Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktoseintoleranz) - Ursachen, Symptome und Behandlung

Patienten mit einer Fructoseintoleranz bzw. Fruktoseintoleranz vertragen keinen Fruchtzucker. Die Krankheit ist nicht heilbar. Eine Fructoseintoleranz verursacht verschiedenste Beschwerden, zu denen in erster Linie Verdauungsstörungen zählen. Die Diagnosestellung erfolgt meist nach einem Atemtest. Hauptsächlicher Bestandteil der Behandlung stellt die Vermeidung von Nahrungsmitteln, die Fruchtzucker enthalten, dar. Informieren Sie sich hier ausführlich über das Krankheitsbild der Fructoseintoleranz.

Wissenswertes zur Fructoseintoleranz

Krankheitsbild Fructoseintoleranz

Von einer Fruktoseintoleranz bzw. einer intestinalen Fruktoseintoleranz als häufigste Form spricht man, wenn Fruchtzucker (Fruktose) nicht in ausreichender Menge vom Darm ins Blut gelangt. Kann der Dünndarm die Fruktose nicht vollständig abbauen, gelangt diese in den Dickdarm, wo sie von den örtlichen Bakterien abgebaut wird. Dabei bilden sich jedoch Gase wie Kohlendioxid und Wasserstoff, was wiederum zu unangenehmen Beschwerden führt.

Fructose kommt vor allem in Obst und Gemüse vor. Aber auch in normalem Haushaltszucker (Saccharose) oder Honig ist sie zu finden. Deshalb müssen Menschen mit einer Fructoseintoleranz jedoch nicht völlig auf diese Speisen verzichten, da in den meisten Fällen kleine Mengen an Fructose gut vertragen werden.

Enthalten Nahrungsmittel neben Fructose auch Glucose, also Traubenzucker, sind kaum Probleme zu befürchten, da die Glucose den Transport der Fructose aus dem Darm vorantreibt. Gewissermaßen schleust der Traubenzucker den Fruchtzucker im Schlepptau durch das Blut.

Gegenteilig wirkt sich jedoch Sorbit aus. Dabei handelt es sich um einen Zuckeraustauschstoff, der in manchen Früchten vorhanden ist. Durch Sorbit wird der Transport der Fructose gebremst.

In der Regel sind gesunde Erwachsene in der Lage mindestens 30 Gramm Fruchtzucker zu verarbeiten. Im Falle einer Fructoseintoleranz können mitunter nur fünf Gramm oder sogar nur ein Gramm verarbeitet werden. Ein Problem ist, dass sich die Symptome leicht mit anderen Verdauungsbeschwerden verwechseln lassen.

Ursachen der Fructoseintoleranz

Der Fruchtzucker gehört zu den Kohlenhydraten. Patienten mit einer Fructoseintoleranz können den Fruchtzucker nicht oder nur unzureichend im Körper aufnehmen oder abbauen.

Intestinale Fructoseintoleranz

Von einer intestinalen Fructoseintoleranz spricht man, wenn der Fruchtzucker vom Blut nur unzureichend aus dem Darm aufgenommen wird. Eine Fructoseintoleranz kann sowohl angeboren sein als auch erst im Laufe des Lebens entstehen. Grund für die intestinale Fructoseintoleranz ist eine Funktionsstörung des Enzyms GLUT-5, das die Fructose aus dem Darminneren in die Blutbahn schleusen soll.

Wodurch die Funktionsstörung von GLUT-5 hervorgerufen wird, konnte allerdings noch nicht geklärt werden. Man vermutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da es oftmals innerhalb einer Familie gehäuft zu einer Fruchtzuckerunverträglichkeit kommt.

Da die Fructose im Dünndarm nicht ausreichend abgebaut wird, gelangt sie in den Dickdarm, wo sie die dort ansässigen Bakterien abbauen. Durch diesen Abbauvorgang kommt es zu Gasen wie Kohlendioxid, Wasserstoff und kurzkettigen Fettsäuren.

Hereditäre Fruchtzuckerintoleranz

Die hereditäre Fruchtzuckerintoleranz (HFI) wird in der Medizin auch als Fructose-1-Phosphat-Aldolase-B-Mangel bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen äußerst selten auftretenden Enzymdefekt, von dem der Fructoseabbau in der Leber betroffen ist. Die hereditäre Fructoseintoleranz ist erblich bedingt und zeigt sich bereits bei Säuglingen.

