24. Mai 2005
Das Herz schlägt 60- bis 80mal in jeder Minute. Das ganze Leben lang pumpt es das Blut durch den Körper, etwa 40 Millionen mal pro Jahr. Doch manchmal erfüllt es seine Aufgaben nur noch unzureichend. Es kommt zur Herzinsuffizienz, eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland.
Etwa drei Prozent der Bevölkerung sind erkrankt, bei den über 70jährigen sind es sogar zehn Prozent. Unter dem Begriff Herzinsuffizienz versteht man eine mangelhafte Pumpleistung des Herzens, das Gewebe des Körpers wird zeitweilig oder dauernd ungenügend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Dies kann viele verschiedene Ursachen haben. Eine sinnvolle Therapie setzt voraus, dass man die Ursachen der Herzschwäche kennt.

EKE - Magnetresonanztomographie
Die Symptome der Herzinsuffizienz sind so unterschiedlich wie ihre Ursachen. Von leichter Atemnot bei körperlichen Anstrengungen über andauernden, trockenen Husten, geschwollene Knöchel bis zu starken Wasseransammlungen im Bauchraum und Atemnot im Liegen ist eine verwirrende Vielzahl von unterschiedlichsten Symptomen möglich. Doch wie soll der Arzt unter diesen Umständen die richtige Diagnose stellen und eine Therapie, die immer an der Ursache ansetzt, einleiten? Früher musste er seine Diagnostik auf EKG und Röntgenaufnahme aufbauen, heute stehen ihm weitaus präzisere Methoden zur Verfügung. "Die fortschrittlichste, modernste und für den Patienten ungefährlichste Untersuchungsmethode ist derzeit die Magnetresonanztomographie – kurz MRT genannt", erklärt Dr. Oliver Bruder, Leiter der bildgebenden Verfahren in der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen. "Dem MRT entgeht nichts, was das Herz krank machen könnte. Wir haben praktisch das Herz dreidimensional und in seiner gesamten Struktur und Funktionalität vor Augen und das ganz ohne gefährliche Strahlen oder Einspritzen von Kontrastmitteln. Auf eine risikobehaftete diagnostische Herzkatheteruntersuchung kann so in vielen Fällen verzichtet werden."
Aber nicht nur die Untersuchungsmethoden des Herzens haben in den letzten Jahren einen gewaltigen Fortschritt gemacht, auch einzelne Therapieformen sind wesentlich verbessert worden. "Sport war früher für Personen mit einem schwachen Herzen verboten", so Dr. Bruder. "Heute weiß man, dass regelmäßige körperliche Aktivität den Herzmuskel auf Dauer entlastet. Moderate körperliche Betätigung, beispielsweise in einer Herzsportgruppe, ist daher durchaus ratsam." Auch die Medikamente, die auf den Herzmuskel wirken, können heute genauer als früher eingesetzt werden. Weiterentwicklung hat es in den letzten Jahren besonders bei Katheterablation und Herzschrittmachern gegeben. Mit beiden Therapieformen hat man im Elisabeth-Krankenhaus Essen viele gute Erfahrungen gemacht.

EKE - Von der Schaltzentrale haben Dr. Bruder und Assistentin Sicht- und Sprechkontakt zum Patienten
Normalerweise zieht sich der Herzmuskel rhythmisch zusammen und treibt so das Blut in die Arterien. Den Takt für die Kontraktionen erhält das Herz als elektrischen Impuls, der von einem Punkt in der rechten Herzvorkammer ausgeht. Kommt dieser elektrische Impuls zu langsam, ist eine Herzinsuffizienz die Folge. Auch wenn der Impuls zu schnell kommt, kann dies zur Herzinsuffizienz führen. Die betroffenen Personen erleiden Schwindel- und Ohnmachtsanfälle, weil das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Kontrahieren sich die Vorhöfe des Herzens nicht mehr richtig – der Fachmann spricht von Vorhofflimmern – besteht die Gefahr, dass sich kleine Blutgerinnsel bilden, die im schlimmsten Fall einen Schlaganfall auslösen können. Ist der gesamte Herzrhythmus völlig chaotisch, spricht man vom Kammerflimmern. Wird dieses akute Flimmern nicht mit einem elektrischen Stromstoß unterbrochen, der das Herz veranlasst, wieder in seinem normalen Rhythmus zu schlagen, führt diese Rhythmusstörung zum plötzlichen Herztod.
