Zwangsstörungen - Ursachen, Symptome und Behandlung

Man unterscheidet verschiedene Ursachen, die zu einer Zwangsstörung führen können. Meist ist eine Zwangsstörung nicht heilbar.

Die Entstehung von Zwangsstörungen und wie man sie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Bei einer Zwangsstörung kommt es zu Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen; 75 Prozent der Patienten mit der Störung weisen beide Merkmale auf. Neben den immer wiederkehrenden selben Gedanken und Handlungen kann es auch plötzlich zu Handlungsimpulsen kommen.

Zwangsstörungen werden in vielen Fällen chronisch. Werden sie nicht behandelt, können sie sich auf zahlreiche und immer größere Alltagsbereiche ausweiten, bis es häufig auch zu sozialem Rückzug kommt.

Ursachen

Bei Patienten mit einer Zwangsstörung ist eine Auffälligkeit im Gehirn feststellbar. In vielen Familien kommen Zwangsstörungen auch gehäuft vor, so dass die Veranlagung für diese Erkrankung vererbt wird.

Eine weitere Ursache liegt in der Kindheit der Betroffenen. Die meisten Kinder lernen im Alter von zwei bis drei Jahren, ihren Schließmuskel zu kontrollieren. Gerne spielen sie in diesem Alter auch mit ihren Körperausscheidungen. Neigen die Eltern in dieser Phase zu einer sehr strengen Sauberkeitserziehung, kann dies in späteren Jahren eine Zwangsstörung zur Folge haben.

Nicht selten tritt eine Zwangsstörung in Kombination mit

auf. Die meisten Zwangsstörungen sind nicht heilbar und fallen daher unter die chronischen Erkrankungen.

Verlauf

Je nachdem, ob sich die Patienten einem Therapeuten anvertrauen und ob die Therapie anschlägt, können Zwangsstörungen unterschiedlich verlaufen. Einige Betroffene werden von ihrer Zwangsstörung dermaßen beeinflusst, dass ein normaler Tagesablauf nicht mehr möglich ist.

Die Betroffenen können keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen und kapseln sich von Familie und Freunden ab. Besonders bei Patienten mit Waschzwang leidet auch die Haut sehr stark unter dem ständigen Waschen und bildet Ekzeme und Hautabschürfungen.

Nicht selten ist die Folge einer jahrelangen Zwangsstörung der Selbstmordgedanke. Häufig wird der Selbstmord auch ausgeführt.

Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Oftmals wird die Situation durch Gespräche und Medikamente für die Betroffenen soweit erträglich, dass sie gut mit ihrer Krankheit leben können.

Symptome

Es gibt viele verschiedene Formen der Zwangsstörung. Daher kann eine Zwangsstörung auch aus den unterschiedlichsten Symptomen bestehen.

Patienten mit einer Zwangsstörung wiederholen Vorgänge, die eigentlich völlig sinnlos sind. Die Betroffenen können jedoch nicht anders, als diese auszuführen.

Tun sie dies nicht, steigen Angst und Panik in ihnen auf. Die Patienten wissen jedoch, dass die Gedanken oder die Handlung keinen Sinn macht.

Eine Form der Zwangsstörung ist der so genannte Zwangsimpuls. Die Betroffenen haben hier ständig die Angst, etwas Fürchterliches zu unternehmen, wie zum Beispiel, sich vor ein Auto zu werfen.

In der Regel tun die Patienten dies jedoch nicht. Manche Patienten haben auch das Gefühl, sie müssten einen geliebten Menschen töten.

Eine weitere Form der Zwangsstörung sind die zwanghaften Gedanken. Betroffene denken zum Beispiel pausenlos darüber nach, ob die Herdplatte ausgeschaltet wurde.

Sie werden von ihrem Körper gezwungen, Dinge zu denken, die zur jeweiligen Situation absolut nicht passen. Dazu gehört zum Beispiel der zwanghafte Gedanke, bei einer feierlichen Hochzeitsfeier aufzustehen und obszöne Dinge zu sagen.

Die Betroffenen haben auch Angst, sich mit dem Berühren von Gegenständen zu beschmutzen. Sie wissen zwar, dass es unsinnige Gedanken sind, können jedoch nichts dagegen unternehmen.

Verbreitete Formen

Zu den verbreiteten Formen von Zwangsstörungen gehören mitunter:

Patienten mit diesen Formen der Zwangsstörung versuchen meist alles, die Gedanken zu unterdrücken. Das ist oft die Ursache, weshalb sie Zwangshandlungen ausführen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Betroffenen bis zu dreißig Mal hintereinander kontrollieren, ob sie auch wirklich die Herdplatte ausgeschaltet oder die Haustür zugeschlossen haben.

Auch der Waschzwang gehört zu den Zwangshandlungen. Die Betroffenen waschen sich hier ununterbrochen und haben dadurch eine gerötete und oftmals blutige Haut. Die Betroffenen versuchen durch diese Maßnahmen, den inneren Druck durch die Zwangsstörung abzubauen und die Gedanken zunichte machen zu können.

Diagnose

Die Diagnose stellt der Psychotherapeut nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Betroffenen. Erst wenn die Zwänge zwei Wochen am Stück bestehen, spricht man von einer Zwangsstörung.

Oftmals werden auch die Angehörigen zu den Symptomen befragt. Der Therapeut geht verschiedene Fragebögen mit dem Patienten durch, um die Erkrankung genau einschätzen zu können. Da in seltenen Fällen auch körperliche Erkrankungen die Ursache für eine Zwangsstörung sind, erfolgt auch eine eingehende körperliche Untersuchung beim Hausarzt.

Behandlung

Zwangsstörungen werden sowohl durch Medikamente als auch durch Gespräche beim Psychotherapeuten behandelt. Da die Funktionen des Gehirns bei den Betroffenen in bestimmten Bereichen eingeschränkt sind, helfen die Medikamente, dies auszugleichen. Bis die Medikamente eine Wirkung zeigen, vergehen jedoch mehrere Wochen oder Monate.

Der Psychotherapeut wendet die so genannte Verhaltenstherapie an. Der Therapeut befragt den Patienten genau nach seinen Zwängen, wann und wie oft diese auftreten. In der Therapie lernen die Patienten, gezielt die Dinge zu tun, vor denen sie beispielsweise Angst haben.

Hat ein Patient Angst, sich durch Anfassen von Gegenständen mit Krankheiten zu infizieren, lernt er genau dies zu tun und bemerkt, dass er trotz Anfassens nicht krank wird. Im Zusammenhang mit der Therapie erlernen die Betroffenen oft auch Entspannungsübungen.

Vorbeugung

Vorbeugen kann man der Erkrankung nicht. Sollten jedoch entsprechende Symptome bemerkt werden, sollte man diese umgehend ärztlich abklären lassen, um gegebenenfalls baldmöglichst eine Therapie einzuleiten.

Quellen:

  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
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  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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