Gebärmutterhalskrebs - Ursachen, Symptome und Behandlung

Beim Gebärmutterhalskrebs bzw. Zervixkarzinom handelt es sich um eine der häufigsten Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Gebärmutterhalskrebs wird hauptsächlich durch ein Virus übertragen. Wird der Krebs frühzeitig erkannt, können fast alle Patientinnen geheilt werden. Zu Beginn der Erkrankung verursacht ein Gebärmutterhalskrebs keine Symptome. Lesen Sie, wodurch es zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs kommen kann, wie diese Erkrankung verläuft und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und wie man ihn erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Am Gebärmutterhals kann ein Zervixkarzinom entstehen, wenn Frauen sich mit einem bestimmten HP-Virentyp anstecken und die Infektion bereits mehrere Jahre andauert. Bei einem Zervixkarzinom handelt es sich um bösartige Zellveränderungen am Gewebe des Gebärmutterhalses, vorwiegend am Muttermund. Der Gebärmutterhals ist das Verbindungsstück zwischen Scheide und Gebärmutter und gilt als besonders anfällig für Wucherungen.

Oft wird ein Zervixkarzinom zu Beginn gar nicht bemerkt, da kaum Symptome auftreten oder sie mit harmlosen Erkrankungen assoziiert werden. In Deutschland gibt es zwar ein Früherkennungsprogramm, um Gebärmutterhalskrebs zu diagnostizieren, doch nur jede zweite Frau nimmt diese Untersuchungen wahr.

  • Jedes Jahr kommt es zu 6.000 Neuerkrankungen
  • An den Folgen eines Zervixkarzinoms sterben jährlich rund 2000 Patientinnen
  • Etwa 80 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen entstehen bei Frauen, die nicht an Früherkennungsprogrammen teilnehmen

Ursachen

In den meisten Fällen wird der Gebärmutterhalskrebs durch Viren, die so genannten humanen Papillomaviren (kurz HPV), ausgelöst. Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV, HP) sind zwar stark verbreitet, doch nicht jede Frau erkrankt an Gebärmutterhalskrebs. Es sind mehr als 100 HPV-Typen bekannt, davon können rund 30 Viren Infektionen am Gebärmutterhals auslösen.

Niedrigrisiko-Viren verursachen normalerweise keinen Krebs, sondern eher harmlose Zellwucherungen wie Genitalwarzen. Die Hochrisiko-Typen können dagegen Zellveränderungen hervorrufen, die die Vorstufe zur Entwicklung eines Zervixkarzinoms sein können.

Die Viren werden im Rahmen des Geschlechtsverkehrs übertragen. Besonders Jugendliche und Patientinnen, die häufig ihre Geschlechtspartner wechseln, sind gefährdet. Die Viren befinden sich oft jahrelang im Körper der Patientin, ehe sich dann Zellen des Gebärmutterhalses in bösartige Krebszellen umwandeln.

Zusätzlich gibt es einige Risikofaktoren, die eine Krebsbildung im Gebärmutterhals begünstigen können. Dazu zählen zum Beispiel das Rauchen und der Drogenkonsum. Auch schwere Grunderkrankungen wie HIV können die Krebserkrankung begünstigen.

Patientinnen, die häufig Genitalinfekte wie zum Beispiel Herpes haben, haben ebenfalls ein höheres Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. In einigen Familien kommt Gebärmutterhalskrebs gehäuft vor, so dass diese Krebserkrankung auch vererbt werden kann.

Verlauf

Etwa 90 Prozent der HPV-Infektionen heilen auch ohne Therapie nach 1-2 Jahren folgenlos aus. Bei etwa 10 Prozent der infizierten Frauen kann es zu Zellveränderungen kommen, wovon sich in 1-3 Prozent der Fälle ein bösartiges Zervixkarzinom entwickeln kann.

Wird der Gebärmutterhalskrebs frühzeitig im Rahmen der jährlich durchzuführenden Krebsvorsorge diagnostiziert, besteht meist eine 100%ige Heilungschance, da sich der Tumor dann noch in einem sehr frühen Stadium befindet. Haben sich jedoch bereits Metastasen gebildet oder hat sich der Tumor ausgebreitet, sinken die Überlebenschancen drastisch.

Symptome

Den Beginn der Krebserkrankung bemerken die meisten Patienten nicht. Es sei denn, der Krebs wird in diesem Stadium im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert.

Oft werden die Beschwerden auch mit denen bei Entzündungen oder gutartigen Zysten verwechselt. Doch jede Infektion oder Wucherung kann auf Dauer zu einem Gesundheitsrisiko werden, daher sollten Frauen grundsätzlich bei folgenden Warnzeichen einen Gynäkologen aufsuchen, auch wenn kein regulärer Vorsorgetermin geplant ist:

Im Verlauf der Erkrankung verspüren die Patientinnen braunen oder blutigen Ausfluss sowie Schmerzen im Bereich der Gebärmutter und auch nach dem Geschlechtsverkehr. Auch Rückenschmerzen und Beckenschmerzen können auftreten.

