Singen - Erzeugung der Singstimme, Stimmbildungsübungen und Tipps für die Gesangslehrer-Suche

Wird die menschliche Stimme musikalisch gebraucht, so ist die Rede vom Singen. Dieses muss geübt und gelernt sein. Während in der Familie anlassbezogen so gesungen wird, wie es jeder kann, beginnt eine erste gezielte Stimmbildung im schulischen Musikunterricht. Die Wertigkeit einer schulischen Stimmbildung ist mit dem Schulsportunterricht vergleichbar. Lesen Sie alles Wissenswerte über das Singen - von der Erzeugung der Singstimme bis zur Suche nach dem passenden Gesangslehrer.

Für die Erzeugung der Singstimme bedarf es einiger Voraussetzungen - Auch die Artikulation sowie ein Gefühl für Rhythmus und Tonalität sollten vorhanden sein

Sowohl früher als auch heute wird das Singen als Schulpflichtfach nicht allzu ernst genommen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die einen von Haus aus gut, die anderen weniger gut und manche gar nicht singen können.

Der Musikunterricht als solcher wird zwar benotet, das Interesse an Musik und am Singen jedoch vorwiegend im Elternhaus gefördert. Das gilt für das Singen ebenso wie für das Erlernen von Instrumenten, beginnend mit der Block- oder Querflöte.

Hinzu kommt, dass Mädchen lieber singen und kochen, während Jungen körperliche Aktivitäten wie Sport bevorzugen. Eine effiziente Stimmbildung erfolgt daher vorwiegend in leistungsbezogenen Schulkursen oder erst in den höheren Schulklassen von Haupt- und Realschule sowie Gymnasium. Auch ein diesbezügliches Studium ist an Musikhochschulen möglich.

Hinweise zur Stimmbildung

Die Stimmbildung ist eine gezielte Ausbildung der Stimme. Unterteilt wird in das Sprechen und das Singen.

Das sind die beiden Möglichkeiten, um sich akustisch bemerkbar zu machen. Zum Sprechen wird lediglich eine Tonlage benötigt. Das ist die Stimme des Menschen.

Beim Singen ist es umgekehrt. Hier werden mehrere bis viele Tonlagen benötigt, die geübt und trainiert werden müssen. Das geschieht im Gesangs- sowie im Musikunterricht.

Beim Singen werden viele Tonlagen benötigt, deswegen muss die Singstimme ausgebildet werden
Beim Singen werden viele Tonlagen benötigt, deswegen muss die Singstimme ausgebildet werden

Damit eine Singstimme klar, deutlich und ausgeprägt wird, muss sie geschult werden. Dazu gehören die Atemführung, die Artikulation sowie die Stimmerzeugung, also das Singen als solches.

Mit einer richtigen und gekonnten Atmung werden die Stimmbänder einerseits geschont, andererseits genau passend eingesetzt. Die Stimmerzeugung ist das Ergebnis, wenn Luft aus der Lunge abgegeben worden ist.

Sie wird durch die Stimmbänder in Schwingungen versetzt und erzeugt dadurch die Gesangsstimme. Die richtige Atemtechnik, also Atmung sorgt dafür, dass die Stimme erzeugt, und dass zusätzlich auch noch ein- sowie ausgeatmet wird.

Bildung der Singstimme

Die Stimme gibt Aufschluss über die Persönlichkeit und auch über die Befindlichkeit. Dabei ist die Stimme kein Organ, sondern vielmehr ein Zusammenspiel von Muskeln und Körperteilen und natürlich dem Atem. Die Singstimme ist wie ein Instrument; mit ihr kann man unendlich viele Töne und Klänge erzeugen.

Im Kopf befinden sich die Mundhöhle, die Nasenhöhlen und der Rachenraum, sie fungieren als Resonanzräume.