Oftmals tritt die Fruchtzuckerunverträglichkeit dann zum ersten Mal auf, wenn der Übergang zu

  • Babykost
  • Haushaltszucker (Saccharin)
  • Obst oder
  • Gemüse

enthält, beginnt. In Deutschland leiden ungefähr 4.000 bis 4.500 Menschen unter dieser seltenen Form von Fruchtzuckerunverträglichkeit.

Bei der heriditären Fructoseintoleranz kommt es zwar zur vollständigen Aufnahme des Fruchtzuckers aus der Nahrung, die Verstoffwechselung wird jedoch gestört. Normalerweise wird das Fructose-1-Phosphat von dem Enzym Aldolase B in Glycerinaldehyd sowie Dihydroxyacetonphosphat gespalten. Bei einer hereditären Fructoseintoleranz fehlt jedoch die Aldolase B.

Lediglich Aldolase A ist vorhanden. Dabei handelt es sich um ein Glykolyse-Enzym, von dem das Fructose-1-Phosphat mit deutlich geringerer Geschwindigkeit gespalten wird. Nicht von der Störung betroffen ist dagegen die Fructokinase, das erste Enzym des Fructoseabbaus. Deshalb kann die Fructose in die Leberzelle gelangen und dort phosphoryliert werden.

Die Fructose ist jedoch nicht in der Lage, die Leberzelle wieder zu verlassen. Durch den Enzymdefekt ist es nicht möglich, das Fructose-1-Phosphat zu spalten, das sich deshalb immer mehr anhäuft und die Enzyme der Glycogenphosporylase und der Gluconeogenese hemmt.

Infolgedessen kann es zu Hypoglycämie kommen, denn im Hungerzustand lässt sich das Glycogen nur noch unzureichend oder gar nicht mehr abbauen. Außerdem kann keine Glucose aus Glycerin oder Aminosäuren hergestellt werden.

Verlauf der Fruktoseintoleranz

Fruchtzucker ist in vielen Lebensmitteln enthalten, wie zum Beispiel in

Eine Form der Fructoseintoleranz gehört zu den vererbbaren Stoffwechselerkrankungen. Somit leiden unter dieser Form bereits Säuglinge. Die erworbene Form der Fructoseintoleranz kann in jedem Lebensalter auftreten und nur von kurzer Dauer sein oder die Patienten langfristig belasten.

Je nachdem, welche Form der Fructoseintoleranz vorliegt, genügt es oftmals, mehrere Wochen völlig auf Produkte mit Fruchtzucker zu verzichten. Dies gilt jedoch nur für diejenigen Patienten, die die erworbene Form der Krankheit haben. Ist die Erkrankung hingegen angeboren, müssen die Patienten lebenslang auf fructosehaltige Produkte verzichten, um schwere Folgeschäden wie

  • Funktionsstörungen der Leber
  • Unterzucker
  • Nierenschäden oder
  • Gehirnschäden

zu verhindern.

Symptome - Eine Fruktoseintoleranz erkennen

Patienten mit einer Fructosetoleranz leiden unter Verdauungsbeschwerden wie

Sie haben ein Völlegefühl und Schmerzen im Oberbauch. Zusätzlich müssen sie auch häufig Wasserlassen.

Die Betroffenen

Da es durch die gestörte Darmfunktion oftmals zu einem Mangel an Zink und Folsäure kommt, leiden die Betroffenen häufiger an Infekten.

In schweren Fällen kann es bei der hereditären Form auch zu

kommen. Die Fructose, die sich nicht verstoffwechseln lässt, lagert sich in der Leber an, wodurch eine Vergrößerung des Organs und Vergiftungserscheinungen die Folge sein können. Ein typisches Merkmal der hereditären Fructoseintoleranz ist eine natürliche Abneigung der betroffenen Kinder gegen süße Speisen.

Diagnose der Fruktoseintoleranz

Nur wenige Ärzte tippen gleich zu Beginn auf eine Fructoseintoleranz, wenn der Patient diese Beschwerden schildert. Häufig müssen die Patienten lange Zeit mit ihren Symptomen leben, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Um eine Fructoseintoleranz diagnostizieren zu können, wird der so genannte H2-Atemtest durchgeführt. H2 steht für Wasserstoff.

