Nachbarschaft - Nachbarschaftsrecht, Qualitätsmerkmale und mögliche Probleme

Eine harmonierende Nachbarschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Oft kommt es aufgrund von Vorurteilen oder Kleinigkeiten zu Streitereien oder sogar zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Eine solide Basis kann aber das Schlimmste verhindern. Um diese zu schaffen, sollten sich sowohl neu Hinzugezogene wie auch bereits ansässige Nachbarn ein paar Tipps zu Herzen nehmen. So klappt es mit der friedlichen Nachbarschaft - holen Sie sich hilfreiche Tipps.

Tipps für das Wohnen in friedlicher Nachbarschaft

Nachbarschaft - eine Definition

Die Nachbarschaft kann in ihrer Konstellation ganz unterschiedlich aufgefasst werden. Grundsätzlich handelt es sich bei einem Nachbarn um eine Person, die in unmittelbarer Nähe zu der eigenen wohnt. Doch je nach Wohnsituation und Art der Immobilie kann es sich dabei beispielsweise um

  • die Mitbewohner eines Mehrfamilienhauses - ob nun nebenan oder über bzw. unter der eigenen Wohnung
  • die Bewohner des angrenzenden Einfamilienhauses oder
  • die Bewohner derselben Straße

handeln. Auch darüber hinaus lässt sich der Begriff nutzen; in ländlichen Gebieten werden beispielsweise auch die Menschen im Umkreis von 100 Metern dazugezählt, manchmal sogar bis hin zu einem Kilometer.

Im Idealfall kommt man gut mit seinen Nachbarn aus. Das kann bedeuten, dass man außer der Begrüßung, wenn man sich mal über den Weg läuft, nichts weiter miteinander zu tun hat, aber natürlich auch, dass man sich gut miteinander versteht und sogar anfreundet.

Als gut ist das nachbarschaftliche Verhältnis somit immer dann einzustufen, wenn es keinen Streit gibt. Und dafür wiederum gibt es eine Menge Möglichkeiten. Im weiteren Verlauf gehen wir etwas genauer auf dieses Thema ein; detailliertere Informationen erhalten Sie jedoch hier in unserem separaten Artikel.

Aspekte des Nachbarschaftsrechts

Eine Nachbarschaft bedeutet immer das Aufeinandertreffen verschiedener Interessen. Um diese auszugleichen, gibt es Rechtsnormen für das Zusammenleben unter Nachbarn.

Auf diese Weise erhalten diese Regeln, die sich auf das Verhalten an eben diesem Recht beziehen. Man unterscheidet das private sowie das öffentliche Nachbarschaftsrecht. Ersteres bezieht sich dabei beispielsweise auf

  • Befugnisse des Eigentümers
  • Begrenzung des Eigentums
  • Überhang (von Wurzeln und Zweigen)
  • Gemeinschaftliche Benutzung von Grenzanlagen:
  • Überbau
  • Notwegerecht:

Die Basis einer friedlichen Nachbarschaft

Ewiger Streit um die Schuhe vor der Wohnungstür, laute Musik nach zehn oder auch die ordnungsgemäße Mülltrennung kann Nachbarn zu Feinden machen. Mit etwas Geduld, Rücksichtnahme und Verständnis kann man auch mit dem schlimmsten Nachbarn in Einklang leben.

Ein gutes Verhältnis kann man zwar fördern, aber nicht erzwingen. Letztlich muss es sich mit der Zeit entwickeln. Ihre neuen Mitbewohner müssen Gelegenheit bekommen, Sie im Alltag als freundlichen, rücksichtsvollen und zuverlässigen Nachbarn kennen zu lernen.

Extrem penible, unordentliche oder einfach sehr laute Nachbarn können den eigenen Geduldsfaden schnell zum Reißen bringen. Hier heißt es Ruhe bewahren, denn aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit kann schnell ein Krieg entflammen. Ruft man die Polizei oder beginnt die andere Partei zu beschimpfen, kann aus einer Mücke sehr rasant ein Elefant werden.