Sie verstärken die Stimme und geben ihr Kraft und Ausdruck sowie den individuellen Klang. Damit ein Ton zustande kommt, muss Luft eingeatmet und wieder herausgepresst werden, hierbei spielen der Kehlkopf und die am Kehlkopf sitzenden Stimmlippen eine wichtige Rolle.

Durch einen Wechsel von Öffnen und Schließen der Stimmlippen wird der so genannte Kehlkopfklang erzeugt. In den Resonanzräumen wird der Ton verstärkt.

Faktoren, die die Klangfarbe der Stimme beeinflussen

Jede menschliche Stimme hat eine individuelle Klangfarbe. Diese wird durch viele unterschiedliche Faktoren geprägt und ist von der anatomischen Beschaffenheit abhängig.

Die Lippen, die Rachenform sowie die Zahnstellung nehmen Einfluss auf den Klang der Stimme
Die Lippen, die Rachenform sowie die Zahnstellung nehmen Einfluss auf den Klang der Stimme
  • Die Lippen
  • die Form des Rachens
  • die Zahnstellung oder
  • die Größe der Zunge

beeinflussen den Klang der Stimme. Die Anatomie des Kehlkopfs und die Länge der Stimmlippen entscheiden darüber, ob eine Stimme hoch oder tief ist. Jede Stimme hat zwar ein unverwechselbares Timbre, um eine schöne Singstimme zu formen ist aber auch die richtige Atemtechnik ausschlaggebend. Sänger wissen, wie wichtig die Zwerchfellatmung ist, damit wird die Stimme gestützt.

Ein Sänger der die richtigen Techniken beherrscht benutzt seinen ganzen Körper als Klangraum. Dabei spielt auch die Körperhaltung eine wichtige Rolle. Beim Singen werden die Töne länger gehalten und die Vokale gedehnt.

Um die richtige Atemtechnik zu lernen und die Stimme zu modulieren, braucht man einen erfahrenen Gesangslehrer. Man hört der Stimme sofort an, wenn sie geschult ist. Die Lunge, der Kehlkopf, die Stimmlippen und die Resonanzräume arbeiten in einem harmonischen Zusammenspiel und verleihen dem Sänger oder der Sängerin eine kräftige und ausdrucksvolle Singstimme.

Für das Singen sind aber noch weitere Faktoren wichtig...

Artikulation

Artikulation bezeichnet das deutliche Aussprechen des Singtextes. Dabei dürfen keine Wortendungen verschluckt, und Vokale müssen bewusst ausformuliert werden. Wie es umgangssprachlich heißt, muss der Mund weit geöffnet werden, um Wort sowie Gesang deutlich und verständlich werden zu lassen.

Lesen und Singen stehen in einem engen Zusammenhang. Wer laut vorliest und dabei die Artikulation bewusst fördert, der tut das automatisch auch bei der Stimmbildung für das Singen.

Die Erweiterung des Tonumfangs ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Stimmbildungsübungen zum Singen. Je größer das Spektrum an hohen und tiefen Tönen ist, umso vielfältiger sind die Einsatzmöglichkeiten. Das gilt sowohl für Sologesänge als auch für das Mitsingen in einer Gruppe oder in einem mehrstimmigen Chor.

Die Schulung der Intonation gehört auch dazu. Intonation bedeutet, auf Anhieb den genau richtigen Ton zu treffen.

Im Grunde genommen ist das Singen eine einzige Intonation. Ton reiht sich dabei an Ton und ergibt in der Summe den Gesang und das Musikstück. Bei Stimmbildungsübungen zum Chorgesang spielt die Intonation eine besondere Rolle.

Der so genannte spätere Einsatz während des Musikstücks erfolgt in einer vorgegebenen Tonlage. Die muss auf Anhieb genau passen, also getroffen werden. Sängerinnen und Sänger können sich nicht darauf einstimmen, sondern sie intonieren, treffen also auf den Punkt genau den richtigen Ton.

