Psychose - Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Psychose verursacht viele unterschiedliche Symptome. Die Diagnose stellt ein Psychotherapeut oder Psychologe. Eine Psychose kann unterschiedlichste Ursachen haben. Teilweise wird sie chronisch.

Die Entstehung einer Psychose und wie man sie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Psychosen gehören zu den psychischen Störungen, bei denen krankheitsartige Abweichungen vom "normalen"

  • Denken
  • Fühlen und
  • Verhalten

vorliegen. Psychosen sind dabei dadurch gekennzeichnet, dass der Realitätsbezug total verloren geht. Die Grenze zwischen dem eigenen Ich und der Außenwelt kann nicht mehr genau wahrgenommen werden, und der Betroffene erlebt nicht sich selbst als "verändert" sondern seine Umwelt. Psychosen gehören zur Gruppe der schizoiden Störungen, sind also hauptsächlich gekennzeichnet durch Wahn und Halluzinationen.

Die Prognose ist von vielen Faktoren abhängig, unter anderem auch vom Lebensalter, vom Zeitpunkt des ersten Auftretens der Störung und vor allem von vorhandenen Komorbiditäten. Rund ein Viertel der singulären (das heißt spontan und ohne Begleitkrankheiten auftretenden) Psychosen bleiben einmalige Episoden, bei einem Großteil jedoch kommt es zu phasischen (schubweisen) Erkrankungen und später zu einer dauerhaften Störung.

Es gibt in den letzten Jahren bereits Versuche, durch bildgebende Verfahren Veränderungen im hirnorganischen Bereich auszuwerten, die mit einer Neigung zu psychotischen Störungen korrelieren, und damit auch das Risiko für psychotische Störungen zu erkennen, und bereits vor Ausbruch entsprechende Maßnahmen setzen zu können.

Unterteilung

Je nach Auslöser einer Psychose lässt sich die Erkrankung wie folgt unterteilen:

  • Organische Psychosen
  • Schizophrene Psychosen
  • Affektive Psychosen
  • Frühkindliche Psychose

Ursachen

Man unterscheidet viele verschiedene Ursachen, die zu einer Psychose führen können. Letztlich sind sich die Ärzte noch nicht eindeutig sicher, welche Faktoren dazu führen.

In jedem Fall spielen eine Neigung oder eventuell auch Veranlagung eine Rolle, ebenso wie ein entsprechender Auslöser meist vorhanden ist. Bei einigen Patienten kann die Ursache auch nicht herausgefunden werden.

Exogene Psychose

Die Psychose lässt sich in die exogene sowie in die endogene Form einteilen. Bei der exogenen Psychose können zum Beispiel Drogenmissbrauch aber auch Erkrankungen wie

eine Rolle spielen.

Endogene Psychose

Bei der endogenen Psychose lassen sich keine körperlichen Ursachen finden. In vielen Familien treten gehäuft Psychosen auf, so dass man davon ausgeht, dass die Veranlagung vererbt wird. Dabei ist auch der Schwangerschaftsverlauf entscheidend für die weitere Entwicklung.

Wenn eine schwangere Frau in den ersten Wochen der Schwangerschaft zum Beispiel unter einem Todesfall eines nahe stehenden Menschen leiden muss, so überträgt sich dies auf das ungeborene Kind. In einigen Fällen entwickeln diese Personen im Erwachsenenalter eine Schizophrenie.

Oftmals ist auch die Kindheit der Auslöser für eine spätere Psychose. Patienten, die eine schlimme Kindheit mit Vergewaltigung, Todesfällen etc. erlebt haben, neigen im späteren Leben eher dazu, an einer Psychose zu erkranken als Menschen, die dies nicht erleben mussten.

Verlauf

Bei jedem dritten Patienten wird die Psychose chronisch. Dank moderner Medizin kann sie jedoch gut behandelt werden; bei manchen Patienten bildet sich die Psychose bereits nach dem ersten Krankheitsschub völlig zurück.

Bei 30 Prozent der Patienten verläuft die Krankheit in Schüben. Zwischen zwei psychotischen Phasen liegen jeweils beschwerdefreie Zeiten.

Grundsätzlich kann gesagt werden: Je früher eine Psychose diagnostiziert und behandelt wird, desto leichter kann sie geheilt werden.

Symptome

Die Symptome einer Psychose lassen sich einteilen in typische Symptome sowie allgemeinere.

Typische Symptome

Zu den ersteren zählen:

  • Halluzinationen
  • Wahnvorstellungen
  • Ich-Störungen und
  • Derealisation

Im Detail machen sich diese Symptome folgendermaßen bemerkbar:

Patienten mit einer Psychose nehmen ihre Umwelt verändert wahr. Sie beschreiben ihre Wahrnehmung oftmals als unnatürlich und kommen sich wie in einem Film vor. Ursprünglich vertraute Dinge werden als fremd wahrgenommen.

