31. Juli 2009
Von Viola Reinhardt
Jeder von uns trägt eine oft ungenutzte Kraft in sich und die meisten ahnen nicht einmal, was sie mit ihrer Stimme bewirken könnten. Das ist schade, denn selbst schlechtes Singen ist gut für die Gesundheit. Und liefert somit ein immer verfügbares Heilmittel.
Heute schon gesungen? Unter der Dusche eine Arie geträllert oder beim Kaffeekochen ein Liedchen gesummt? Nein? Schade, denn mit Singen erhellt sich die Stimmung schlagartig. Darüber hinaus kräftigt das Singen den Körper. Das ist keine Spinnerei, sondern inzwischen wissenschaftlich belegt.
Oft werden Klangtherapeuten ein wenig belächelt. Viele halten die Arbeit für Unsinn, weil sie sich nicht vorstellen können, was Töne bei einer chronischen Krankheit ausrichten sollen. Dabei ist gerade das Singen nicht nur gut für die Psyche, sondern ebenso für den gesamten Atmungsapparat, die Durchblutung im Kopf verbessert sich, der Körper gerät in Schwingung. Auch die Atmung verbessert sich, man atmet tiefer und führt seinem Körper so mehr Sauerstoff zu. Menschen, die viel singen, sind ausgeglichener und selbstbewusster. Das wiederum wirkt sich auch auf ihr Auftreten auf.
Bereits 20 Minuten Singen am Tag haben einen positiven Effekt – völlig unabhängig davon, wie gut oder schlecht jemand singt. Zudem unterstützt das Singen die Gemeinschaft. Ob es das Schlaflied für das Kind ist oder das Singen im Chor: Singen verbindet. Kinder sollten schon früh mit dem Singen beginnen, denn sie profitieren sehr davon. Ihre Aufmerksamkeit verbessert sich, sie sind motivierter und auch die sprachlichen Fähigkeiten sowie die Kreativität werden angeregt.
Menschen mit depressiven Verstimmungen oder Sorgen und Ängsten werden mit dem Singen ruhiger. Das liegt daran, dass die Schwingungen, die Singen auslöst, auch regulierend auf das autonome Nervensystem wirken. Nicht umsonst gibt es das alte Sprichwort, das bei Angst Singen empfiehlt. Denn wer lange genug in einer Angstsituation singt, wird von der eigenen Stimme beruhigt, der Kopf wird wieder klarer und es lässt sich wieder wesentlich besser denken.
Darüber hinaus kann Singen helfen, mit Stress besser umgehen zu können. Bei Amateursängern wurde mittels Untersuchungen nach Chorproben im Blut das Hormon Oxytocin nachgewiesen. Dieses wird bei schwangeren Frauen produziert, um Muttergefühle zu aktivieren und auch beim Sex, um eine Mischung aus Euphorie und Beruhigung zu erzielen. Darum wird es auch als "Kuschelhormon" bezeichnet. Wohl darum heißt es auch: "Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder."
Es würde diesem Land gut tun, wenn die Leute nicht nur unter der Dusche, sondern ruhig auch mal auf der Straße singen würden. Das könnte das L...
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