Ebenso möglich sind Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang sowie auffällige Schwellungen an den Beinen (auch nur einseitig). Erst bei einem weit fortgeschrittenen Gebärmutterhalskrebs bemerken die Patientinnen Blut im Urin oder regelmäßige Harnwegsinfekte.

Diagnose

Gynäkologische Untersuchung und Abstrich

Die Diagnostik erfolgt bei einem Frauenarzt. Dieser führt eine gynäkologische Untersuchung durch und kann dabei den Gebärmutterhals mit Hilfe eines Vergrößerungsglases untersuchen.

Zusätzlich entnimmt er einen Abstrich aus diesem Bereich. Ist der Krebs bereits sehr weit fortgeschritten, kann ihn der Gynäkologe mit bloßem Auge diagnostizieren.

PAP-Test zur Früherkennung

Jede Frau ab dem 20. Lebensjahr hat ein Anrecht auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Der Gynäkologe nimmt während der Untersuchung einen Abstrich vom Muttermund und vom Gebärmutterhalskanal.

Beide Abstriche werden zur Kontrolle ins Labor geschickt. Bei einem auffälligen Befund mit leichten Zellveränderungen wird meistens einige Monate abgewartet, um dann diesen sogentannten PAP-Test zu wiederholen.

In der Regel bilden sich kleine Veränderungen im Zellgewebe von selber zurück. Verschwinden Zellveränderungen nicht oder werden als risikoreich eingestuft, wird der Arzt neben dem PAP-Abstrich weitere Untersuchungen vornehmen, eventuell eine Biopsie (Gewebeprobe-Entnahme) durchführen und das entnommene Gewebe mikroskopisch untersuchen lassen, um einen histologischen Befund zu erhalten.

Blutbild und Gewebeprobe

Konnte aufgrund dieser Untersuchungen der Krebsverdacht bestätigt werden, wird der Patientin Blut abgenommen und auf allgemeine Werte sowie auf Tumormarker untersucht. Tumormarker sind spezielle Werte im Blut, die bei einer Krebserkrankung erhöht sind. Im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung wird eine Gewebeprobe des Tumors entnommen, um genau die Krebsform bestimmen zu können.

Ultraschall-Untersuchung des Bauchraums und vaginaler Ultraschall

Auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes sowie einen vaginalen Ultraschall führt der Gynäkologe durch.

Zusätzlich werden meist eine

angefertigt, um Metastasen oder befallene Lymphknoten feststellen zu können.

Blasen- und Darmspiegelung

Im Rahmen der Diagnostik werden auch eine Blasen- sowie eine Darmspiegelung durchgeführt. Bei der Darmspiegelung wird entweder der komplette Darm oder auch nur der Enddarm untersucht.

Darm

Für eine Darmspiegelung erhält die Patientin eine Flüssigkeit zu trinken, die abführende Wirkung hat. Wenn der Darm gereinigt ist, bekommt die Patientin eine leichte Beruhigungsspritze. Der Internist führt einen langen biegsamen Schlauch, genannt Endoskop, über den Enddarm in den Darm der Patientin ein.

Während dieser Untersuchung können auch Gewebeproben entnommen werden. Der Arzt führt dazu über das Endoskop eine dünne Zange ein und entnimmt damit die Probe. Diese wird anschließend im Labor unter dem Mikroskop untersucht.

Enddarm

Für eine Enddarmspiegelung ist meist nur das Abführen mit einem Einlauf notwendig, da sich der Arzt hier nur das Ende des Darmes ansieht. Im Rahmen der so genannten Rektoskopie führt der Arzt ein starres kurzes Instrument in den Enddarm ein und kann damit den letzten Teil des Darmes untersuchen. Auch bei dieser Untersuchung kann eine Gewebeprobe entnommen werden.

Blase

Bei der Blasenspiegelung, der so genannten Zystoskopie, wird die Harnblase endoskopiert. Vor Beginn der Untersuchung erhält die Patientin eine Betäubung in die Harnröhre.

Über die Harnröhre wird das Endoskop dann zur Harnblase vorgeschoben. Während der Untersuchung wird die Harnblase mit einer Flüssigkeit gefüllt, die absolut steril ist. Die Endoskopien werden durchgeführt, um eine Ausbreitung des Gebärmutterhalskrebses in andere Organe feststellen zu können.

