Aneurysma - Formen, Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugemöglichkeiten

Unter einem Aneurysma versteht man die sackförmige oder spindelförmige Aussackung einer Arterie. Besonders betroffen von Aneurysmen sind ältere Menschen. Man unterscheidet mehrere Formen; dabei kann die Aussackung angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden. Verkalkungen der Gefäßwände zählen zu den Hauptursachen. Lesen Sie alles Wissenswerte über das Aneurysma.

Die Entstehung eines Aneurysmas und wie man es erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Ein Aneurysma wird auch als arterielle Aussackung oder Arterienaussackung bezeichnet. Dabei handelt es sich um die lokal begrenzte Aussackung einer Schlagader (Arterie), die die Form einer Spindel oder eines Sacks hat.

Es kommt zu einer Aufweitung von Arterien, die das Blut vom Herz zu den verschiedenen Organen weiterleiten. Der Begriff "Aneurysma" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Aussackung". Am häufigsten treten Aneurysmen bei älteren Menschen auf.

Formen

Man unterscheidet mehrere Formen des Aneurysmas:

  • Aneurysma verum
  • Aneurysma falsum/spurium
  • Aneurysma dissecans (gespaltenes Aneurysma)

Beim Aneurysma verum, dem echten Aneurysma, handelt es sich um die Aussackung aller drei Schichten einer Arterie. Das Aneurysma falsum oder spurium wird auch als falsches Aneurysma bezeichnet und wird beispielsweise aufgrund einer Arterienverletzung verursacht. Dabei sammelt sich etwas Blut neben dem Gefäß, welches im späteren Verlauf in Form eines Gerinnsels mit Bindegewebe überzogen wird.

Das Aneurysma dissecans, oder auch Aortendissektion, entsteht, wenn die mittlere Schicht der Arterie aufgespalten ist. Auf diese Weise bildet sich ein zweiter Hohlraum, welcher auch als falsches Lumen bezeichnet wird. Reißen die mittlere oder die innere Schicht nun, gelangt Blut in diesen Hohlraum, wodurch es aufgrund des starken Zusammendrucks der Blutbahn zu Durchblutungsstörungen etc. kommen kann.

Ursachen

Ein Aneurysma kann sowohl angeboren sein, als auch im Laufe des Lebens erworben werden. So entstehen Aussackungen im Gehirn meist durch angeborene Fehlbildungen an der Arterienwand.

Dagegen treten angeborene Aneurysmen außerhalb des Gehirns nur sehr selten auf. Bei den meisten Patienten wird ein Aneurysma durch Verkalkungen der Gefäßwände verursacht.

Die Verkalkung schwächt die Wände der Arterien zunehmend, was eine Aussackung begünstigt. Die meisten Aneurysmen, die aufgrund von Arterienverkalkung entstehen, sind an der Aorta oder an Armen und Beinen zu finden.

Risikofaktoren

Als Risikofaktoren für Arteriosklerose gelten Störungen des Fettstoffwechsels und Tabakkonsum. Auch kann ein Aneurysma durch Verletzungen, Entzündungen oder bestimmte Krankheiten wie

verursacht werden.

Verlauf

Typisch für den Verlauf eines Aneurysmas ist, dass es über Jahre hinweg unbemerkt bleiben kann, weil keinerlei Beschwerden auftreten. Da es sich mit der Zeit jedoch mehr und mehr aufweitet, steigt die Gefahr einer lebensbedrohlichen Ruptur.

Bei 10 bis 30 Prozent aller Aneurysmen kommt es nach etwa zwei Jahren zu einem Riss. Tritt dabei eine Blutung in der Bauchhöhle auf, kann dies einen lebensgefährlich hohen Blutverlust zur Folge haben. Bei Aneurysmen an den peripheren Blutgefäßen besteht zudem die Gefahr, dass an den Gliedmaßen Gefäßverschlüsse auftreten, die teilweise irreversibel sind.

Symptome

Nicht immer kommt es im Falle eines Aneurysmas zu Symptomen. Nimmt die Aussackung jedoch an Umfang deutlich zu, führt dies zu Druck auf die benachbarten Körperstrukturen oder Organe, wodurch unterschiedliche Beschwerden entstehen. So kann es bei einem Aortenaneurysma in der Bauchregion zu

kommen. Manchmal entsteht auch eine Art Geschwulst, die sich pulsierend bemerkbar macht. Bei einem Aneurysma in der Brustregion treten meist

auf. Auch Durchblutungsstörungen in den Armen oder im Gehirn sind möglich. Kommt es gar zu einem Riss der Aussackung, treten plötzlich starke, schneidende Schmerzen auf.

Oftmals droht dann ein Zusammenbruch des Kreislaufs. Bei der Ruptur eines Hirnaneurysmas besteht die Gefahr eines Schlaganfalls oder einer Gehirnblutung.

