenigsten Menschen kennen die Vorgänge, die sich in Laboren und speziellen Forschungszentren täglich abspielen und im Sinne des kranken Menschen für ständige innovative Methoden der Behandlung sorgen. Ersatzteile für den Körper gibt es mittlerweile nicht nur von menschlichen Spendern, sondern viel mehr auch durch gezüchtete Organe oder Teile, die in Werkstätten angefertigt werden.
Im Gehirn sorgt ein Chip bei Parkinson-Patienten dafür, dass in der Gehirnregion, die für die Muskelbewegung zuständig ist, wieder eine Funktionalität eintritt. Der so genannte Hirnschrittmacher lässt sich hierbei von außen über ein kleines Gerät regulieren, dass mit dem implantierten Chip verbunden ist. Für Menschen mit einem Grauen Star, der die Augenlinse im Alter zu einer Eintrübung bringt, gibt es die Möglichkeit, eine künstliche Linse einsetzen zu lassen oder mit der innovativen Methode der Hornhauttransplantation wieder besser sehen zu können.
Bei den inneren Organen, wie etwa der Niere oder auch der Leber, werden derzeit noch über Dialysegeräte gereinigt, doch Versuche laufen bereits, diese wichtigen Organe im Labor nachzuzüchten. Bereits heute übernehmen externe Herz-Lungen-Maschinen die lebenswichtigen Funktionen und die Blase, die Harnröhre oder auch der Magen können bereits mit Körpergewebe nachgebaut werden. Mini-Prothesen, so genannte Cochlea-Implantate, finden ihren Einsatz im Ohr, damit Gehörlose wieder etwas hören können. Hier helfen auch die klassischen Hörgeräte, die inzwischen kaum mehr von Außenstehenden zu sehen sind.
Wurde einst noch eine Handprothese mit einem schwarzen Lederhandschuh verdeckt, zeigt sich heute die moderne Medizintechnik mit täuschend echten Prothesen, die selbst ähnliche Bewegungen zulassen wie eine echte Hand. Muskelimpulse werden hierbei durch Elektroden übermittelt und lassen das Bewegen der Kunsthand zu. Hautzellen werden im Labor gezüchtet, um diese zum Beispiel bei Transplantationen von verbrannten Stellen übertragen zu können.
Knie- und Hüftgelenke waren noch vor knapp fünfzehn Jahren eine wahre Sensation. Inzwischen werden pro Jahr allein in Deutschland rund 170.000 Exemplare von künstlichen Kniegelenken eingesetzt und lässt selbst diesen Eingriff bei den Chirurgen fast schon zu einem Routineeingriff werden. Bei den Hüftgelenken gibt es eine Riesenauswahl unter 800 Typen aus Titan oder auch Chrom-Kobalt, die gerade bei jüngeren Patienten sogar mit dem eigenen Gewebe verwachsen können.
Knochen aus Metallstäbe, Herzschrittmacher und Kunstherzen oder Nerven aus Mini-Kabel - kaum mehr etwas in der modernen Medizintechnik ist unmöglich und die Innovationen nehmen kein Ende. In Japan wird derzeit ein Roboter getestet, der selbst am offenen Herzen operieren kann - momentan ist nur der Preis eine der größten offenen Fragen. Besieht man sich diese ganze Thematik, dann stellt sich einem die Frage, wie lange es dauern wird, bis man in ein Lager gehen kann und sich sein Ersatzteil aussucht. Inklusive OP-Termin bei "Dr. Roboter".
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