Therapie

Sollte sich ein Zervixkarzinom entwickelt haben, ist das Ziel die komplette Tumorentfernung. Die Behandlung orientiert sich grundsätzlich am Allgemeinzustand der Patientin, wobei die Lebensqualität bei der Therapie berücksichtigt wird, um die höchstmögliche Wirkung zu erzielen. Die Behandlungsform richtet sich zudem nach Tumorgröße und Tumorlage.

Teams aus Gynäkologen, Onkologen und Anästhesisten stimmen eine individuelle Therapiemethode ab. Liegen kleinere Tumore vor und ist der Allgemeinzustand der Patientin gut, erfolgt in der Regel eine Operation. Bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung oder wenn die Patientin sich in einem schlechten Allgemeinzustand befindet, kommt häufig eine Bestrahlung wie Chemotherapie oder Radiochemotherapie zum Einsatz.

Biopsie und Ausschabung

Wird der Krebs frühzeitig erkannt, kann er meist noch gut behandelt werden. Zuerst wird im Rahmen eines chirurgischen Eingriffes eine Gewebeprobe entnommen und im Labor untersucht. Ergibt diese Untersuchung, dass sich der Krebs im Frühstadium befindet, reicht oftmals die Ausschneidung des Tumors aus dem Gebärmutterhals.

Dieser Eingriff wird im Rahmen einer Ausschabung durchgeführt. Vorteil dieser Form der Behandlung ist, dass die Patientin weiterhin Kinder bekommen kann.

Operative Entfernung der Gebärmutter

Ist der Tumor bereits tiefer in das Gewebe gewachsen, muss die komplette Gebärmutter operativ entfernt werden. Die Frau kann dann keine Kinder mehr bekommen.

Wird der Gebärmutterhalskrebs erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, müssen neben der Gebärmutter auch die umliegenden Lymphknoten, Blutgefäße usw. großräumig entfernt werden, um den Tumor auch vollständig bekämpfen zu können. Lediglich Eileiter und Eierstöcke können oftmals erhalten werden.

Chemo- und Strahlentherapie

Im Anschluss an die Operation erhält die Patientin meist eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. In einigen Fällen wird auch vor der Operation eine Chemotherapie durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern und ihn anschließend besser entfernen zu können.

Rehabilitation

Nach der akuten Behandlung erfolgt meist eine Weiterbehandlung in einer Rehabilitationsklinik. Die stationäre Behandlung dauert mehrere Wochen und dient dazu, mit der Krebserkrankung zurechtzukommen und sich von der anstrengenden Behandlung zu erholen.

In regelmäßigen Abständen erfolgt Monate und Jahre nach der Krebsbehandlung eine Nachsorgeuntersuchung, um rechtzeitig ein Wiederauftreten des Tumors feststellen zu können.

Vorbeugung

Frauen wird grundsätzlich geraten, ab einem Alter von zwanzig Jahren einmal jährlich eine Krebsvorsorge bei ihrem Frauenarzt durchführen zu lassen. Im Rahmen dieser Vorsorge können Veränderungen durch einen Abstrich vom Gebärmutterhals frühzeitig erkannt und behandelt werden. Frauen, die häufig Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern haben, sollten immer darauf achten, dass ein Kondom verwendet wird.

Seit einigen Jahren gibt es für junge Mädchen die HPV-Schutzimpfung. Diese sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr verabreicht werden, damit sie ihren vollen Schutz entfalten kann. Die Impfung bewirkt, dass sich die Frauen nicht mit dem HP-Virus infizieren können.

Heute ist klar, dass eine HPV-Impfung die Ouote von behandlungsbedürftigen Gewebeveränderungen erheblich senkt. Langfristig soll die Impfung auch die Krebsrate reduzieren.

Die heute auf dem Markt zugelassenen Impfstoffe schützen hauptsächlich vor HPV-Infektionen mit den Virentypen HPV 16 und 18. Zudem werden Impfungen zum Schutz vor Infektionen mit den Virentypen HPV 6 und 11 verabreicht, Erreger die Genitalwarzen verursachen können.

Wie lange der Impfstoff nach Verabreichung aller Impfdosen wirksam ist, kann bisher nicht genau bestimmt werden. Ob eine Auffrischimpfung nötig ist und wann diese erfolgen muss, lässt sich erst nach weiteren Studien sagen. Doch Experten vom Robert-Koch-Institut gehen aufgrund der bisherigen Beobachtungszeiten davon aus, dass die Impfwirkung länger als 20 Jahre anhält.

Trotz Senkung des Krebsrisikos kann eine Impfung keinen hundertprozentigen Schutz vor krebsauslösenden HPV-Viren bieten. Auch Frauen, die geimpft wurden, sollten daher regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Quellen:

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  • Christoph Wagener, Oliver Müller: Molekulare Onkologie: Entstehung, Progression, klinische Aspekte, Thieme Verlagsgruppe, 2009, ISBN 3131035137
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