Gicht - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei der Gicht, auch Urikopathie oder Arthritis urica genannt, handelt es sich um eine Stoffwechselstörung. Der Harnsäuregehalt steigt dabei über das Normalmaß hinaus an. Für den Ausbruch der Gicht gibt es verschiedene Ursachen. Der Verlauf der Erkrankung richtet sich nach der Behandlung und inwieweit sich der Patient an die Therapie hält. Für die Behandlung setzt man in der Regel bestimmte Medikamente ein. Informieren Sie sich hier ausführlich über das Krankheitsbild der Gicht.

Die Entstehung der Gicht und wie man sie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Die Gicht ist eine Stoffwechselstörung, bei der es zu einem Anstieg des Harnsäuregehalts über das Normalmaß kommt. Als Folge lagern sich Harnsäurekristalle in gewissen Körpergeweben ab, die besonders in Gelenken sehr schmerzhafte Entzündungen verursachen können. Häufig bestehen ebenso Bluthochdruck, Diabetes und Arteriosklerose.

Der normale Harnsäurewert beträgt bei Frauen zwischen 2,5 und 5,7 mg/dl und bei Männern zwischen 3,5 und 7 mg/dl. Kommt es zu einem Anstieg, führt das nicht zwangsläufig zu Beschwerden.

So ist die Gicht in vielen Fällen auch ein Zufallsbefund. Bis zu einem Harnsäurewert von etwa 9 mg/dl ist keine Behandlung notwendig.

Ursachen

Oft wird die Veranlagung zur Gicht vererbt. Zusätzlich zu dieser Erbanlage muss jedoch auch noch eine ungesunde Ernährung vorliegen. Harnsäure wird dann nur unzureichend ausgeschieden, so dass sich eine zu hohe Konzentration im Körper befindet.

Ernährung und Lebensstil

Die Ernährung hat großen Einfluss auf die Gicht bzw. einen erneuten Gichtanfall: Wer viel Fleisch und Wurst isst und somit überwiegend so genannte purinreiche Lebensmittel zu sich nimmt, unterstützt den Ausbruch der Erkrankung. Auch Übergewicht und der regelmäßige Genuss von zu viel Alkohol wirken sich schädlich auf den Harnsäurespiegel aus.

Erkrankungen

Auch einige Erkrankungen können der Grund für den erhöhten Harnsäurespiegel sein. Dazu gehören zum Beispiel die

Verlauf

Die Gicht verläuft in verschiedenen Phasen:

  • Symptomloser erhöhter Harnsäurespiegel
  • Akuter Gichtanfall
  • Interkritische Phase und
  • Chronische Gicht

Symptomloser erhöhter Harnsäurespiegel

Bereits Monate oder Jahre vor dem ersten Gichtanfall kann ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut festgestellt werden. Dieser bereitet jedoch noch keine Beschwerden, so dass er meist nur im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt wird.

Akuter Gichtanfall

Je höher der Harnsäurespiegel wird, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit für einen Gichtanfall. Im Laufe der Jahre sammelt sich immer mehr Harnsäure im Körper an, bis es zum ersten akuten Gichtanfall kommt.

Interkritische Phase

Ist der Gichtanfall abgeklungen, können viele Monate oder sogar Jahre bis zum nächsten Gichtanfall vergehen, in denen der Betroffene keinerlei Beschwerden hat. Je länger die Gicht besteht und nicht oder nur unzureichend behandelt wird, desto kürzer werden die Zeiten zwischen zwei Gichtanfällen.

Chronische Gicht

Schließlich geht die akute Gicht in die chronische Gicht über. Wer an chronischer Gicht leidet, verspürt permanent Beschwerden und Schmerzen. Die Harnsäurekristalle lagern sich dann auch in den Organen sowie in Händen und Füßen ab.

Symptome

Man unterscheidet die akute von der chronischen Gicht. Beim akuten Gichtanfall kommt es zur Schwellung und Rötung des Großzehengrundgelenks sowie zu heftigen Schmerzen bei Bewegung und Druck.

Selbst eine leichte Decke auf dem Fuß ist vor Schmerzen kaum zu ertragen. Zeitgleich kann auch Fieber bestehen.

Der Gichtanfall ist nach einigen Tagen von alleine wieder vorbei. Die chronische Gicht verursacht permanent diese Schmerzen, auch Gelenkveränderungen sind hier zu beobachten.

Diagnose

Anamnese

Der Arzt diagnostiziert die Gicht aufgrund der geschilderten Beschwerden:

  • den Schmerzen
  • dem veränderten humpelnden Gangbild des Betroffenen, wenn der Zeh vom Gichtanfall betroffen ist und
  • dem geröteten und geschwollenen Gelenk

Blutabnahme

Zusätzlich wird eine Blutabnahme vorgenommen und die Harnsäurekonzentration im Blut bestimmt. Liegt eine Gicht vor, ist der Harnsäurewert im Blut deutlich erhöht. Diese Erhöhung ist auch bereits vor einem Gichtanfall festzustellen.

Bei einer chronischen Gicht ist auch der Harnsäurewert im Urin erhöht. Die Erhöhung der Harnsäure nennt der Mediziner Hyperuricämie.

Röntgenaufnahme

Handelt es sich bereits um eine chronische Gicht, fertigt der Arzt eine Röntgenaufnahme des betroffenen Gelenkes an, um Verformungen am Gelenk feststellen zu können.

Männer sind wesentlich häufiger von der Gicht betroffen als Frauen. Bei Frauen häuft sich die Erkrankung erst nach den Wechseljahren.

