4. Mai 2009
Von Andreas Hadel
Der umfangreiche Genuss von Süßigkeiten ist bei allen ernst gemeinten Diäten vollkommen undenkbar. Höchstens an den sogenannten Schummeltagen, die nicht nur den Stoffwechsel wieder ankurbeln sollen, sondern auch Herz und Seele eine Auszeit vom Hungerstress geben, sind teuflich gute Snacks erlaubt. Das Popcorn scheint in der Brigade der süßen Kalorienbomben aus der Reihe zu tanzen. Eine aktuelle Studie kommt zu der Erkenntnis, dass die erhitzten Maiskörner ambitionierte Diätiker schneller zum Ziel bringen können.

Der in den Vereinigten Staaten von Amerika als Gesundheitsexperte und Diät-Guru bekannte Dr. James Rippe hat in dem nach ihn benannten Institut, dem "Rippe Lifestyle Institute" die Studie selbst durchgeführt. Bei seinen Untersuchungen erlaubte er Probanden 30 Minuten vor jeder Hauptmahlzeit bis zu sechs Tassen Popcorn zu essen. Diese Menge schlägt mit ungefähr 100 Kalorien zu Buche. Eine Kontrollgruppe durfte anstatt Popcorn zu einer Tasse Kartoffel-Chips greifen, die ungefähr 150 Kalorien bedeutete.
Rippes Ansatz beruht auf der Idee, dass Zucker deutlich weniger Kalorien hat als Fett. Ein Gramm Zucker entspricht knapp vier Kalorien. Ein Gramm Fett entspricht hingegen sieben Kalorien. Von dieser Tatsache ausgehend, entwickelten Ernährungsexperten die Strategie, den Diätwilligen vor einer Mahlzeit den Genuss von Süßigkeiten zuzugestehen. Denn ein durchschnittliches Mittagsgericht enthält anteilig betrachtet meistens mehr Kalorien, die aus Fetten und nicht Zuckern stammen. Wenn man sich also vor der eigentlichen Mahlzeit mit Süßigkeiten schon etwas sättigt, so der Gedankengang der Wissenschaftler, isst man beim Hauptgang weniger und nimmt damit auch weniger Fettkalorien zu sich.
Die auf den ersten Blick etwas weit hergeholte Idee, scheint sich in der Praxis jedoch zu bewähren. Denn, und damit kommen wir zum Popcorn zurück, Dr. Rippes Studie konnte die Annahme bestätigen. Seine Probanden, die Popcorn im Vorfeld der Hauptmahlzeit gegessen haben, konsumierten tatsächlich weniger Kalorien, als die Teilnehmer der Kontrollgruppe, die vor dem Essen nur Wasser trinken durften.
Die Kartoffel-Chips-Esser lagen mit ihrer Kalorienaufnahme um 12 Prozent höher als die Popcorn-Geniesser und landeten damit in der Mitte des Feldes. Das kann man als Hinweis darauf werten, dass es auch auf die Art der Süßigkeiten ankommt. Snacks, die durch Geschmacksverstärker den Appetit anregen, sind in einer Diät nach wie vor nur an Schummeltagen in mäßigen Mengen erlaubt. Damit scheiden Kartoffel-Chips, Brezeln, Gummibärchen und viele Schokoladensorten aus. Ungezuckertes Popcorn hingegen ist verhältnismäßig arm an Kalorien und wirkt zudem wegen des Ballaststoffanteils durchaus sättigend. Schokoladenprodukte, die einen hohen Kakao-Anteil haben, sind ebenfalls geeignete Diät-Snacks, da sie Bitterstoffe enthalten, die den Appetit für längere Zeit zügeln können.
Insgesamt nahmen 35 Personen im Alter von 25 bis 50 Jahren an der Untersuchung teil. Die Studie wurde Ende April in New Orleans im Rahmen der Konferenz für "Experimentelle Biologie 2009" rund 13.000 Wissenschaftlern vorgestellt.
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