Unfallversicherung - Arten, Sonderformen und Leistungen

Verkehrsunfall mit Unfallwagen, kurz nach Crash, silberner Ford und Renault, auf Straße

Wir informieren über die verschiedenen Arten der Unfallversicherung sowie deren Leistungen - zu den Sonderformen zählt zum Beispiel die Insassenunfallversicherung

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  • von Paradisi-Redaktion

Die Unfallversicherung ist in Deutschland ein Teil der Sozialversicherung und soll für eine Wiederherstellung der Gesundheit nach hierdurch abgesicherten Unfällen sorgen. In Deutschland wird in diesem Zusammenhang zwischen zwei Arten von Unfallversicherungen unterschieden. Doch um welche Arten handelt es sich hierbei und inwiefern unterscheiden sich diese?

Die Unfallversicherung (UV) ist eine Versicherung des Gesundheitssystems. Sie sichert einen gegen die Folgen eines Unfalls, wozu neben den akuten auch die längerfristigen zählen, die sich beispielsweise auch durch eine schwere Invalidität zeigen können. Im Gegensatz zur Haftpflichtversicherung, die den Unfallverursacher gegen die Unfallfolgen für andere versichert, deckt die Unfallversicherung nur die eigenen Schäden bzw. die der Mitversicherten.

Arten von Unfallversicherungen

Hierzulande wird zwischen der gesetzlichen und der privaten Unfallversicherung unterschieden. Die private Unfallversicherung kann zudem noch einmal in jene mit und jene ohne Prämienrückgewähr unterteilt werden. Bei der Prämienrückgewähr handelt es sich um ein System, welches dem Versicherten am Ende der Laufzeit eine Prämie gewährt, sollte es niemals zur Inanspruchnahme dieser Versicherung gekommen sein.

Ergänzt werden können private Unfallversicherungen zusätzlich noch durch eine Unfalltod Versicherung. In diesem Fall erhalten die Hinterbliebenen einen nennenswerten Betrag, sollte es zum Tod des Versicherten kommen.

Die gesetzliche UV

Die gesetzliche Unfallversicherung versichert alle Unfälle, welche sich an einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz oder auf dem Weg zu diesem ereignen. Dies bedeutet, dass der Unfall eines Grundschulkindes auf dem Schulweg ebenso von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt ist wie der Sturz eines Grubenarbeiters im Bergwerk.

Die private UV

Die private Unfallversicherung ist hinsichtlich ihrer Wirkungsweite weitaus flexibler. So können die Angebote verschiedener Anbieter unterschiedlichste Unfalltypen und Unfallsituationen abdecken.

In der Regel greifen private Unfallversicherungen auch bei außerberuflichen Unfällen, welche sonst durch keine gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt würden. So kann beispielsweise der Unfall beim Klettern ebenso von der privaten Unfallversicherung abgedeckt sein wie der Autounfall auf dem Weg in den Urlaub.

Weitere Unterschiede

Die gesetzliche und private Unfallversicherung können sich zudem noch hinsichtlich zahlreicher weiterer Aspekte unterscheiden. Dies wäre einerseits der Versicherungstatbestand. Im Falle der gesetzlichen Variante sind lediglich Ereignisse versichert, welche bei einer versicherten Tätigkeit eintreten und zu einer dauerhaften körperlichen Schädigung beim Betroffenen führen.

Bei privaten Anbietern wird hingegen der Begriff des Unfalls extra definiert. Wichtig ist aber auch hier, dass es zu einer körperlichen Schädigung kommen muss. Darüber hinaus können sich diese Versicherungstypen noch hinsichtlich des Mindestgrads an Invalidität, einer möglichen Renten- und Kapitalauszahlung sowie der territorialen Geltung unterscheiden.

Insgesamt sollte sich jeder Arbeitnehmer einmal Gedanken darüber machen, ob er auf eine gesetzliche oder private Unfallversicherung vertrauen will. Letzteres ist zwar die kostspieligere Variante, deckt jedoch auch weitaus mehr Ereignisse ab und verspricht dem Versicherten somit mehr Sicherheit.

Sonderformen

Es gibt verschiedene Sonderformen der Unfallversicherung.

Die Insassenunfallversicherung - sinnvoll oder überflüssig?

Die Insassenunfallversicherung deckt zunächst einmal alle Unfälle ab, welche während der rechtmäßigen Nutzung eines Kraftfahrzeugs auftreten. In diesem Zusammenhang ist es allerdings noch wichtig zu wissen, dass nicht nur der Fahrer selbst, sondern auch alle weiteren Insassen versichert sind.

Dies geschieht dann über ein Pauschalsystem, so dass jedem Verletzten Insassen im Schadensfall ein bestimmter Maximalbetrag zusteht. Dieser kann sich je nach Vertrag in der Regel zwischen 10.000 und 50.000 Euro befinden.

Überschneidungen

Bevor man eine solche Insassenunfallversicherung abschließt, was auf den ersten Blick für Vielfahrer sinnvoll erscheint, sollten allerdings folgende Überlegungen getätigt werden. So überschneiden sich die möglichen Schadensfälle mit zahlreichen anderen Versicherungsformen, welche zudem kostenlos in der gesetzlichen Unfallversicherung verankert sind. So erhält beispielsweise ohnehin schon jeder Insasse im Falle eines verschuldeten Unfalls eine Zahlung durch die Haftpflichtversicherung.

Darüber hinaus sind aber auch weitere anstehende Kosten, beispielsweise ein Krankenhausaufenthalt oder ein Lohnausfall, durch die Krankenversicherung gedeckt. Sollte es sogar noch zu langfristigen Einschränkungen in der Gesundheit und Leistungsfähigkeit kommen, dann greift wiederum selbst die gesetzliche Unfallversicherung oder eine extra abgeschlossene Risikolebensversicherung.

Eine sinnvolle Versicherung?

Nichtsdestotrotz hat natürlich auch die Insassenunfallversicherung eine Existenzberechtigung, da es einige Ausnahmen gibt, wann diese die einzige Versicherungsform darstellt, welche für mögliche Schäden aufkommt. Als Beispiel kann hier ein Wildunfall oder jede andere Art von Verkehrsunfall dienen, welcher durch ein unabwendbares Ereignis herbeigeführt wurde. Zu solchen Unfällen kommt es allerdings allein schon statistisch sehr selten, weshalb diese als Ausnahme gewertet werden können.

Fazit

Insgesamt ist die Insassenunfallversicherung eine überflüssige Extraversicherung, welche nur wenige Ausnahmefälle abdeckt. Zu diesem Ergebnis kam selbst Stiftung Warentest, welche diese Versicherungsform mit dem Nutzwert "braucht niemand" degradiert. Aus diesem Grund sollte man sich eher auf andere Versicherungsformen konzentrieren, die Schadensfälle absichern, welche nicht größtenteils von gesetzlichen Versicherungen abgedeckt sind.

Weitere Formen

Zu den Sonderformen zählt auch die Betriebsunfallversicherung. Diese greift im Falle eines Arbeitsunfalls. Was die Leistungen angeht, so kann man diese mit denen bei einem Freizeitunfall vergleichen. Zudem gibt es die Rückholversicherung, die bei Krankheit und Unfällen im Ausland greift.

Wie sinnvoll ist eine Kinderunfallversicherung?

Von der Krankenkasse werden nur Heilungskosten übernommen, ist zusätzliche Versicherung sinnvoll?

Kleines Mädchen im Rollstuhl schaut traurig in Kamera
rohlstuhl © Dron - www.fotolia.de

Eltern bekommen immer wieder einmal Angebote hinsichtlich einer zusätzlichen Kinderunfallversicherung übermittelt. In den meisten Fällen weisen die Eltern derartige Angebote ab, doch bei einer genaueren Betrachtung kann genau diese Versicherung im Ernstfall etwas Erleichterung bringen.

Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt nämlich nur die Kosten bei Unfällen, die z.B. auf dem Weg zur Schule oder auch dort geschehen. Die Krankenversicherung selbst übernimmt nur die Heilbehandlungskosten und da auch nicht immer jede Therapie.

