Östrogenmangel-Kolpitis - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei der Östrogenmangel-Kolpitis handelt es sich um eine Form der Scheidenentzündung. Sie tritt in den Wechseljahren auf.

Die Entstehung der atrophischen Kolpitis oder Kolpitis senilis und wie man sie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild Kolpitis

Die Kolpitis (Scheidenentzündung) zählt zu den häufigsten Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Sie tritt auf, wenn der Schutzvorgang der Scheidenschleimhaut gestört ist. Diese Störung führt dazu, dass schädliche Bakterien in die Schleimhaut eindringen können, was eine Entzündung zur Folge hat.

Die Übertragung der Keime erfolgt zumeist durch Geschlechtsverkehr oder unzureichende Intimhygiene. Im Normalfall sorgt eine intakte Scheidenschleimhaut für den Schutz der Vagina vor Entzündungen. Selbst, wenn die Erreger von außen in die Scheide gelangen, funktioniert diese Schutzvorrichtung.

Kommt es jedoch dazu, dass der Schutzmechanismus geschwächt wird, besteht die Gefahr von Entzündungen durch unterschiedliche Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze. Geschwächt werden kann der Schutzmechanismus der Scheide u.a. durch mechanische Faktoren wie

Östrogenmangel-Kolpitis

Mediziner bezeichnen die Östrogenmangel-Kolpitis auch als atrophische Kolpitis oder Kolpitis senilis. Gemeint ist damit eine Form der Scheidenentzündung, die durch einen Mangel an dem weiblichen Sexualhormon Östrogen verursacht wird.

Im Unterschied zu anderen Formen der Scheidenentzündung beginnt die Östrogenmangel-Kolpitis nicht als Infektion. Das heißt, dass sie zunächst nicht durch Pilze oder Bakterien hervorgerufen wird. Allerdings siedeln sich diese Keime im weiteren Verlauf oft in der entzündeten Schleimhaut an.

Besonders betroffen von einer Östrogenmangel-Kolpitis sind Frauen in den Wechseljahren. So kommt es während der Menopause zu einer Veränderung des Hormonhaushaltes. Einerseits sinken der Östrogenspiegel und der Gestagenspiegel ab, während andererseits ein Anstieg der Androgene sowie der Gonadotropine LH und FSH zu verzeichnen ist.

Der Mangel an Östrogen hat zur Folge, dass die Scheide, die Eierstöcke und die Gebärmutter weniger durchblutet werden und sich zurückbilden. Außerdem veröden die Scheidengefäße, was sich wiederum negativ auf die Scheidensekretion auswirkt. So kann sich das mehrschichtige Vaginalepithel nicht mehr komplett aufbauen.

Darüber hinaus wird kein Glykogen mehr eingelagert, das für die Milchsäurebakterien wichtig ist, die die Vaginalflora bilden. Weil der pH-Wert der Scheide alkalischer wird, geht der natürliche Säureschutz gegen schädliche Keime verloren, sodass sich die Anfälligkeit der Vagina für Infektionen erhöht.

Symptome

Bemerkbar macht sich eine Östrogenmangel-Kolpitis durch Symptome wie

Darüber hinaus wird die Scheide beim Geschlechtsverkehr nicht mehr feucht. Auch Schmerzen beim Sex sind möglich. Außerdem nehmen das sexuelle Verlangen und die Orgasmusfähigkeit ab.

Treten die Scheidenentzündungen häufiger auf, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. So besteht ohne eine entsprechende Behandlung die Gefahr, dass die Infektion auf Organe wie die Eileiter, die Eierstöcke oder die Gebärmutter übergreift.

Diagnose

In der Regel lässt sich eine Östrogenmangel-Kolpitis schon durch die Beschreibung der typischen Symptome vom Arzt feststellen. Wichtige Hinweise liefern der Geruch, die Konsistenz und die Farbe des Ausflusses.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, aus der Scheide einen Abstrich zu entnehmen, der dann unter einem Mikroskop genauer untersucht wird. Auf diese Weise lässt sich die Art des Erregers bestimmen.

Differenzialdiagnose

Da zahlreiche Infektionen eine Scheidenentzündung verursachen können, gilt es, diese auszuschließen. Dazu gehören vor allem

Diese Erkrankungen werden von bestimmten Bakterien übertragen. Lassen sich diese Erreger nicht finden, spricht man von einer bakteriellen Vaginose.

Behandlungsmöglichkeiten

Wird eine Östrogenmangel-Kolpitis von Bakterien ausgelöst, kommen Antibiotika zur Anwendung. Handelt es sich um eine Pilzinfektion, werden Antimykotika eingesetzt.

Ein bewährtes Mittel zum Aufbau der Scheidenflora ist Vagiflor. Die Darreichung des Mittels erfolgt in Form von Zäpfchen oder Kapseln.

Um dem Östrogenmangel entgegenzuwirken, der für die Entzündungen verantwortlich ist, besteht die Möglichkeit, das Östrogen der Scheide von außen zuzuführen. Zur Anwendung kommen dabei östrogenhaltige Salben. Diese lokal wirkenden Mittel verfügen über die Eigenschaft, die oberflächlichen, glykogeneinlagernden Zellen wieder aufzubauen. Außerdem wird die Durchblutung angeregt.

Als lindernd gelten Spülungen mit Vaginaltees. Diese können

enthalten.

Bei der Intimhygiene ist darauf zu achten, seifenfreie Waschlotionen zu verwenden. Damit der pH-Wert nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, raten Ärzte zu einer maßvollen Intimhygiene. So sollte man auf die Anwendung von Intimsprays oder Intimlotionen lieber verzichten.

Weitere Maßnahmen

Zur Unterstützung des Heilungsprozesses werden Moorsitzbäder empfohlen. So fördern diese die Durchblutung und verbessern die Widerstandsfähigkeit der Vagina.

Außerdem ist es ratsam, Unterwäsche aus Baumwolle zu tragen. Diese sollte sich bei 90 Grad Celsius waschen lassen. Während des Geschlechtsverkehrs wird empfohlen, ein Kondom zu benutzen, um die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern.

Quellen:

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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
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  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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