Vulvakrebs (Vulvakarzinom) - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei Vulvakrebs handelt es sich um eine selten vorkommende bösartige Tumorerkrankung der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Betroffen sind vor allem ältere Frauen.

Die Entstehung von Vulvakrebs und wie man das Vulvakarzinom erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

In der Medizin bezeichnet man Vulvakrebs auch als Vulvakarzinom oder Carcinoma vulvae. Die seltene Erkrankung tritt am häufigsten bei Frauen über 60 Jahren auf, kommt mitunter aber auch bei jungen Frauen vor.

Grundsätzlich kann ein Vulvakarzinom an sämtlichen Regionen der äußeren Geschlechtsorgane, also des Schambereichs, auftreten. Besonders betroffen sind jedoch die inneren und äußeren Schamlippen, während im Bereich der Klitoris eher selten ein Tumor entsteht.

Bei Vulvakrebs handelt es sich in den meisten Fällen um ein Plattenepithelkarzinom. Dieses bildet sich durch eine bösartige Entartung der Zellen der obersten Hautschicht. Eher selten tritt ein Vulvakarzinom in Form von schwarzem Hautkrebs (Melanom) auf.

Ursachen

Wodurch Vulvakrebs hervorgerufen wird, konnte bislang noch nicht geklärt werden. Es gibt jedoch bestimmte Risikofaktoren, die sich begünstigend auf die Entstehung eines bösartigen Tumors auswirken. Dazu zählt man vor allem Infektionen mit Humanen Papillom-Viren (HPV). Diese weltweit vorkommenden Erreger sind für warzenähnliche Veränderungen von Haut und Schleimhaut verantwortlich.

Auch die Flechte Lichen sclerosus et atrophicus ist begünstigend, ebenso so genannte Präkanzerosen, Gewebsveränderungen, bei denen es leicht zu einer Entartung kommen kann. Zu diesen zählen

Weitere Risikofaktoren sind

Symptome

Beschwerden machen sich bei einem Vulvakarzinom erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkbar. Zu den häufigsten Symptomen gehören ständiger Juckreiz sowie ein wundes Gefühl. In manchen Fällen kann auch Ausfluss mit Blutbeimischungen aus der Scheide austreten.

Im weiteren Verlauf kommt es zur Bildung von rötlichen Verhärtungen oder Flecken, die ähnlich wie Warzen oder Narben aussehen. Außerdem können spontane Schmerzen auftreten.

Folgen: Metastasierung

Schreitet die Krankheit weiter voran, entsteht ein kontinuierlich wachsender Tumor, der mitunter auch Blutungen hervorruft. Darüber hinaus ist die Entstehung von Metastasen möglich.

Die Tochtergeschwülste bilden sich bereits im frühen Stadium und befallen die Leisten-, später auch die Beckenlymphknoten. Im Spätstadium erfolgt die Metastasierung dann über den Blutweg. Hierbei werden Skelett, Leber und Lunge befallen.

Im weiteren Verlauf folgt eine Ausbreitung auf Harnröhre, Scheide, Blase, den Darm oder den After ausbreitet. Manchmal kommt es dabei zu einer Fistelbildung. Auch so genannte Abklatschmetastasen können auftreten; dabei handelt es sich um eine Übertragung von Tumorzellen auf umliegende Strukturen über die Schleimhautoberflächen.

Diagnose

In den meisten Fällen wird die Entstehung eines Vulvakarzinoms von den Patientinnen selbst oder bei einer Krebsfrüherkennungs-Untersuchung bemerkt. In der Regel führt der behandelnde Arzt eine Kolposkopie durch. Dabei betrachtet er die Schleimhaut mithilfe eines Kolposkops.

Erhärtet sich der Verdacht auf Vulvakrebs, entnimmt man eine Gewebeprobe, die anschließend mikroskopisch untersucht wird. Um festzustellen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat, kommen weitere Diagnoseverfahren wie

zur Anwendung.

Behandlung

Wie ein Vulvakarzinom behandelt wird, hängt von dessen Ausmaß ab. Neben operativen Eingriffen können auch eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Diese Therapiemaßnahmen lassen sich auch miteinander kombinieren.

Operationsmöglichkeiten

In den meisten Fällen erfolgt jedoch eine Operation. Bei kleineren Tumoren kann ein großzügiges Herausschneiden des Herdes ausreichend sein. Oftmals muss allerdings die gesamte Vulva entfernt werden. Liegt eine Streuung des Karzinoms über die Lymphwege vor, operiert man auch die Lymphknoten der Leiste und gegebenenfalls des kleinen Beckens heraus.

Alternativ ist auch eine Bestrahlung möglich, mit der der Tumor verkleinert wird. Allerdings ist diese Methode weniger effektiv als ein chirurgischer Eingriff.

Daher kommt sie nur in Ausnahmefällen zur Anwendung. Als nicht wirksam genug gilt eine Chemotherapie. Man setzt sie deshalb nur zur Linderung von Beschwerden durch Metastasen ein.

Quellen:

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