Im Ernstfall lohnt sich die Versicherung

Für Eltern ist es vielleicht interessant zu wissen, dass die meisten Kinder in der Freizeit verunglücken und noch öfter durch Krankheiten bleibende Behinderungen erhalten. Hier macht es tatsächlich Sinn eine ergänzende Kinderunfallversicherung abzuschließen, die zwar im Jahresbeitrag nicht unbedingt billig ist, aber bei einem Ernstfall zum Beispiel eine monatliche Rente oder eine hohe Komplettsumme auszahlt, die man dann beispielsweise für einen Wohnungsumbau und ähnliches verwenden kann.

Vergleiche lohnen sich unter den einzelnen Versicherungsgesellschaften, denn neben den Leistungen unterscheiden sie sich mitunter gerade in der Prämie recht deutlich.

Für Schüler wird zusätzliche private Unfallversicherung empfohlen

Rückenansicht sechs Schüler einer Grundschule laufen zum Ausgang
Elementary school pupils running outside © Monkey Business - www.fotolia.de

Wie der Bund der Versicherten (BdV) jetzt mitteilte, sollte für Kinder zusätzlich zur gesetzlichen Unfallversicherung eine private Versicherung abgeschlossen werden. Die Grundversicherungssumme bei Invalidität sollte dabei mindestens 200.000 Euro betragen, bei einer Progression von 225 bis 300 Prozent.

Schüler sind durch die gesetzliche Unfallversicherung in der Schule als auch auf dem Schulweg versichert. Der BdV empfiehlt weiterhin den Abschluss einer Kinderinvaliditätsversicherung, die auch bei einer durch Krankheit verursachte Invalidität zahle.

Kinder-Unfallversicherungen im Test

Unfallversicherungen für Kinder schneiden im Test der DISQ nicht gut ab

Junge Geschäftsfrau im Büro sitzt vor dem Computer
Business woman portrait in an office © Andres Rodriguez - www.fotolia.de

Gerade Kinder sind verhältnismäßig oft in Unfälle verwickelt. Eine Platzwunde oder ein gebrochener Arm sind die Folge. Rund 570.000 Kinder und Jugendliche verunglücken jährlich zu Hause oder in ihrer Freizeit. Eine private Unfallversicherung kann die finanziellen Folgen mildern.

Große Mankos im Service

Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) untersuchte 20 Versicherungsunternehmen, die Kinder-Unfallpolicen anbieten. Das Urteil des DISQ fällt nicht gut für die Branche aus. Mangelhafte Auskünfte am Telefon, unbeantwortete E-Mails und Webseiten, die sich als ein ziemliches Durcheinander präsentieren, sind nicht selten, so das Institut.

Gerade per E-Mail gestaltete sich die Kontaktaufnahme schwierig. Erst nach zweieinhalb Tagen erteilten die Versicherer im Schnitt Auskunft. Ein Drittel der Anfragen blieb sogar ganz unbeantwortet, zudem sei jede dritte Rückmeldung nicht komplett gewesen, so Markus Hamer, Geschäftsführer des DISQ. Er erklärte, dass manche Mitarbeiter auf ein Außendienstbüro verwiesen hätten statt eine Antwort abzugeben.

Den telefonischen Kontakt bewertete das Institut nur unwesentlich besser. Die Hälfte der Gespräche hätten keine individuelle Lösung aufgezeigt. Nur ein Drittel der Anrufer sei mit Namen angeredet worden. Auch die Online-Auftritte der Versicherer sei verbesserungswürdig, so das DISQ. Besonders die Überschaubarkeit und Gestaltung der Webseiten hätten Anlass zu Kritik geboten.

Preislich gab es große Unterschiede bei den Unfallpolicen. Die günstigste Versicherung kostete 46,90 Euro im Jahr, die teuerste dagegen 169,40 Euro. Große Unterschiede zeigten sich darüber hinaus auch in den Leistungen der einzelnen Versicherer.

Empfehlung

Die DEVK schnitt im Test am besten ab. Positiv vermerkte das DISQ die kompetente und anschauliche Beratung am Telefon und per E-Mail sowie den sehr guten Internetauftritt. Außerdem seien die Prämien für die Kinder-Unfallpolicen günstig gewesen.

Einen empfehlenswerten Service bot auch die Debeka. Gerade die Mitarbeiter am Telefon hätten einen fachkundigen und höflichen Eindruck hinterlassen. Die AXA sicherte sich durch ihre günstigen Tarife den 3. Platz. Der Service sei allerdings noch verbesserungswürdig, so das DISQ. Dort belegte die AXA nur Rang zehn.

Immatrikulierte Studenten sind unfallversichert - sonst nicht

Sofern Studenten offiziell an einer Hochschule immatrikuliert sind, stehen sie laut einem aktuellen Urteil des Bundessozialgerichtes automatisch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Im speziellen Fall hatte eine Frau bis Juni des Jahres 1988 Kunstgeschichte an der Universität Göttingen studiert und besuchte im darauffolgenden Semester freiwillig einen Gastvortrag. Nach der Veranstaltung wurde sie auf dem Heimweg vergewaltigt und zeigte den Vorfall bei der zuständigen Berufsgenossenschaft erst 17 Jahre später an.

Vor allem für die psychischen Folgeschäden verlangte sie daraufhin eine Entschädigung, da Studierende schließlich während der Aus- und Fortbildung an ihrer Universität gesetzlich unfallversichert sind. Bislang war jedoch umstritten, ob man dafür zwangsläufig immatrikuliert sein muss, was der BSG in einem Grundsatzurteil nun bejahte.

Unfallversicherungen lohnen sich für Senioren - Vor Abschluss Leistungen vergleichen

Füllfederhalter unterschreibt mit blauer Schrift auf weißem Papier
die unterschrift © Andreas Wechsel - www.fotolia.de

Eine Unfallversicherung für Senioren ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Senior alleinstehend ist. Denn nach einem Unfall benötigt man Hilfe für die kleinsten alltäglichen Aufgaben. Eine Versicherung kann Hilfen zur Verfügung stellen und Johanniter oder Malteser mit der Organisation des Haushalts und der Körperpflege beauftragen.

Es lohnt sich, die Kostenübernahme genau unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, ob sich die Kosten lediglich auf die Vermittlung, oder die Übernahme des Hilfsdienstes beziehen. Auch die Zeit, für die eine Hilfe zur Verfügung steht, sollte mit in die Berechnung einbezogen werden. Bis zu sechs Monaten nach dem Unfall ist es sinnvoll, Anspruch auf eine Hilfe zu haben.

Einige Punkte sollten auf jeden Fall enthalten sein: der Wocheneinkauf, sowie ein Essensservice für jeden Tag und die Begleitung zur medizinischen Behandlung, oder Behörden und natürlich auch die täglichen Arbeiten im Haus, genauso wie die Hilfe bei der Körperpflege.

Bei einem Test der Zeitschrift "Finanztest" entsprachen nur fünf Versicherungsanbieter dem Mindeststandart bei gleichzeitiger Akzeptanz eines jeden Alters bezüglich des Versicherungsnehmers. Das traf auf folgende Versicherungen zu: Ergo, Arag, Bayerische, Allianz, Signal und Iduna. Schlecht abgeschnitten hatten LBN, Ostangler, Huk-Coburg, Huk24, Volkswohl Bund, Würburger und VRK (Bruderhilfe).

Wer Hilfe benötigt, eventuell bei einem Schlaganfall bekommt keine Leistung, es sei denn, er hat sich durch die Krankheit bei einem Sturz schwerwiegend verletzt. Ein Unfall ist immer der Grund für eine etwaige Leistung.

Berufsunfähigkeitsversicherung – Tipps für den Vertragsabschluss

Nahaufnahme Rollstuhlfahrer vor Bordsteinkante
curb © Franz Pfluegl - www.fotolia.de

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Policen überhaupt. Wer vor Erreichen des Rentenalters aus dem Berufsleben aussteigen muss, ist damit finanziell abgesichert – ob durch Unfall, Krankheit oder psychische Probleme. Worauf Einsteiger bei der Tarifwahl achten müssen.

