Führungskraft und Manager - Unterschiede, Branchen und Aufgaben

Jedes größere Unternehmen benötigt Manager und Führungskräfte, um den Unternehmensalltag überhaupt strukturieren und auf Ziele ausrichten zu können. Es gibt einige Branchen, in denen man diese Positionen besonders braucht. Dabei stehen diverse Aufgaben an, bei denen man zwischen einer Führungskraft und einem Manager unterscheiden muss. Lesen Sie über die Unterschiede zwischen Führungskraft und Manager und informieren Sie sich über deren Aufgaben und Tätigkeitsgebiete.

Die Berufsfelder von Führungskräften und Managern

Führungskräfte und Manager spielen eine Schlüsselrolle in Unternehmen. So kann deren Kompetenz und Geschick im Ernstfall über das Schicksal eines Unternehmens entscheiden.

Unterschiede zwischen Managern und Führungskräften

Der genaue Unterschied zwischen diesen beiden Positionen kann nicht genau geklärt werden. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass es eine Reihe von Theorien gibt, welche den Unterschied zu definieren versuchen. Mit dieser Thematik hat sich aber auch Warren Bennis beschäftigt, der sich in einem seiner Werke mit Managern und Leadern, also Führungskräften, auseinandergesetzt hat.

Unterschiede nach Warren Bennis

Laut diesem haben Manager zunächst eine eher verwaltende Position inne, wohingegen Führungskräfte neue Energien und Prozesse erzeugen.

  • Manager sind zudem eine Kopie von einem Idealbild, weshalb das Amt des Managers auch erlernt werden kann.
  • Führungskräfte sind hingegen ein Original, also eine geborene Führungspersönlichkeit mit einer natürlichen Aura, die niemals erworben werden kann.

In engem Zusammenhang mit der Verwaltungstätigkeit des Managers stehen auch dessen zentrale Fragestellungen, mit welchen er sich bei der Arbeit konfrontiert sieht.

  • So sollen Manager vor allem die Fragen "Wann?" und "Wie?" klären, sobald es um die Arbeitsbewältigung geht.
  • Führungskräfte fragen sich hingegen, um was es geht und noch wichtiger: warum das Ganze überhaupt eine Rolle spielt.

Darüber hinaus beschreibt Warren Bennis den Manager als einen klassischen guten Soldaten. Er erledigt seinen Job, hinterfragt nicht die gesamten Prozesse und versteht sein Handwerk. Eine Führungskraft zeichnet dagegen ein hohes Maß an Individualität aus, welches erst dazu beiträgt, dass sie eine natürliche Autorität auszustrahlen vermag.

In diesem Zusammenhang existiert ein weiteres bezeichnendes Zitat aus dem Buch, welches diese Ansicht leichter verständlich macht. So mache der Manager die Dinge richtig, wohingegen die Führungskraft die richtigen Dinge macht. Auch hier dringt wieder der Soldaten- und Individualitätscharakter hindurch, welcher zuvor bereits dargestellt wurde.

  • Letztlich fokussiert sich ein Manager bei der Arbeit eher auf die Systeme und Strukturen des Unternehmens und hat demnach das Ganze im Blick.
  • Führungskräfte beschäftigen sich hingegen eher mit dem Menschen, was vor allem die Mitarbeiter und Kunden sind.

Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede nach Bennis noch mal auf einen Blick:

Manager und Führungskräfte im Vergleich (nach Warren Bennis)
ManagerFührungskräfte
erhaltenentwickeln
denken kurzfristigdenken langfristig
konzentrieren sich auf die Bilanzbehalten den Horizont im Auge
verlassen sich auf Kontrolleerwecken Vertrauen
sind Kopiensind Originale
konzentrieren sich auf Strukturen und Systemekonzentrieren sich auf Menschen
verwaltenerneuern
fragen "Wann?" und "Wie?"fragen "Warum?" und "Was?"
akzeptieren den Status quofordern den Status quo heraus
sind die klassischen guten Soldatensind ganz sie selbst
machen die Dinge richtigmachen die richtigen Dinge

In der Praxis lassen sich diese beiden Positionen oft nur schwer trennen. Dies dürfte auch auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass sich die Aufgaben und Anforderungen dieser Positionen oft kaum unterscheiden. Während wir auf die Aufgaben im weiteren Verlauf dieses Artikels eingehen, finden Sie hier nähere Informationen zu den Anforderungen an Führungskräfte und Manager.

Aufgaben eines Managers und einer Führungskraft

Als nächstes versuchen wir, die Aufgaben eines Managers und einer Führungskraft zu differenzieren.

Aufgaben des Managers

Der Manager ist besonders mit Planung und Koordination beschäftigt.