Behandlung

Medikamente

Die Gicht wird meistens mit verschiedenen Medikamenten behandelt. Einerseits wird die akute Gicht behandelt, andererseits werden Medikamente verordnet, die eine chronisch werdende Gicht verhindern sollen. Die Medikamente senken bei regelmäßiger Einnahme den Harnsäurespiegel im Blut.

Zu den Mitteln, die für die anfängliche Gichtbehandlung eingesetzt werden, zählen:

  • Kortisolfreie Antirheumatika
  • Kortisolhaltige Glukokortikoide sowie
  • Colchicin

Hierbei kommen Wirkstoffe wie

  • Diclofenac
  • Ibuprofen
  • Indometazin
  • Naproxen
  • Benzbromaron
  • Allopurinol und
  • Phenylbutazon

zur Anwendung.

Weitere Maßnahmen

Zusätzlich empfiehlt es sich, das betroffene Gelenk ruhig zu halten und Umschläge mit Alkohol zu machen, um das geschwollene Gelenk zu kühlen. Zur Unterstützung der Behandlung muss der Betroffene viel trinken, jedoch keinesfalls alkoholische Getränke.

Neben den Medikamenten ist die Ernährungsumstellung zwingend notwendig. Ohne eine Umstellung der Essgewohnheiten können die Medikamente einen erneuten Gichtanfall nicht verhindern.

Vorbeugung

Gesunde Ernährung

Es gibt einen Faktor, den man in puncto Gicht-Vorbeugung gezielt beeinflussen kann, und das ist die Ernährung. Achten Sie also auf Ihr Körpergewicht.

Gicht steht mit anderen Krankheiten wie Diabetes und Übergewicht im Zusammenhang. Falls Sie abnehmen müssen, sollten Sie jedoch Crashdiäten vermeiden, da diese unter Umständen Gicht sogar fördern können. Eine Anti-Gicht-Diät ist immer eine ausgewogene Diät.

Die Basis: der Verzicht auf Purin

Es gilt, die Harnsäurewerte auf einem niedrigen Stand zu halten. Zu diesem Zweck ist es wichtig, die Menge an Purin zu verringern.

Vorkommen in der Nahrung

Purin kommt häufig in Nahrungsmitteln vor, die viel Protein und Fett enthalten.

sind extrem reich an Purin. Allgemein enthalten fast alle natürlichen Proteinlieferanten mittlere bis hohe Mengen an Purin:

Empfehlenswerte Nahrungsmittel zur Gicht-Vorbeugung

Aber es gibt Möglichkeiten, wie man Purin zumindest etwas unschädlich machen kann, ohne dabei vollständig auf die aufgezählten Nahrungsmittel verzichten zu müssen. Generell gilt:

  • Wählen Sie fettarme Proteinquellen
  • Essen Sie nur das Eiweiß ohne Eigelb.
  • Verwenden Sie zum Braten fettreduzierte Butter oder Margarine
  • Kochen Sie mit Zwiebeln und Knoblauch, um trotz der fettarmen Zubereitung ein großartiges Geschmackserlebnis zu haben
  • Löschen Sie Ihren Durst mit Gemüsesaft oder Beerensaft
Obst und Gemüse

Die meisten Obst- und Gemüsesorten enthalten viel Kalium. Dieses Mineral reguliert die Elektrolyte in unserem Körper und hat die Fähigkeit, Harnsäurekristalle aus unserem Blut zu entfernen. Obstarten, die viel Kalium auf den Teller bringen, sind zum Beispiel

Zitronen sind für ihre reinigende Wirkung bekannt. Bringen Sie sie deshalb regelmäßig in Ihre Mahlzeiten unter. Zitronensaft ist voll mit Vitamin C und Antioxidantien, die Ihren Körper von den ungewollten Harnsäurekristallen befreien.

sind kaliumreiche Gemüsevertreter.

Leckere Kombinationsmöglichkeiten

  • Kombinieren Sie den Zitronensaft mit einem herzhaften Salat, der mit Tofu gespickt ist, anstelle mit Fleischstückchen
  • In Folie gegrilltes mageres Fleisch ist ideal für ein Mittagessen
  • Gepaart mit Spinat und Kartoffeln haben Sie ein perfektes Anti-Gicht-Gericht vor sich
  • Essen Sie als Dessert eine Schale voll Kirschen, Beeren oder Weintrauben.

Gesundes Trinkverhalten

Trinken Sie täglich mehrere Gläser Wasser oder Tee. Acht bis zehn Gläser sind ideal. Wasser verdünnt Harnsäurekristalle und spült sie aus dem Organismus.

Dunkler Urin kann darauf hindeuten, dass er soviel Säureanteile enthält. Ist der Urin hell trinken Sie genug und sind auf dem richtigen Weg Ihr Gichtrisiko deutlich zu senken.

Sport und Bewegung

Patienten mit einer Hyperuricämie sollten zusätzlich zu einer gesunden Ernährung auch Sport treiben und sich viel bewegen.

Dies muss nicht immer Leistungssport sein. Auch regelmäßige ausgedehnte Spaziergänge tragen zur Besserung des Zustandes bei.

Quellen:

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  • J. C. Burnett: Die Gicht und ihre Heilung, Müller & Steinicke, 1994, ISBN 3875691202
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  • Maria Hädecke: Diät bei nervösen Störungen, Rheuma und Gicht, Heyne, Mchn., 1982, ISBN 3453402456
  • Dieter P. Mertz: Hyperurikämie und Gicht, Thieme, Stuttgart, 1993, ISBN 3134736063
  • Hellmut Lützner und Helmut Million: Rheuma + Gicht. Selbstbehandlung durch Ernährung. Mit Fallberichten aus der Praxis, 1989, ISBN 3824310708
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  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860

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