  • 1. Je jünger, desto günstiger. Ganz billig ist eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung nicht. Wenn der Versicherungsnehmer beim Abschluss noch jung und gesund ist, liegen die Beiträge jedoch deutlich niedriger als für Personen, die erst spät einsteigen. Unter Umständen können Vorerkrankungen sogar einen Vertragsabschluss verhindern.
  • 2. Verschweigen darf man gesundheitliche Probleme allerdings nicht. Sonst gibt es später kein Geld. Wer bereits von einer Versicherung abgelehnt wurde, hat jedoch kaum Chancen bei einem anderen Anbieter unterzukommen. Experten empfehlen Personen mit Vorerkrankungen deshalb, von einem Versicherungsmakler eine anonyme Risikovoranfrage machen zu lassen.
  • 3. Preise und Leistungen vergleichen. Wie hoch die Prämie ausfällt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Neben dem Risikoprofil des Berufes entscheiden Alter und Gesundheit des Versicherungsnehmers sowie die Laufzeit des Vertrages und die Höhe der vereinbarten Rente. Um den optimalen Tarif zu finden, sollten Interessenten ihre Wunschkriterien festlegen und mindestens fünf entsprechende Angebote vergleichen.
  • 4. Auf Vertragsdetails achten. Eine kritische Klausel ist die sogenannte "abstrakte Verweisung". Sie gibt dem Versicherer das Recht, seine Zahlung zu verweigern, wenn der Versicherungsnehmer trotz Erkrankung in einem anderen Beruf Geld verdienen könnte. Wenn möglich sollten Versicherte deshalb eine "konkrete Verweisung" vereinbaren. Damit sind sie nicht gezwungen einen minderwertigen Job anzunehmen.

Was Kunden für eine Unfallversicherung brauchen – und worauf sie verzichten können

Viele Menschen zahlen 200 bis 300 Euro für eine Unfallversicherung, die ihnen im Ernstfall wenig nützt. Wer sich vor den finanziellen Folgen von Invalidität schützen will, tut dies besser mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Und auch in anderen Fällen ist das Geld nur sinnvoll investiert, wenn die Vertragsdetails stimmen.

Möglichst frühe Zahlungen

Die Unfallversicherung zahlt in aller Regel erst ab einem bestimmten Invaliditätsgrad. In der Praxis kann das fatal sein. Verbraucherschützer empfehlen deshalb, auf einen Tarif zu achten, bei dem schon bei geringen körperlichen Einschränkungen Gelder fließen. Ideal sind Policen, bei denen die Leistungen schon ab einem Prozent Invalidität fällig werden. Auch Rettungskosten und Reha-Leistungen sollten enthalten sein.

Hohe Versicherungssumme

Diejenigen, die sich nicht durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützen können, sollten für den Invaliditätsfall außerdem eine hohe Summe vereinbaren. Mindestens 500.000 Euro sind ratsam. Achtung, dynamische Verträge garantieren jungen Leute niedrige Beiträge für geringe Versicherungssummen. Dabei ist das Unfallrisiko für Jüngere deutlich höher – und sie benötigen für lebenslange Pflege mehr Geld.

Keine Extras buchen

Etliche Versicherer werben mit individuellen Extras zur Unfallversicherung. Aus Sicht der Verbraucherschützer ist das selten sinnvoll. Vor allem Kombi-Tarife mit Prämienrückgewähr kosten meist mehr Geld als sie einbringen. Laut Vertrag erhält der Kunde seine Beiträge zurück, wenn er keinen Unfall hat. Dabei bekommt er für den gleichen Beitrag aber eine schlechtere Versicherungsleistung. Und die ausgezahlten Summen müssen versteuert werden.

Überflüssige Versicherungen: Welche Policen entbehrlich sind

Policen, auf die Verbraucher nach Ansicht des Bundes der Versicherten (BdV) verzichten können

Liste Versicherungen, Lebensversicherung rot markiert
Lebensversicherung © Christian Jung - www.fotolia.de

Bei der Vielzahl an Versicherungen ist es nicht immer einfach, den Durchblick zu behalten. Wirklich notwendig sind

Wer persönliche Besitztümer hat, sollte sich auch eine Hausratversicherung leisten.

Darauf können Sie verzichten

Es gibt jedoch auch Policen, auf die Verbraucher nach Ansicht des Bundes der Versicherten (BdV) verzichten können.

Handyversicherung und Diebstahlschutz

Eine Handyversicherung deckt nur den Zeitwert des Gerätes ab. Bei der rasanten Entwicklung der Technologie liegt der schon nach kurzer Zeit erheblich unter dem Neuwert. Einen Diebstahlschutz gibt es meist nur gegen zusätzliches Geld.

Sterbegeldversicherung und Wohngebäudeversicherungen

Statt eine Sterbegeldversicherung abzuschließen, empfiehlt es sich, rechtzeitig Geld für die eigene Beerdigung zu sparen. So bleiben Angehörige nicht auf den Kosten für die Bestattung sitzen.

Eine Wohngebäudeversicherung deckt gewöhnlich Schäden an Fenstern durch Hagel oder Sturm ab, eine Glasbruchversicherung ist daher meist überflüssig - es sei denn, man besitzt einen Wintergarten.

Insassenunfallversicherung und Brillenversicherung

Die Kfz-Haftpflichtversicherung sichert auch Beifahrer ab. Eine zusätzliche Insassenunfallversicherung sei deshalb vollkommen unnötig, meint der BdV.

Weltweiten Schutz garantiert dagegen eine private Unfallversicherung. Verzichtbar ist auch eine Brillenversicherung, da es von dem Versicherer nur selten den Originalwert für die Sehhilfe gibt.

Ist eine Unfallversicherung sinnvoll?

Die Bedingungen und der Nutzen einer privaten Unfallversicherung sind genau abzuwägen

Unfall zwischen einem schwarzen und blauen Auto vor einer grauen Wand
Auto Unfall © Thaut Images - www.fotolia.de

Es gibt Versicherungen, auf die niemand verzichten sollte. Dazu zählen selbstverständlich

aber auch Dinge wie

Über andere Policen kann man sich streiten und findet überzeugte Befürworter ebenso wie Skeptiker. Hierzu zählt definitiv die Unfallversicherung, die viele Deutsche im guten Vertrauen abschließen. Immerhin zahlt die Versicherung doch, wenn man einen Unfall mit Folgen hatte, oder? Leider ist das zu kurz gedacht.

Bedingungen der Policen sind entscheidend

Stiftung Warentest hat jüngst insgesamt 124 Unfallpolicen genau unter die Lupe genommen und zeigt dabei, dass die Versicherung längst nicht bei jedem Unfall auch zahlt. Wichtig ist, dass man sich vor Abschluss detailliert die Bedingungen durchgelesen hat. Das tun allerdings die wenigsten und sind dann überrascht und wütend, wenn nach einem Autounfall mit Knochenbrüchen oder einen Sportunfall mit Bänderriss die Versicherung keine Kosten übernimmt.

Eine Faustregel zum Thema Unfallversicherung: Gezahlt wird nur, wenn nach dem Unfall langfristige Folgen nachweisbar sind. Ein

  • Knochenbruch

heilt jedoch und auch ein

hat keine Langzeitfolgen im Versicherungssinne. Hier sieht der Versicherte also kein Geld. Die Police zahlt zwar bei anhaltenden Beeinträchtigungen, doch diese kommen in der Realität selten vor. Erhebungen zeigen, dass nur zwei Prozent der Schwerbehindertenfälle auf einen Unfall in der Freizeit zurückgehen. Die Mehrheit entfällt auf Krankheiten und Berufsunfälle. Für Unfälle in der Arbeitszeit ist jedoch die gesetzliche Unfallversicherung zuständig und nicht die Policen, die man privat abschließt.

Definiton eines Unfalls

Allerdings kann man nicht einmal bei einem Freizeitunfall mit Langzeitschäden immer von einer Auszahlung durch den Versicherer ausgehen. Jeder Fall wird intensiv geprüft. Der Unfall wird nur anerkannt, wenn eine Krafteinwirkung von außen kommt und dies plötzlich geschieht.

  • Wer also stolpert und sich etwas bricht, bekommt kein Geld, da kein Verursacher von außen ermittelbar ist.
  • Auch Erfrierungen bei Skiunfällen beispielsweise zählen nicht, da sie schleichend und nicht plötzlich entstehen.

Die Leistungen einer Unfallversicherung

Eine Unfallversicherung ist in Deutschland Teil der Sozialversicherung und somit gesetzlich vorgeschrieben. Aus diesem Grund machen sich hierzulande viele Arbeitnehmer auch überhaupt keine Gedanken darüber, welche Leistungen die Unfallversicherung überhaupt beinhaltet. Doch welche Leistungen umfasst die gesetzliche Unfallversicherung, so dass man nach einem Unfall zumindest finanziell grob abgesichert ist?

