Muttermilch - Warum ist sie so gesund und wichtig für das Baby?

Muttermilch gilt als die beste und gesündeste Ernährung für das Baby. Neben allen wichtigen Vitalstoffen enthält sie auch alle wichtigen Schutzstoffe. Durch das Stillen kann somit eine gesunde Entwicklung des Kindes gewährleistet werden. In manchen Fällen kann aber auch Flaschennahrung sinnvoll sein. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über Muttermilch.

Die Vorzüge der Muttermilch

Was ist Muttermilch und wie bzw. wo entsteht sie?

Muttermilch ist Säuglingsnahrung. Sie wird 24 bis 48 Stunden nach der Geburt des Kindes in den Milchdrüsen der weiblichen Brust gebildet.

Herstellung und Abgabe der Muttermilch werden als Laktation bezeichnet. Bereits in der Schwangerschaft wird die Brust auf das Stillen, also die Ernährung des Säuglings, vorbereitet. Diese Vorbereitung erfolgt durch die Hormone Östrogen, Prolaktin, Progesteron und humanes Plazentalaktogen (HPL).

Nach der Geburt fallen mit der Abstoßung des Mutterkuchens der Östrogen- und Progesteronspiegel. Der Prolaktinspiegel hingegen steigt an. So kommt die Milchproduktion in Gang.

Zusätzlich wird der Milchfluss durch einen regelmäßigen Saugreiz aktiviert. Je öfter das Baby also an die Brust gelegt wird, desto mehr Milch wird produziert.

Gleichzeitig werden die milchproduzierenden Drüsen durch das Kuschelhormon Oxytozin stimuliert. Diese ziehen sich zusammen und die Milch wird in die Milchgänge gepresst.

Bei der ersten Milch handelt es sich um das so genannte Kolostrum bzw. die Vormilch. Diese steht dem Neugeborenen direkt nach der Entbindung zur Verfügung.

Nach drei bis fünf Tagen kommt es mit dem Milcheinschuss zur Herstellung der Produktion der Übergangsmilch. 15 Tage später wird daraus die reife Muttermilch, die das Kind für eine lange Zeit versorgen kann.

Wichtige Inhaltsstoffe der Muttermilch

Muttermilch enthält unter anderem:

Die Zusammensetzung der Muttermilch ändert sich im Laufe der Stillzeit. So enthält die reife Muttermilch weniger Laktose und Eiweiß, dafür jedoch mehr Fett und Kalorien als die Vormilch.

Gesundheitliche Vorzüge - Warum ist Muttermilch so gesund?

Muttermilch ist gesund. Sie

  • stärkt die Darmflora
  • senkt das Allergierisiko
  • unterstützt das Immunsystem des Kindes
  • zögert die Zeit bis zur ersten Infektion hinaus

Kalzium

Durch die Ernährung der Mutter werden die wertvollen Inhaltsstoffe der Muttermilch beeinflusst. Das in der Muttermilch enthaltene Kalzium braucht das Kind ganz dringend, denn es dient der Bildung von Knochen und Zähnen. Man geht davon aus, dass besonders für Frühgeborene die Muttermilch sehr wichtig und fast nicht zu ersetzen ist.

Antioxidantien

Die so genannten Antioxidantien sind für das Abfangen der freien Radikalen verantwortlich. Bei Frühgeborenen gibt es ein erhöhtes Aufkommen dieser Stoffe und die Antioxidantien erhalten sie über die Muttermilch.

Optimale Abstimmung

Muttermilch ist optimal auf den Organismus des Kindes abgestimmt und am besten verdaulich. Sie entspricht dem Stoffwechsel des Kindes und kann es deshalb auf natürliche Weise mit allem versorgen was das Kind benötigt.

Muttermilch ist nicht nur wichtig, sondern auch praktisch, denn sie

  • ist immer in der richtigen Temperatur verfügbar und
  • passt ihr Angebot der Nachfrage des Kindes an.

