Bergwandern - Merkmale, Gepäck und Vorbereitung

Bergwandern tut der Seele und dem Körper gut. Während der Körpers gefordert wird, kann man sich vom Alltagsstress erholen und die frische Bergluft genießen. Es gibt unterschiedliche Arten von Bergwandertouren; eine gründliche Vorbereitung ist das A und O. Lesen Sie über die Besonderheiten des Bergwanderns und holen Sie sich Tipps zur richtigen Vorbereitung und zu lohnenswerten Zielen.

Sportliche Betätigung mit wunderschönem Ausblick: Vorzüge des Bergwanderns

Bergwandern - Generelle Merkmale

Unter Bergwandern versteht man das Wandern im gebirgigen Gelände auf Bergwegen. Anders als beim Bergsteigen ist keine Partnersicherung nötig, sodass die Beherrschung des Geländes durch jeden Bergwanderer Voraussetzung ist, auch wenn es zu Kletterpartien kommt.

Bergwandern ist vor allem für Großstädter ein guter Ausgleich, aber natürlich für alle anderen genauso gut geeignet. Wenn man nicht gerade neben den Alpen wohnhaft ist, kann man diesem Sport allerdings nur in seinem Urlaub nachgehen. Die Zeit Zuhause kann man mit

  • "normalem" Wandern,
  • Besuchen von Kletterhallen und natürlich mit
  • Vorfreude auf den Urlaub in den Bergen

verbringen.

Arten von Bergwandertouren

Beim Bergwandern kann man die Strecken grob anhand des Schwierigkeitsgrades in

  • die Talwanderung auf einem Weg, der gelb markiert ist
  • die Bergwanderung auf einem Weg, der weiß-rot-weiß markiert ist sowie
  • die Alpinwanderung auf einem Weg, der weiß-blau-weiß markiert ist,
Beim Bergwandern geht es nicht immer steil hinauf
Beim Bergwandern geht es nicht immer steil hinauf

unterteilen. Bestehen bei einer Talwanderung noch keine bedeutenden Höhenunterschiede, spricht man ab dann von einer Bergwanderung, wenn man den Weg am Berghang vorfindet. Gibt es keine Wegspur mehr, lässt sich die Wanderung als Alpinwanderung bezeichnen.

In diesem Fall spricht man von einer Alpinen Route. Der Wanderer wird auch als Berggänger oder Alpinist bezeichnet.

Von der Talwanderung bis zur Alpinwanderung können folgende Merkmale auftreten:

  • eine immer schlechtere Kennzeichnung und Ausbauung (bis hin zum Verschwinden) von Wegen
  • zunehmende Höhe
  • Zunahme von Eis, Gletschern, Wiesenhängen und Geröllfeldern

Die Bergwanderer benötigen zunehmend Orientierungsvermögen, Ausrüstung, Ausdauer und Erfahrung. Auf den Routen kann es fließend in Kletter- und Bergsteigepassagen übergehen. Oftmals können Alpinwanderungen deutlich anspruchsvoller sein als leichte Hochtouren.

Bei der Entscheidung zwischen den verschiedenen Bergtouren hat man zudem Auswahl zwischen folgenden Arten von Bergwanderungen.

  • Der Name Gratwanderung kommt daher, dass man auf dem Bergrücken (Grat) wandert.
  • Bei einer Hochtour wandert man in Höhenzonen, in denen es das ganze Jahr über vereist ist.
  • Eine Überquerung bedeutet, dass man einen Gebirgspass überquert.

Bewertung von Bergwanderwegen mithilfe der SAC-Wanderskala

Die unterschiedlichen Bergwanderwege werden mithilfe der so genannten SAC-Wanderskala, auch SAC-Berg- und Alpinwanderskala, bewertet. Die Einführung erfolgte im Jahr 2001 durch den SAC, den Schweizer Alpen-Club.

