14. August 2010
(dgk) Windpocken (Varizellen) sind eine weltweit verbreitete, sehr ansteckende Krankheit, die durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen wird. Dieses Virus kann außerdem eine Gürtelrose, auch Herpes zoster oder kurz Zoster genannt, auslösen. Doch wie kann ein Virus zwei verschiedene Krankheiten verursachen? Die Antwort: Eigentlich ist die Gürtelrose "nur" eine erneute Aktivität des Windpocken-Virus.
Die Ansteckung mit Windpocken erfolgt von Mensch zu Mensch durch direkten Körperkontakt oder seltener durch Tröpfcheninfektion (Krankheitsübertragung durch Sekrettröpfchen aus der Atemluft). Doch wer das Virus einmal in sich trägt, wird es nicht wieder los: Die Symptome der Windpocken heilen zwar ab, und die Ansteckungsphase geht vorüber, aber die Viren überdauern in Schaltstellen von Nerven (Ganglien) und können vor allem im höheren Lebensalter oder bei Abwehrschwäche wieder aktiv werden. Das äußert sich in den Krankheitszeichen einer Gürtelrose.
Patienten mit Gürtelrose sind nur über die typischen Hautbläschen ansteckend (nicht wie bei den Windpocken durch Tröpfcheninfektion mit der Atemluft!), aber sie infizieren Ungeschützte nicht mit Gürtelrose, sondern mit Windpocken. Umgekehrt stellt ein windpockenkrankes Kind keine Infektionsquelle für eine Gürtelrose dar. An Gürtelrose kann also nur erkranken, wer selbst die Windpockenviren in sich trägt, und wenn diese von "innen heraus" wieder aktiv werden.
Und das gleich zwei Mal! Seit Juli 2009 sollen auch Kleinkinder zwei Impfungen gegen Windpocken erhalten, damit sie sicher geschützt sind. Der Impfstoff besteht aus abgeschwächten, lebenden Viren (Varizella-Zoster-Viren), die sich im Geimpften begrenzt vermehren. Er wird unter die Haut gespritzt (subkutane Injektion).
Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten erhalten parallel zur ersten MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) die erste Impfung gegen Varizellen, eine zweite Impfung soll im Alter von 15 bis 23 Monaten folgen. Die zweite Impfung sollte aber frühestens in einem Mindestabstand von vier bis sechs Wochen gegeben werden. Dies gilt ebenfalls, wenn ein Kombinationsimpfstoff verwendet wird. Alle Kinder, die nach der alten Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) bisher nur eine Impfung erhalten haben, sollten diese jetzt nachholen lassen. Dazu wird von den Impfexperten ein Einzelimpfstoff empfohlen.
Windpocken können auch für Schwangere, die bisher weder an Windpocken erkrankt waren noch eine Windpockenimpfung erhalten haben, gefährlich sein. Daher sollten alle Frauen mit Kinderwunsch ebenso wie bei Röteln wissen, ob sie geschützt sind. Ein Bluttest kann Sicherheit geben: Zeigt sich, dass die Frau seronegativ ist, kann sie ebenfalls die beiden notwendigen Impfungen erhalten.
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