Zieht jemand Neues in Ihre Umgebung oder ziehen vielleicht Sie selbst an einen andern Ort, so ist es immer eine nette Geste, sich den anderen Parteien vorzustellen. Wagen Sie den Schritt und gehen Sie mal auf Klingeltour. Mit einem netten Lächeln auf dem Lippen und einer lockeren und unvoreingenommenen Haltung, sammeln Sie auf diesem Weg schon einmal Pluspunkte beim neuen Hausgenossen.

Die Grundlagen der Freundlichkeit

Es ist nicht nötig, dass Sie sich bei Ihren Nachbarn extra beliebt machen. Für ein gutes Zusammenleben genügt es, wenn Sie darauf achten, sich nicht unbeliebt zu machen.

  • Halten Sie sich an die Vorgaben der Hausordnung
  • vermeiden Sie Lärmbelästigung und
  • vermeiden Sie die Verschmutzung von Gemeinschaftsräumen,

dann sind die wichtigsten Punkte für ein gutes Verhältnis schon erfüllt. Grüßen Sie Ihre Nachbarn freundlich und wechseln Sie ab und an ein nettes Wort. Wenn Sie mitbekommen, dass ein Nachbar in den Urlaub fährt, dann können Sie ihm anbieten, in dieser Zeit seinen Briefkasten zu leeren.

Fragen Sie ihn aber nicht nach seinem Wohnungsschlüssel. Wenn er ihn Ihnen anvertrauen möchte, wird er von selbst auf Sie zukommen.

Seien Sie großzügig. Helfen Sie Ihrer Nachbarin, wenn sie schwere Einkäufe zu tragen hat, oder halten Sie ihr die Tür auf. Meist sind es Kleinigkeiten, die für ein gutes Klima sorgen.

Nachbarschaftshilfe anbieten

Versuchen Sie, Freundschaften zu schließen und bieten Sie Ihre Hilfe an. Übernehmen Sie die Tierfütterung, wenn Ihr Nachbar in den Urlaub will, bieten Sie älteren Herrschaften in der Nachbarschaft Ihre Hilfe beim Einkauf an und bauen Sie einfach eine Bindung zu den Menschen in Ihrer Umgebung auf.

Als Ortskundiger kann man neu Hinzugezogenen zum Beispiel anbieten, die Ortschaft zu zeigen oder Restaurants, Bäcker, Ärzte und Kinderspielplätze empfehlen. Da Nachbarschaftshilfe auf Gegenseitigkeit beruht, wird man früher oder später auch auf die Hilfe des Anderen zurückgreifen können.

Eine Lösung für das Problem finden

Wenn es doch einmal zu Missverständnissen oder Konflikten in der Nachbarschaft kommt, sollte man immer in Ruhe über das Problem sprechen. Wer stur auf sein Recht besteht oder womöglich aggressiv wird, hat schlechte Chancen, auf friedlichem Weg eine Lösung zu finden.

Haben Sie also ein Problem mit Ihren Nachbarn, so suchen Sie das Gespräch und versuchen Sie, gemeinsam eine Lösung für Ihre Probleme zu finden. Sagen Sie ganz offen, welches Problem Sie mit Ihrem Gegenüber haben und geben Sie auch ihm die Chance, seine Ansichten zu äußern.

Ist die Situation einmal völlig festgefahren, so sollten Sie einen Vermittler bitten, bei einem klärenden Gespräch dabei zu sein. Dies sollte eine neutrale Person sein, die beide Parteien gleichgut kennt.

Hierfür bietet sich zum Beispiel ein weiterer Nachbar, der Vermieter oder gar der Hauswart an. Wichtig ist nur, dass Institutionen wie die Polizei erst dann zu Hilfe gerufen werden, wenn eine Situation völlig eskaliert. Doch dies lässt sich ganz einfach durch Respekt und Achtung vermeiden.

Neu hinzugezogen - wie verhalte ich mich richtig?

Eine neue Wohnung bedeutet zugleich auch eine neue Umgebung und eine neue Nachbarschaft. Es bedarf einer gewissen Zeit, bis nach dem Umzug Normalität einkehrt.

Das gilt nicht nur für den neuen Mieter selbst, sondern auch für seine Nachbarn. Für diese ist man zunächst ein Fremder, der sich in die Hausgemeinschaft einzufügen hat. Es liegt zum größten Teil am neuen Mieter selbst, aus der anfänglichen distanzierten gegenseitigen Beobachtung eine gute Nachbarschaft entstehen zu lassen.