Die Patienten fühlen sich bedroht und verfolgt und haben das Gefühl, die Umwelt würde sich gegen sie verschwören. Diese Wahnvorstellungen können so weit gehen, dass die Betroffenen der Meinung sind, andere könnten ihre Gedanken lesen oder permanent über sie selbst sprechen. Die Vorstellungen werden als real erlebt, die Betroffenen sind vernünftigen Argumenten absolut unzugänglich (Verlust der Realitätswahrnehmung).

Viele Patienten sehen, hören oder fühlen auch Dinge, die es gar nicht gibt. Sie leiden unter Halluzinationen. Die Patienten hören dabei Stimmen und befolgen häufig auch, was diese angebliche Stimme ihnen befiehlt.

Die verschiedenen Symptomkomplexe geben jeweils verschiedene Bereiche von verrückter Wahrnehmung wieder. Die allgemeinen Zeichen des Wahns (objektiv falsch, subjektiv richtig, Uneinsichtigkeit) gelten jedoch in jedem der Bereiche.

Allgemeinere Symptome

Zu den allgemeinen Symptomen zählen wiederum:

Einige Patienten können Gesprächen nicht mehr folgen, da sie sich nur noch schlecht konzentrieren können.

Eine Psychose bewirkt, dass die Patienten gefühlskalt werden und zudem eine Nervosität und Gereiztheit auftritt. Von einem Moment auf den anderen sind die Patienten "fröhlich" und "zu Tode betrübt". Die Patienten kapseln sich von ihrer Umwelt ab und verändern sich auch in ihrem Verhalten.

Diagnose

Das Erkennen einer psychischen Störung an sich, ist anhand der Symptomlage meist unproblematisch, allerdings ist eine sorgfältige Differentialdiagnose nötig, um die psychotische Störung von eventuellen anderen Grund- und Begleiterkrankungen abgrenzen zu können. Psychische Störungen haben generelle eine hohe Komorbiditätsrate, das heißt sie treten eher selten als einzelne, isolierte Störung auf. Sehr schwierig ist oft auch die Abgrenzung von Persönlichkeitsstörungen, die durchaus auch gelegentliche psychotische Episoden aufweisen können.

Beim Hausarzt

Zu Beginn einer Diagnostik erfolgt meist eine umfassende Untersuchung beim Hausarzt, um körperliche Ursachen für die Symptome ausschließen zu können. Der Arzt

Beim Psychotherapeuten

Erst wenn körperliche Krankheiten ausgeschlossen werden können, erfolgt die Überweisung zum Facharzt für Psychologie oder Psychotherapie. Dieser führt ein langes Gespräch mit dem Patienten, in dem er andere psychische Erkrankungen ausschließen muss.

Häufig verwendet der Arzt dazu auch spezielle Fragebögen. In einigen Fällen werden auch die Angehörigen zur vorliegenden Erkrankung bzw. den bestehenden Symptomen befragt.

Behandlung

Medikamente

In vielen Fällen verordnet der Arzt spezielle Medikamente gegen die Psychose. Die krankheitstypischen Symptome wie

  • Halluzinationen,
  • Angst,
  • Unruhe,
  • Wahnvorstellungen
  • usw.

kann man damit gut in den Griff bekommen. Zu den eingesetzten Mitteln gehören:

In den letzten Jahren haben sich speziell Atypika (atypische Neuroleptika) als gute Alternative zu früheren Behandlungsansätzen gezeigt. Bekannt sind dabei Wirkstoffe wie Haloperidol. Atypika können generell besser an den Patienten angepasst werden und haben auch zumeist weniger Nebenwirkungen.

Psychotherapie

Zusätzlich erfolgt meist eine psychotherapeutische Behandlung. Die Patienten arbeiten dabei ihre Vergangenheit auf und besprechen die Ursache ihrer Erkrankung, sofern diese bekannt ist.

Je nachdem, wie ausgeprägt die Symptome der Psychose sind, erfolgt die Behandlung ambulant bei einem niedergelassenen Psychologen oder Psychotherapeuten oder auch stationär in einer entsprechenden Fachklinik.

Vorbeugung

Die meisten Psychosen werfen lange Zeit vorher ihre "Schatten voraus". Die Krankheit kündigt sich demnach über lange Zeit hinweg an. Wenn sich die Patienten bereits in diesem frühen Stadium behandeln lassen, kommt es oftmals gar nicht zu den typischen Symptomen.

Die frühzeitige Behandlung stellt somit die beste Vorbeugung dar. Den Beginn einer Psychose kann man in der Regel nicht verhindern.

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  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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