11. Dezember 2009
(dgk) Medikamentenrückstände im Trinkwasser sind bislang nach einhelliger Expertenmeinung für die Gesundheit des Menschen ungefährlich. Pharmazeutische Wirkstoffe wurden nur vereinzelt und in sehr geringen Konzentrationen gefunden. Unbestritten ist aber, dass diese Substanzen, wie andere Chemikalien auch, nicht ins Trinkwasser gehören. Außerdem wurden die möglichen langfristigen Folgen der jahrzehntelangen Aufnahme geringer Dosen verschiedener Substanzen noch nicht untersucht.
Da also Gesundheitsrisiken nicht auszuschließen sind, untersuchen nationale und internationale Behörden und Forschungseinrichtungen, wie die Gewässerbelastung verringert werden könnte. Eine Möglichkeit ist die Optimierung der Abwasserklärung. Doch selbst in modernen Kläranlagen können nicht alle der schätzungsweise 3.000 in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe gefiltert werden. In Städten mit veralteter Kanalisation erreichen außerdem nur 70 Prozent des Abwassers die Filterungen, der Rest versickert ungeklärt ins Erdreich.
Das europäische Projekt PILLS (Pharmaceutical input and elimination from local sources) beschäftigt sich unter anderem mit den Abwässern von Kliniken. Zwar stammen nur zehn bis 20 Prozent der Arzneistoffe in kommunalen Abwässern aus Krankenhäusern, aber die Konzentration einzelner Wirkstoffe kann zehnmal höher sein, erläutert Dr. Issa Nafo von der Abteilung Strategisches Flussgebietsmanagement bei der Emschergenossenschaft. Der PILLS-Projektleiter hält es für effizienter, konzentrierte Abwässer zu reinigen als verdünnte. Daher sei eine eigene, spezielle Kläranlage für einzelne Kliniken eine sinnvolle Einrichtung.
Am besten sei es, so meinen zum Beispiel Experten der Bundesanstalt für Gewässerkunde, wenn Arzneistoffe erst gar nicht ins Wasser gelangen. Wie kann dieses Ziel erreicht werden? Zum einen müssten die Verbraucher ihre Medikamente umweltbewusster entsorgen. Nur 29 Prozent der Deutschen bringen solche Arzneimittel stets zur fachgerechten Entsorgung in die Apotheke. Die große Mehrheit schüttet Tropfen und Säfte in die Toilette oder wirft Tabletten und Kapseln in den Hausmüll. Da aber auch mit den natürlichen Ausscheidungen Rückstände ins Abwasser gelangen, müssten effektive Vermeidungsstrategien bereits bei der Produktion der Arzneimittel beginnen. Zwar müssen Arzneimittelhersteller neue Präparate auf ihre Umweltverträglichkeit testen, eine schlechte Öko-Bilanz hat aber keinen Einfluss auf die Zulassung.
Quellen:
Martina Janning: Pharmarückstände: Klinikabwässer auf Abwegen, in: kma report 09, Sonderheft bauen und planen, November 2009, S. 26-29
Florian Keil: Arzneimittelrückstände im Trinkwasser, in: Technikfolgenabschätzung – Theorie und Pra-xis, hsrg. vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Nr. 3 – Dezember 2008, S. 66-70
Emschergenossenschaft: Interview mit Dr. Issa Nafo, Abteilung Strategisches Flussgebietsmanagement bei der Emschergenossenschaft, im Rahmen des Symposiums "Arzneimittel im Wasser" am 06.11.2009 im Kirchlichen Bildungszentrum für Gesundheitsberufe im Revier GmbH, Gelsenkirchen
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