Gefühl für Rhythmus und Tonalität

Der Vergleich zwischen Musik und Sport ist durchaus zutreffend. Eine gewisse Veranlagung, also ein Feeling für Rhythmus und Tonalität muss vorhanden sein, so wie beim Sportler die körperliche Motorik.

Wenn das musikalisch der Fall ist, dann kann die Stimme im frühen Kindesalter effizient und professionell geschult werden.

Die Stimme kann bereits im frühen Kindesalter mit Kinderchören oder Gesangsunterricht professionell
Die Stimme kann bereits im frühen Kindesalter mit Kinderchören oder Gesangsunterricht professionell geschult werden
  • Kinderchor
  • Schülerchor
  • Kirchenchor und
  • Musikschule bis hin zum Einzelunterricht

sind die gängigen Angebote. Ebenso wie beim Sport kommen auch beim Singen Unterhaltungswert und Spaß hinzu. So kann das Stimmbildungsüben zum Singen gelehrt werden, ohne dass dem Betroffenen bewusst wird, wie sehr er geschult bis hin zu gedrillt wird. Singen macht dann ganz einfach Spaß.

Wer das Singen erlernen möchte, der sollte sich nach einem passenden Gesangslehrer umsehen...

Tipps zur Suche nach einem passenden Gesangslehrer

Das Singen ist für viele Menschen ein bereicherndes Hobby. Sie singen in Chören, in Vereinen, in Bands oder auch einfach nur für sich allein. Viele Amateure wünschen sich einen professionellen Gesangslehrer, um ihre Stimme zu schulen.

Den richtigen Gesangslehrer zu finden, ist aber gar nicht so einfach. Entscheidend ist nicht nur sein Können und seine Kompetenz, sondern auch die persönliche Sympathie. Die Wellenlänge sollte stimmen, da man intensiv miteinander arbeitet. Und man braucht ein gewisses Vertrauen, damit man nicht verkrampft ist und alles aus der Stimme herausholen kann.

Privater Unterricht oder in der Musikschule?

Professionellen Gesangsunterricht kann man bei privaten Gesangslehrern erhalten oder auch in Musikschulen. Die Gesangslehrer haben meist eine Musikhochschule absolviert, also Gesang studiert. Es gibt aber unterschiedliche Gesangsrichtungen und so unterscheiden sich auch die Stimmausbildung und damit der Gesangslehrer.

Bei der Suche nach dem richtigen Gesangslehrer muss man zuerst einmal wissen, für welche Richtung man sich entscheidet und welchem Zweck die Gesangsausbildung dienen soll. Singen lernen kann man für eine Gruppe, für das Studium oder einfach nur zum Spaß.

Merkmale eines guten Gesangslehrers

Gute Gesangslehrer bieten eine Probestunde an. Da kann man sich dann gegenseitig erst einmal beschnuppern und sich kennenlernen.

Diese erste Probestunde wird in den meisten Fällen nicht kostenlos sein, schließlich widmet sich der Lehrer die ganze Stunde lang den Wünschen des Schülers - er geht seiner alltäglichen Arbeit nach, wofür er auch bezahlt werden sollte. Die Schnupperstunde ist lediglich dazu da, ein unverbindliches Kennenlernen anzubieten, ohne dass der Schüler sich zu weiteren Stunden verpflichtet.

Die Qualität des Gesangsunterrichts ist natürlich auch immer eine Frage des Preises. Dabei hat eine qualifizierte Stimmbildung viele Komponenten.

Der Schüler soll lernen sauber zu intonieren, es wird an der Gesangstechnik gefeilt, aber auch die richtige Atemtechnik spielt eine entscheidende Rolle. Dann soll ein Lied richtig interpretiert werden und auch der Umgang mit Publikum und Lampenfieber will gelernt sein.

Ein guter Gesangslehrer begleitet seinen Schüler auf diesem Weg und arbeitet damit auch an seiner Persönlichkeit. Das bedeutet er sollte ein pädagogisches Händchen und auch Führungsqualitäten haben. Psychologisches Talent unterstützt diesen Prozess.

