Behandlungsmöglichkeiten von Verletzungen und Brüchen mithilfe von Verbandmaterial

Frauenbeine, rechtes Bein mit Schiene gestützt

Verbandmaterial wird mitunter zur Stabilisation, Mobilisation sowie Kompression verwendet

Unter Verbandmaterial versteht man medizinische Produkte zur Versorgung von Verletzungen, Wunden und Knochenbrüchen. Zu den Verbandmitteln gehören zum Beispiel Bandagen, Verbände, Binden und Wundauflagen.

Verbandmaterial wird auch als Verbandszeug oder Verbandmittel bezeichnet. Gemeint sind damit sämtliche Materialien, die zur Herstellung von medizinischen Verbänden dienen. In den meisten Fällen bewahrt man Verbandmaterial in einem speziellen Verbandkasten auf.

Definition

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) definiert Verbandmaterial als medizinische Produkte, mit denen

versorgt, behandelt oder verhütet werden. Darüber hinaus dienen sie zur

  • Stabilisation
  • Kompression
  • funktionalen Mobilisation oder
  • Immobilisation

von Körperteilen. Zu unterscheiden ist zwischen

  • sterilen Wundauflagen und
  • nichtsterilem Befestigungsmaterial.

Allerdings gibt es auch

  • Kombinationen aus Befestigungsmaterial und Wundauflagen.

Zu den Befestigungsmaterialien werden unter anderem

  • Mullbinden
  • elastische Binden zum Fixieren oder
  • Dreiecktücher

gezählt. Weiterhin sind

  • gebrauchfertige Zusammenstellungen wie Wundschnellverbände und Verbandpäckchen

erhältlich.

Funktionen

Verbandmittel erfüllen je nach Verwendung unterschiedliche Zwecke. So

  • schützen sie Wunden vor äußeren Einflüssen
  • stillen Blutungen
  • lindern Schmerzen
  • stützen oder umhüllen Körperteile
  • fördern die Granulation und
  • saugen Exsudate auf.

Manche Materialien sorgen auch für ein heilungsförderndes Mikroklima oder applizieren Arzneimittel.

Unterschiedliche Arten von Verbandmaterial

Verbandmittel lassen sich für unterschiedliche Zwecke und Körperbereiche verwenden. So gibt es

  • Augenklappen
  • Armschlingen
  • Bandagen
  • Dreiecktücher
  • Druckverbände
  • Fingerschnellverbände
  • Frakturschienen
  • Gipsverbände
  • Kompressen
  • Mullbinden
  • Tamponaden sowie
  • Wundauflagen und
  • Wundschnellverbände.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die unterschiedlichen Arten sowie deren Verwendungsmöglichkeiten im Detail vor.

Augenklappe

Mithilfe einer Augenklappe lässt sich ein Auge zeitweilig oder dauerhaft abdecken. Bei einer Augenklappe handelt es sich um eine ovale Schale, die leicht gewölbt und ungefähr so groß wie ein Hühnerei ist. Zu ihrer Befestigung am Kopf dient normalerweise ein elastisches Band.

Als Materialien für eine Augenklappe kommen zumeist

  • Leder
  • Kunststoff oder
  • Filz

zur Anwendung, aber auch andere Stoffe sind möglich. Manche Exemplare lassen sich auch an einer Brille befestigen.

Verwendungszwecke

Augenklappen können sowohl zu medizinischen als auch zu kosmetischen Zwecken zur Anwendung kommen.

  • Bei einer kosmetischen Anwendung dient die Augenklappe zum Überdecken von Makeln wie einem fehlenden oder blinden Auge.
  • Augenärzte setzen Augenklappen mitunter bei Kindern zur Behandlung von funktionellen Sehschwächen auf einem Auge ein, wie zum Beispiel bei Amblyopie (Schwachsichtigkeit).
  • Darüber hinaus können sie beim Auftreten von Doppelbildern zur Anwendung kommen.
  • Ein weiterer Verwendungszweck von Augenklappen sind Gesichtsfelduntersuchungen. Dabei wird ein Auge mit der Klappe abgedeckt, während der Augenarzt das andere Auge untersucht.

