Haltungsschäden bei Kindern erkennen und vorbeugen

Fünf kleine Kinder laufen barfuß über eine Wiese

Ursachen, mögliche Folgen und gezielte Prävention von Haltungsschäden

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  • von Paradisi-Redaktion

Haltungsschäden sind bei Kindern und Jugendlichen ein verbreitetes Problem. Da diese langfristig zu einem verfrühten Verschleiß von Knochen, Gelenken und Bändern führen und so erhebliche Schmerzen und Einschränkungen verursachen können, sollten eventuelle Schäden möglichst frühzeitig erkannt oder besser noch im Vorfeld verhindert werden. Die Prävention beginnt bereits im Babyalter mit der richtigen Tragetechnik.

Babys richtig tragen

Im Mutterleib und in den ersten Monaten nach der Geburt ist die Wirbelsäule eines Kindes nach hinten gekrümmt, gleichzeitig sind die Beine im Hüftgelenk um mehr als 90 Grad angewinkelt. Diese natürliche Haltung sollte auch beim Tragen unterstützt werden: Die Tragehilfe sollte den Rücken des Babys zwar stützen, aber dennoch eine Krümmung zulassen.

Ein Tragetuch, in dem das Baby mit gespreizten, angewinkelten Beinen sitzen kann, ist dafür in der Regel gut geeignet. Wird das Kind vor dem Bauch getragen, sollte sein Blick in Richtung der Mutter gewandt sein, da seine Wirbelsäule anderenfalls in eine ungesunde Hohlkreuz-Stellung gezwungen wird.

Die weitere Entwicklung

In der weiteren Entwicklung des Kindes, wenn es zunächst im Liegen den Kopf anhebt und später zu sitzen, zu stehen und zu laufen lernt, wird die Wirbelsäule nach und nach umgebildet. Etwa im Alter von zwei Jahren hat sie die typische S-Form erreicht:

Die Halswirbelsäule ist, von der Seite her betrachtet, leicht nach vorn gekrümmt, die Brustwirbelsäule leicht nach hinten und die Lendenwirbelsäule wiederum leicht nach vorn.

Mögliche Gründe für Haltungsschäden

Die S-Form der Wirbelsäule ermöglicht das aufrechte Stehen und Gehen, allerdings nur dann, wenn auch die Rücken- und Bauchmuskulatur ausreichend stark sind.

Insbesondere in den Phasen des forcierten Längenwachstums zwischen dem fünften und dem siebten sowie zwischen dem elften und dem 15. Lebensjahr kann es vorkommen, dass die Muskulatur mit der Entwicklung der Knochen nicht Schritt halten kann. Die in Relation zum Skelett zu schwache Muskulatur macht sich bemerkbar in Form:

  • eines Hohlkreuzes
  • eines Rundrückens
  • eines Flachrückens

Begünstigt wird die Entstehung von Haltungsschäden durch:

  • eine vorwiegend sitzende Lebensweise
  • Bewegungsmangel
  • einseitige oder zu große Belastungen (letztere beispielsweise auch in Form von Übergewicht)

Haltungsschäden erkennen

Ein ausgeprägtes Hohlkreuz mit nach vorn gewölbtem Bauch sowie ein Rundrücken mit stark herausstehenden Schulterblättern fallen in der Regel ins Auge. Da bei Haltungsschäden jedoch eine möglichst frühzeitige Diagnose entscheidend für den Behandlungserfolg ist, sollten auch unabhängig davon einige kleine Tests zur Früherkennung durchgeführt werden, ganz besonders dann, wenn ein Wachstumsschub zu verzeichnen ist.

Steht das Kind gerade mit hüftbreit gesetzten Füßen, sollten sich die Kniekehlen auf gleicher Höhe befinden, beide Arme denselben Abstand zum Körper haben und die Pofalte gerade verlaufen. Die Schulterblätter sollten nur wenig hervorstehen.

Von der Seite betrachtet sollten sich die äußeren Fußknöchel, die Hüftknochen, die Schultergelenke und die Ohren auf einer gedachten geraden Linie befinden.

Zudem sollte ein Grundschulkind folgende Aufgaben meistern können:

  • mit nach vorn ausgestreckten Armen 30 Sekunden lang gerade stehen
  • mit geschlossenen Augen 60 Sekunden stehen, ohne ins Schwanken zu geraten
  • mit durchgestreckten Knien die Fingerspitzen zu den Zehen führen
  • ohne Festhalten eine Ferse bis zum Po bewegen

Gibt es bei diesen Tests Auffälligkeiten, sollte ein Orthopäde konsultiert werden.

Haltungsschäden durch Bewegung vorbeugen

Der beste Schutz für die Wirbelsäule ist eine leistungsfähige Muskulatur. Kinder sollten also viele Gelegenheiten bekommen, ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachzugeben oder gegebenenfalls zu Bewegung im Freien ermuntert werden. Laufspiele sind besonders geeignet, da diese natürliche Bewegungsformen fördern.

Auch Schwimmen ist sinnvoll, allerdings sollte dabei die Technik beherrscht werden.

Spezielle (kranken-)gymnastische Übungen zur Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur hingegen werden erst bei bereits vorhandenen Haltungsschäden notwendig. Im Bereich der Prävention darf gern der Spaß im Vordergrund stehen, denn dieser stellt für Kinder den besten Anreiz zur Bewegung dar.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Five young friends running outdoors smiling © Monkey Business - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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