Präeklampsie - Ursachen und Risiken des schwangerschaftsbedingten Bluthochdrucks

Die Präeklampsie ist eine Erkrankung, die sich in der Schwangerschaft entwickelt und bei der es zu schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck kommt. Es werden verschiedene Ursachen für eine Präeklampsie vermutet. Aus dieser kann sich eine lebensbedrohliche Erkrankung entwickeln. Informieren Sie sich über mögliche Ursachen sowie Risiken der Präeklampsie.

Wissenswertes zu Erkrankungen, die mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft einhergehen

Bluthochdruck in der Schwangerschaft - Wo liegen die Gefahren?

Bluthochdruck kann grundsätzlich bei jedem auftreten, doch besonders in der Schwangerschaft ist dieser sehr gefährlich für die Mutter und das ungeborene Baby. Häufig ist die Schwangerschaftshypertonie nämlich das Symptom für eine Erkrankung, daher wird bei jeder Schwangerschaftsvorsorge routinemäßig der Blutdruck gemessen.

Sobald der Blutdruck bei 140/90 mmHg liegt, spricht man von einem Bluthochdruck, unabhängig davon, ob eine Schwangerschaft besteht oder nicht. Natürlich wird der Blutdruck anschließend an mehreren Tagen gemessen, um festzustellen, ob er dauerhaft erhöht ist.

Jede zehnte Schwangere leidet statistisch gesehen an einer Schwangerschaftshypertonie. Diese kommt also gar nicht so selten vor.

Unkomplizierter Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Nicht jeder Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist jedoch auf die gleiche Weise gefährlich. Sofern eine Frau vor der Schwangerschaft normale Blutdruckwerte hatte und auch der aktuelle Urinbefund negativ, d.h. unauffällig ist, so handelt es sich um einen unkomplizierten Bluthochdruck. Die Schwangere hat den Bluthochdruck dann nur einige Wochen lang, und nach der Geburt normalisieren sich die Werte wieder.

Krankheitsbild Bluthochdruck, Eiweiß im Urin und Ödeme: Was ist eine Präeklampsie?

Anders verhält es sich hingegen, wenn die Urinuntersuchung auffällig ist. Ein Bluthochdruck in der Schwangerschaft in Kombination mit einer erhöhten Eiweißmenge im Urin spricht für eine "Präeklampsie", im Volksmund auch Schwangerschaftsvergiftung genannt.

Zusätzlich dazu leidet die werdende Mutter dann auch vermehrt unter Wassereinlagerungen, wodurch sie schnell an Gewicht zunimmt. Auch die ständigen Kopfschmerzen sind ein Symptom der Präeklampsie.

Unter der Präeklampsie versteht man somit einen schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, welcher mitunter Folgen für die Schwangerschaft sowie das Wochenbett mit sich bringen kann. Ältere Bezeichnungen für diese Erkrankung lauten

  • EPH-Gestose
  • Spätgestose
  • Schwangerschaftsintoxikation
  • Schwangerschaftsvergiftung sowie
  • Schwangerschaftstoxikose.

Die Präeklampsie wird zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen gezählt. Diese stehen für Erkrankungen in der Schwangerschaft, die mit Bluthochdruck einhergehen. Des weiteren finden sich Ödeme, also Wassereinlagerungen im Gewebe sowie Eiweiß im Urin.

Symptome der Präeklampsie auf einen Blick

Typische Symptome einer Präeklampsie sind

  • erhöhter Blutdruck, der höher als 140 zu 90 mmHg ist
  • Ödeme in den Füßen, den Beinen, dem Gesicht oder den Händen
  • deutliche Zunahme von Gewicht
  • verminderte Urinausscheidung sowie
  • Eiweiß im Urin.

In der Regel klingen die Beschwerden einige Tage nach der Geburt wieder ab. Bei manchen Frauen kann es jedoch 4-6 Wochen dauern, bis sich der Urin und der Blutdruck wieder normalisieren.

Eine besonders schwere Verlaufsform der Präeklampsie, die sogar lebensgefährlich sein kann, ist die Eklampsie, bei der es zu

kommt. Eine Eklampsie tritt jedoch nur in seltenen Fällen auf.

Ursachen und Risikofaktoren - Wie kommt es zu Präeklampsie?

Genaue Ursachen der Präeklampsie sind noch nicht bekannt. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren für die Krankheit.

