19. April 2011
Bei einer chronischen Mittelohrentzündung handelt es sich um eine dauerhafte Entzündung des Mittelohrs. Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Formen.
Mediziner bezeichnen eine chronische Mittelohrentzündung auch als chronische Otitis media. Dabei ist das Mittelohr entweder dauerhaft entzündet oder entzündet sich immer wieder. Darüber hinaus kommt es zu einer Perforation des Trommelfells, was bedeutet, dass das Trommelfell (Tympanon) ein Loch aufweist.
In Deutschland sind ca. zwei Prozent der Bevölkerung von einer chronischen Mittelohrentzündung betroffen. Bei 60 Prozent der Patienten ist ein Cholesteatom die Ursache für die Erkrankung. Bei der chronischen Mittelohrentzündung unterscheidet man zwischen zwei Formen: der chronischen mesotympanalen Otitis media (chronische Schleimhauteiterung) sowie der chronischen epitympanalen Otitis media (chronische Knocheneiterung). Im Falle einer chronischen Schleimhauteiterung entzündet sich ausschließlich die Schleimhaut des Mittelohrs. Abgesehen vom langen Ambossschenkel, werden die Knochen von der Erkrankung nicht in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt jedoch zu einer Perforation des Trommelfells im Pars tensa, dem straffen Trommelfellteil. In der Medizin bezeichnet man dieses Loch auch als zentrale Perforation, da an seinem Rand stets ein Trommelfellsaum erhalten bleibt. Meistens ist die Perforation rund und klein, sie kann aber auch größer und nierenförmig sein. Für den Fall, dass fast das gesamte Trommelfell fehlt, wird von einem Subtotaldefekt gesprochen.
Die zweite Form, die chronische Knocheneiterung, entsteht durch ein so genanntes Cholesteatom. Dabei handelt es sich um eine Einwucherung von Plattenepithel in das Mittelohr, was eine chronisch-eitrige Entzündung zur Folge hat. Zu einem Cholesteatom kommt es durch das Einwachsen von äußeren Hautschichten des Trommelfells. Falls die Hautschichten nicht nach außen abgestoßen werden können, entsteht ein zwiebelschalenförmiges Perlgeschwulst. Durch das Cholesteatom besteht die Gefahr, dass die benachbarten Knochen beeinträchtigt werden. Ein weiterer Grund für die Bildung des Geschwulsts kann eine ständige Störung der Belüftung im Mittelohr sein, durch die es zu einer Einziehung des Trommelfells in den Mittelohrraum kommt.
Die genaue Ursache der beiden Formen der chronischen Mittelohrentzündung konnte bislang nicht geklärt werden. Als mögliche Gründe vermutet man chronische Fehlfunktionen der Eustachischen Röhre, häufig vorkommende akute Mittelohrentzündungen in der Kindheit oder genetische Faktoren.
Zu den typischen Beschwerden einer chronischen Mittelohrentzündung gehört ein vermindertes Hörvermögen auf dem erkrankten Ohr. Darüber hinaus fließt durch das Loch im Trommelfell Eiter in den Gehörgang. Im Falle eines Cholesteatoms hat das Sekret einen unangenehmen Geruch. Schreitet das Wachstum des Cholesteatoms fort, werden dadurch benachbarte anatomische Strukturen beeinträchtigt, wodurch es zu schweren Komplikationen kommen kann. Dazu gehören Schwerhörigkeit, Ertaubung des entzündeten Ohrs, Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühle, Abszesse oder eine Gesichtsnervenlähmung. Sogar eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung ist im Bereich des Möglichen.
Die Behandlung bei einer chronischen Mittelohrentzündung hängt von der jeweiligen Form ab. Bei einer chronischen Schleimhauteiterung wird zumeist eine medikamentöse Therapie mit antibiotischen Ohrentropfen vorgenommen. Aufgrund des Trommfelldefekts können die Tropfen das Mittelohr gut erreichen. Darüber hinaus wird der Gehörgang mit Wasserstoffsuperoxidlösung gereinigt. Manchmal kann auch eine orale Therapie mit Antibiotika nötig sein. Mitunter führt man einen operativen Verschluss des Trommelfells durch, um die Beschwerden zu bessern.
Bei einer chronischen Knocheneiterung muss stets ein operativer Eingriff erfolgen, um gefährliche Komplikationen zu verhindern. Zu diesem Zweck entfernt man das entzündete Gewebe vollständig aus dem Mittelohr und behebt den Defekt am Trommelfell.
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