Zur Ruhigstellung oder zum Schutz nach Operationen ist eine Augenklappe allerdings nicht geeignet. Stattdessen kommen nach operativen Eingriffen Augenverbände zur Anwendung. Manchmal werden Augenklappen auch

  • von Sportschützen zum leichteren Anvisieren oder
  • als Verkleidungsrequisit beim Karneval

benutzt.

Armschlinge

Speziell zum Ruhigstellen eines Arms dient die Armschlinge. Sie wird bei

  • Armverletzungen
  • Erkrankungen oder
  • nach chirurgischen Eingriffen

angelegt.

Verschiedene Arten von Armschlingen

Es gibt unterschiedliche Arten von Armschlingen. Zu den bekanntesten zählt das Dreiecktuch, das im Rahmen von Erste-Hilfe-Maßnahmen zum Einsatz kommt.

Während das Dreiecktuch zur ersten Versorgung nach einem Unfall oder einer Verletzung dient, kommen andere Armschlingen auf ärztliche Anweisung zur Anwendung, um den Heilungsprozess zu fördern. Dazu zählen auch Gipsverbände.

Weiterhin lassen sich Armschlingen zur Behandlung von Entzündungen wie dem Tennisarm verwenden. Das Gleiche gilt für Überlastungen oder Reizungen an Ellenbogen oder Schulter.

Neben Dreiecktüchern werden auch gebrauchsfertige Armschlingen in unterschiedlichen Größenordnungen angeboten. Eine weitere Form sind vorgefertigte Bänder und Gurte, die sich individuell anpassen lassen.

In manchen Krankenhäusern stellt man Armschlingen auch selbst her. Dazu wird ein Verbandschlauch mit polsternder Watte gefüllt.

Grundsätzlich sollte das Tragen einer Armschlinge unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. So besteht bei einer längeren Ruhigstellung der Schulter die Gefahr, dass es zu einer sekundären Gelenkversteifung kommt, was wiederum weitere Beschwerden zur Folge hat.

Bandage

Bei Bandagen handelt es sich um Schutz- oder Stützverbände. Sie sollen bestimmte Körperstellen vor Verletzungen schützen.

Verwendungszweck

Bandagen werden um eine bestimmte Körperstelle, wie zum Beispiel ein Gelenk, gewickelt um diese vor Überbeanspruchung zu schützen. Vor allem im Sport verwendet man Bandagen zu diesem Zweck. Auf diese Weise lassen sich Gelenke und Knochen bis zu einem gewissen Grad schützen.

Aber auch als Rehabilitationsmaßnahme nach einer Verletzung oder zu deren Behandlung kommen Bandagen zum Einsatz. Bandagen werden in unterschiedlichen Größen und Formen angeboten.

Aufgrund ihrer hohen Elastizität kann man sie an jeder Körperstelle einsetzen, die einer Stütze bedarf. Dazu gehören vor allem

Materialien, die man zur Herstellung von Bandagen verwendet, sind zum Beispiel

  • Mull
  • Flanell
  • Keramik und
  • Trikotschlauch.

Wirkungsweise

Die Wirkung von Bandagen beruht auf Kompression und Förderung der Durchblutung. Dadurch wird nach Bänderrissen oder Blutergüssen der Heilungsprozess beschleunigt. Darüber hinaus lässt sich durch das Anlegen einer Bandage auch eine manuelle Lymphdrainage unterstützen.

Zu diesem Zweck legt man eine Kompressionsbandage an, die die Wirkung der Drainage verstärkt. Bei fachgerechter Verwendung kann eine Bandage durch gezielten Druck

  • entlastend
  • stützend und
  • schmerzlindernd

wirken. Gleichzeitig lässt sich

  • ein Massageeffekt erzielen, der die Durchblutung anregt,

was wiederum positiv für den Heilungsprozess ist. Da elastische Bandagen dem Einnehmen einer Schonhaltung entgegenwirken, wird auf diese Weise ein beschleunigter Abbau von Bindegewebe, Gelenkknorpeln, Knochen und Muskeln vermieden. Sinnvoll kann auch eine vorbeugende Anwendung von Bandagen sein.

Dreiecktuch

Das Dreiecktuch stellt einen wichtigen Bestandteil des Verbandkastens dar. Das Verbandmittel wird Dreiecktuch genannt, weil es ungefähr die Form eines gleichschenkeligen, rechtwinkligen Dreiecks hat.