  • Frauen mit einer Mehrlingsschwangerschaft sind weitaus gefährdeter als Frauen, die nur ein Kind erwarten.
  • Auch junge Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, haben ein höheres Risiko als Frauen, die älter sind beim ersten Kind.
  • Patientinnen, die bereits vor der Schwangerschaft unter Nierenerkrankungen oder einem hohen Blutdruck gelitten haben, haben auch in der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko, an einer Präeklampsie zu erkranken.
  • Auch Frauen, die während einer vorangegangen Schwangerschaft eine Präeklampsie hatten, sind gefährdet, in einer folgenden Schwangerschaft ebenfalls daran zu erkranken.

Zu den weiteren Risikofaktoren zählen

  • eine Präeklampsie bei der Schwester oder Mutter der Patientin
  • ein Abstand von über zehn Jahren zur letzten Schwangerschaft
  • Fettleibigkeit vor der Schwangerschaft und
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Verlauf und Folgen der Präeklampsie - Welche Komplikationen können auftreten?

Nur selten entwickelt sich die Präeklampsie vor dem sechsten Schwangerschaftsmonat. Je früher sie sich entwickelt, desto schwerer ist meist der Verlauf.

Sollte ein Bluthochdruck in der Schwangerschaft unerkannt bleiben, so kann dies zu schweren Schäden beim ungeborenen Baby führen. Die Nährstoffversorgung des Babys ist durch den unbehandelten Bluthochdruck der Mutter nicht mehr ausreichend gewährleistet, sodass das Baby sich nicht mehr richtig entwickeln kann und ggfs. auch eine Fehlgeburt droht.

Eklampsie als Komplikation der Präeklampsie

Eine Präeklampsie kann sich zu einer so genannten Eklampsie entwickeln. Bei dieser schweren Erkrankung entwickeln sich Krämpfe, die Lebensgefahr für Mutter und Kind bedeuten können.

Bei der Eklampsie kommt es zu neurologischen Störungen. Es muss umgehend eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgen, da es zu folgenden Komplikationen kommen kann:

  • Thrombosen
  • Hirnödem
  • Netzhautschäden
  • Hirnblutungen

Frühgeburt und Mangelversorgung des Kindes

Aber auch, wenn es nicht zu dieser Komplikation kommt, kann eine Präeklampsie eine Frühgeburt auslösen. Besteht der hohe Blutdruck über längere Zeit hinweg, so kann dies dazu führen, dass das ungeborene Baby im Bauch der Mutter nur noch unzureichend versorgt wird.

Weitere Komplikationen der Präeklampsie

Zu den weiteren möglichen Komplikationen zählen

  • das HELLP Syndrom, bei dem es zu einer gestörten Leberfunktion kommt
  • Wasser im Gehirn (Hirnödem)
  • eine Netzhautablösung
  • Flüssigkeit in der Lunge (Lungenödem) sowie
  • Nierenversagen.

Eine Präeklampsie kann nur in der Schwangerschaft vorkommen. Wenn das Baby geboren ist, bilden sich die Krankheitssymptome wie hoher Blutdruck Wassereinlagerungen und Eiweiß im Urin wieder zurück.

Beschwerden bei schwerem Verlauf - Wie bemerke ich Präeklampsie und wo kommt es zu Schmerzen?

Frauen mit einer Präeklampsie entwickeln während der Schwangerschaft einen hohen Blutdruck und Wassereinlagerungen (zum Beispiel an den Beinen). Zusätzlich ist der Urin auch eiweißhaltig, was die Schwangere jedoch selbst nicht bemerkt.

Neben diesen Hauptsymptomen einer Präeklampsie fühlen sich die schwangeren Frauen schwindelig und haben häufig Kopfschmerzen. Einigen Frauen ist auch übel und sie müssen erbrechen.

Teilweise treten auch Sehstörungen auf. Es kann des Weiteren zu

  • gesteigerten Reflexen
  • erhöhten Leberwerten
  • Sehstörungen mit Lichtempfindlichkeit
  • Verwirrtheit
  • einer deutlichen Gewichtszunahme (über ein Kilo pro Woche)
  • einem allgemeinen Krankheitsgefühl sowie
  • starken Schmerzen unter den Rippen

kommen.

Wie diagnostiziert man Präeklampsie?

Da ein Schwangerschaftshypertonus nicht zwingend Beschwerden verursacht, kann er leicht übersehen werden. Daher wird bei jeder Vorsorgeuntersuchung der Blutdruck gemessen und in den Mutterpass eingetragen.