Planning und Organizing

Wendet man sich zunächst den Managern zu, dann trifft man auf das erste Aufgabengebiet des Planning. Bei diesem geht es um strategische Planung, also dem Stecken von Zielen und dem Erreichen dieser.

Die zweite wichtige Aufgabe ist das Organizing, bei welchem es darum geht, die Strukturen und Ressourcen des Unternehmens optimal zu nutzen. Neben den betriebsinternen spielen aber auch externe Faktoren beim Organizing eine Rolle. So muss ein Manager beispielsweise Entwicklungen in der Wirtschaft bei persönlichen Planungen mit einbeziehen.

Staffing, Directing und Coordinating

Eine weitere wichtige Herausforderung, mit welcher sich jeder Manager konfrontiert sieht, ist das Staffing. Diese Bezeichnung leitet sich vom englischen "Staff" ab, was soviel wie Mitarbeiterschaft heißt. Staffing bezeichnet dabei die Besetzung der Arbeitsstellen des Unternehmens.

Nach McNamara, einem amerikanischer Politiker, müssen Manager demnach Talente richtig einsetzen können, um ein effizientes Unternehmen zu erzeugen. Weitere wichtige Aufgaben sind zudem das Directing und Coordinating. So muss ein Manager das Unternehmen auf ein Ziel ausrichten, wobei stets das optimale Zusammenspiel zwischen Mitarbeitern und Ressourcen gewährleistet sein muss.

Reporting und Budgeting

Abgeschlossen werden die Hauptaufgaben des Managers durch das Reporting und Budgeting. Hierbei werden fremde und eigene Arbeitsprozesse erfasst und eine Planung des Finanzwesens vollzogen.

Aufgaben der Führungskraft

Die Führungskraft kümmert sich besonders auch um die Mitarbeiterschaft.

Förderung der Mitarbeiter

Führungskräfte sehen sich hingegen mit anderen Aufgaben und Herausforderungen im Arbeitsalltag konfrontiert. Führungskräfte müssen einerseits die Mitarbeiter fördern. So soll gewährleistet werden, dass sich jeder Mitarbeiter persönlich weiterentwickelt und eine Arbeitsgemeinschaft geschaffen wird, welche sich durch Kompetenz und Engagement auszeichnet.

Fokussierung auf die Unternehmensziele

Bei dieser Fokussierung auf einzelne Mitarbeiter muss eine Führungskraft aber auch eine weitere wichtige Aufgabe im Hinterkopf behalten: die Unternehmensziele. Mitarbeiter und Ressourcen müssen dabei auf Ziele ausgerichtet werden, ohne dass die Förderung zu stark vernachlässigt würde.

Schaffung effizienter Systeme

Des Weiteren gehört es aber auch zu den Aufgabengebieten von Führungskräften, intakte und effiziente Systeme zu erschaffen. Unter einem solchen intakten System versteht man eine Mitarbeiterschaft, welche hinsichtlich der Kompetenzen und dem Engagement strukturiert und optimal arbeitsfähig ist. So steigert eine Führungskraft nicht nur den Gewinn, sondern sorgt auch für eine Entlastung der eigenen Person, da Aufgaben an kompetente Mitarbeiter weiterdelegiert werden können.

Rollentausch und seine Folgen

Man könnte nun der Ansicht sein, die Rollen der Führungskraft und des Managers seien austauschbar - was die eine Position leistet, kann die andere ebenfalls ausrichten. Doch tatsächlich käme es dadurch zu Fehlbesetzungen und Reibungsverlusten.

Fall 1: der Manager soll die Position der Führungskraft besetzen. Er koordiniert und steuert in der Regel Routineaufgaben und erhält nun etwa die Aufgabe, einen neuen Absatzmarkt zu erschließen. Es ist möglich, dass ihm dies gelingt, aber alles andere als sicher.

Scheitert er, wird er in seiner Motivation deutlich gebremst. Für das Unternehmen bedeutet diese Fehlbesetzung zudem, dass es sich nicht weiterentwickelt hat, im Gegenteil: dieselben Aufgaben müssen erneut verteilt werden. Selbst bei Rückkehr des Managers in seine alte Position kann es nun sein, dass dessen Motivation und dadurch die Leistungsfähigkeit Schaden genommen haben.

Fall 2: die Führungskraft soll die Position des Managers besetzen. Hier hat diese ein paar Vorteile. So liegt es Führungskräften, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren; neue Wege können erfolgreich beschritten werden, sodass es möglich ist, dass eine Führungskraft im Laufe der Zeit auch immer mehr Aufgaben des Managements zugeteilt bekommt - sie kann in diese Tätigkeit hineinwachsen.

Andererseits kommt es zu einem wachsenden Mangel an Ressourcen für die Ausführung der Führungsaufgaben. Des Weiteren kann auch ihre Motivation leiden, da sie mit immer mehr Routineaufgaben belagert wird. Auf Dauer verliert das Unternehmen eine gute Führungskraft, und möglicherweise wird es auch einen guten Manager verlieren, wenn es bei diesem aufgrund von Unterforderung zu Frust kommt.

Es gibt einige Branchen, in denen nicht auf Führungskraft und Manager verzichtet werden kann...

Typische Branchen, in denen Manager und Führungskräfte arbeiten

Manager und Führungskräfte übernehmen verschiedene, wichtige Aufgaben in einem Unternehmen. Vorzufinden sind sie dabei häufig in großen Unternehmen, bei welchen der Bedarf an diesen strukturierenden und planenden Tätigkeiten besteht. Doch was sind überhaupt die typischen Branchen, in denen ein Manager arbeitet?

Autoindustrie und Luftfahrt

Manager und Führungskräfte spielen zunächst einmal in der Autoindustrie eine wichtige Rolle. Viele Autohersteller operieren schließlich weltweit und benötigen eine Unternehmensausrichtung, welche globalen Marktentwicklungen und dem technischen Fortschritt gerecht wird. Gleiches gilt für die Luftfahrt, in welcher ebenso jede größere Airline über mindestens einen Manager verfügt.

Finanzwesen und Immobiliensektor

Ebenso eine typische Branche ist das Finanzwesen, sobald es um die Vergabe einer Managerposition und die einer Führungskraft geht. Die Manager des Finanzwesens gerieten dabei vor allem während der Weltwirtschaftskrise in die Kritik, da ein unachtsames und gieriges Vorgehen vorgeworfen wurde. Des Weiteren ist auch der Immobiliensektor oft auf diese Positionen angewiesen, da zahlreiche Unternehmen des Immobilienmarktes weltweit Umsätze im siebenstelligen Bereich erreichen, welche ohne eine entsprechende Koordination und ein geplantes Vorgehen nicht denkbar wären.

Gebrauchsgüter und Technik

Manager und Führungskräfte des Gebrauchsgütermarktes spielen darüber hinaus eine zwar ebenso wichtige Rolle, verdienen im Durchschnitt aber weniger als diejenigen anderer Branchen. Im Laufe der letzten Jahre sind aber auch Unternehmen der Technikbranche zunehmend auf Manager und Führungskräfte angewiesen.

Insbesondere Länder wie Deutschland, die für den rentablen Export von Wissen bekannt sind, setzen auf Manager, um den eigenen Gewinn zu maximieren und die Ressourcen optimal zu verwalten. Ein wichtiger Teil der Technikbranche, die Hardware und Software Produzenten, sind zudem auch auf Manager angewiesen.

Weitere Branchen

Zu den weiteren Branchen, in denen nicht auf eine führende und leitende Position verzichtet werden kann, zählen:

  • Chemie und Verfahrenstechnik
  • die Pharmazie
  • die Telekommunikation
  • Versicherungen
  • Maschinenbau
  • Gesundheitswesen
  • Einzelhandel

Insgesamt werden Manager und Führungskräfte in all jenen Branchen aktiv, in denen es hauptsächlich große und oftmals auch international agierende Unternehmen gibt, welche mit hohen Kapitalbeträgen handeln. Erst dann lohnt sich nämlich beispielsweise die Einstellung klassischer Manager, deren Jahresgehalt zumeist die 100.000 Euro übersteigt.

Quellen:

  • Roland Jäger: Ausgekuschelt: Unbequeme Wahrheiten für den Chef - Mitarbeiterführung auf dem Prüfstand, Orell Fuessli Verlag, 2009, ISBN 3280053447
  • Hans-Jürgen Kratz: Chef-Checkliste Mitarbeiterführung: Die 100 wichtigsten Regeln, Walhalla U. Praetoria, 2010, ISBN 3802933729
  • Alexander Schlick, Maria Lucia Marinho und Sigrun Schlick: Führen leicht gemacht. Was Sie als Chef wirklich wissen müssen ... (Leicht gemacht), Redline Wirtschaftsverlag, 2008, ISBN 3636015540
  • Winfried Prost: Führen mit Autorität und Charisma: Als Chef souverän handeln, Gabler, 2008, ISBN 3834905518
  • Hartmut Laufer: Grundlagen erfolgreicher Mitarbeiterführung: Führungspersönlichkeit - Führungsmethoden - Führungsinstrumente, GABAL-Verlag GmbH, 2010, ISBN 3897495481
  • Christoph Schürmann: In Führung gehen: Was gute Chefs können müssen und wie sie es lernen, Carl-Auer-Systeme, 2009, ISBN 3896709151
  • Jürgen W. Goldfuß: Souverän als Chef: Schnelle Lösungen für brennende Führungsprobleme, Campus Verlag, 2009, ISBN 3593388103

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?
Bildnachweise:
  • pen and notebook on stock chart © emily2k - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema