Zittern: Tremor - Mögliche Auslöser, Formen und Behandlungsmöglichkeiten

Spricht man von einem Tremor, ist damit ein Zittern gemeint. Es wird zwischen mehreren Tremor-Arten unterschieden; am häufigsten tritt der Aktionstremor auf. Das Zittern kann völlig harmlos sein oder auch das Symptom einer behandlungsbedürftigen Krankheit. Lesen Sie über Formen und mögliche Auslöser des Zitterns und informieren Sie sich über Behandlungsmaßnahmen.

Die Entstehung des Zitterns und wie man Tremore behandeln und lindern kann

Ursachen: Was ist ein Tremor und wodurch kann ein Tremor ausgelöst werden?

Der Begriff "Tremor" entstammt dem lateinischen Wort tremere und bedeutet "Zittern". Dabei kommt es an mindestens einer Körperregion wie Händen, Fingern oder Kopf zu rhythmischen, unwillkürlichen Bewegungen.

Der Tremor zählt zu den häufigsten neurologischen Symptomen. Mitunter stellt er sogar selbst eine Erkrankung dar. Doch nicht immer steckt eine Krankheit dahinter. So kann das Zittern durchaus normale Ursachen wie zum Beispiel

haben.

Wenn sich der Mensch lange Zeit draußen in der Kälte oder im Haus in einem kühlen Raum aufhält, so friert er. Dies äußert sich durch das Zittern, wenn sich dabei die Muskeln zusammenziehen.

Menschen, die zu viel Kaffee trinken, bemerken oftmals auch ein Zittern ihrer Hände. Auch gestresste Menschen können zittern.

Zudem kann es auch durch große Angst ausgelöst werden. Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen können als Nebenwirkung ebenfalls unkontrollierbares Zittern auslösen.

Erkrankungen, die ein Zittern auslösen können

Auch verschiedene Erkrankungen können mit einem Zittern einhergehen, beispielsweise wenn der menschliche Körper abhängig von einer Droge ist und diese nicht wieder rechtzeitig zugeführt wird.

Beispiel: Ist ein Mensch abhängig vom Alkohol, so reagiert der Körper mit Entzugssymptomen wie Zittern, wenn zu wenig Alkohol konsumiert wird. Gleiches gilt auch für Tabletten oder Drogen wie zum Beispiel Heroin.

Produziert der Körper zu viele Schilddrüsenhormone, so kommt es zu einer Schilddrüsenüberfunktion, der so genannten Hyperthyreose. Auch diese äußert sich unter anderem durch Zittern. Patienten, die unter der Multiplen Sklerose oder unter Parkinson leiden, zittern ebenfalls.

Psychisch kranke Patienten, die zum Beispiel in bestimmten Situationen in Panik geraten, zittern dann ebenso. Eine Form des Zitterns kann auch vererbt werden. Die Ursache dafür ist bisher noch nicht erforscht. Deshalb ist es für den behandelnden Arzt im Rahmen seiner Diagnostik wichtig zu wissen, ob in der Familie entsprechende Krankheiten vorkommen.

Aktionstremor und Ruhetremor - Unterschiedliche Formen des Tremors

Zittern lässt sich in verschiedene Arten einteilen. Zu den häufigsten Tremoren zählt der Aktionstremor, der sich wiederum in die Subtypen

  • Bewegungstremor
  • Haltetremor
  • Intentionstremor und
  • isometrischer Tremor

untergliedern lässt. Tremor-Arten lassen sich auch nach ihren Auslösern und Krankheitsbildern differenzieren. So ist eine Einteilung in

möglich. Der Ruhetremor beschreibt ein Zittern, das anfängt, wenn sich die Körperteile in einer Ruheposition befinden. So können die Hände beispielsweise anfangen zu zittern, wenn sie ruhig im Schoß liegen hat.