Zunächst einmal kommt die gesetzliche Unfallversicherung für die eigentliche Heilbehandlung auf. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange diese Maßnahmen anhalten.

Wichtig ist es lediglich, dass diese als direkte medizinische Reaktion auf die gesundheitlichen Schäden des Unfalls eingestuft werden können. Unter die Heilbehandlung fallen in diesem Zusammenhang etwa Arzneikosten, Krankenhausaufenthalte und Rehabilitationsmaßnahmen.

Die Berufshilfe

Eine weitere wichtige Leistung ist die Berufshilfe. Diese greift dann, wenn es dem Betroffenen aufgrund der erlittenen Verletzungen nicht mehr möglich ist, seinen bisherigen Beruf weiter auszuführen. In einem solchen Fall werden dann Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen gefördert, welche eine erfolgreiche berufliche Neuorientierung unterstützen.

Sollte man hingegen nicht unter dauerhaften, sondern nur temporären gesundheitlichen Einschränkungen leiden, wird ein Verletztengeld im Falle eines Lohnausfalls gewährt. Dieses entspricht einem monatlichen Betrag von maximal 80 Prozent des Bruttolohns und wird über einen Zeitraum von bis zu 78 Wochen ausgezahlt.

Die Verletztenrente

Ein weiteres wichtiges Feld der Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung ist die Verletztenrente. Zur Auszahlung einer Verletztenrente kommt es dann, wenn die Arbeitsfähigkeit der betroffenen Person über einen unabsehbaren Zeitraum stark gemindert ist und nicht davon ausgegangen werden kann, dass bald eine neues Arbeitsverhältnis eingegangen wird. Die Höhe der Verletztenrente hängt wiederum von der Höhe des Gehalts ab, welches zuvor im Berufsleben verdient wurde.

Soziale Rehabilitation

Gleichzeitig setzt die gesetzliche Unfallversicherung auch noch auf die Zahlung von Leistungen zur sozialen Rehabilitation. Hinter diesem Begriff verbergen sich beispielsweise Wohnungshilfen oder Behindertenfahrdienste, welche das Unfallopfer am sozialen Leben teilhaben lassen und zu dessen Wiedergenesung beitragen.

Sterbegeld

Letztlich deckt diese Untergattung der Sozialversicherung auch noch den Todesfall des Betroffenen in Form des Sterbegeldes und der Hinterbliebenenrente ab. So werden die Angehörigen des Opfers durch Zahlungen entschädigt, welche zumindest deren finanziellen Verlust mildern sollen.

Fazit

Insgesamt umfassen die Leistungen der Unfallversicherung ein breites Spektrum, welches zumindest die Grundbedürfnisse eines Unfallopfers und dessen Angehöriger decken sollte.

Private Pannenhelfer sind durch die gesetzliche Unfallversicherung versichert

Privatpersonen, die einem liegen gebliebenen Fahrzeug Pannenhilfe leisten und dabei in einen Unfall verwickelt werden, sind durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Daran erinnert das Apothekenmagazin Diabetiker Ratgeber unter Berufung auf Aussagen des Bundesverbandes der Unfallkassen in München.

Der Versicherungsschutz ist für die Helfer kostenlos. Zuständig ist der Unfallversicherungsverband oder die Unfallkasse, in deren Bereich der Autofahrer wohnt, dem geholfen wurde. War dessen Auto gewerblich genutzt, tritt die entsprechende Berufsgenossenschaft ein.

Genehmigte Feiern sind auch im Karneval versichert

Junge Leute in Karnevalskostümen wie Biene und Clown stehen in einer Reihe
Leute auf Party an Silvester oder Karneval © Kzenon - www.fotolia.de

Auch im Karneval besteht eine Unfallversicherung bei einer betrieblichen Feier, so dass eventuelle Kosten für Heilbehandlungen usw. die zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse übernehmen.

Wichtig ist aber dabei, dass die Feier von den Chefs genehmigt wurde und einer der leitenden Angestellten muss auch dabei sein. Wann und wo das Ganze stattfindet ist egal, aber die Feier müssen alle Angestellten besuchen können. Auch der direkte Heimweg ist nach dem Schluss der offiziellen Feier noch mitversichert. Wird nach dem Ende der offiziellen Feier noch weiter gemacht, oder der Ort gewechselt, so verlischt der Versicherungsschutz.

Versichert sind aber nur die Arbeitnehmer, also Gäste oder die Familie gehören nicht dazu. Sollte durch zuviel Alkohol ein Unfall geschehen, so gibt es auch Probleme, deshalb nach der Feier nicht mit dem eigenen Auto fahren, lieber Taxi oder den öffentlichen Nahverkehr benutzen.

Unfallversicherung: Eine oder mehrere weitere Versichungen müssen gemeldet werden

Das kann teuer werden! Wie nun das Saarländische Oberlandesgericht entschied, hat eine Unfallversicherung das Recht nicht nur von weiteren Unfallversicherungen eines Versicherten zu erfahren, sondern auch Ansprüche abzulehnen.

Ein Mann hatte einen Motorradunfall, weshalb im die Versicherung eine Rente in Höhe von 563€ bewilligte. Danach stellte sich allerdings heraus, dass der Versicherungsnehmer eine weitere Unfallversicherung hatte, wovon die erste Versicherung nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Diese stellte die Rentenzahlung ein und der Fall landete vor Gericht.

Die Klage des Mannes wurde jedoch abgelehnt, weil der Verdacht von vorgetäuschten Unfällen besteht, sobald mehrere Unfallversicherung abgeschlossen und diese nicht allen anderen Unfallversicherern gemeldet werden. Noch ist das Urteil des Oberlandesgerichtes nicht rechtskräftig, da die Entscheidung durch den Bundesgerichtshof in Karlsruhe gefällt werden muss.

Winterglätte - Wann die Unfallversicherung bei Stürzen die Behandlung bezahlt

Jogger im Winter
winter running © Wojciech Gajda - www.fotolia.de

Viel Schnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Der Winter ist Mitte Februar zurückgekehrt und hat für vereiste Gehwege und glatte Straßen gesorgt. Die Ausrutschgefahr auf dem Weg zur Arbeit ist hoch und Stürze somit fast vorprogrammiert. Unfallkliniken berichten, dass die Zahl behandlungsbedürftiger Stürze deutlich zugenommen habe. Doch welche Versicherung zahlt bei Unfällen dieser Art?

Beschäftigte, Schüler und Studenten sind über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert, wenn sie sich gerade auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem direkten Heimweg von dieser befinden. Sie deckt die Kosten der Behandlung, sowie der anschließenden Rehabilitation. Nach besonders schweren Unfällen mit bleibenden Gesundheitsschäden ist sie zur Zahlung einer Rente verpflichtet. Verunglückte müssen beachten, so bald wie möglich den nächstgelegenen Facharzt für Chirurgie, mit dem Schwerpunkt Unfallchirurgie, aufsuchen, da dieser für die Behandlung versicherter Unfallopfern zuständig ist.

Was man bei einer Fahrgemeinschaft beachten muss

Viele Pendler bilden mit Kollegen eine Fahrgemeinschaft, weil sich dadurch einige Kosten sparen lassen, so beim Verschleiß des Autos, wenn man sich abwechselt, oder alleine schon bei den zurzeit recht hohen Benzinkosten.

Aber hier muss man aufpassen, denn bei einer beruflichen Fahrgemeinschaft ist man zwar gegen Unfall versichert, aber nur wenn er sich auf dem direkten Weg zur Arbeitsstätte ereignet. Dies gilt auch, wenn man zwischendurch den Partner zur Arbeitsstelle oder die Kinder zum Kindergarten fährt.

Aber wer aus Kostengründen einen Umweg zur günstigeren Tankstelle macht, der hat eventuell schlechte Karten, wenn es zum Unfall kommt, denn dies ist eine reine Privatangelegenheit. Hierunter fallen auch Umwege zum Supermarkt, der Bäckerei oder zum Kiosk. Wenn es dann zu einem Unfall kommt, so haftet man in der Regel als Privatperson.