Die SAC-Wanderskala hat die alte Skala abgelöst; diese galt mit den drei Graden

  • B - Bergwanderer
  • EB - erfahrener Bergwanderer und
  • BG - Berggänger

als zu ungenau. Die Einteilung der neuen Skala zeigen wir in der folgenden Tabelle. Bei der Bezeichnung "SWW-Norm" handelt es sich um Markierungen der entsprechenden Wege nach der Norm der Schweizer Dachorganisation der kantonalen Wanderwegvereine "Schweizer Wanderwege" (SWW).

SAC-Wanderskala zur Bewertung von Bergwanderwegen
GradGelände/WegAnforderungenBeispiele
Wandern
(T1)
- gut gebahnte Wege
-falls nötig, gesichert
- keine Absturzgefahr
- SWW-Markierung: gelb
Keine- Hüttenweg Jurahaus
- Strada Alta Leventina
- Männlichen – Kleine Scheidegg
Bergwandern
(T2)
- durchgehendes Trassee
- teils steiles Gelände
- mögliche Absturzgefahr
- SWW-Markierung: weiss-rot-weiss
- grundlegende Orientierung
- Trekkingschuhe
- etwas Trittisicherheit
- Bergseehütte
- Passo Campolungo
- Wildhornhütte
Anspruchsvolles
Bergwandern
(T3)
- Weg nicht immer sichtbar
- Hände evtl. nötig fürs Gleichgewicht
- zum Teil Absturzgefahr
- Geröllflächen
- SWW-Markierung: weiss-rot-weiss
- gute Trittsicherheit
- Trekkingschuhe
- durchschnittliche Orientierung
- Grundzüge alpiner Erfahrung
- Hohtürli
- Grosser Mythen
- Sefinenfurgge
Alpinwandern
(T4)
- Wegspur nicht immer da
- Hände teils nötig zum Vorwärtskommen
- heikle Grashalden
- SWW-Markierung: weiss-blau-weiss
- Vertrautsein mit mit exponiertem Gelände
- gute Orientierung
- Trekkingschuhe
- Geländebeurteilung
- Vorder Glärnisch
- Fornohütte
- Dossenhütte
Anspruchsvolles
Alpinwandern
(T5)
- oft weglos
- einfache Kletterstellen
- anspruchsvolles Gelände
- Ausrutschgefahr
- SWW-Markierung: weiss-blau-weiss
- sehr gute Orientierung
- Bergschuhe-
sichere Geländebeurteilung
- gute Alpinerfahrung
- Basis-Umgang mit Pickel und Seil
- Sustenjoch Nordflanke
- Bütlasse
- Cacciabellapass
Schwieriges
Alpinwandern
(T6)
- meist weglos
- oft sehr exponiert
- Kletterstellen bis II
- erhöhte Ausrutschgefahr
- SWW-Markierung: fehlt meist
- ausgezeichnete Orientierung
- ausgereifte Alpinerfahrung
- vertrautes Umgehen mit alpintechnischen Hilfsmitteln
- Glärnisch Guppengrat
- Niesengrat
- Via Alta della Verzasca

Die richtige Vorbereitung: Gepäck und Co.

Das Bergwandern bietet viele Überraschungen: Eine davon kann zum Beispiel das Wetter sein. Eine alte Redewendung jedoch besagt, dass es kein falsches Wetter gibt, sondern bestenfalls die falsche Kleidung.

Deshalb sollten Sie Ihren Rucksack mit Bedacht packen, um auch alles Notwendige dabei zu haben. Doch nicht nur Kleidung gehört hinein, sondern noch vieles andere mehr.

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme ist es, sich vor der Wanderung über die Wetterverhältnisse zu informieren. In den Bergen kann das Wetter sehr schnell umschlagen. Man sollte also auf alles gefasst sein und bei schlechten Wetterverhältnissen notfalls umkehren.

Begleitung und Ausrüstung

Wer kein erfahrener Bergwanderer ist, sollte eine Tour mit einem Bergführer buchen. Aber auch für den erfahrensten Bergwanderer gilt: niemals alleine losziehen, immer mindestens zu zweit wandern.