Diagnose

Diagnostiziert wird ein Aneurysma in den meisten Fällen eher zufällig bei einer Routineuntersuchung, da die Betroffenen meist nicht unter Beschwerden leiden und deswegen auch keinen Arzt konsultieren. Als Hinweise auf ein Aneurysma gelten unterschiedlich hoher Blutdruck an einem Arm, ein rasch wechselnder Puls oder Ausfälle der Nervenfunktionen.

Da sich ein Aneurysma in manchen Fällen ertasten lässt, führt der behandelnde Arzt eine genaue körperliche Untersuchung durch. In der Regel entdeckt man Aneurysmen jedoch eher zufällig bei Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen.

Um das genaue Ausmaß des Aneurysmas festzustellen, können eine Computertomographie oder eine Angiographie (Röntgendarstellung der Gefäße) durchgeführt werden. Durch eine Angiographie lassen sich darüber hinaus Verschlusserkrankungen der Gefäße nachweisen.

Behandlung

Bei der Therapie eines Aneurysmas unterscheidet man zwischen einem Aortenaneurysma und einem Hirnaneurysma.

Aortenaneurysma

Ein Aortenaneurysma lässt sich sowohl auf konservative als auch auf operative Weise behandeln. Eine konservative Behandlung erfolgt meist dann, wenn der Umfang der Aussackung nur gering ist oder zu hohe Risiken bei einer Operation bestehen.

Konservative Behandlung

Zu den Grundpfeilern der Therapie gehören vor allem die Bekämpfung der Risikofaktoren, die zur Entstehung eines Aneurysmas führen, sowie die Behandlung von Begleitkrankheiten. Als besonders wichtig gilt dabei das konsequente Senken von Bluthochdruck.

Zu diesem Zweck verabreicht man den Patienten unter anderem Medikamente wie Betablocker. Darüber hinaus müssen die Betroffenen auf körperliche Anstrengung verzichten und auf die Regulierung ihres Stuhlgangs achten.

Operative Behandlungsmethoden

Kommt es jedoch zu Beschwerden oder erreicht das Aneurysma einen bedenklichen Umfang, lässt sich ein chirurgischer Eingriff nicht mehr vermeiden. Im Rahmen der Operation ersetzt man das Gefäßteil, welches von der Aussackung betroffen ist, durch ein künstliches Blutgefäß.

Bei dem Eingriff eröffnet der behandelnde Chirurg das Aneurysma und setzt anschließend eine Prothese aus Kunststoff, die die Form eines Ypsilons oder eines Rohrs hat, ein. Zum Abschluss wird die Gefäßwand über der Prothese verschlossen.

Eine Alternative ist das Einsetzen von Stent-Prothesen. Zu diesem Zweck nimmt man einen geringfügigen Einschnitt an der Haut vor und bringt die Prothese dann durch die Verwendung eines Katheters in die Hauptschlagader ein.

Gestützt werden die Prothesen durch Stents. Diese setzt man zusammengeklappt über den Katheter ein und klappt sie dann an der richtigen Stelle auf.

Hirnaneurysma

Im Falle eines Hirnaneurysmas war es früher üblich, eine offene Hirnoperation vorzunehmen. Dabei klemmte man das Aneurysma mithilfe eines Clips aus Titan ab.

In den letzten Jahren greift man jedoch bevorzugt auf eine endovaskuläre Therapie zurück, bei der nicht mehr am offenen Gehirn operiert werden muss. Stattdessen setzt man in die Aussackung Mikrospiralen aus Platin, die man Coils nennt, ein.

Eingeschoben werden diese Coils über die Leistenarterie und die Hauptschlagader durch einen hohlen Mikrokatheter. Zwar können die Coils die Aussackung nicht vollständig ausfüllen, bewirken jedoch durch einen Fremdkörperreiz die Bildung eines Blutgerinnsels.

Auf diese Weise wird dem weiteren Fließen von Blut im Aneurysma entgegengewirkt. Das Gefäß schließt sich und kann nicht mehr reißen.

Nachsorge

Nach einer Operation brauchen die Patienten auf körperliche Bewegung nicht zu verzichten. Wurde allerdings eine Prothese in der Nähe eines Gelenks eingesetzt, wird empfohlen, die Gliedmaßen nicht zu sehr zu beugen.

Für die Zeit nach einem Eingriff verabreicht man den Patienten blutverdünnende Arzneimittel. Darüber hinaus werden regelmäßig Kontrolluntersuchungen mit Ultraschall durchgeführt, um den Gefäßersatz zu überprüfen und mögliche weitere Aneurysmen rechtzeitig zu erkennen.

Vorbeugung

Einem Aneurysma vorzubeugen, ist nur bedingt möglich. Empfohlen wird jedoch, auf den Konsum von Tabak und Alkohol zu verzichten oder ihn zumindest einzuschränken, da diese Genussmittel als Risikofaktoren für Arterienverkalkung und zu hohen Blutdruck gelten.

Auch zu hohe Blutfettwerte und Übergewicht können die Entstehung eines Aneurysmas begünstigen. Um Gefäßerkrankungen wie einem Aneurysma vorzubeugen, wird grundsätzlich ein gesunder Lebensstil empfohlen, zu dem ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung gehören.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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