Zeckenbiss ist in vielen alten Unfallversicherungen nicht eingeschlossen

Beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung sollten besonders Eltern darauf achten, dass auch das Risiko eines Zeckenbisses darin enthalten ist. So wird dies zwar in neuen Verträgen berücksichtigt, doch in älteren Verträgen ist dies oftmals nicht der Fall, so dass man dies ändern sollte, auch wenn die Prämie dadurch sich leicht erhöht.

Das Oberlandesgericht in Köln musste sich mit diesem Thema beschäftigen, denn ein Mann war nach einem Zeckenbiss an Borreliose erkrankt. Normalerweise handelt es sich um einen Unfall, wenn ein von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis zu einer Verletzung führt, doch bei einem Zeckenbiss ist diese so klein, dass sie normalerweise keine Behandlung durch einen Arzt benötigt. Im Prinzip ist eine Unfallversicherung auch nicht dazu da, um "die finanziellen Folgen sämtlicher Ereignisse abzusichern, die eine körperliche Beeinträchtigung nach sich ziehen", wie das Gericht betonte.

Schäden durch Organspenden werden nicht von der Unfallversicherung übernommen

Weil die Schäden auf eine bewusst zugestimmte Operation zurückzuführen sind, zahlt die Unfallversicherung nicht

Richter Hammer mit Sockel aus Holz auf weißem Hintergrund
gavel on white background © webdata - www.fotolia.de

Ebenso wie Arbeitsunfälle sind auch Komplikationen bei Organspenden durch eine Unfallversicherung abgedeckt, allerdings gibt es hierbei Grenzen. Kommt es erst im Nachhinein zu Komplikationen, dann greift der Schutz der Unfallversicherung nicht immer, da dies dann nicht ohne Weiteres als ein Arbeitsunfall gewertet werden könne, so das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt.

Mann leidet nach Nierenspende unter Spätfolgen

Die Richter hatten über den Antrag eines 54-jährigen Mannes zu entschieden, der seinem Bruder seine linke Niere gespendet hatte. Erst einige Wochen nach der Operation kam es zu Spätfolgen wie

Aufgrund eines ärztlichen Gutachtens stellte sich heraus, dass diese Beschwerden auf eine Funktionsstörung der rechten Niere zurückzuführen war. Der Betroffene wurde infolge dessen arbeitsunfähig geschrieben und konnte seinen Malerberuf nicht weiter ausüben.

Die von ihm geforderte Erwerbsminderungsrente wurde ihm von seiner Versicherung dennoch nicht zugestanden, weil ihr die erforderliche Rechtsgrundlage fehlte. Schließlich seien die Beschwerden des Klägers nicht auf einen Unfall, also ein unvorhersehbares Ereignis zurückzuführen, sondern auf eine eingewilligte, risikobehaftete Operation.

Richter stimmen der Versicherung zu

Die Richter gaben der Versicherung Recht. Hier habe sich ein allgemeines Folgerisiko eines operativen Eingriffs verwirklicht und es läge kein Unfall-ähnliches Ereignis vor. Wäre der Maler infolge von Krankheitserregern erkrankt und wäre es dadurch zu Komplikationen gekommen, hätte der Schutz durch die Unfallversicherung greifen müssen.

Ob der Kläger sich mit diesem Urteil zufrieden gibt, ist fraglich, als weiteres Rechtsmittel steht ihm eine Revision zur Verfügung.

Bei Mord greift nicht die Unfallversicherung

Weil es sich nicht um einen Unfall handelte, muss die Unfallversicherung laut Gerichtsbeschluss auch nicht zahlen

Richter Hammer auf Gesetzesbuch
Gavel and law book isolated on white background. Shallow DOF © Rafa Irusta - www.fotolia.de

Nach dem Entscheid des Landessozialgerichts Stuttgart erhält die Witwe eines durch den gemeinsamen Sohn ermordeten Mannes keine Ansprüche auf Witwenrente aus dessen Unfallversicherung. Der 59-jährige Mann wurde vom eigenen Sohn bei seiner Fahrt zurück vom Steuerberater nach Hause zunächst mit Benzin übergossen und dann angezündet.

Da dies nicht als Arbeitsunfall zu werten sei, sei auch die Unfallversicherung nicht zuständig. Daher habe die Hinterbliebene auch keinen Anspruch auf Witwenrente, urteilten die zuständigen Richter.

Die Klägerin argumentierte, dass der Mord während der Fahrt vom Steuerberater, also im Rahmen einer Tätigkeit, für die der Unfallschutz gelte, geschehen sei. Doch das Gericht sah dies als bloßen Zufall. Der Sohn hätte auch jeden anderen Ort für die Tötung seines Vaters wählen können.

Mann war eventuell Besitzer zweier Pizzerien

Zu Lebzeiten hatte der Mann zusammen mit seiner Frau zwei Pizzerien betrieben. Beide liefen auf den Namen seiner Frau und der Getötete war offiziell lediglich als Koch engagiert. Die Umstände deuten jedoch darauf hin, dass der Mann der eigentliche Besitzer der Betriebe gewesen war.

Nach den Aussagen des Sohnes wollte dieser sich eigentlich auch umbringen. Nach dem Mord an seinem Vater stellte er sich jedoch den Beamten und erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Eisessen zählt nicht als Arbeitsunfall

Drei Freunde mit Sonnenhut und Sonnenbrille essen ein pinkes Eis
Group of friends eating ice-cream in Gdansk © Kalim - www.fotolia.de

Die gesetzliche Unfallversicherung greift in der Regel auch dann, wenn man sich auf dem Arbeitsweg verletzt. Allerdings gilt dies nur, wenn man dabei eine Tätigkeit ausführt, die etwas mit der Arbeit zu tun hat. Wer auf dem Arbeitsweg ein Eis schleckt und sich daran verschluckt, kann dies nicht als Arbeitsunfall geltend machen, so das Sozialgericht Berlin.

Es ging dabei um einen Unternehmensberater, der sich auf dem Rückweg eines geschäftlichen Termins ein Eis gönnte. Dabei kam es dazu, dass er einen Bissen der Kühlspeise verschluckte, was einen Herzinfarkt auslöste. Die Richter waren der Auffassung, dass der Geschädigte keinen Anspruch durch die gesetzliche Unfallversicherung geltend machen könne, denn Eisschlecken gehöre nicht zu den geschützten Tätigkeit durch eine Unfallversicherung. Für das Eintreten der Versicherungspflicht müsse es einen sachlichen Zusammenhang zwischen der beruflichen Tätigkeit und dem Eisschlecken gegeben haben, und dieser fehle hier. Schäden durch den Verzehr von Nahrung seien in der Regel nicht versichert.

Eine Ausnahme könne hier nur eingeräumt werden, wenn das Essen dazu dient, seine Arbeitskraft wieder zu erlangen oder Betriebsgründe verlangen, dass besonders schnell aufgegessen werde. Bei dem Schlecken von Eis handele es sich dagegen gewöhnlich um eine Genusserfahrung und nicht um sich für den Beruf zu stärken. Erschwerend komme hinzu, dass der Kläger sich auf dem Weg nach Hause befunden habe.

Unfalltod bei Vorerkrankung: Versicherung trägt die volle Beweislast

Will eine Unfallversicherung aufgrund einer Vorerkrankung des Geschädigten ihre Leistung einschränken, muss sie nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe den vollen Beweis erbringen, dass der Tod oder die Erwerbsunfähigkeit zu über 25 Prozent auf die bereits bestehende Erkrankung zurückzuführen ist. Nachdem ihr Mann an den Folgen eines Stromschlags gestorben war, wollte die Unfallversicherung der Witwe die Leistungen mit der Begründung kürzen, dass der Verstorbene an einer fortgeschrittenen Koronarsklerose der Herzgefäße gelitten hatte.

Die Gerichtsmediziner hatten den Tod des Mannes zu 50 Prozent auf den Stromschlag und zu 50 Prozent auf diese Herzerkrankung zurückgeführt. Das BGH entschied jedoch, dass der Versicherer dennoch ausreichend belegen müsse, dass die 25-Prozent-Hürde überschritten wurde, bevor sie Leistungen kürzen dürfe.

Wer zahlt bei Unfällen auf der Skipiste?

