16. März 2011
Die Kunst scheint die Menschen entweder in schwindelerregende Höhen zu versetzen oder aber in den Abgrund zu reißen. Einerseits sieht man in jeder Klatschzeitschrift Bilder von weltbekannten Stars, die sich mittels Musik, Schauspiel oder Schriftstellerei zu großem Ruhm verholfen haben. Andererseits kennt man jedoch auch zahlreiche unbekannte Künstler, die sich nur durch staatliche Unterstützung über Wasser halten können. Ist die Kunst nun Segen oder Fluch?
Menschen, die besonders kreativ sind, zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders intrinsisch motiviert sind. Das bedeutet, dass sie ihre Motivation nicht aus dem Lob und dem Zuspruch anderer schöpfen, sondern aus einer inneren Befriedigung heraus. Nichtsdestotrotz wünschen sich die meisten Künstler, mit ihren Werken auch Erfolg zu haben. Geld spielt dabei erst einmal eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger ist ihnen die Anerkennung und Bewunderung.
Daher ist es umso tragischer, wenn ein Künstler zwar zu weltweitem Ruhm gelangt, dieses Ereignis jedoch nicht mehr miterleben kann. Vincent van Gogh gehört zu den berühmtesten Malern der Geschichte, selbst Laien, die absolut nichts mit Kunst am Hut haben, kennen seinen Namen. Doch zu seinen Lebzeiten war van Gogh lediglich als Spinner und Geisteskranker verschrien. Seine Werke verkaufte er ausschließlich an Familienmitglieder, die sich vor allem deshalb auf den Handel einließen, weil sie den Verwandten finanziell unterstützen wollten. Van Gogh schnitt sich ein Ohr ab, litt wahrscheinlich an Epilepsie und starb an den Verletzungen, die er sich laufend selbst zufügte.
Ein ähnliches Schicksal erlitten auch zahlreiche andere Künstler, nicht nur Maler, sondern auch viele Musiker wie zum Beispiel Mozart. Die Tragik liegt besonders darin, dass diese Menschen ihrer Zeit anscheinend weit voraus waren. Sie besaßen nicht nur den Genius und die Kreativität, Meisterwerke hervorzubringen, sondern auch ein Gespür dafür, nie dagewesenes, Neues zu erschaffen. Heute würde man sie wohl als Trendsetter bezeichnen. Im 21. Jahrhundert verfügen wir über weltweite Kommunikationsnetze, die es uns erlauben, Informationen in Sekundenschnelle um den ganzen Globus zu schicken. Da haben es kluge Köpfe mit innovativen Ideen leicht, ihre Gedanken zu verbreiten. Die Künstler von damals waren jedoch verloren, wenn sie in einem Umfeld lebten, das wenig futuristisch geprägt war. Mozart und van Gogh hätten vielleicht die Früchte für ihre Leistung ernten können, wenn sie nur später geboren worden wären. Ein Gedanke, der ebenso faszinierend wie tragisch ist.
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