Verhaltenstherapie - Anwendung, Ablauf und Behandlung

Mann legt Fingerspitzen der Hände aneinander und meditiert mit geschlossenen Augen, mit blauem Hintergrund

Die unterschiedlichen Methoden der Verhaltenstherapie zur Veränderung von Verhaltensweisen

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  • von Paradisi-Redaktion

Unter einer Verhaltenstherapie versteht man verschiedene Methoden der Psychotherapie, die bei zahlreichen psychischen Störungen und Problemen helfen können. Damit sollen bestimmte Verhaltensweisen, Denkgewohnheiten und Einstellungen des Patienten verändert werden. Dabei wird zunächst eine Verhaltensanalyse erstellt.

Ziel und Zweck

Ziel und Zweck einer Verhaltenstherapie (VT) ist die Veränderung von bestimmten Denkgewohnheiten, Einstellungen und dysfunktionalen Verhaltenweisen. Dazu gehören:

Schüchterner Mann
Eine Änderung der Denkgewohnheiten ist die Grundlage der Therapieform

Grundlage der Verhaltenstherapie sind empirische Forschungsergebnisse:

  • der Lernforschung
  • der klinischen Psychologie
  • der Sozialpsychologie
  • der Psychophysiologie

Bei einer Verhaltenstherapie steht vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe im Fokus. Die Anwendung verschiedener Methoden soll es dem Patienten leichter machen, mit seinen psychischen Problemen zurechtzukommen. Das Leiden des Patienten soll vermindert und seine Handlungsfähigkeit erweitert werden. Dazu werden auch seine Fähigkeiten gefördert.

Dabei muss sich eine Verhaltentherapie jedoch stets an ethische und sozialpsychologische Prinzipien halten.

Anwendungsgebiete

Zur Anwendung kommen kann eine Verhaltenstherapie bei:

Auch zur Raucherentwöhnung ist eine Verhaltenstherapie sehr geeignet.

Eine Verhaltenstherapie kann sowohl als Einzeltherapie als auch als Gruppentherapie, Familientherapie oder Paartherapie erfolgen. Die Formen der Therapie sind sehr vielfältig und sollten stets von einem erfahrenen Therapeuten vorgenommen werden.

Kosten

Die Kosten für eine Verhaltenstherapie werden im Normalfall von den gesetzlichen Krankenkassen nach einem Antrag des Patienten übernommen.

Verhaltensanalyse nach Frederick Kanfer (SORKC-Modell)

Zu Beginn einer Verhaltenstherapie erfolgt zunächst eine Verhaltensanalyse des Patienten, bei der die Probleme des Betroffenen gründlich untersucht werden.

Als bewährtes Verhaltensmodell dient dabei die Verhaltensanalyse nach Frederick Kanfer, die auch als SORKC-Modell bezeichnet wird:

  • S steht für Situationen oder Stimuli, durch die das Verhalten ausgelöst wird
  • O steht für Organismusvariablen wie Vorschädigungen oder bestimmte Besonderheiten, durch die das Verhalten beeinflusst wird
  • R für Reaktionen
  • K für Konsequenzen
  • C für Kontingenzen

Wichtigste Voraussetzungen einer Verhaltentherapie sind:

  • eine genaue Zieldefinition von Patient und Therapeuten
  • eine aktive Mitarbeit des Patienten
  • die Übertragbarkeit der erarbeiteten Fähigkeiten in den Alltag
  • die Verständlichkeit der Therapie für den Patienten
  • Bedingungsorientierung
  • Partnerschaftlichkeit zwischen Therapeuten und Patienten
  • minimale Hilfestellung durch den Therapeuten sowie Hilfe zur Selbsthilfe
  • die Orientierung an der modernen Psychologie

In der letzten Phase der Therapie erhält der Patient Fähigkeiten, durch die er nach Ende der Verhaltenstherapie in der Lage ist, Rückschläge zu verkraften und die Ergebnisse der Therapie zu festigen.

Methoden einer Verhaltenstherapie

Psychologin mit jungen Mann bei Therapie
Viele verschiedene Methoden können je nach Art der Krankheit bei der Verhaltenstherapie angewendet werden

Für die Durchführung einer Verhaltenstherapie gibt es zahlreiche Methoden. Welche zur Anwendung kommt, hängt von der Art der Verhaltensstörungen ab.

Systematische Desensibilisierung in sensu

Dabei erfolgt eine Behandlung von Ängsten und Phobien, bei der der Patient in seiner Phantasie verschiedene Situationen durchläuft, die ihm mehr oder weniger Angst machen. Außerdem werden Entspannungsverfahren angewandt.

Systematische Desensibilisierung in vivo

Auch hierbei werden die Ängste und Phobien des Patienten behandelt. Dieser erlebt nun seine Ängste Schritt für Schritt in der Realität.

Reizüberflutung/ Implosionstherapie

Bei der Implosionstherapie wird der Patient mit seinen Ängsten konfrontiert. Dazu wird er zunächst vom Therapeuten gründlich vorbereitet, der ihn dann direkt seinen Ängsten aussetzt, um ihm zu beweisen, dass dies keine Katastrophe für ihn zur Folge hat.

Modelllernprogramme

Dabei erfolgt zum Beispiel ein Selbstsicherheitstraining in einer Gruppe. Zur Anwendung kommen solche Modelle bei:

Operante Verstärkungsprogramme

Durch operante Verstärkungsprogramme wird ein erwünschtes, positives Verhalten des Patienten belohnt.

Kognitive Verhaltenstherapie

Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie sollen negative Überzeugungen und Denkweisen durch positive und realistische Denkweisen ersetzt werden.

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken sind Übungen zur körperlichen und geistigen Entspannung. Dazu gehören unter anderem:

Biofeedback - Biologische Rückkopplung

Bei einem so genannten Biofeedback werden unbewusste Reaktionen des Körpers wie Schweißausbrüche, Muskelspannung oder Blutdruck bewusst unter Kontrolle gebracht.

Grundinformationen zur Verhaltenstherapie

  • Verhaltenstherapie - Anwendung, Ablauf und Behandlung

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: man meditating at the swimming pool side © kameel - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: intimidated computer nerd © Scott Hancock - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Young man on reception at psychologist © Africa Studio - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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