Junge Frau auf Skipiste hält ihren Skier nach oben in den blauen Himmel
Happy winner girl holding ski against the blue sky. © kristian sekulic - www.fotolia.de

Kommt es aufgrund eines Ausweichmanövers beim Skifahren zu einem Unfall mit Verletzungen, dann greift die Unfallversicherung. Das hat nun der Bundesgerichtshof in seinem Urteil festgelegt.

Hierbei ist nämlich anders als bei einem einfachem Sturz ein äußerer Reiz, also ein Hindernis verantwortlich für die Verletzung. Bei Unfällen durch eigene Bewegungen greift der Schutz der Unfallversicherung dagegen nicht.

Versicherungsschutz ja oder nein?

Wie das Landessozialgericht Bayern nun geurteilt hat, kommt es für die Frage, ob die Unfallversicherung bei einem Zwischenfall, der in der Pause stattfindet, greift, auf Länge und Gestaltung der freien Zeit an. Kann man die Freizeitgestaltung nicht mit der Arbeit in Verbindung bringen, dann kann die Unfallversicherung nicht greifen.

Im Fall ging es um einen Busfahrer, der eine Gesellschaft zu einem Fußballspiel fuhr und ebenfalls das Spiel anschaute. Dabei verletzte er sich bei einem Sturz auf der Treppe und wollte den Fall als Arbeitsunfall deklarieren. Die Versicherung sah die Sachlage anders. Die Richter auch. Denn das Ansehen des Fußballspiels hätte nichts mit der Arbeit des Mannes zu tun gehabt und sei daher kein Fall für die Unfallversicherung.

Versicherungsschutz bei Pannenhilfe

Frau in roter Warnweste telefoniert nach einem Autounfall oder einer Panne mit dem Handy, vor ihr steht ein Warndreieck
Reifenpanne, Reifenwechsel © Wellnhofer Designs - www.fotolia.de

Eine Unfallversicherung besteht automatisch auch für Personen, die sogenannte Pannenhilfe leisten. Wenn man also einem Autofahrer, dessen Fahrzeug liegen geblieben ist, zum Beispiel beim Anschieben hilft, Starthilfe gibt, eine Unfallstelle sichert sowie auch Erste Hilfe leistet, so hat man bei einem Unfall Anspruch auf die gleichen Leistungen wie ein Arbeitnehmer bei einem Arbeitsunfall.

Für die Kosten kommt die jeweilige Unfallkasse des Bundeslandes auf, in dem der Halter des liegen gebliebenen Fahrzeuges wohnt. So also beispielsweise, wenn ein Autofahrer aus Nordrhein-Westfalen eine Panne in Sachsen hat und dort ein Pannenhelfer bei einem Unfall verletzt wird, so übernimmt die Unfallkasse NRW die Kosten und eventuell sogar auch eine Rente.

Todesfall durch Lebensmittel – die Unfallversicherung muss zahlen

Ein 15 Jahre alter Junge, der unter einer geistigen Behinderung litt, hatte sich bei der Weihnachtsfeier vor drei Jahren, unbemerkt eine kleine Tafel Nussschokolade genommen und verzehrt. Da er unter einer starken Lebensmittelallergie litt, starb der Junge infolge einer allergischen Reaktion.

Die Frage war nun, ob die Unfallversicherung der Mutter hier einspringen musste, bei der die Mutter den Tod ihres Sohnes versichert hatte. Als die Versicherung sich zur Zahlung weigerte, weil hier kein Unfall, sondern eine Erkrankung Ursache des Todes gewesen sei, zog die Mutter vor Gericht. In erster Instanz bekam die Versicherung Recht, nun hat das Landgericht Memmingen sich aber anders ausgesprochen.

Es gilt abzuwarten, ob die Versicherung nun noch vor das oberste Gericht in Deutschland, den Bundesgerichtshof, zieht. Wenn das Urteil Rechtsgültigkeit erlangt, muss die Versicherung 27.000 Euro zahlen.

Unfallversicherung haftet bei allergischer Reaktion

Allergischer Schock in Ausnahmesituationen als Unfall anzusehen

Tafeln Schokolade zwischen ganzen Haselnüssen
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Wenn etwas plötzliches Unvorhergesehenes auf einen Körper einwirkt, kann man dieses Ereignis als Unfall bezeichnen. In der Regel isst man Schokolade allerdings freiwillig. Demnach ist es laut der Versicherung kein Unfall, wenn es beim Verzehr der Schoki zu einer allergischen Reaktion kommt - das Oberlandesgericht München ist jedoch nicht dieser Meinung.

Um endgültig Klarheit für die Lebensmittelallergiker zu schaffen, hat das Oberlandesgericht entschieden, dass die Unfallversicherung doch für allergische Reaktionen haftbar gemacht werden kann. Somit muss die Versicherung zahlen, wenn unbewusst oder versehentlich von Allergikern Lebensmittel mit Allergenen verzehrt werden.

Ausschüttung der Versicherungssumme nach Tod durch Schokolade?

Bei dem verhandelten Fall handelt es sich um ein geistig behindertes 15-jähriges Kind, das am Heiligabend 2009 gestorben ist. Wahrscheinlich nahm es vom Weihnachtstisch nusshaltige Schokoladentäfelchen, was die Eltern nicht bemerkt hatten. Anschließend machte die Mutter bei der Versicherung eine Summe von 27.000 Euro geltend, was in dem Vertrag für den Unfalltod vorgesehen war.

Die Unfallversicherung wollte allerdings nicht zahlen, da kein Unfall vorlag und die Ursache des Todes nicht geklärt war. Zumindest spricht man versicherungsrechtlich nur dann von einem Unfall, wenn ein Ereignis von außen auf den Körper einwirkt, was beim Verzehr von Schokolade nicht der Fall ist. Trotzdem erhielt die Mutter in zweiter Instanz Recht und die Versicherung musste die Summe auszahlen.

Arbeitsunfall auch mit Alkohol im Blut möglich

Wer sich auf dem Weg von oder zur Arbeit befindet und einen Unfall erleidet, der bekommt den Schaden gewöhnlich durch die Unfallversicherung erstattet. Das kann auch gelten, wenn der Unfall sich unter Alkoholeinfluss ereignete, so das Landessozialgericht Bayern.

Die Richter hatten dort über den Fall eines Mannes zu entscheiden, der von seiner Arbeitsstelle auf dem Weg nach Hause tödlich verunglückte. Die Hinterbliebenen verlangten von der Unfallversicherung Rente. Weil im Blut des Mannes ein Alkoholgehalt von 0,9 Promille festgestellt wurde, wollte die Berufsgenossenschaft hierfür nicht aufkommen. Die Richter sahen die Sachlage jedoch anders. Denn nach einem langen Arbeitstag sei nicht auszuschließen, dass sich der Unfall nicht in erster Linie wegen der Alkoholisierung des Mannes ereignet habe, sondern als Folge von Übermüdung und Erschöpfung.

Wann die gesetzliche Unfallversicherung eintritt

Die gesetzliche Unfallversicherung tritt nicht bei jedem Unfall ein, so beispielsweise wenn jemand einem Freund eine Gefälligkeit erweist. Dies hat jetzt das Sozialgericht in Karlsruhe bestätigt. Bei einem Fall hatte ein gelernter Zimmermann einem befreundeten Lehrer beim Aufstellen eines Carports geholfen und sich am vierten Arbeitstag dabei verletzt.

Da der Zimmermann aber immer wieder von einer Freundschaftsleistung geredet hatte, wollte die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten nicht übernehmen, weil der Handwerker nicht als normaler Arbeitnehmer tätig war, worauf es zur Klage kam. Die Richter gaben dann der Versicherung Recht, weil es sich bei der Tätigkeit nur um eine Gefälligkeit gehandelt hatte, wie auch der Kläger wiederholt zugab, denn ansonsten hätte ja "Schwarzarbeit" vorgelegen.

Auch habe der Lehrer ihm seinerzeit ebenfalls mehrfach geholfen.

Umwege zum Arbeitsplatz sind nicht unfallversichert

Für Unfälle, die sich auf dem direkten Weg zum Arbeitsplatz ereignen, kommt auch die gesetzliche Unfallversicherung auf. Aber wer einem Umweg oder auch auf die "falsche" Autobahn und somit in die falsche Richtung gerät, der hat keinen gesetzlichen Versicherungsschutz, wie das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen entschieden hat.

