31. Mai 2006
Von Andreas Neubert
Beim Zuruf "Wer hat Angst vorm weißen Mann..." – in Abwandlung des Kinderspiels "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann" – müssten viele Erwachsene den Finger hochstrecken. Die Angst vorm "Zahnklempner" ist nicht nur weit verbreitet, sondern oft so groß, dass selbst eine dicke Backe den Schmerzgepeinigten nicht in die Praxis treibt.
Eigentlich merkwürdig, denn der Zahnarzt ist ja gerade derjenige, der die Schmerzen nimmt. Aber ein Heilprozess ist eben auch oftmals schmerzhaft. Was können Betroffene gegen die Furcht tun, um sie wenigstens zu schmälern und damit erträglicher zu machen?
Nun mal ehrlich. Ein Gang zum Zahnarzt besonders bei einem akuten Problem ist wirklich nichts Erfreuliches. Ein bisschen Bammel ist da schon erlaubt und auch nichts Auffälliges, zumal gerade Zahnschmerzen so richtig unangenehm sein können. Doch: Die Backe ist schon dick angeschwollen und darin pocht es unaufhörlich, als wenn jemand den Nerv mit einem Werkzeug arg malträtiert. Aber der Gepeinigte will kein Zahnpatient sein, redet sich ein, es geht noch, bald gibt sich das schmerzende Übel von selbst. Eindeutige Diagnose: Angst vorm Zahnarzt oder Zahnarztphobie – sehr ausgeprägt und weit verbreitet.
Die Furcht vor der Zahnbehandlung ist in vielen Fällen nicht zu unterschätzen. Sie kann nicht nur den Weg in die Praxis verlängern, sondern richtig Stress erzeugen und sich körperlich bemerkbar machen. Schweißausbrüche, Verkrampfung bis hin zu massiven Kreislaufproblemen oder gar dem "Zusammenklappen" sind Anzeichen von mehr oder weniger Angst vor dem "weißen Mann". Einfach Mittel dagegen, die Betroffene selbst anwenden können, sind tief durchatmen, positives Denken oder sich mit anderen Dingen beschäftigen und ablenken. Aber auch der rechtzeitige Gang in die Praxis, denn wenn sich viele Übel anhäufen, kann die Behandlung umso umfangreicher werden.
Die Angst vorm Zahnarzt kann anerzogen sein. Besonders in sozial schwächeren Schichten wird nach einer Studie des Kölner Zahnmediziners Dr. Kinvanç Tunca Kindern dieses Angstgefühl in erfundenen Geschichten vermittelt. Aber auch Erwachsene haben solche Geschichten oder Bilder im Kopf und entsprechend großen Respekt vor dem Zahnarztbesuch. Dagegen herrscht in sozial gehobeneren Schichten die Aufklärung und die Notwendigkeit der Mundhygiene vor. Ängste dieser Art sind aber auch geschlechter- und altersspezifisch.
Das Problem der Zahnarztphobie ist bei den praktizierende Ärzten längst bekannt. Und sie tun auch etwas dagegen wie zum Beispiel mit schmerzfreier Behandlung unter Vollnarkose. Oder Aufklärung gegen Horrorgeschichten oder die Vorwegnahme der Behandlung im informativen Gespräch, so dass der Patient weiß, was ihn erwartet. Oft ist es das Unbekannte, was Ängste erzeugt – wie in anderen Bereichen auch.
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