Warum Kinder anders schmecken

Kindern schmeckt Vieles von dem nicht, was erwachsene Menschen gerne essen. Warum ist das so? Müssen sich ihre Geschmacksknospen wirklich erst entwickeln? Im Gegenteil, Kinder haben ein weitaus feineres Geschmacksempfinden als Erwachsene.

Unser Nachwuchs hat ein viel intensiveres Empfinden, wenn es um's Schmecken geht - mit einigen Tipps kann man ihm auch die gesündesten Speisen schmackhaft machen

Kinder haben von Geburt an viel mehr Geschmacksknospen, als uns Erwachsenen verbleiben. Deshalb schmecken sie alle Geschmacksrichtungen viel intensiver, zum Teil sogar schmerzhaft intensiv.

Um das zu verstehen, müssen wir zu den Wurzeln der Menschheit zurück. Früher brauchten die Menschen ihren Geschmackssinn, um Nahrung daraufhin zu sortieren, ob sie bekömmlich oder womöglich giftig sei. Scharf schmeckende oder bittere Nahrung wie Beeren oder Pflanzenteile waren potenziell giftig oder zumindest unbekömmlich.

Erst mit der Entwicklung der Menschheitsgeschichte fanden wir andere Mittel, um unsere Nahrung zu testen. Heute noch besitzen Rinder viel mehr Geschmacksknospen, als Menschen – mit etwa 35.000 Geschmacksknospen untersuchen sie nach wie vor Gräser und Blätter auf ihre Bekömmlichkeit.

Kinder haben etwa doppelt so viele Geschmacksknospen

Ein Neugeborenes hat in der Regel etwa 10.000 Geschmacksknospen. Der Geschmackssinn des Säuglings ist auf süß geprägt. Denn diesen Geschmack nimmt das Ungeborene schon über das Fruchtwasser auf.

Auch sind in der Natur süße Früchte so gut wie nie giftig. Giftiges schmeckt meist scharf, sehr sauer oder bitter. Diese Geschmäcker lehnt der Körper eines Kindes zunächst ab, weil er sie viel intensiver empfindet, als ein erwachsener Mensch.

Erst durch den Nachahmungstrieb und vorsichtiger Gewöhnung erlernt ein Baby, was neben dem süßen Geschmack auch noch verträglich ist. Und anders, als man landläufig meint, geht dies mit einem Abstumpfen unseres Geschmackssinnes einher, nicht jedoch mit der Entstehung neuer Geschmacksknospen.

Die Zahl unserer Geschmacksknospen nimmt nämlich im Laufe unserer Lebensjahre ab. Ein Erwachsener hat meistens nur noch etwa 5.000 Geschmacksknospen. Gleichzeitig empfindet er also die verschiedenen Geschmacksrichtungen nicht mehr im Übermaß intensiv.

Sicher kennen auch Sie das, dass Sie als Kind bestimmte Lebensmittel absolut nicht mochten, genau diese heute aber gerne essen. Vielen erwachsenen Menschen fällt es leichter, neue Speisen auszuprobieren, wenn sie als Kind nicht gezwungen wurden, bestimmte Dinge zu essen, die ihnen Übelkeit verursachten.

Warum Kinder Brokkoli ablehnen dürfen

Gemüse ist ein tolles und vielseitig einsetzbares Nahrungsmittel. Leider sehen das Kinder nicht so und reagieren sehr oft mit Ablehnung auf das Essen, sobald sich auf dem Teller etwas Grünes und gesundes befindet.

Dann ist Erfindungsreichtum der Eltern gefragt, den Kindern gut zu zureden, das Gemüse zu pürieren, sodass die Kinder es nicht sofort erkennen und voreingenommen urteilen. Es kommt allerdings vor, dass Gemüse bestimmten Kindern tatsächlich nicht schmeckt und es sich bei der Ablehnung nicht einfach um eine direkte Reaktion beim Anblick des Gemüses äußert.

Die Brokkoli-Studie

Einer neuesten Studie entsprechend haben Kinder einen Grund, Gemüse abzulehnen. In der Studie wurde mit Brokkoli gearbeitet. Über 70% der an der Studie teilnehmenden Kinder reagierten sensitiv auf die in Brokkoli und Gurken enthaltenen Bitterstoffe.

Die Folge ist, dass diese Kinder ein sehr unangenehmes Gefühl erfahren, wenn sie beispielsweise Brokkoli essen. Des Weiteren konnte die Studie herausfinden, dass unter Zugabe eines Dips eine Veränderung in der Essbarkeit erfolgte.

80% der Kinder, die bisher sensitiv auf bitteres Gemüse reagierten, aßen nach Zugabe eines Dips das Gemüse ohne beim Essen die Bitterstoffe als störend wahrzunehmen. Es spielte dabei keine Rolle, ob das Dressing kalorienreich oder –arm war.

Die meisten Kinder reagieren sensitiv auf bitteres Gemüse
Die meisten Kinder reagieren sensitiv auf bitteres Gemüse

Mit Gemüseproblemen richtig umgehen

Wichtig ist, dass Eltern lernen, dass Kinder nicht nur mäkeln, sondern aus genetischen Gründen heraus ein Problem mit dem Essen von Nahrungsmitteln mit Bitterstoffen haben. Die Handhabung des Problems durch Bereitstellung eines Dips stellt dabei eine Möglichkeit dar.

Von Bedeutung ist ebenso, wie bei allen Problemen, nicht in dem Benennen des Problems zu verharren und sich handlungsunfähig zu fühlen, sondern sich Möglichkeiten zu suchen, die helfen und Probleme lösen können. Es bringt nichts, sich mit dem Kind lauthals in eine Diskussion zu begeben, so dass es endlich das Gemüse essen soll, wenn dies für das Kind eine regelrechte Qual darstellen würde. Seien Sie als Elternteil daher bedachtsam, was Sie als Kinderallüre behandeln.

Ein Besuch auf dem Bauernhof

Für Mütter und Väter kann es schwierig sein, dem Kind den empfohlenen Tagesbedarf an Gemüse so zu geben, dass es das Essen auch isst. Bei Kindern im Alter von zwei bis 12 Jahren wird empfohlen, dass sie täglich frisches Gemüse in der Menge von zwei bis fünf Tassen zu sich nehmen.

Der Besuch auf dem Bauernhof bringt Kindern die Nahrungsmittel näher
Der Besuch auf dem Bauernhof bringt Kindern die Nahrungsmittel näher

Versuchen Sie, Ihren Kindern das Sonderbare an Gemüse und Obst zu nehmen und besuchen Sie mit ihnen einen Bauernhof oder ein Feld, auf dem Gemüse angebaut wird. Verschiedene Bauern bieten einen entsprechenden Kennenlernrundgang an. Ein einwöchiger Urlaub auf dem Bauernhof stellt ebenfalls eine sinnvolle Möglichkeit dar.

Auf diese Weise können die Kinder einen Bezug zu den verschiedenen Gemüsesorten herstellen; sie verlieren die Berührungsangst und wenn die Besuche positiv und fröhlich waren, werden sie auch eher bereit sein, Gemüse zu essen. Wiederholen Sie solche Besuche in regelmäßigen Abständen.

Auf diese Weise werden die Kinder in die Welt der Nahrungsmittel eingeführt und können meist unbegründete Ängste abbauen und durch viele neue Informationen und Eindrücke ersetzen. Fragen Sie Ihr Kind bei der nächsten Ablehnung des Essens, worin genau diese besteht. Dann werden Sie wissen, ob Ihr Kind gerade bockig ist oder ob es das Gemüse tatsächlich nicht essen kann.

Erhalten Sie die Neugierde Ihres Kindes

Kinder probieren gerne das, was ihre Eltern essen. Auch probieren sie gerne bunte Lebensmittel. Wenn Sie als Eltern zum Abendbrot gerne eine Tomate essen, oder ein Stückchen Karotte, so wird auch bald Ihr Kind danach greifen.

Auch bestimmt das Angebot die Nachfrage – je nachdem, was es grundsätzlich in Ihrer Küche zu finden gibt, wird früher oder später auch Ihr Kind interessieren. Spätestens, wenn Sie Kinder im Alter ab einem Jahr im Haus haben, sollten Sie immer einen Obstkorb oder eine Obstschale sichtbar stehen haben. Daraus können Sie sich selbst bedienen und ihrem Kind hin und wieder (statt Schokolade) ein Stückchen anbieten.

Vielen Kindern macht es auch Freude, mit ihren Eltern einen Obstsalat zuzubereiten. Dies kann ein vollwertiges Abendessen sein, wenn man verschiedene Obstsorten einbringt und eventuell mit ein paar Nüssen und Getreideflocken aufwertet.