Ihre einzigartige Zusammensetzung versorgt das Kind mit allem, was es zum wachsen und gedeihen braucht. Die Nährstoffe sind genau auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt.

Infektionshemmende Eigenschaften und Wachstumsfaktoren

Schon die Vormilch (Kolostrum) besitzt eine große Anzahl an Antikörpern und Wachstumsfaktoren sowie infektionshemmende Eigenschaften. Es wirkt abführend und erleichtert den ersten Stuhlgang des Kindes.

Dann gibt es eine Übergangsmilch und schließlich die reife Milch. Diese enthält alles, was das Kind für Wachstum und Entwicklung braucht.

Auswirkungen auf die Gesundheit

  • Gestillte Kinder sollen nachweislich weniger anfällig für bestimmte Krankheiten sein, wie zum Beispiel Allergien oder Infektionskrankheiten.
  • Einer Besiedelung von schädlichen Bakterien im Darm des Kindes wirkt die Muttermilch durch ihre Inhaltsstoffe entgegen.
  • Bestimmten Angaben zu Folge soll das Stillen auch das Risiko des plötzlichen Kindstodes mindern.
  • Man geht davon aus, dass gestillte Kinder später seltener an Übergewicht leiden.
  • Beim Stillen wird die Entwicklung der Zungen-, Gaumen- und Gesichtsmuskulatur positiv beeinflusst.

Wie lange gibt man dem Baby Muttermilch?

Die Empfehlungen der meisten Hebammen und Kinderärzte gehen dahin, dass sechs Monate voll gestillt werden soll. Dann hat sich der Organismus des Kindes, im Besonderen der Magen-Darm-Trakt, so entwickelt, dass die so genannte Beikost zugefüttert werden kann.

Normalerweise wird die Milchmenge von Angebot und Nachfrage geregelt, trotzdem kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass die Muttermilch nicht ausreicht oder ein Überschuss besteht. Im ersten Fall muss dann eventuell zugefüttert werden, im zweiten Fall wird die Milch abgepumpt.

Der Zeitpunkt des Abstillens

Muttermilch ist nachgewiesener Weise die gesündeste Ernährung für das Baby, aber irgendwann muss auch einmal abgestillt werden. Dieser Zeitpunkt ist bei jedem Kind verschieden und es gibt wohl keine allgemein gültige Regel.

Immer wieder hört man Geschichten von Müttern, die noch in den Kindergarten oder gar in die Schule fahren, um zu stillen. Das ist dann doch wohl zu lange.

Beim Stillen besteht eine sehr enge Beziehung zwischen Mutter und Kind und das Stillen dient nicht nur der Nahrungsaufnahme. Es ist eine zärtliche Nähe, in der das Kind Liebe und Geborgenheit erfährt.

Die meisten Mütter spüren in der Regel, wie lange diese Nähe erforderlich und notwendig ist und auch das Kind signalisiert oft, dass es die Mutterbrust nicht mehr mag. Die Muttermilch enthält nicht nur Vitalstoffe, sondern auch Schutzstoffe, die das Kind dringend benötigt.

Ist die Muttermilch noch geeignet oder muss beigefüttert werden?

Empfehlungen, die als Richtlinie zu verstehen sind, gehen dahin, dass das Kind sechs bis vierundzwanzig Lebensmonate gestillt werden soll oder kann. Dabei soll es in den ersten sechs Lebensmonaten möglichst voll gestillt werden. Wenn

dann ist die Muttermilch auch ausreichend. Die regelmäßigen Besuche beim Kinderarzt können die gesunde Entwicklung des Kindes bestätigen. Ist sich die Mutter einmal unsicher, kann sie auch immer Rat bei der Hebamme einholen.

Muttermilch sollte so lange gegeben werden, wie beide Parteien, Mutter und Kind, dies benötigen. Muttermilch ist die sicherste Gesundheitsvorsorge für das Kind und das Stillen stärkt sein Urvertrauen.

Vitamin D mit der Muttermilch – schon Schwangere sollten Vitamine einnehmen

Muttermilch liefert dem Baby alles, was es braucht – bis auf die Vitamine D und K. Die meisten Säuglinge erhalten in Deutschland deshalb ab dem fünften Lebenstag eine Tablette mit 10 µg (400 IE) Vitamin D.

Wenn die Mutter schon während der Schwangerschaft reichlich Vitamin D zu sich nimmt, könnte diese Prophylaxe entfallen. Wissenschaftler der University of British Columbia haben getestet, wie das lebenswichtige Vitamin sich in der Muttermilch anreichert.

Vitamin D für Schwangere?

Über die Gabe von Vitamin D für Schwangere gibt es unterschiedliche Ansichten.

  • Dass die Knochenbildung des ungeborenen Kindes auf Vitamin D angewiesen ist, gilt als erwiesen.
  • Auch für starke Zähne ist das "Sonnenvitamin" erforderlich.

Viele Schwangere nehmen deshalb vorsorglich künstliches Vitamin D ein, gern in Kombination mit Fluorid, das die empfindlichen Zähne vor den Folgen der hormonellen Umstellung schützen soll.

Die tägliche Tablette mit Vitamin D und Fluorid ist außerdem Standard für Babys während des ersten Lebensjahres. Als spätestens Starttermin setzen Kinderärzte hier den zweiten Lebensmonat an.

Immer mehr Mütter sehen die Medikamentengabe für ihr Kind aber skeptisch. Die kanadischen Forscher geben hier Hoffnung, dass sich die tägliche Tablette vermeiden lässt – wenn die Schwangere genug Vitamin D im Körper anreichert, um dieses später mit der Muttermilch an ihre Baby weiterzugeben.

Muttermilch macht Tabletten überflüssig

Die Forscher gehen davon aus, dass werdende Mütter ausreichend Vitamin D an ihr Kind abgeben können, wenn sie in der Schwangerschaft schon entsprechende Vitaminpräparate zu sich nehmen. Wie viel Vitamin D in der Muttermilch vorhanden ist, haben sie an 220 Frauen getestet, die zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche mit der Vitamin-Einnahme begannen.

etestet wurden unterschiedlich hohe Dosierungen und Einnahmezeiten bis zu sechs Monate nach der Geburt. Die Wissenschaftler interessierten sich dabei auch für die Frage, wie viel Vitamin D die Säuglinge tatsächlich aus der Muttermilch aufnehmen können.

Schutz für viele Wochen

Gestützt wird die These durch eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2015. Demzufolge steigt der Schutz des Säuglings vor Rachitis und Karies, je mehr Vitamin D die Mutter während der Schwangerschaft zu sich nimmt.

Getestet wurden Tabletten mit 10, 25 und 50 μg Vitamin D3. Hatte die Schwangere eine höhere Dosierung eingenommen, lieferte die Muttermilch noch acht Wochen nach der Geburt ausreichend Vitamin D für das Baby. Eine zusätzliche Vitamingabe war bei gestillten Kindern dann unnötig.

Hat Muttermilch auch Nachteile? - Wann ist Flaschennahrung besser?

Nicht immer scheint Muttermilch das Beste für das Baby zu sein. In seltenen Fällen können sich gesundheitliche Nachteile ergeben. Dies wäre bei Frühchen, die zu schwach sind, um zu saugen, sowie für kranke Kinder oder Kinder, deren Mütter Diabetes haben, der Fall.

Flaschennahrung ist dann besser, wenn

  • die Milch durch Alkohol, Medikamente oder Nikotin stark belastet ist
  • eine Mangelversorgung des Kindes durch Jod, Vitamin D, K, B12 vorliegt
  • die Mutter Infektionen an ihr Baby weitergeben könnte (z.B. Hepatitis, Zytomegalie, Tbc)
  • das Kind länger unter Neugeborenen-Ikterus leidet
  • das Baby nach der Geburt zu viel Gewicht verliert

Zu guter Letzt noch ein Rat für stillende Mütter...

Stillende Mütter sollten Transfette meiden

Wie eine neue Studie aufzeigt, erhöhen stillende Mütter, die über ihre Ernährung eine hohe Menge an Transfetten zu sich nehmen, maßgeblich die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Neugeborenen einen hohen Anteil an Körperfett haben werden.

Transfette sind Fette, die künstlich produziert werden. Der genaue Prozess wird als Hydrierung bezeichnet. Dieser Prozess wandelt flüssiges Öl, das aus Gemüse gewonnen wird, in feste Fette um. Sie wurden in Tausenden von industriell hergestellten Nahrungsmitteln gefunden, wie zum Beispiel in Fast Food oder Fertigessen.

US-Forscher fanden heraus, dass Neugeborene von stillenden Müttern, die mehr als 4,5 Gramm an Transfetten pro Tag zu sich nahmen, nahezu doppelt so hohe Werte an Körperfett (Fettleibigkeit) hatten als Neugeborene, deren Mütter weniger als 4,5 Gramm an Transfetten pro Tag zu sich nahmen.

Transfette als Faktor für die Entstehung von Fettleibigkeit

Das Forscherteam suchte nach verschiedenen Arten von Fetten und konnte letztlich die Transfette als die ausschlaggebenden Fette für die Erhöhung der Körperfettwerte ausfindig machen.

Alex Anderson, Professor an der Georgia-Universität und einer der Wissenschaftler, die an der Studie beteiligt waren, sagte, dass Transfette ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Fettleibigkeit seien.

In den Forschungsergebnissen betonte er, dass Muttermilch als optimale Ernährung für eine gute Gesundheit eines Neugeborenen angesehen wird, aber letztendlich die Muttermilch selbst auch hohe Mengen an Transfetten in sich bergen kann. Im Großen und Ganzen hängt die Menge der Transfette von der Diät der Mutter ab.

Weiterhin fand er heraus, dass es wichtig ist, das Körperfett im Verhältnis zum Körpergewicht zu messen, und nicht wie früher davon auszugehen, dass Übergewicht zu haben gleichbedeutend mit einer großen Prozentanzahl an Körperfett und umgekehrt ist.

Es ist nicht nur das Gewicht, aber der Anteil an Körperfett einer Person, die die Gesundheit beeinflusst. Das ist der Grund, warum Fettleibigkeit ein so wichtiges Kriterium für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Konkrete Ergebnisse der Studie

Um den Effekt einzudämmen, den die Aufnahme von sich in der Muttermilch befindlichen Transfette bei Kindern auslöst, untersuchten die Experten drei verschiedene Gruppen:

  1. Mütter, die ihre Kinder ausschließlich mit Muttermilch ernährten
  2. Mütter, die nur Muttermilchersatz einsetzten
  3. Mütter, die den Einsatz von Muttermilch und Muttermilchersatz kombinierten

Neben der Bestimmung des Fettanteils im Körper der Kinder zeigten die Studien, dass Mütter, die mehr als 4,5 Gramm an Transfetten pro Tag zu sich nahmen, das Risiko der Fettzunahme bei sich selbst um das sechsfache erhöhten. Diese Ergebnisse standen unabhängig von dem Gewicht der Frauen vor Beginn der Schwangerschaft.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Aufnahme von Transfetten einen weitaus höheren Gewichtseffekt für stillende Mütter hat als zu jeder anderen Phase in ihrem Leben als Frau.

Weitere Informationen zu den Forschungsergebnissen wurden in "The European Journal of Clinical Nutrition" veröffentlicht.

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Quellenangaben
  • baby breastfeeding © Vladislav Gansovsky - www.fotolia.de

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