Die Kohlenhydrate, die der Mensch mit seiner Nahrung zu sich nimmt, werden im Dünndarm verarbeitet und dann weiter in den Dickdarm geleitet. Dort zersetzen Bakterien die Reste der Nahrung.

Bei diesem Vorgang entsteht Wasserstoff. Teilweise gelangt der Wasserstoff in das Blut des Menschen und wird über die Lunge wieder ausgeatmet. Diesen Vorgang machen sich die Ärzte beim H2-Atemtest zunutze, da der in der Ausatemluft gemessene Wasserstoff auf bakterielle Vorgänge im Darm schließen lässt.

Für die Untersuchung muss der Patient nüchtern sein. In der Praxis muss der Patient nun eine Atemprobe abgeben. Anschließend muss der Patient eine Zuckerflüssigkeit trinken und die nächsten Stunden in regelmäßigen Abständen erneut jeweils eine Atemprobe abgeben. Anhand der Wasserstoffkonzentration kann nun festgestellt werden, ob eine Fructoseintoleranz vorliegt.

Zusätzlich wird dem Patienten auch Blut abgenommen. Liegt eine Fructoseintoleranz vor, zeigt sich ein Mangel an Zink und Folsäure im Blut.

Je nachdem, welche Form der Fructoseintoleranz der Arzt vermutet, kann auch ein Gentest notwendig sein. Oft wird auch der Urin untersucht. Hier kann der Arzt feststellen, ob sich darin zum Beispiel Eiweiß befindet.

Meist bittet der Arzt seinen Patienten auch, ein Beschwerdeprotokoll zu führen. Über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen soll der Patient dann alle Lebensmittel notieren, die er zu sich nimmt. Treten Beschwerden auf, muss genau notiert werden, wann diese auftreten und um welche Beschwerden es sich genau handelt.

Behandlung - Was tun bei Fruktosteintoleranz?

Die intestinale Fructoseintoleranz behandeln

Hat sich die Fructoseintoleranz im Laufe des Lebens erst gebildet, ist der erste Schritt in der Therapie eine mehrwöchige Meidung von Lebensmitteln, die Fructose enthalten. Die spezielle Diät dauert etwa einen Monat an.

Während dieser Phase sollen die Patienten so gut wie möglich fructosehaltige Produkte meiden und stattdessen auf

umsteigen.

An Getränken können die Patienten Milch, Kaffee und Kräutertees (keine Früchtetees!) zu sich nehmen. Mineralwasser sollte möglichst wenig oder gar keine Kohlensäure enthalten.

In der Regel bessern sich die Beschwerden im Rahmen dieser Diätphase. Sind die Patienten beschwerdefrei, können sie nach und nach wieder fructosehaltige Produkte essen und darauf achten, welche sie vertragen und welche nicht.

Jeder Patient reagiert anders, so dass man nicht im Voraus sagen kann, welches Obst oder Gemüse vertragen wird. Dies muss jeder Patient individuell für sich herausfinden.

Die hereditäre Fructoseintoleranz behandeln

Patienten mit einer angeborenen Fructoseintoleranz erhalten vom Arzt meist Folsäure- und Zinktabletten, um den Mangel im Körper auszugleichen. Zusätzlich müssen sie darauf achten, keinen Vitaminmangel zu erleiden.

Obst und Gemüse sollte daher leicht gedünstet werden, so wird es von vielen Betroffenen besser vertragen. Egal welche Form der Fructoseintoleranz vorliegt: Die Patienten müssen bei Fertigprodukten immer auf die Zutatenliste achten, ob darauf Fructose aufgeführt ist.

Vorbeugung von Fructoseintoleranz

Vorbeugen kann man einer Fructoseintoleranz nicht. Kommt die Erkrankung jedoch in einer Familie gehäuft vor, sollte ein Baby im ersten Lebensjahr weder Obst noch Gemüse erhalten.

Der Kinderarzt wird in diesem Fall den Vitaminmangel durch Medikamente ausgleichen. Ab dem ersten Geburtstag sollte man den Kleinkindern nur selbst zubereitete Beikost verabreichen.

Ärzte halten diverse Listen bereit, auf denen der Fruchtzuckergehalt vieler verschiedener Lebensmittel enthalten ist. Diese Listen sind für die Patienten überlebenswichtig.

Quellen:

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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860

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