Beobachten Sie ruhig, wie viel schon beim Vorrichten von Ihrem Kind vernascht wird. Auch ansonsten helfen Kinder sehr gerne in der Küche und lernen zunächst die verschiedenen Gemüsesorten zu benennen. Bieten Sie sich und Ihren Kindern eine Vielfalt verschiedener Obst- und Gemüsesorten an und kombinieren Sie diese auch vielseitig miteinander.

Geschmack spielerisch kennen lernen

Kinder müssen erst nach und nach lernen, wie welche Lebensmittel schmecken. Dabei entwickeln sich schnell Vorlieben und Abneigungen gegen gewisse Nahrungsmittel. Helfen Sie Ihrem Kind spielerisch, verschiedene Geschmäcker kennenzulernen und zu unterscheiden.

Geschmäcker per Farbe erkennen

Auf den ersten Blick hört sich dieser Tipp etwas ungewöhnlich an, doch Kinder haben daran viel Spaß und können auch lernen, verschiedene Geschmacksrichtungen zu unterscheiden. Hierfür sind vor allem Obst- und Gemüsesorten zu empfehlen, die es in mehreren Farben gibt.

funktionieren prima. Nachdem die verschiedenen Sorten in kleine Stücke geschnitten wurden, kommen sie nach Farbe getrennt in Schälchen. Nun darf das Kind probieren.

Danach soll es noch einmal mit geschlossenen Augen probieren und herausfinden, welche Farbe das Obst oder Gemüse hat. Bei den ersten Versuchen wird noch einiges danebengehen, doch mit der Zeit prägen sich die Kleinen den Geschmack auf diese Weise gut ein.

Mit geschlossenen Augen testen

Sobald Kinder Spaß an einer Sache haben, fällt sie ihnen auch leicht. Deshalb ist der Trick mit verbundenen Augen sehr beliebt. Verbinden Sie Ihrem Kind die Augen und geben Sie ihm ähnlich schmeckende Lebensmittel zu essen.

Nun muss es anhand des Gefühls im Mund und anhand des Geschmacks erkennen, worum es sich handelt. Hierfür eignen sich

und andere Lebensmittel. Ganz Mutige können ihren Kindern auch

und andere Geschmäcker präsentieren. Sie werden erstaunt sein, wie schnell die Kinder erkennen, was sie gerade probieren.

Auch Flüssiges hat Geschmack

Lassen Sie Ihre Kinder auch verschiedene

kosten. So entwickeln sie schnell ein Gefühl, welches Getränk wie schmeckt. Tipp: Verdünnen Sie alle Säfte mit reichlich Wasser: So gewöhnen sich die Kleinen erst gar nicht an den extrasüßen Geschmack und sind auch mit verdünnten Säften zufrieden.

Mitmachen

Wenn Sie die Kinder für eine Sache motivieren möchten, dann machen Sie am besten selbst mit. Lassen Sie sich selbst die Augen verbinden und kosten auch Sie verschiedene Dinge. Sie werden garantiert überrascht darüber sein, wie anders bestimmte Lebensmittel mit verbundenen Augen schmecken, wenn man sich darauf konzentriert.

Grundsätzlich holen sich Kinder, was ihr Körper braucht

Der Grundsatz, dass der Körper ihres Kindes weiß was er benötigt, gilt dann, wenn Ihr Kind eine vielseitige Ernährung vorgelebt bekommt. Und wenn Sie ihm dann sämtliche verträglichen Nahrungsmittel für das Auge schön anrichten, wird es sich genügend verschiedene Nahrungsmittel zuführen. Auch, wenn ein Kind über Tage oder Wochen nur eine einzige Leibspeise hat – vertrauen Sie darauf, dass es demnächst wieder neugierig auf die vielen anderen essbaren Dinge sein wird.

Belasten Sie das Thema Essen nicht mit Sorgen, denn das wirkt sich sicherlich appetithemmend für alle Beteiligten aus. Greifen Sie im Notfall eher zu optischen Tricks: So kann die Leibspeise zum Beispiel mit leckeren Dekorationen versehen werden.

Die heißgeliebten Spaghetti können ja vielleicht

  • ein Gesicht aus Maiskörnern
  • Haare aus Schnittlauch
  • eine Nase aus einer Scheibe gekochter Möhre
  • Augen aus Erbsen oder
  • einen Mund aus einem Tomatenachtel

bekommen. Lassen Sie Ihre Fantasie einfach spielen.

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Quellenangaben
  • Feeding of a small child © Vojtech Vlk - www.fotolia.de
  • Pregnant mother in kitchen eating chicken and vegetables helping © Monkey Business - www.fotolia.de
  • Two little girl feeding chickens © Boggy - www.fotolia.de

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