Sobald man die Hände dann bewegt, verschwindet das Zittern. Neben dem Handtremor gibt es in diesem Zusammenhang beispielsweise auch

  • den Kopftremor
  • den Gaumensegeltremor oder
  • den Pillendrehertremor.

Bei letzterem werden die Hände rhythmisch auf- und zugeschlossen.

Auftreten - Wann kommt es zum Zittern?

  • Von einem Bewegungstremor spricht man, wenn die betroffene Gliedmaße unmotiviert hin und her bewegt wird.
  • Zu einem Haltetremor kommt es bei einer Schwerkraftbelastung,
  • während ein Intentionstremor bei einer zielgerichteten Bewegung auftritt.
  • Ein isometrischer Tremor zeigt sich, wenn ein schwerer Gegenstand aufgehoben und festgehalten wird.

Eine weitere Tremor-Form ist der aufgabenspezifische Tremor. Dieser tritt nur bei bestimmten Tätigkeiten wie beispielsweise dem Spielen eines Musikinstruments auf. Von einem Ruhetremor ist die Rede, wenn das Zittern auch in Ruhephasen vorkommt.

Folgen des Tremors

Ist das Zittern stark ausgeprägt oder tritt es immer wieder auf, kann dies bei den betroffenen Personen negative Auswirkungen auf deren Lebensqualität haben. Als bedenklich gilt vor allem ein Intentionstremor.

Bei diesem werden ganz normale Tätigkeiten wie Schreiben, Essen und Trinken erheblich beeinträchtigt. In Extremfällen ist das Ausüben dieser Abläufe sogar gänzlich unmöglich.

Darüber hinaus werden die Betroffenen von anderen Menschen wegen ihres Leidens häufig stigmatisiert und als nervös oder gar alkohol- bzw. drogensüchtig eingestuft. Da die Patienten dies meist negativ empfinden, ziehen sie sich nicht selten von ihren Mitmenschen zurück. Mitunter geht das Zittern mit schweren Erkrankungen einher. Dabei kann es sich neben den bereits erwähnten Krankheiten zudem um

handeln.

Wann sollte man aufgrund eines Zitterns zum Arzt?

Da ständiges Zittern ein mögliches Indiz für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein kann, sollte bei seinem Auftreten ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dieser kann die genaue Ursache des Tremors herausfinden.

Diagnose eines Tremors

Ist die Ursache des Zitterns unklar, empfiehlt es sich, einen Arzt zu konsultieren. In der Arztpraxis werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen.

Anamnese bei einem Zittern

Erster Schritt einer ärztlichen Untersuchung bei einem Tremor ist die Befragung des Patienten. Dabei erkundigt sich der Arzt, bei dem es sich zumeist um einen Neurologen handelt,

  • welche Körperregionen vom Zittern betroffen sind
  • welche Frequenz der Tremor hat und
  • ob er sich eher in Bewegung oder im Ruhezustand zeigt.

Besonders wichtig für die Diagnose ist auch das Bestimmen der Tremorform, also ob es sich bei ihm um einen Bewegungstremor oder einen Haltetremor handelt. Daher sollte der Patient die Art seines Zitterns genau beschreiben.

Neurologische Untersuchung bei Zittern

Im Rahmen einer neurologischen Untersuchung kontrolliert der Arzt die

  • Reflexe
  • Koordination
  • Sensibilität sowie
  • die Augenbewegungen

des Patienten. Die Untersuchung gilt als Standarddiagnostik für neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder einen Schlaganfall.

Tremorfrequenz und Tremoramplitude - Ermittlung der Tremorwerte

Um die Auslöser für das Zittern zu finden, ist auch die Ermittlung der Tremorwerte wichtig. Es gibt Parameter, die für diese Einschätzung von Bedeutung sind. Dazu zählen Schnelligkeit und Stärke des Zitterns, was als Tremorfrequenz und Tremoramplitude bezeichnet wird.

