27. März 2007
Geselligkeit sorgt für einen regen Geist - das ist seit vielen Jahren bekannt. Ein Studie konnte nun belegen, dass rege soziale Kontakte sogar mit einem verringerten Risiko für Alzheimer-Demenz belohnt werden.
Menschen, die zurückgezogen leben und sich einsam fühlen, erkranken doppelt so häufig an Alzheimer-Demenz als ihre geselligen Vertreter. Das brachte eine amerikanische Kohortenstudie an Tageslicht. Die Autoren berichten in den Archives of General Psychiatry (2007; 64: 234-240), dass sie die Abgeschiedenheit nicht für Vorboten der Krankheit halten. Sie räumen auch ein, dass sie sich bisher nicht erklären können, wie die Gefühle der Einsamkeit eine so massive strukturelle Veränderung im Gehirn fördern können, wie sie im Fall einer Alzheimererkrankung vorliegt.
Mediziner der Rush Universität in Chicago erforschen seit Jahren die vielfältigen Aspekte der Alzheimer-Demenz. Im Rahmen des Memory and Aging Projects stießen sie auf die Beobachtung, dass sich viele Patienten bereits vor dem Ausbruch der Erkrankung von ihrer Umwelt zurückziehen und sozial isoliert leben. Dass das Wissen um die Einsamkeit bereits ausreicht, um das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung zu erhöhen, zeigten nun Robert Wilson und Mitarbeiter. In ihrer Studie wurden über sechs Jahre 823 Senioren begleitet und jährlich zu ihren Gefühlen befragt. Gerade die Punkte Einsamkeit und Isolation spielten hierbei eine wichtige Rolle. Die Senioren, die angaben, sich sehr einsam zu fühlen, hatten ein um den Faktor 2,1 höheres Risiko an Alzheimer zu erkranken als jene Senioren, die sehr gesellig lebten und sich entsprechend ausgelastet fühlten. Dieses Ergebnis ließ sich durch Autopsien bestätigen. Die medizinischen Untersuchungen konnten außerdem belegen, dass kein Unterschied zwischen den Veränderungen bei Patienten mit und ohne Einsamkeitssymptome vor Ausbruch der Erkrankung besteht. Daher halten es die Autoren der Studie für sehr unwahrscheinlich, dass Einsamkeit ein Warnzeichen für eine Erkrankung ist.
Was die Studie in jedem Fall zeigt, ist, dass soziale Kontakte einen positiven Effekt auf das Gehirn haben. Rebecca Wood vom Alzheimer's Research Trust, einer britischen Stiftung, warnt vor der zunehmenden Isolierung im Alter, die in der Gesellschaft um sich greift. Denn der Rückzug aus dem sozialen Leben kann langfristig einen deutlichen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung haben.
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