Die Katheterablation ist ein technisch raffinierter Eingriff, der es heute erlaubt, eine bestimmte Personengruppe mit Herzrhythmusstörungen auf relativ ungefährliche Weise zu heilen. "Die Ablation wird nur bei Rhythmusstörungen angewandt, die mit Tachykardien, also mit starkem Herzrasen – Pulsschlägen von 150 bis weit über 200 Schlägen in der Minute – einhergehen", erklärt Prof. Dr. Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Elisabeth-Krankenhauses. "Bei der Ablation durchtrennen wir mittels eines Katheters diejenigen Muskelfasern im Herzen, von denen die Herzrhythmusstörung ausgeht. Dieser Ort wird vorher mit Hilfe der Katheter millimetergenau ermittelt. Dann erfolgt die Abgabe von Radiofrequenzstrom über die Katheterspitze, die sich dabei auf 50 bis 70 Grad erwärmt. An dem so gezielt angesteuerten Punkt entsteht eine Mikronarbe, durch die zusätzliche Leitungsbahnen durchtrennt oder ein Gebiet, das Rhythmusstörungen verursacht, stillgelegt werden."
Auch moderne Herzschrittmacher lassen sich bei jeder möglichen Ursache für einen gestörten Herzrhythmus einsetzen. Die Schrittmacher von heute sind nicht größer als eine Armbanduhr. Sie werden an der rechten oder der linken Brustseite unter die Haut gepflanzt, und die Elektroden über eine Vene zum Herzen geführt und dort verankert.
Neben den Herzschrittmachern gibt es heute für Patienten, bei denen die Gefahr eines Kammerflimmerns besteht, implantierbare Defibrillatoren. Prof. Dr. Sabin erklärt die Neuentwicklung: "Beim implantierbaren Cardioverter Defibrillator, kurz ICD genannt, handelt es sich um ein Gerät, das alles kann, was ein Schrittmacher auch kann, darüber hinaus aber noch einiges mehr. Ähnlich wie der Herzschrittmacher überwacht der ICD jede Herzaktion. Bei einem zu langsamen Rhythmus kann er, genau wie der Schrittmacher, das Herz stimulieren. Schlägt das Herz zu schnell, so erkennt der implantierbare Defibrillator das ebenfalls und kann den Rhythmus ‚ausbremsen’. Bei auftretendem Kammerflimmern wird automatisch innerhalb von wenigen Sekunden ein Stromschlag mit ca. 800 Volt im Herzen abgegeben, der das Flimmern unterbricht und den normalen Herzrhythmus wieder ermöglicht. Das Gerät zeichnet alle Aktionen des Herzens auf, der Arzt kann die Aufzeichnungen mit Hilfe eines Programmiergeräts abfragen. So kann er analysieren, was zu dem lebensbedrohlichen Kammerflimmern geführt hat."
Früher standen Mediziner dem Thema Herzinsuffizienz zumeist ratlos gegenüber. Die modernen Methoden der Diagnostik ermöglichen es heute dem Spezialisten, genauere Ursachenangaben für die Herzinsuffizienz zu machen, die dann mit immer zielgenaueren Therapiemethoden erfolgreich bekämpft werden kann. Damit das Herz auch weiterhin 60- bis 80mal in der Minute schlägt und in dieser Zeit etwa fünf Liter Blut durch unseren Körper pumpen kann.
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