Sofern zwischen den Vorsorgeuntersuchungen Beschwerden bestehen, sollte eine Schwangere sich auch nicht davor scheuen, den Blutdruck zwischendurch einmal messen zu lassen. Auch Apotheken bieten diesen Service an, der lebensrettend sein kann.

Die Diagnose stellt der Arzt entweder im Rahmen einer routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung während der Schwangerschaft oder aufgrund bestehender Beschwerden der Patientin. Bei jeder Vorsorgeuntersuchung werden bei der Schwangeren der Blutdruck gemessen und der Urin untersucht.

Für die Urinuntersuchung wird sowohl ein einmaliger Mittelstrahlurin als auch ein 24-Stunden-Sammelurin verwendet. Dabei können erhöhte Blutdruckwerte sowie das Eiweiß im Urin festgestellt werden.

Zusätzlich werden auch weitere Blutwerte wie zum Beispiel die Leberwerte analysiert. Jede fünfte Frau mit einer Präeklampsie hat auch noch erhöhte Leberwerte, was auf eine Leberschädigung durch die Erkrankung zurückzuführen ist.

Während der körperlichen Untersuchung kann der Arzt die Wassereinlagerungen bei seiner Patientin diagnostizieren. Meist wird auch noch ein Ultraschall durchgeführt, um die Nieren zu untersuchen, die durch die Krankheit ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Sind die Leberwerte erhöht, wird während der Ultraschalluntersuchung auch die Leber begutachtet.

Behandlung - Was tun bei Präeklampsie?

Der Gynäkologe kann nur die Symptome der Präeklampsie behandeln. Je nachdem, wie ausgeprägt die Erkrankung ist, erfolgt die Behandlung ambulant oder stationär in einem Krankenhaus.

Behandlung einer leichten Präeklampsie

Liegen nur leichte Symptome wie geringfügige Blutdruckerhöhung, geringe Wassereinlagerungen und nur leicht erhöhte Eiweißwerte im Urin vor, so verordnet der Gynäkologe seiner Patienten Ruhe. Oft ist diese Maßnahme bereits ausreichend.

Hilft diese Maßnahme nicht oder liegen massive Symptome vor, so wird die Behandlung in einem Krankenhaus durchgeführt. Nur bei extrem hohen Blutdruckwerten erfolgt eine medikamentöse Therapie. Zusätzlich erhalten die Schwangeren im Krankenhaus spezielle eiweißhaltige Nahrung, um dem Körper das zuviel ausgeschiedene Eiweiß wieder zuzuführen.

Während der stationären Behandlung erfolgen

  • regelmäßige Kontrollen der kindlichen Herztöne (CTG)
  • Ultraschalluntersuchungen sowie
  • Kontrollen von Blutdruck und Urin.

Behandlung einer schweren Präeklampsie

Die Behandlungsziele bei schwerer Präeklampsie konzentrieren sich auf die Vermeidung eklamptischer Anfälle, was durch Magnesiumsulfat erzielt werden kann. Des Weiteren ird der mütterliche Blutdruck mittels Bettruhe und Blutdrucksenker stetig überwacht.

Können die Symptome durch diese Maßnahmen nicht normalisiert werden, wird häufig ein Kaiserschnitt gemacht und das Baby frühzeitig, ab der 34. Schwangerschaftswoche, geholt. Anderenfalls kann sich aus der Präeklampsie eine lebensgefährliche Eklampsie entwickeln.

Vorbeugung - Kann man Präeklampsie verhindern?

Um einer Präeklampsie vorzubeugen, sollte sich jede Schwangere regelmäßig bei den Vorsorgeuntersuchungen von ihrem Frauenarzt oder einer Hebamme untersuchen lassen. Dabei werden grundsätzlich Urin und Blutdruck kontrolliert.

Ist eine Präeklampsie bereits in einer vorherigen Schwangerschaft aufgetreten, so erhalten die Frauen in den folgenden Schwangerschaften zur Vorbeugung meist Präparate mit dem Wirkstoff Acetylsilcylsäure verordnet.

Zu diesem Zweck beginnt die Schwangere bereits vor der 16. Schwangerschaftswoche mit der Einnahem von 150 Milligramm ASS pro Tag. Durch den Wirkstoff kann das Risiko, vor der 37. Schwangerschaftswoche eine Präeklampsie zu entwickeln, gesenkt werden.

Quellen:

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  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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