Mithilfe der Tremorfrequenz lässt sich mehr über die Erkrankungsart herausfinden. Man unterscheidet den nieder-, mittel- und hochfrequenten Tremor. Je nach Grunderkrankung fällt die Schnelligkeit des Zitterns unterschiedlich aus.

Wie stark sich das Zittern bereits manifestiert hat, ist anhand der Tremoramplitude erkennbar. Man differenziert den grob-, mittel- und feinschlägigen Tremor.

Durch die Amplitude kann man die Auswirkung von Arzneimitteln oder Therapien auf den Tremor einsehen, je nachdem, ob die Stärke zurückgeht, sich nicht verändert oder vielleicht auch ansteigt.

Weitere Untersuchungen

Nach der neurologischen Untersuchung können noch weitere Diagnostikverfahren stattfinden. Dazu gehören in erster Linie

Als zusätzliche Untersuchungsmöglichkeiten kommen

in Betracht.

Behandlung - Was tun bei einem Tremor?

Häufig kann das Zittern durch die Einnahme von Medikamenten gelindert werden. Die Ursache wird dadurch jedoch in der Regel nicht behoben.

Behandlung des Zitterns bei Drogen- oder Alkoholabhängigkeit

Ist der Patient abhängig von einer Droge wie Alkohol, Tabletten oder Rauschgift, so zittert er, wenn der Körper einen Entzug hat. Dies geschieht immer dann, wenn dem Körper zu wenig von der Droge zugeführt wird.

Ist ein Patient derart abhängig, hilft nur eine professionelle Entzugstherapie in einer dafür geeigneten Klinik. Die Therapie kann sich über mehrere Monate erstrecken. Hat der Patient den Drogenentzug geschafft, verschwindet auch das Zittern wieder.

Behandlung der Grunderkrankung

In jedem Fall muss die Grunderkrankung behandelt werden, sofern diese das Zittern auslöst. Dazu kann zum Beispiel Krankengymnastik notwendig werden, um den Patienten möglichst lange beweglich zu halten. Auch eine Operation an der Schilddrüse kann notwendig sein, um das Zittern zu beheben.

Selbsttherapie - Was kann man selbst gegen das Zittern tun?

Da Zittern, auch Tremor genannt, die unterschiedlichsten Ursachen haben kann, kommen zur Behandlung verschiedene Möglichkeiten infrage. Wird das Zittern von einer Krankheit ausgelöst, muss eine Therapie durch einen Arzt erfolgen, während sich Zittern durch Kälte leicht durch die Zufuhr von Wärme wie dem Aufdrehen der Heizung, einer heißen Dusche oder einem warmen Vollbad selbst beseitigen lässt.

Sind psychische Anspannungen oder Stress für das Zittern verantwortlich, ist oftmals das Ausüben von Entspannungstechniken hilfreich. Dabei kann es sich um

Hausmittel

Gegen Zittern werden auch einige Hausmittel empfohlen. Dazu gehören zum Beispiel sämtliche Maßnahmen, die sich beruhigend auf das vegetative Nervensystem auswirken wie Entspannung, Bewegung an der frischen Luft oder das Erlernen von natürlichen Atemübungen.

So ist es oft besser, sich vom Zittern abzulenken, anstatt sich darauf zu konzentrieren. Darüber hinaus gibt es auch einige Hausmittel zum Einnehmen. Zu den ältesten Anti-Zittermitteln zählt zum Beispiel Schwedenbitter.

Als weitere hilfreiche Mittel gelten

das seine positive Wirkung bei einem essentiellen Tremor entfalten soll.

Vorbeugung eines Tremors

Ob sich Zittern vorbeugen lässt, hängt von dessen auslösender Ursache ab. So kann man Zittern durch Kälte gut durch Wärme oder das Anziehen von warmer Kleidung vorbeugen. Bei psychisch empfindlichen Menschen ist es möglich, dass diese durch Aufregung zu zittern beginnen. In solchen Fällen können Entspannungsübungen oder eine Psychotherapie sinnvoll sein, um dem Tremor entgegenzuwirken.

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