Ursachen und Auswirkungen von Kieferschmerzen und Merkmale von craniomandibulären Dysfunktionen

Eines der am meisten beanspruchten Gelenke ist das Kiefergelenk, welches beim Essen, Gähnen, Sprechen immer beteiligt ist. Manchmal kommt es zu Kieferschmerzen, unter denen man alle Arten von Schmerzen versteht, die den Kiefer betreffen und die, je nach Ursache, unterschiedlich behandelt werden.

Als häufige Ursache für Kieferschmerzen gilt das nächtliche Knirschen mit den Zähnen - unter craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) fallen sämtliche Funktionsstörungen des Kiefers

Kieferschmerzen

Ursachen und mögliche Auswirkungen

  • Das nächtliche Knirschen stellt eine der Hauptursachen für Kieferschmerzen dar, da durch das Aufeinanderpressen der Zähne die Kauflächen stark abgenutzt und die Kaumuskulatur stark beansprucht wird.

  • Des Weiteren kann eine bakterielle oder virale Entzündung die Ursache für Kieferschmerzen sein. Die Bakterien oder Viren greifen über das Zahnfleisch oder die Zahnfleischtaschen auf den Kiefer über und verursachen dort eine Entzündung mit starken Beschwerden.

  • An der Wurzel eines kariösen Zahns kann sich eine Fistel bilden, welche sich in den Kiefer ausbreiten kann und somit Schmerzen verursacht. Wenn diese nicht behandelt wird, kann es bei dieser Ursache zu Komplikationen wie Nierenerkrankungen oder Herzbeschwerden und schließlich zu einer Schädigung dieser Organe kommen.

  • Auch Zahnfehlstellungen, die häufig von den Weisheitszähnen ausgehen, oder ein Fehlbiss führen häufig zu Kieferschmerzen.

  • Plötzlich auftretende Schmerzen, besonders im Bereich des Unterkiefers, die bis in den linken Arm ausstrahlen, können ein Warnsignal für einen Herzinfarkt sein.

  • Und schließlich fasst man sämtliche Fehlfunktionen des Kiefergelenks unter dem Begriff craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) zusammen; dabei kann es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen kommen. Im unteren Teil dieses Artikels gehen wir näher auf die CMD ein.

Diagnose und Verlauf

Bei Kieferschmerzen sollte ein Arzt, Zahnarzt oder Kieferorthopäde aufgesucht werden, die ein Röntgenbild anfertigen und gegebenenfalls überweisen, wie zum Beispiel bei gravierenderen Zahnfehlstellungen. Es ist wichtig, die genaue Ursache für die Schmerzen ausfindig zu machen.

Auch die Ursache bei Schmerzen unterhalb einzelner Zähne oder das Ausmaß eventueller Entzündungen durch Fisteln sind auf einem Röntgenbild feststellbar. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte umgehend ein Notarzt verständigt und bestellt werden, der ein EKG durchführt und den Patienten in ein Krankenhaus einweist.

Behandlung

Die richtige Behandlung richtet sich nach der Ursache der Kieferschmerzen, die zuerst festgestellt werden muss.

  • Bei Kieferschmerzen, welche verspannungsbedingt sind, reicht es aus, den Kiefer mit Entspannungsübungen zu entspannen und zu lockern.
  • Fehlstellungen können mit Zahnklammern durch den Kieferorthopäden korrigiert werden.
  • Eine Entzündung, die durch Bakterien hervorgerufen wurde, wird mit Antibiotika behandelt, um ein Übergreifen auf den Kiefer und schließlich auf andere Organe zu verhindern.
  • Auch bei einer Fistel wird zunächst ein Antibiotikum eingesetzt. Sollte dies keine Wirkung zeigen, erfolgt zur Entleerung der Fistel eine Wurzelspitzenresektion.

Schmerzmittel sind keine langfristige Lösung und sollten nur über einen kurzen Zeitraum angewendet werden.

Craniomandibuläre Dysfunktion - Ursachen, Symptome und Behandlung von Funktionsstörungen des Kiefers

Als craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) bezeichnen Zahnmediziner Funktionsstörungen des Kiefers. Diese haben oft Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen zur Folge.

In Deutschland sind rund 8 Prozent aller Bundesbürger von einer craniomandibulären Dysfunktion betroffen. Behandlungsbedarf besteht allerdings nur bei 3 Prozent der Bevölkerung.

Am häufigsten treten Kieferfehlregulationen bei Frauen im gebärfähigen Alter auf. Nach den Wechseljahren nimmt die Häufigkeit von craniomandibulären Dysfunktionen deutlich ab, sodass ältere Menschen nur selten unter ihnen leiden.

Ursachen

Grund für eine craniomandibuläre Dysfunktion sind Fehlstellungen zwischen dem Schädel (Cranium) und dem Unterkiefer (Mandibula). Bemerkbar machen sich die Fehlfunktionen zum Beispiel durch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen beim Öffnen des Mundes.

Sitzt der Gelenkkopf des Unterkiefers nicht richtig in der Gelenkpfanne, ist im Extremfall sogar eine Ausrenkung des Kiefers möglich. Hervorgerufen wird eine craniomandibuläre Dysfunktion zumeist durch chronisches Zähneknirschen (Bruxismus) oder festes Aufeinanderpressen des Kiefers. Dadurch kann es zu Diskusverlagerungen des Kiefergelenks, myofaszialen Schmerzen oder einer Arthrose kommen.

Mögliche auslösende Faktoren

Mediziner vermuten, dass beim Entstehen einer craniomandibulären Dysfunktion zahlreiche unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören vor allem

Aber auch zu hohe Zahnkronen oder kieferorthopädische Behandlungen können eine craniomandibuläre Dysfunktion auslösen.

Symptome

Craniomandibuläre Dysfunktionen umfassen eine Vielzahl von unterschiedlichen Symptomen, was es schwierig macht, sie zu diagnostizieren. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen unter Schmerzen der Kiefergelenke oder der Kiefermuskulatur, die in erster Linie beim Kauen auftreten. Mitunter strahlen die Schmerzen auch bis in andere Körperregionen wie das Gesicht, den Nacken oder die Ohren aus.

Ein weiteres typisches Symptom sind knackende oder reibende Geräusche, wenn der Patient seinen Kiefer öffnet oder wieder schließt. Nicht selten leiden die betroffenen Personen auch unter

Weitere mögliche Symptome sind

Diagnose

Aufgrund der zahlreichen Symptome ist es nicht immer leicht, die Beschwerden auf eine craniomandibuläre Dysfunktion zurückzuführen. Erster Ansprechpartner bei Kieferproblemen ist der Zahnarzt. Dieser stellt fest, ob die Beschwerden von den Zähnen oder dem Kiefergelenk ausgehen. Daher werden zuerst die Zähne auf eventuelle Infektionsherde überprüft.

Eine genauere Untersuchung des Kiefers lässt sich mithilfe einer Kinesiographie durchführen. Bei diesem Verfahren stellt man fest, ob einzelne Zähne oder veränderte Kieferbewegungen die Beschwerden hervorrufen. Eine weitere Diagnosemethode ist die Elektromyographie, >mit der sich Verkrampfungen der Muskulatur erkennen lassen. Darüber hinaus können eine Röntgenuntersuchung, eine instrumentelle Funktionsanalyse (API/CPI) sowie radiologische Verfahren zum Einsatz kommen.

Um zu ermitteln, ob möglicherweise psychosoziale Beeinträchtigungen die Kieferbeschwerden auslösen, muss der Patient einige Fragebögen ausfüllen. Da die Diagnostik bei craniomandibulären Dysfunktionen sehr aufwendig ist, erfordert sie von den Patienten viel Geduld.

Differentialdiagnose

Von Wichtigkeit ist auch die Differentialdiagnose. So gilt es, andere Erkrankungen, die für Beschwerden dieser Art infrage kommen, auszuschließen. Dazu gehören zum Beispiel

Behandlung

Auf welche Weise craniomandibuläre Dysfunktionen behandelt werden, richtet sich nach den auslösenden Ursachen. Ist zum Beispiel übermäßiges Zähneknirschen für die Beschwerden verantwortlich, erhält der Patient vom Zahnarzt eine spezielle Aufbissschiene. Dabei handelt es sich um eine Kunststoffschiene, die die Zähne vor Belastungen schützt.

Entstehen die Beschwerden dagegen durch hervorstehende Zähne oder Kronen, gleicht man sie an die anderen Zähne an. Falls notwendig, können weitere Behandlungsschritte durch einen Kieferorthopäden erfolgen.

Sind muskuläre Ursachen der Auslöser für eine craniomandibuläre Dysfunktion, gilt es, die verkrampften Muskeln mithilfe von Massagen oder physiotherapeutischen Methoden wie Dehnübungen wieder zu lockern. Auf diese Weise sollen die Muskeln gestärkt und Fehlhaltungen ausgeglichen werden. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind

Als hilfreich gelten zudem Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training.

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