Auch der größte Umzugsstress sollte neu Hinzugezogene nicht davon abhalten, sich bei den neuen Nachbarn persönlich vorzustellen. Hiermit wird Spannung aus der neuen Situation genommen und eine gute Grundlage für zukünftige Gespräche untereinander geschaffen.

Kennenlernen

Eine Vorstellung kann auf verschiedene Weisen ablaufen. Nach wie vor beliebt ist die Einladung zum Kaffeetrinken oder zu einer Einweihungsparty.

Hier stellt sich vor allem in größeren Mehrfamilien- oder Reihenhäusern allerdings die Frage, ob diese Art der Vorstellung terminlich und räumlich überhaupt machbar ist. Bei dem Einzug in ein Einfamilienhaus dagegen bietet diese Vorstellung sich gut an. Ein Kennenlernen kann je nach Wohnsituation in der Wohnung selbst oder zum Beispiel auch während eines Grillabends im Garten stattfinden.

Belassen Sie es zunächst aber bei einem höflichen Kurzbesuch, auch wenn Sie vielleicht in die Wohnung gebeten werden. Bitten Sie um Verständnis für mögliche Beeinträchtigungen, die durch Ihren Umzug stattfinden. So haben Sie gleich einen guten Einstieg.

Vorstellen in Mehrfamilienhäusern

In Mehrfamilienhäusern können Mieter sich ihren neuen Nachbarn auch einzeln vorstellen, indem sie an der Wohnungstür klingeln. Alternativ bietet sich ein zufälliges, bzw. scheinbar zufälliges Kennenlernen auf dem Grundstück, im Waschkeller oder im Treppenhaus an.

Gehören auch Kinder zur neuen Mietpartei, sollten auch diese sich höflich vorstellen. Denn oft geben Kinder Nachbarn einen Grund zur Beschwerde.

Sich bei den Nachbarn vorstellen für ein entspanntes Verhältnis
Sich bei den Nachbarn vorstellen für ein entspanntes Verhältnis

Hausordnung einhalten

Eine weitere wichtige Grundlage zum friedlichen Zusammenleben wird durch die Einhaltung der Hausordnung geschaffen. Diese sollte zumindest in den ersten Wochen wirklich strikt eingehalten werden, damit Nachbarn sich nicht durch Lärm oder andere Störungen belästigt fühlen. Auch wenn es die Ausnahme ist - es gibt immer Nachbarn, die auf Verstöße gegen die Hausordnung seitens des neuen Mieters regelrecht warten.

Im eigenen Interesse sollten also Hausordnungen strikt eingehalten werden. Vor allem die Ruhezeiten sind zu beachten. Möchte man dennoch mal eine Party feiern, sollten die Nachbarn vorher informiert werden. Es ist sinnvoll, ihnen zu verdeutlichen, dass es sich hierbei um eine einmalige Angelegenheit handelt. Auch eine mögliche Geruchsbelästigung durch das Grillen auf dem eigenen Balkon sollte nicht zum Alltag werden.

Kinder sollten auf die Mittagsruhe aufmerksam gemacht werden und möglichst auf nahegelegenen Spielplätzen anstatt in der Einfahrt des Nachbarn spielen. Tierbesitzer sollten dem neuen Nachbarn signalisieren, dass sie verantwortungsbewusst mit der Tierhaltung umgehen und zum Beispiel Hundekot von der Straße sofort entfernen.

Reinigungsplan

Neben der Hausordnung sollte gleich zu Beginn auch der Reinigungsplan für die Gemeinschaftsflächen konsequent befolgt werden. Zu internen Regelungen, wie das Reinigen der Treppe, das in Abwechselung mit dem Etagennachbarn stattfindet, sollte der jeweilige Nachbar persönlich aufgesucht werden.

Das äußere Erscheinungsbild

Auch das äußere Erscheinungsbild der Wohnung, zum Beispiel

  • Balkon
  • Fenster oder
  • Wohnungseingang,

kann Nachbarn einiges über den neuen Mieter verraten. Ein gepflegtes Allgemeinbild kann dabei genauso von Vorteil sein wie eine einladende, freundliche und lebendige Dekoration an Fenstern oder auf dem Balkon.

Nachbarschaftsstreit - Tipps zur Problemlösung

Ob Haus- oder Wohnungsnachbarn, Nachbarn im Miethaus oder in der Eigentumswohnung: Wir leben nicht allein auf der Welt. In den allermeisten Fällen jedoch verläuft das nebeneinander Wohnen mehr oder weniger friedlich.

Kompliziert wird es, wenn unterschiedliche Vorstellungen und Lebensphilosophien aufeinandertreffen. Der Anlass kann auf den ersten Blick durchaus gewöhnlich wirken.

Mögliche Streitpunkte

Von lautstarker Musik über nicht geputzte Treppenflure bis hin zu Bäumen, die über Nachbars Garten ins eigene Grundstück ragen - all diese Situationen haben bereits zu handfesten Streits geführt. Nicht selten kommt es zu einem Nachbarschaftsstreit, weil die Hausordnung nicht eingehalten wurde. Vor allem die Missachtung des Reinigungsplanes sowie Lärm- und Geruchsbelästigungen führen schnell zur Konfrontation in Mehrfamilienhäusern.

In Einfamilienhäusern dagegen gibt es oft Streit, wenn zum Beispiel Hunde oder Katzen mit einziehen und sich im Garten des Nachbarn aufhalten. Auch die Gestaltung des Gartens oder spielende Kinder auf der Straße stehen hier als Gründe für einen Nachbarschaftsstreit ganz weit oben.

Den Streit beheben

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte man sich eines bewusst machen: Der Nachbar möchte in aller Regel ebenso in Frieden leben wie man selbst.

Er ist ein Mensch mit eigenen, vielleicht völlig entgegengesetzten Bedürfnissen. Ein sachlicher, aber freundlicher Umgangston hat schon vielfach geholfen, Konflikte aus dem Weg zu räumen.

Freundlich, aber bestimmt

Doch, wenn es erst einmal zum Streit gekommen ist, dann helfen beschwichtigende Worte oft wenig. Jetzt ist es wichtig, sich gemeinsam an den Tisch zu setzen und Unstimmigkeiten vernünftig zu besprechen.

Signalisieren Sie dabei Offenheit, aber auch Selbstbewusstsein: Ihr Nachbar hat dasselbe Recht (aber kein größeres!), seine Interessen zu äußern wie Sie. Oftmals hilft bereits ein klärendes Gespräch, Streitigkeiten aus der Welt zu räumen.

Zeigen Sie sich dabei ruhig großzügig, auch wenn Ihnen nicht unbedingt danach ist: Eine Flasche Wein oder eine Schachtel Pralinen als Entschuldigung für eine (angekündigte!) Party beispielsweise kann Wunder bewirken.

Wichtig: Sollten die Beschwerden berechtigt sein, sollten Sie dem Nachbarn vermitteln, dass entsprechende Verhaltensweisen nicht wieder vorkommen. Umgekehrt sollten Sie bei etwaigen Problemen freundlich deutlich machen, dass Sie Lärm- oder Geruchsbelästigung, wochenlang ungeputzte Flure und andere Unstimmigkeiten nicht mehr länger hinnehmen möchten.

Ein unparteiischer Dritter

Sind die Fronten bereits zu sehr verhärtet, dann hilft oft nur der Gang zu einer neutralen Person. Ein Mediator beispielsweise kann helfen, dass Nachbarschaftsstreitigkeiten gar nicht erst vor Gericht landen müssen.

Bei Mietparteien sollte außerdem der Vermieter über etwaige Unstimmigkeiten informiert werden. Auch hier ist es wichtig, nicht das Gefühl vom "petzenden" Nachbarn aufkommen zu lassen, sondern alle Probleme konstruktiv zu regeln.

Quellen:

  • Ulrich Maidowski: Mit Nachbarn streiten? ARAG Ratgeber zum Nachbarrecht, Goldmann, 2001, ISBN 344216415X
  • Helmward Alheit: Nachbarrecht von A - Z. 490 Stichwörter zur aktuellen Rechtslage, DTV-Beck, 2006, ISBN 3423050675
  • Herbert Grziwotz: Praxishandbuch Nachbarrecht, Beck Juristischer Verlag, 2005, ISBN 3406516777

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