Ab besten sucht man den Gesangslehrer natürlich in der Region. Man kann sich bei Musikschulen erkundigen oder einfach mal googlen und Gesangsunterricht eingeben. Ein telefonisches Vorabgespräch gibt schon Aufschluss, ob der Funke überspringt.

Dann erkundigt man sich nach der Probestunde. Beim ersten Treffen sollte man dem Gesangslehrer genau sagen, was man für Vorstellungen und Ziele hat. Dann sollte man die Probestunde erst einmal auf sich wirken lassen, um sich dann endgültig zu entscheiden.

Auch der Lehrer wird nach dieser Stunde merken, ob die Sympathie zwischen beiden Seiten da ist und ob er/sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Ist dem nicht so, kann er/sie den Schüler an einen Kollegen weiterempfehlen.

Bevor man sich nach dieser Probestunde dazu entschließt, weitere Stunden zu nehmen, sollte man auch über die Modalitäten gesprochen haben, also Zahlung, Verträge, Krankheitsfälle usw. Sind die Rahmenbedingungen klar, wird man auch entspannter in den Unterricht einsteigen können.

Wichtige Fragen

Der Gesangslehrer sollte sich für seinen Schüler interessieren und wissen, woran er mit ihm arbeiten, welche Ziele er verfolgen soll. Um dies herauszufinden, sollte er die erste Stunde dafür nutzen und entsprechende Fragen stellen, wie etwa

  • warum der-/diejenige Gesangsunterricht nehmen möchte
  • welche Musikrichtung ihn/sie interessiert
  • welche Ziele er/sie verfolgt
  • welche Vorerfahrungen bestehen
  • ob er/sie sich über die finanziellen Verpflichtungen im Klaren ist
  • ob er/sie sich über den zeitlichen Aufwand im Klaren ist
  • ob er/sie ein Musikinstrument beherrscht
  • ob er/sie Notenlesen kann

Natürlich wird und sollte auch der Schüler Fragen an den Lehrer haben. Dazu können beispielsweise folgende Fragen zählen:

  • Welche Ausbildung hat der Lehrer absolviert?
  • Welche Musikrichtungen werden unterrichtet?
  • Wie läuft eine Unterrichtsstunde ab?
  • Wie viel Zeit muss man zum Üben einplanen?
  • Wie sehen die Unterrichtskonditionen aus?
  • Hat man im Rahmen von Veranstaltungen die Möglichkeit, Bühnenerfahrung zu sammeln?
  • Werden auch Themen wie Lampenfieber und Mikrofonarbeit behandelt?

Am besten ist, man notiert sich solche Fragen, bevor man sich zum ersten Mal trifft - so vergisst man auch nichts Wichtiges, schließlich wird mit Sicherheit auch ein bisschen Nervosität vorhanden sein.

Quellen:

  • Wolfram Seidner: ABC des Singens. Stimmbildung, Gesang, Stimmgesundheit: Stimmbildung - Gesang - Stimmgesundheit, Henschel Verlag, 2007, ISBN 3894875410
  • Gerhard Faulstich: Singen lehren - Singen lernen. Grundlagen für die Praxis des Gesangunterrichtes. Forum Musikpädagogik, Bd. 24, Wißner-Verlag, 2007, ISBN 3896391496
  • Renate Faltin: Singen lernen? Aber logisch! Von der Technik des klassischen Gesanges. Forum Musikpädagogik Bd. 39, Wißner-Verlag, 2004, ISBN 3896391615

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Kategorien:
Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?
Bildnachweise:
  • singing girl © Konstantin Yuganov - www.fotolia.de
  • Singing into a professional microphone © sumnersgraphicsinc - www.fotolia.de
  • big earphones © Andrey Kiselev - www.fotolia.de
  • Group Of School Children Singing In Choir Together © highwaystarz - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema