Sozialphobie - Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Sozialphobie kann unterschiedliche Ursachen haben. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sie chronisch werden. Eine Sozialphobie äußert sich durch viele verschiedene Symptome. Die Diagnose wird meist vom Psychologen gestellt.

Die Entstehung einer Sozialphobie und wie man die soziale Phobie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Die Sozialphobie, oder auch soziale Phobie wird zu den Angststörungen gezählt. Die Betroffenen fürchten sich davor, im Mittelpunkt zu stehen und von ihren Mitmenschen negativ bewertet zu werden; sie haben Angst, dass etwas Peinliches passieren könnte. Die Folge ist, dass sie entsprechende Situationen vermeiden, auch wenn sie wissen, dass ihre Angst übertrieben ist.

Erfolgt eine passende Behandlung, kann die Sozialphobie geheilt werden. Doch anderenfalls kann diese chronisch werden.

Ursachen

Was genau die Ursache für die Entstehung einer Sozialphobie ist, wurde von Wissenschaftlern noch nicht eindeutig geklärt. Die Neigung zu Phobien ist möglicherweise vererbt.

Jedoch erkrankt bei Weitem nicht jeder an einer Sozialphobie, der genetisch vorbelastet ist. Eine mögliche Ursache ist zum Beispiel auch diese: Der Betroffene hält in der Schule ein Referat vor der Klasse. Die Klasse lacht ihn aus, obwohl seine Leistung jedoch gut war.

Der Betroffene meidet künftig das Sprechen vor einer größeren Menge, weil er davon ausgeht, wieder ausgelacht zu werden. Man spricht hier von einer lerntheroretischen Erklärung.

Dadurch, dass diese Situationen konsequent gemieden werden, kann es zu einer Sozialphobie kommen. Würde der Betroffene sich seiner Angst stellen und erneut vor einer großen Menge sprechen, würde wohl niemand mehr lachen und der Betroffene wäre geheilt.

Viele Patienten entwickeln bei Aufregung Herzklopfen oder Herzrasen, was in gewissem Maße völlig normal ist. Die Betroffenen haben jedoch große Angst vor diesem Herzrasen, so dass es mit der Zeit immer schlimmer wird. Therapeuten nennen dies die Angst vor der Angst.

Verlauf

Die meisten Betroffenen sind etwa im Jugendalter, wenn sie an der Sozialphobie erkranken. Erfolgt keine Behandlung, wird die Erkrankung chronisch und der Betroffene trägt sie ein Leben lang mit sich herum.

Viele Patienten kapseln sich aufgrund ihrer Erkrankung von Freunden und Familie ab. Einige entwickeln zusätzlich zu ihrer Phobie auch eine Depression.

Um sich zu beruhigen, nehmen viele Patienten starke Beruhigungsmittel ein und werden bei längerem Gebrauch dadurch abhängig. Gleiches gilt auch für den Alkohol. Wird die Sozialphobie hingegen ausreichend behandelt, ist die Chance auf Heilung sehr hoch.

Symptome

Betroffene mit einer Sozialphobie haben große Angst vor Situationen mit vielen Menschen oder vor anderen Menschen. Die Patienten haben Angst, sie könnten sich blamieren oder rot werden, könnten etwas Falsches machen oder sagen.

Die Angst kann so stark werden, dass sie in einer Panikattacke endet. Die meisten Patienten sind extrem schüchtern und unsicher.

Angst auslösende Situationen versuchen die Betroffenen zu vermeiden. Lässt es sich nicht vermeiden, reagieren die Betroffenen in der jeweiligen Situation zum Beispiel mit

Diagnose

Der Facharzt befragt den Patienten genau nach seinen Symptomen und führt diverse psychologische Tests durch, um die Erkrankung einordnen zu können. So können andere psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Um körperliche Ursachen für die Symptome ausschließen zu können, findet meist auch eine eingehende körperliche Untersuchung beim Hausarzt statt. Ähnliche Symptome könnten beispielsweise auch bei einer Schilddrüsenerkrankung auftreten.

Behandlung

Die Behandlung einer Sozialphobie umfasst mehrere Bereiche. Dazu gehören

Medikamente

Je nach Ausmaß der Sozialphobie sind nicht immer Medikamente notwendig. Nur wenn die Angstsymptome sehr stark sind, kann der Therapeut vorübergehend ein Beruhigungsmittel verschreiben.

Gängig sind Tranquilizer, wie zum Beispiel Benzodiazepine, oder auch Antidepressiva, vor allem MAO-Hemmer. Aufgrund der starken Abhängigkeit werden diese Medikamente jedoch nur kurzfristig eingenommen.

Verhaltenstherapie

Jede Sozialphobie wird im Rahmen einer Verhaltenstherapie bei entsprechenden Therapeuten behandelt. In der Therapie lernt der Betroffene, die ihm Angst auslösenden Situationen nicht mehr zu meiden, sondern sich bewusst in derartige Situationen zu begeben. Der Therapeut begleitet den Betroffenen auf geistiger und realer Ebene durch diese Situationen hindurch und hilft, die Angst zu überwinden.

Entspannungsmethoden

Entspannungsmethoden sind für die Betroffenen meist auch sehr hilfreich. Besonders in Situationen, in denen der Betroffene massive Angstzustände bekommt, kann er sich so oftmals selbst beruhigen. Eine Entspannungsmethode ist zum Beispiel autogenes Training.

Tiefenpsychologische Behandlung

Liegt der Grund für eine Sozialphobie in der Vergangenheit, kann auch eine mehrjährige tiefenpsychologische Behandlung notwendig sein, in der der Therapeut mit dem Betroffenen die Vergangenheit schrittweise aufarbeitet.

Vorbeugung

Die Entstehung einer Sozialphobie kann man in der Regel nicht verhindern. Dennoch sollte man sich Angst auslösenden Situationen immer wieder stellen und so die Angst besiegen.

Bemerkt man erste Symptome einer Phobie, sollte man diese umgehend ärztlich abklären lassen. Je früher sie behandelt werden, desto besser sind die Heilungschancen.

Quellen:

  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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