Bei dem Fall wollte ein Paar einen Mietwagen von Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen überführen und geriet aus Unachtsamkeit auf die falsche Autobahn, wo es dann zu einem schweren Unfall kam, wobei einer der beiden einem Arm verlor. Die gesetzliche Unfallversicherung musste somit, nach dem Urteil der Richter, nicht für den Schaden aufkommen, weil sich die Kläger nicht auf dem direkten Wege befanden. Diese Umwege sind nur dann auch versichert, wenn äußere Umstände, beispielsweise Dunkelheit, Nebel oder schlechte Beschilderung, dies rechtfertigen.

Verfährt man sich auf dem Arbeitsweg und hat einen Unfall, greift die gesetzliche Versicherung nicht

Zwei Mitarbeiter eines Miet- und Transportunternehmens hatten für ihre Firma ein neues Auto gekauft und wollten dieses an den Firmensitz überführen. Auf dem Weg dorthin verfuhren sie sich jedoch und erreichten ihr Ziel schließlich aus einer anderen Richtung als üblich. Dann hatten sie einen Unfall.

Die gesetzliche Unfallversicherung wollte für den Schaden nicht aufkommen. Der Grund: Da es keinen betriebsbedingten Grund für den Umweg gab und es sich dabei auch nicht um den direktesten Weg zur Arbeit handelte, stellte dies eine Unterbrechung des Arbeitswegs dar. In diesem Fall erlischt der Versicherungsschutz. Selbst ihre Klage vor dem Landessozialgericht hatte keinen Erfolg, denn die Richter urteilten genauso.

Grundsätzlich gilt: Wer nicht angeschnallt ist, trägt Mitschuld – Ausnahmen aber möglich

Kommt es infolge eines Verkehrsunfalls zu Verletzungen, die mit angelegtem Gurt nicht passiert wären, muss derjenige, der es unterlassen hat sich anzuschnallen einen Teil der Schuld tragen. Wie die Richter vom Bundesgerichtshof nun entschieden haben, gilt das aber nicht, wenn zum Zeitpunkt des Unfalls keine Anschnallpflicht mehr bestanden hat und sich der Beteiligte schon abschnallen durfte.

So im Fall einer Frau, die nach einem Unfall auf der Autobahn ihren Gurt löste um aussteigen zu können. Gerade in diesem Moment stieß ein anderes Auto mit dem der Frau zusammen. Dabei wurde die Frau stark verletzt. Hier muss die Frau sich keine Mitschuld anrechnen lassen, weil ihre Fahrt zum Zeitpunkt als sie den Gurt löste, bereits beendet war und daher keine Anschnallpflicht mehr bestand.

Kein Unfallschutz bei Kreislaufproblemen, wie Schwindelanfall

Frau vor verschwommenem Hintergrund fasst sich mit geschlossenen Augen und Kopfschmerzen an die Schläfen
Business woman stress and headache © Dirima - www.fotolia.de

Wer aufgrund von Kreislaufproblemen einen Unfall erleidet, der erhält von seiner privaten Unfallversicherung keinen Schadensersatz, wie ein Urteil des Oberlandesgerichts in Düsseldorf zeigt.

Bei einem Fall wurde einer Frau nachts durch das schwüle Wetter übel, so dass sie das Schlafzimmerfenster im ersten Obergeschoss öffnete. Danach wurde ihr "schwarz vor Augen" und sie fiel aus dem Fenster auf die Straße und verletzte sich schwer, so dass sie sich heute nicht mehr normal bücken kann und keine schweren Dinge heben darf. Auch beim Stehen und Laufen hat sie etliche Probleme.

Danach hatte sie den Unfall bei ihrer Versicherung gemeldet und forderte die laut Police bei einer Invalidität von mindestens 50 Prozent fällige monatliche Unfallrente in Höhe von 375 Euro. Aber die Versicherung wollte nicht zahlen und bekam jetzt vom Gericht auch Recht, weil bei privaten Unfallversicherungen eine Geistes- oder Bewusstseinsstörung Leistungen ausschließen.

Dabei ist es unwichtig, ob es sich nur um eine kurze Bewusstseinsstörung, wie ein Schwindelanfall handelt. Wenn eine andere Ursache zum Sturz geführt hätte, so müsste die Versicherung zahlen.

Wann zahlt die gesetzliche Unfallversicherung?

Oftmals fragen sich besonders Geschäftsreisende, wann die gesetzliche Unfallversicherung zuständig ist. So hat jetzt das niedersächsische Landessozialgericht dazu ein Urteil gefällt.

Bei einem Fall hatte sich ein Geschäftsmann nach Dienstschluss nur privat verabredet und auf dem Heimweg zu seinem Hotel kam es zu einem Autounfall, bei dem der Mann unter anderem einen Beckenbruch erlitt. Die gesetzliche Unfallversicherung wollte die Kosten dafür nicht übernehmen, weil der Mann privat unterwegs war.

Doch die Richter sahen dies anders, denn in diesem Fall konnte der Unfall als Arbeitsunfall angesehen werden, weil die Unterbrechung zwischen Dienstschluss und Rückfahrt zum Hotel relativ kurz war. Zudem ist es üblich, dass Geschäftsreisende nach Arbeitsschluss nicht sofort sich auf ihr Hotelzimmer begeben.

Aber wenn es bei einer privaten Aktivität auf Dienstreisen zu einem Unfall kommt, so ist dann die gesetzliche Unfallversicherung nicht zuständig.

War der Sturz vom Apfelbaum ein Arbeitsunfall?

Eine Frau besaß ein landwirtschaftliches Anwesen mit einem Obstanbau, konnte aber selber durch eine Pflegebedürftigkeit dies nicht mehr bewirtschaften, sodass ihr Sohn dies übernahm. Als der Sohn bei der Ernte von einem Apfelbaum fiel und sich dabei verletzte, wollte die Berufsgenossenschaft diesen Sturz nicht als Arbeitsunfall werten und verweigerte die Zahlung.

Das Gericht allerdings gab dem Mann Recht, denn dieser trug zur Zeit des Unfalls das unternehmerische Risiko. Dabei war es auch unerheblich, ob der Mann die Obsternte selber verwertet hat oder nicht.

Zwar hatte die Mutter die Beiträge an die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) bezahlt, doch beim Unfallzeitpunkt war der Sohn als Unternehmer tätig. Auch handelte es sich bei dem Anwesen um einen landwirtschaftlichen Betrieb und nicht um einen Kleingarten. Da mittlerweile die Berufungsfrist abgelaufen ist, ist das Urteil des Sozialgerichts nunmehr rechtskräftig und die Genossenschaft muss zahlen.

Überfall im Homeoffice ist kein Arbeitsunfall

Ein Überfall auf einen Beschäftigten mit Büro im eigenen Haus gilt lediglich dann als Arbeitsunfall, wenn es einen Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit gibt. Das entschied jetzt das Sozialgericht Dresden (Az.: S 5 U 293/12).

Im vorliegenden Fall arbeitete ein 51-Jähriger Dresdner, der für eine Bausparkasse tätig war, im Homeoffice im eigenen Wohnhaus. Im März 2007 klingelte es an seiner Hauseingangstür. Ihm standen zwei Männer gegenüber, die ihn mit einer Pistole bedrohten. Sie drängten den 51-Jährigen in das Schlafzimmer. Dort schossen sie ihm in beide Kniegelenke. Der Polizei teilte der Dresdner mit, dass es sich bei dem Überfall um eine Auseinandersetzung im Zusammenhang mit Fördermittelzusagen von einer Million Euro an einen Verein gehandelt habe. Das Opfer war für den Verein privat als Berater tätig.

Den Antrag auf Anerkennung des Vorfalls als Arbeitsunfall wies die Berufsgenossenschaft ab. Diese Entscheidung sei korrekt, urteilten die Richter. Die Motive der Täter hingen mit der privaten Tätigkeit des Opfers als Berater für einen Verein zusammen. Es sei zu vernachlässigen, dass der Angriff zufällig während der Tätigkeit als Versicherungsangestellter passiert sei.

Wer berufliche Aufgaben im Restaurant oder Café erledigt, ist nicht unfallversichert

Eine sogenannte "gemischte Motivationslage" war es, die einem Mann in Rheinland-Pfalz in doppelter Hinsicht zum Verhängnis wurde - erst persönlich, dann vor Gericht. Der angestellte Geschäftsführer erledigte nach Dienstschluss noch berufliche Tätigkeiten, allerdings nicht im Büro oder Zuhause, sondern in einem Restaurant.

Der Hunger hatte ihn veranlasst, seinen Heimweg zu verlassen und anfallende Texte im Lokal zu schreiben sowie geschäftlich zu telefonieren. Auf dem Weg nach Hause wurde er dann überfallen. Die Berufsgenossenschaft wollte diesen Raubüberfall aber nicht entschädigen, weil der Mann nicht mehr auf dem Heimweg von der Arbeit gewesen sei.

Das Kasseler Bundessozialgericht (BSG) hat nun entschieden, der Berufsgenossenschaft recht zu geben. Hätte der Mann keinen Hunger gehabt, wäre er nicht in das Restaurant eingekehrt und dementsprechend auf dem Rückweg nicht überfallen worden. Die Tatsache, dass er arbeitete, sei zwar Bestandteil dieser gemischten Motivationslage, entscheidende Handlungsmotivation sei jedoch sein subjektives und privates Hungergefühl gewesen.

Bei Überfällen auf dem Arbeitsweg greift die Versicherung nicht immer

Der Arbeitsweg ist versichert? Im Allgemeinen stimmt das, es gibt jedoch Umstände, in denen die gesetzliche Unfallversicherung nicht zahlt. In einem Urteil hat das Bundessozialgericht jetzt klargestellt, wie weit die Verantwortung des Einzelnen reicht.

Der konkrete Fall: Eine Schulangestellte hatte einen Mann kennengelernt, der wegen Sexualstraftaten verurteilt wurde. Die Frau brach den Kontakt ab und lehnte auch nach seiner Entlassung im Jahr 2008 eine weitere Beziehung ab. Im Frühjahr 2009 lauerte der Mann ihr auf dem Weg zur Arbeit auf und vergewaltigte sie.

In aller Regel sind Überfälle einem Unfall gleichgesetzt. Die zuständige Berufsgenossenschaft verweigerte jedoch die Zahlung. Sie argumentierte, dass die Frau nicht zufällig zum Opfer wurde. Vielmehr handele es sich um eine persönlich motivierte Beziehungstat, die unabhängig vom Arbeitsweg sei.

Die Richter folgten dieser Meinung, ähnlich wie bei der Klage eines Mannes, der auf dem Weg vom Restaurant ins Home Office überfallen worden war. Auch hier sah das Gericht keinen Arbeitsunfall, da der Restaurantbesuch vorwiegend persönliche Gründe hatte.

Essen und Trinken im Büro sind nicht unfallversichert

Ein allzu hastiger Schluck aus der Bierflasche wurde einem Angestellten aus Dresden zum Verhängnis. Als er beim Kopieren seinen Durst löschen wollte, brach er sich die Spitzen mehrerer Vorderzähne ab. Die Berufsgenossenschaft weigerte sich allerdings, die Behandlungskosten zu übernehmen.

Das Sozialgericht bestätigt diese Ansicht: Trinken am Kopiergerät ist nicht unfallversichert. Beim Essen und Trinken handelt es sich grundsätzlich um "eigenwirtschaftliche Verrichtungen", die von der gesetzlichen Unfallversicherung nicht gedeckt sind.

Ausnahmen bestehen lediglich in Situationen, in denen die berufliche Tätigkeit einen außergewöhnlichen Hunger oder Durst hervorruft, etwa durch körperliche Arbeiten in der Mittagssonne. Beim Stehen am Kopierer sahen die Richter diese Voraussetzungen nicht erfüllt. Mit dem Griff zum Kühlschrank hat der Angestellte seine versicherte Tätigkeit unterbrochen.

Verletzungen beim Sex auf Dienstreisen zählen nicht zu Arbeitsunfällen

Nacktes Paar beim Küssen, er umarmt sie und verdeckt ihre Brust
Intimate lovers embrace © Forgiss - www.fotolia.de

Für Verletzungen jeglicher Art, die einem auf Dienstreise wiederfahren sind, muss die Versicherung des Arbeitgebers aufkommen, richtig? Falsch! Sind die Verletzungen während der Dienstreise beim privaten Vergnügen, etwa beim Sex, entstanden, zählt das nicht als Arbeitsunfall, zumindest nicht in Australien. Das hat jetzt das höchste Gericht in Australien in einem Fall entschieden, über den seit sechs Jahren verhandelt wird.

In dem Fall war eine australische Beamtin im Jahr 2007 auf Dienstreise. Dort traf sie auf einen Bekannten und vergnügte sich mit ihm in ihrem Motelzimmer. Im Eifer des Gefechts hatten die beiden eine Lampe aus der Wand hinter dem Bett gerissen, deren Scherben die Frau im Gesicht verletzten. Den Unfall meldete sie der Versicherung ihres Arbeitgebers als Arbeitsunfall und verlangte Schmerzensgeld, doch die Versicherung weigerte sich.

Nachdem sich die Frau durch alle Instanzen geklagt hatte, landete der Fall nun vor dem höchsten Gericht. Die Richter entschieden jedoch zu Gunsten der Versicherung. Sex gehöre eben nicht zu den gewöhnlichen Aktivitäten auf einer Dienstreise, so die Begründung.

Unfallversicherung – nicht jeder Betriebsausflug ist abgesichert

Unfälle auf betrieblichen Veranstaltungen sind allgemein von der gesetzlichen Versicherung abgedeckt. Wer auf einem Ausflug einer kleinen Unterabteilung verunglückt, hat jedoch keinen Anspruch auf Geld von der Berufsgenossenschaft. Das Landessozialgericht Darmstadt wies damit die Klage einer Frau ab, die sich beim Wandern mit Kollegen am Arm verletzte.

Nach Ansicht der Berufsgenossenschaft handelte es sich dabei um keinen Arbeitsunfall. Ihr Argument war, dass das Event nur einer kleinen Gruppe von Angestellten offen stand. Damit Betriebsveranstaltungen unfallversichert sind, müssten aber alle Beschäftigten teilnehmen können.

In zweiter Instanz bekam die Berufsgenossenschaft Recht. Versichert sind laut Urteil des Landessozialgerichts nur Events, die von der Unternehmensleitung als Gemeinschaftsveranstaltung anerkannt sind. Feiern oder Ausflüge von Unterabteilungen gehören nicht dazu, auch wenn sie von der zuständigen Dienststelle gestattet wurden.

Bei einem Arbeitsunfall gilt nicht nur der kürzeste Weg zur Arbeitsstelle

Berufsgenossenschaft lehnte eine Anerkennung des Arbeitsunfalles auf längerem Arbeitsweg ab

Der Weg zur Arbeitsstelle ist auch dann unfallversichert, wenn Beschäftigte nicht den kürzesten Weg von zu Hause aus wählen. Das hat jetzt das Sozialgericht Heilbronn (Az.: S 13 U 4001/11 X) entschieden.

Unfall auf nicht unmittelbarem Arbeitsweg abgelehnt

Im vorliegenden Fall war ein Arbeitnehmer nicht zur nächstgelegenen Bushaltestelle gegangen, sondern zu einer etwas weiter entfernten. Dabei kam es zu einem Unfall, als ihn ein Auto auf einem Fußgängerüberweg erfasste und zur Seite schleuderte.Die Berufsgenossenschaft lehnte eine Anerkennung als Arbeitsunfall ab, da der Mann nicht den unmittelbaren Weg zu seiner Arbeitsstelle genommen habe.

Richterliche Entscheidung für den Arbeitnehmer

Die Richter verurteilten jedoch den Sozialversicherungsträger dazu, den Zusammenstoß als Arbeitsunfall anzuerkennen. Demnach sei die Gesamtwegstrecke bei beiden Varianten nicht nur ungefähr gleich, sondern der Versicherte dürfe sein Fortbewegungsmittel frei auswählen. Er sei nicht gezwungen, sich für die schnellste Möglichkeit zu entscheiden, um auf seinem Arbeitsweg gesetzlich unfallversichert zu sein.

Grundinformationen und Hinweise zur Unfallversicherung

  • Unfallversicherung - Arten, Sonderformen und Leistungen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: PKW Unfall © Daniel Bujack - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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