Außerdem sollte man für den Notfall immer ein Handy bei sich tragen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man jemandem zusätzlich von seiner Route erzählen, sodass man bei Notfällen schneller gefunden werden kann.

Genauso zu beachten ist, knöchelhohe, im besten Fall spezielle Wanderschuhe zu tragen, um besten Halt und Schutz der Knöchel zu garantieren. Wasser und Notproviant gehören ebenfalls zur nötigen Ausstattung eines Bergwanderers.

Bergwanderer mit Rucksack und Wanderstöcken
Bergwanderer mit Rucksack und Wanderstöcken

Kleidung und Sonnenschutz

Wenn Sie Ihre Kleidung packen, dann denken Sie nicht nur an eine Regen- oder Windjacke und eine kurze oder lange Hose. Vergessen Sie nicht, dass auch Ihr Kopf Schutz benötigt.

Je nach Jahreszeit ist es deshalb ratsam, eine warme Wollmütze gegen die Kälte oder einen Sonnenhut dabei zu haben. Riskieren Sie keinen Sonnenstich.

Und wenn Sie gerade schon dabei sind, dann packen Sie auch noch eine gute Sonnenmilch mit einem hohen Lichtschutzfaktor ein. Am besten sind wasserfeste Lotionen, die auch bei stärkerem Schwitzen noch halten und Schutz bieten.

Doch auch dem anderen Ende Ihres Körpers gebührt Aufmerksamkeit: Ihre Füße sind es, die Sie von A nach B tragen müssen. Für alle Fälle sollten Sie deshalb ein Paar Reservesocken einpacken.

Wenn Ihre Socken - aus welchen Gründen auch immer - nass werden, dann ist Blasenbildung vorprogrammiert. Ein Paar Wechselsocken kann hier wahre Wunder wirken.

Handy und Taschenlampe

Denken Sie auch an Ihre Sicherheit: Heutzutage gehört das Mobiltelefon in den Wanderrucksack, denn in den meisten Regionen gibt es mittlerweile guten Empfang. Wenn Sie nicht gestört werden möchten, dann schalten Sie Ihr Mobiltelefon einfach aus, so dass Sie es nur im Notfall benützen müssen.

Fall Sie vom Einbruch der Dunkelheit überrascht werden, so kann Ihnen eine Taschenlampe gute Dienste leisten. Das tut sie übrigens auch, wenn Sie auf einer Hütte in einem Matratzenlager übernachten.

Arzneimittel

Nehmen Sie ein kleines Notfallpaket mit:

Viele Menschen bekommen Kopfschmerzen, wenn sie in die Höhe steigen. Damit müssen Sie sich nicht herumquälen.

Verpflegung

Doch sehr wichtig ist es auch, ausreichend Verpflegung mitzunehmen. Verlassen Sie sich nicht zu hundert Prozent darauf, dass Sie auf Hütten mit Bewirtung stoßen werden. Eine kleine Notration mit einfach zu transportierenden und nahrhaften Lebensmitteln wird Sie vor der Unterzuckerung schützen.

Noch wichtiger jedoch ist es, ausreichend Getränke mitzunehmen. Wählen Sie dafür Flaschen, die sich wieder auffüllen lassen, so können Sie Ihre Vorräte an Bergbächen wieder nachfüllen.

Picknick in den Bergen
Picknick in den Bergen zur Erholung

Langsam einsteigen und Wanderstöcke nutzen

Für einen Einsteiger ist es wichtig, das richtige Tempo zu finden. Die Gruppe sollte sich immer nach dem langsamsten Mitglied richten und genügend Pausen einlegen.

Die Route entlang zu hetzen, bringt sicherlich eher mehr Stress als Spaß. Und schließlich soll Bergwandern in erster Linie ja erholsam sein.

Um mehr Halt in den Bergen zu finden, kann man mit Wanderstöcken wandern gehen. Für den neuen Trend Nordic Hiking werden auf jeden Fall Stöcke benötigt. Es reichen aber herkömmliche Nordic Walking Stöcke.

Nordic Hiking verspricht effektiver als Bergwandern zu sein. Ungefähr 600 kcal werden pro Stunde verbrannt. Die Arbeit mit den Stöcken soll zudem sicherstellen, dass man während der Tour den Oberkörper ausreichend mittrainiert.

Für die Sicherheit beim Wandern:

  • nie alleine wandern
  • das Wetter checken
  • Wanderschuhe tragen
  • Notproviant einpacken

Die schönsten deutschen Berge zum Bergwandern

Viele begeisterte Wanderer wissen es schon lange: Für eine tolle Wandertour muss man nicht unbedingt ins Ausland reisen. Auch in Deutschland gibt es eine sehr schöne Bergwelt, die zum ausgedehnten Wandern einlädt. Welche Regionen und Berge sich dabei ganz besonders anbieten, das verraten wir Ihnen hier.

Brocken

Ein sehr bekannter deutscher Berg, der zum gemütlichen Bergwandern einlädt, ist der Brocken im Harz. Er eignet sich vor allem für Tagestouren, kann aber auch als Höhepunkt in eine mehrtägige Tour integriert werden.

Die Wanderwege auf dem Brocken sind gut ausgebaut und deshalb auch für Familien mit Kindern gut geeignet. Aufgrund der großen Beliebtheit ist der Brocken vor allem in der Hauptsaison, an Wochenenden und zur Ferienzeit sehr stark besucht.

Zugspitze

Die Zugspitze ist der höchste Berg Deutschlands. Sie zieht die Besucher geradezu magisch an.

Wunderschöne Touren in verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden gibt es hier zu erleben und zu unternehmen. Im ländlichen Gebiet erschließen sich dem Besucher geradezu fantastische Aussichten.

Auf der Zugspitze kommen auch erfahrene Wanderer auf ihre Kosten. Vor allem außerhalb der Hauptsaison lohnt sich ein Besuch ganz besonders.

Die Vorzüge des Voralpengebiets

Allzu viele alpin anmutenden Berge darf man in Deutschland jedoch nicht erwarten. Dennoch bietet das so genannte Voralpengebiet im Süden Deutschlands, das in der Gegend um Kempten beginnt, viele exklusive Wandermöglichkeiten und Ausflugsziele.

Die Wanderwege sind hier meist gut ausgebaut und sehr sicher, so dass als Ausrüstung ein festes Schuhwerk genügt. Wunderschöne Touren durch stark hügeliges Gelände mit steilen Anstiegen erwarten den Wanderer, der sich jedoch nicht in Höhen begibt, die durch die hohe Anzahl der Höhenmeter ausgedrückt würden.

Quellen:

  • Karl Schrag: Alpin-Lehrplan Band 1: Bergwandern - Trekking, Blv Buchverlag, 2006, ISBN 3835400436
  • Gerhard Hofmann, Michael Hoffmann und Rainer Bolesch: Alpin-Lehrplan Band 6: Wetter und Orientierung, Blv Buchverlag, 2006, ISBN 3835400444
  • Tim Castagne: Bergwandern, Stein (Conrad), 1994, ISBN 3893921095
  • Wolfgang Taschner und Andreas Reimer: Bergwandern, Bruckmann, 2003, ISBN 3765438332
  • Horst Höfler: Das kleine Handbuch des Alpinismus: Alles rund ums Bergsteigen und Bergwandern, Bruckmann, 2009, ISBN 3765452513
  • Andrea Eisenhut und Thomas Renner: Fit für den Berg, Bruckmann, 2004, ISBN 3765438642
  • Walter Schädle-Schardt: Handbuch für Bergwandern, Klettersteiggehen und Klettern, Meyer & Meyer, 2000, ISBN 3891246412
  • Holger Boecker: Klettern und Bergwandern, Meyer & Meyer, 2003, ISBN 3891249918
  • Gustav Harder: Wandern. Bergwandern, Rowohlt Tb., 2006, ISBN 3499610655

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