Seine Basislänge beträgt in der Regel mehr als 1,30 Meter, während seine Kathetenlänge etwas unter einem Meter liegt. Sein Material besteht entweder aus Faserstoff oder Baumwolle.

Die Farbe des Dreiecktuchs ist zumeist weiß, es kann aber auch eine schwarze oder olivgrüne Farbe haben, wie zum Beispiel beim Militär. Entwickler des Dreiecktuchs war der deutsche Arzt Friedrich von Esmarch (1823-1908).

Verwendung

Zur Anwendung kommen Dreiecktücher in der Ersten Hilfe. Dabei dienen sie als

  • Polsterung
  • Tragehilfe oder
  • Fixiermittel.

Für das direkte Abdecken einer Wunde eignet sich das Tuch allerdings nicht, da es zu den unsterilen Verbandmitteln zählt.

Dreiecktücher sind einfach anzulegen und können an Körperstellen wie

  • Händen
  • Füßen
  • Knien
  • Hüfte
  • Schultern
  • Ellenbogen sowie
  • an Kopf und
  • Kinn

befestigt werden. Auch das Anlegen eines Druckverbandes ist mit einem Dreiecktuch möglich. Mit dem Tuch lassen sich sterile Kompressen oder Verbandtücher fixieren.

Seine Enden werden mit einem Kreuzknoten zusammengebunden. In manchen Fällen ist es erforderlich, das Dreiecktuch zu einer Dreiecktuchkrawatte zu falten.

Verwenden lässt sich ein Dreiecktuch auch

  • als Armtragetuch
  • zum Ruhigstellen eines gebrochenen Körperteils oder
  • zum Anfertigen von Ringpolstern.

Außerdem kann man es zu einem Tragering falten. Dieser wird

  • zum Stabilisieren eines eingedrungenen Fremdkörpers oder
  • zum Transportieren eines Patienten

benutzt.

Druckverband

Eine weitere Erste-Hilfe-Maßnahme kann das Anlegen eines Druckverbandes sein. So ist es überaus wichtig, starke Blutungen so schnell wie möglich zu stoppen, denn bei einem zu großen Blutverlust besteht Lebensgefahr. Als Entwickler des Druckverbandes gilt der deutsche Orthopäde Johann Georg Heine (1771-1838), der ihn im Jahr 1811 einführte.

Eigenschaften

Im Unterschied zu herkömmlichen Verbänden übt ein Druckverband nur punktuellen Druck aus, was bei Blutungen ein großer Vorteil ist. So besteht beim Anlegen eines konventionellen Verbands die Gefahr, dass es dabei zum Abschnüren des gesamten Körperteils kommt, was wiederum das Stoppen des Blutflusses zur Folge hätte.

Ein Druckverband wirkt dagegen dem Blutdruck entgegen, ohne deswegen die arterielle Zufuhr oder die venöse Abfuhr des Blutes zu verhindern. Auf diese Weise lässt sich wertvolle Zeit bis zu einer chirurgischen Behandlung zur Blutstillung gewinnen.

Druckverband anlegen

Vor dem Anlegen eines Druckverbandes, ist es wichtig, die betroffene Körperregion hochzulagern, um die Blutung abzuschwächen. Handelt es sich um eine Wunde am Arm oder am Bein, deckt man diese mit einer sterilen Wundauflage ab.

Anschließend platziert der Helfer einen nicht saugfähigen Gegenstand, wie eine ungeöffnete Mullbinde, auf der Auflage. Diesen Gegenstand fixiert man dann mittels einer Mullbinde mit Druck auf der Wunde und verbindet diese.

Der Druck muss stark genug zum Anhalten der Blutung sein. Reicht ein Druckverband nicht aus, um die Blutung zu stoppen, ist es notwendig, einen zweiten Verband auf dem ersten anzulegen. Nach dem Anlegen des Verbandes wird empfohlen, die betroffene Körperstelle weiterhin hochzulagern.

Nicht angelegt werden darf ein Druckverband am Hals. So besteht das Risiko einer behinderten Atmung, was wiederum eine schlechtere Blutversorgung des Gehirns zur Folge hat. Bei Kindern, die jünger als zehn Jahre sind, muss normalerweise kein Druckverband angelegt werden, da ein fester Bindenverband meist ausreicht.

Fingerschnellverband

Unter einem Fingerschnellverband versteht man ein Verbandmaterial, mit dem sich Wunden an Fingern rasch versorgen lassen. Darüber hinaus dienen sie zum Fixieren von Wundauflagen.

Eigenschaften

Fingerschnellverbände lassen sich innerhalb kurzer Zeit anlegen. Neben der schnellen Versorgung von Fingerwunden kommen sie

  • zur Fixierung von Wundauflagen sowie
  • zum Schutz der Haut unter immobilisierenden Verbänden

zur Anwendung.

Die speziellen Verbände bestehen entweder aus einer einfachen Schlauchbinde, mit der separate Wundauflagen fixiert werden und die der Fingergröße angepasst ist, oder sind bereits mit einer keimfreien Wundauflage ausgestattet. Manche Fingerschnellverbände verfügen auch über selbsthaftende Binden oder einfache Binden, die man verknoten oder mit einem Heftpflaster befestigen muss.

Die Länge eines Fingerschnellverbands liegt in der Regel bei ca. 20 Zentimetern, während seine Breite rund 4 Zentimeter beträgt. Integrierte sterile Wundauflagen werden in verschiedenen Größen, wie 4x4 Zentimeter oder 3x3 Zentimeter angeboten.

Frakturschiene

Frakturschienen werden im Rahmen einer funktionellen Knochenbruchbehandlung eingesetzt. Eine funktionelle Therapie erfolgt vor allem bei Schaftfrakturen von langen Röhrenknochen.

Nachdem zunächst ein Gipsverband oder eine Gipsschiene zur Ruhigstellung der betroffenen Körperstelle angelegt wurden, schließt sich nach Abklingen der Frakturschmerzen die Behandlung mit einer individuellen Frakturschiene an, die an die Stelle des Gipses tritt.

  • Durch eine Frakturschiene ist es möglich, das Bewegungsausmaß der angrenzenden Gelenke weniger einzuschränken oder sogar vollkommen frei zu lassen.
  • Durch die freigegebene Funktion des betroffenen Körperteils wird die Knochenneubildung gefördert, was auf eine bessere Durchblutung und eine günstigere physiologische Umgebung zurückzuführen ist.

Der Patient kann dabei die Belastung, abhängig von auftretenden Schmerzen, selbst steuern. Wird eine Frakturschiene richtig angelegt, sind normalerweise keine Achsen- oder Rotationsfehlstellungen zu befürchten.

Hat sich der Knochenbruch konsolidiert und bestehen keine Beschwerden mehr, kann die Frakturschiene wieder abgenommen werden. Danach ist mitunter eine physiotherapeutische Rehabilitation sinnvoll.

Gipsverband

Als Gipsverband wird ein Hartverband bezeichnet, der zur Ruhigstellung von Gliedmaßen oder Gelenken dient. Er kommt im Rahmen einer konservativen Knochenbruchbehandlung zur Anwendung.

Gipsverbände gibt es schon seit dem Jahr 1851. Als ihr Erfinder gilt der niederländische Armeearzt Antonius Mathijsen (1805-1870). Auch heute noch zählt der Gipsverband zu den gängigsten Maßnahmen bei einer konservativen Frakturbehandlung.

Eigenschaften

Nach einem Knochenbruch ist es wichtig, die Fraktur während des Heilungsprozesses ruhigzustellen, was durch das Anlegen eines Gipsverbandes ermöglicht wird. Dazu muss der Patient den Gips einige Wochen lang tragen, was nicht immer angenehm ist.

Angelegt werden Gipsverbände zumeist an Armen und Beinen, bei denen keine komplizierten oder verschobenen Brüche bestehen. Aber auch

kann ein Gipsverband zur Anwendung kommen.

Anlegen eines Gipsverbandes

Ein Hartverband setzt sich in der Regel aus vier Schichten zusammen. Dies sind

  • der Unterzug
  • die Polsterung
  • das Hartmaterial und
  • der Überzug.

Der erste Schritt beim Anlegen des Verbandes besteht darin, die gebrochene Körperstelle in die richtige Stellung zu bringen. Anschließend legt der behandelnde Arzt> einen Schlauchverband als Unterzug an, der der Polsterung eine sichere Unterlage verschafft und durch Polsterwatte eventuellen Hautirritationen entgegenwirkt.

Das Fixieren und Komprimieren der Polsterwatte erfolgt durch Binden, die überlappend angelegt werden. Auf diese Weise entsteht eine glatte Oberfläche. Nächster Schritt ist das Auftragen des Gipses. Alternativ kann auch Kunststoff zur Anwendung kommen.

Da der Unterzug und die Polsterung an beiden Enden des Verbandes 5 bis 10 Zentimeter zu lang sind, klappt man die beiden Enden um und fixiert sie mit der letzten Gipsbinde. Zum Abschluss erfolgt das Anlegen eines weiteren Schlauchverbandes, der den eigentlichen Verband vor Verschmutzungen schützt.

Nachteile

Mit einem Gipsverband ist zwar die wirksame Ruhigstellung eines Knochenbruches möglich, jedoch hat die Behandlung auch einige Nachteile. Dazu gehört zum Beispiel die Körperpflege, da der Gips nicht nass werden darf.

So liegt die Haut unter einer luftdichten Verpackung und trocknet nicht, wenn sie nass wird, wodurch die Gefahr von Hautschädigungen besteht. Allerdings gibt es in der Apotheke spezielle Duschfolien, mit denen sich der Gipsverband vor Wasser schützen lässt.

Ein weiteres Problem ist, dass man mit einem Gipsverband nicht Autofahren kann. Auch sportliche Betätigungen müssen während des Heilungsprozesses unterbleiben.

Durch das Tragen eines Gipsverbandes kann es durch die lange Ruhigstellung auch zu gesundheitlichen Problemen kommen, wie

Kompresse

Ebenfalls zu den Verbandmitteln zählen Kompressen. Sie werden zum Schutz von Wundflächen verwendet.

Eigenschaften

Bei Kompressen handelt es sich um Wundauflagen. Der Begriff "Kompresse" entstammt dem lateinischen Wort "Comprimere" und bedeutet "zusammendrücken". Zusammengesetzt werden Kompressen aus mehrlagiger Gaze oder Vliesstoff. Es gibt sie sowohl steril als auch nicht steril.

Zur Anwendung kommen Kompressen,

  • um Wundflächen zu schützen.

Sie lassen sich aber auch

  • zum Stillen von Blutungen oder
  • als Salbenverbände

verwenden. Das Anlegen einer Kompresse erfolgt normalerweise durch das Fixieren der Wundauflage mit einem Klebesteifen oder Pflaster. Danach umwickelt man sie mit einer Mullbinde. Auf diese Weise kommt es zu leichtem Druck auf die Wunde, wodurch sich der Blutfluss stoppen lässt.

Als Sonderform gelten Verbandpäckchen. In diesen sind Binde und Wundauflage bereits integriert. Abgepackte und zurechtgeschnittene sterile Wundauflagen, die im Handel erhältlich sind, bezeichnet man ebenfalls als Kompressen.

Arten von Kompressen

Es gibt mehrere Arten von Kompressen. So unterscheidet man zwischen

  • Mullkompressen
  • Vliesstoffkompressen und
  • Kalt-Warm-Kompressen.

Mit sterilen oder unsterilen Mullkompressen werden im Rahmen von Erste-Hilfe-Maßnahmen Wunden aller Art versorgt.

Die vielfach gefalteten Mullkompressen bestehen aus Viskosefasern oder Baumwollfasern. Dem gleichen Zweck wie Mullkompressen dienen Vliesstoffkompressen, die sich aus einer Mischung aus Viskose und Polyester zusammensetzen. Gegenüber Mullkompressen haben sie den Vorteil, dass sie mehr Flüssigkeit aufnehmen können.

Kalt-Warm-Kompressen kommen entweder zum Kühlen oder zum Wärmen zur Anwendung, um Schmerzen zu lindern. Zu ihren Einsatzgebieten gehören

Mullbinde

Mullbinden zählen zu den unsterilen Verbandmitteln. Sie werden zum Fixieren von sterilen Wundauflagen verwendet. Zur Anwendung kommen Mullbinden meist in der Ersten Hilfe. Sie sind von den sterilen Verbandpäckchen abzugrenzen.

Erhältlich sind Mullbinden in unterschiedlichen Größen und Stärken. In den letzten Jahren wurden sie jedoch zunehmend durch modernere Binden wie elastischen Trikotbinden oder Schlauchverbänden ersetzt.

Tamponaden

Als Tamponade bezeichnen Mediziner das Ausfüllen oder Verschließen einer natürlichen oder künstlichen Körperhöhle bzw. Körperöffnung. Im engeren Sinn ist auch eine Verbandtechnik gemeint, bei der ein Verbandstoff wie beispielsweise Gaze in eine Körperhöhle eingeführt wird, um Blutungen zu stillen.

Arten von Tamponaden

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Tamponaden. Dazu gehören

  • die Wundtamponade bei sekundär verheilenden Wunden
  • die Nasentamponade zum Stillen von Blutungen nach einer HNO-Operation
  • die Blasentamponade beim Ausfüllen der Harnblase mit Blutgerinnseln und
  • die Perikardtamponade, bei der sich Blut oder Flüssigkeit in der Perikardhöhle ansammeln.

Wundauflage

Mit Wundauflagen werden äußere Wunden versorgt. Man bringt sie unmittelbar auf eine Wunde auf, damit sie Blut und Wundflüssigkeit aufnehmen können. Darüber hinaus bilden sie einen Schutz vor mechanischen Reizungen und Keimen.

Eigenschaften

Wundauflagen

  • müssen steril oder zumindest keimarm sein und
  • dürfen nicht flusen.

Des Weiteren

  • sollten Wundsekrete von ihnen gut aufgesaugt werden.

Für einen problemlosen Verbandswechsel ist es wichtig, dass

  • sie sich schmerzfrei und leicht von der Wunde entfernen lassen.

Arten von Wundauflagen

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Wundauflagen. Sie verfügen über spezielle Eigenschaften und können an bestimmte Wundtypen angepasst werden.

Inaktive Wundauflagen

Als inaktive Wundauflagen werden klassische Verbandsstoffe wie Vlies oder Mull bezeichnet. Da sie Wundsekrete gut aufnehmen, kommen sie bei trockenen Wunden zur Anwendung. Bei Brandwunden wird so genannte Fettgaze eingesetzt, die über eine Paraffinschicht verfügt.

Interaktive Wundauflagen

Unter interaktiven Wundauflagen versteht man Auflagen, die die Wunde warm und feucht halten. Auf diese Weise wird ein Wundmilieu erzeugt, welches die Wundheilung fördert. Zu den unterschiedlichen Produkten, die für interaktive Wundauflagen verwendet werden, gehören

  • Hydrogele
  • Hydrokolloide
  • Hydrofasern
  • Polyschaumverbände
  • Aktivkohleverbände und
  • transparente Folien.
Aktive Wundauflagen

So genannte aktive Wundauflagen kommen nur in besonderen Fällen zur Anwendung. Zu ihnen zählen

Wundschnellverband

Spricht man von einem Wundschnellverband (WSV), ist damit eine kleine Wundauflage gemeint, die auf die Haut geklebt wird. Besser bekannt ist der Wundschnellverband unter der Bezeichnung Pflaster.

Eigenschaften

Wundschnellverbände bzw. Pflaster sollen kleinere Wunden wie Schnitt- oder Schürfwunden vor dem Eindringen von

  • Krankheitserregern
  • Verschmutzungen und
  • mechanischen Reizungen

schützen. Dadurch lässt sich das Infektionsrisiko vermindern. Außerdem kann der Heilungsprozess ungestört voranschreiten.

Zur Anwendung kommen Pflaster bei kleinen Wunden, bei denen keine besondere Behandlung notwendig ist. Die saugfähige Wundauflage wird auf die Wunde gelegt, während man das Klebeband an der benachbarten Haut befestigt, wodurch die Auflage in der richtigen Position verbleibt.

Das Klebeband eines Pflasters besteht aus Kunststoff oder speziellem Gewebe mit einer klebenden Beschichtung. Manche Pflaster werden von den Herstellern auch mit antibakteriellen Substanzen versehen. Erhältlich sind Pflaster entweder in Form von unterschiedlichen großen Strips oder zum Abschneiden. Zu den bekanntesten Pflastermarken in Deutschland gehört Hansaplast.

Grundinformationen zum Verbandmaterial

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: broken leg in cast © MAXFX - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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