15. November 2008
Von Elke Imle
Es fing mit einem Kribbeln an - aber war alles andere als die Liebe auf den ersten Blick. Wenn das Kribbeln daher rührt, dass in der Hand ein Nerv eingeklemmt ist, ist weder Liebe noch Spaß im Spiel. Beim so genannten Karpaltunnelsyndrom drückt das Band, das sich zwischen Daumen- und Kleinfingerballen spannt, auf einen der wichtigsten Handnerven, den Nervus medianus. Die Einklemmung führt dazu, dass die Versorgung hinter dem Band gestört wird.

Ein Symptom der Unterversorgung ist ein Taubheitsgefühl, das über mehrere Jahre unbehandelt zum Schwund der Muskulatur führen kann. Der Betroffene kann als Folge seine Finger nicht mehr kontrollieren. Wenn die konservative Therapie, bei der dem Patienten vermehrt Vitamin B6 gegeben wird, nicht hilft, kann die Hand auch operiert werden.
Operationen an der Hand werden nicht ohne Bedenken durchgeführt, ein Neurologe (Facharzt für Nervenheilkunde) wird im individuellen Fall abwägen, ob eine Operation notwendig ist oder nicht.
Bei der Karpaltunnelsyndrom-Operation wird ein Schnitt zwischen den Daumen- und Kleinfingerballen gesetzt. Dadurch wird der Nervenkanal erweitert. In besonders schweren Fällen muss zusätzlich zum Schnitt noch die verdickte Nervenwand gedehnt werden, um die Erweiterung zu erreichen.
Die Operation wird meist stationär durchgeführt, d.h. dass der Patient nicht am Tag der OP entlassen wird. Bei Patienten, die sehr spät operiert wurden und folglich das Karpaltunnelsyndrom schon seit Jahren hatten, ist der nachlassende Schmerz ein Segen. Aber nicht selten wird das hundertprozentige Hautgefühl nicht mehr erreicht. Das bedeutet keine große Einschränkung, sondern lediglich ein etwas vermindertes Hautgefühl. Dies kann verhindert werden, wenn die OP früh genug durchgeführt wird.
Eine Operation beinhaltet immer auch ein Risiko. Es kann beispielsweise zu Störungen der Bewegung der gesamten Hand kommen. Die Ursache hierfür ist, dass der Nerv schon zu lange zu schlecht versorgt worden ist, weil der Druck und die Einengung die Versorgung verhindert haben.
An der Stelle des Schnittes entsteht eine Narbe, die nach spätestens zwei Jahren kaum noch zu sehen sein sollte. Trotzdem bleiben Narben an der Hand immer länger empfindsam als andere Narben.
Das anfängliche Kribbeln sollte man also nie ignorieren – in anderen Fällen bei schmetterlingsähnlichen Bewegungen hat man vielleicht die Liebe fürs Leben gefunden.
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