Cannabis als Medikament - wie die Droge helfen kann

Gesichtsportrait junger Frau, sie hält Tablette zwischen Zeigefinger und Daumen

Zu den unterschiedlichen Anwendungsgebieten von Cannabis zählen mitunter chronische Nervenschmerzen, Multiple Sklerose und spastische Lähmungen

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  • von Paradisi-Redaktion

Cannabis ist in erster Linie als Rauschmittel bekannt. Die Hanfpflanze lässt sich aber auch als Heilmittel verwenden.

Cannabis gehört zu den ältesten und bekanntesten psychoaktiven Rauschmitteln. Schon vor Jahrtausenden nutzten die Menschen Cannabis allerdings vor allem als Heil- und Nutzpflanze.

Die berauschende Wirkung erkannte man in Europa erst im 19. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es dann zu einem starken Anstieg des Cannabiskonsums.

Besonders gefragte Cannabiserzeugnisse sind Marihuana, bei dem es sich um die Blüten der Pflanze handelt, die kleingeschnitten und getrocknet werden, sowie Haschisch und Haschischöl. Um Cannabis zu konsumieren, lässt es sich

  • rauchen
  • kauen oder
  • der Nahrung beimischen.

Wirkungsprinzip

Auf welche Weise Cannabis seine berauschende Wirkung entfaltet, ließ sich bislang noch nicht genau klären. In Cannabis sind über 60 unterschiedliche Cannabinoide enthalten. Die größte psychoaktive Wirkung davon hat THC (Tetrahydrocannabinol).

Im menschlichen Körper gibt es an verschiedenen Stellen spezielle Cannabinoid-Rezeptoren, an die sich THC sowie die weiteren Cannabisinhaltsstoffe binden, wodurch es zu einer stimmungsaufhellenden und zugleich entspannenden Wirkung kommt.

Darüber hinaus werden die Wahrnehmung und das Denkvermögen des Konsumenten gesteigert. Allerdings können durch Cannabiskonsum auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören vor allem

Sogar

sind möglich. Außerdem kann es zu körperlichen Beeinträchtigungen wie

kommen. Darüber hinaus besteht durch das Rauchen von Cannabis ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Besonders problematisch ist, dass sich die Wirkung von Cannabis nicht immer vorhersehen lässt. Vor allem bei Erstkonsumenten besteht große Ungewissheit. Das Abhängigkeitspotential von Cannabis lässt sich mit dem von Zigaretten und Alkohol vergleichen.

In Deutschland ist Cannabis verboten. Dennoch gehört es hierzulande nach Alkohol und Nikotin zu den am häufigsten konsumierten Drogen. Cannabis lässt sich aber nicht nur als Rauschmittel nutzen, sondern auch zu medizinischen Zwecken.

Cannabis als Medikament

Als Heilmittel wurde Cannabis bereits im alten China genutzt. So empfahl Kaiser Shen Nung im Jahre 2737 v. Chr. die Hanfpflanze zur Behandlung verschiedener Leiden wie

Auch Hildegard von Bingen (1098-1179) erwähnte in ihren Schriften Hanf als therapeutisches Mittel. Im 19. Jahrhundert entdeckte schließlich auch die europäische Schulmedizin Cannabis. So stellte der irische Mediziner William Brooke O'Shaughnessy (1809-1890) während einer Indienreise fest, dass Cannabis indica über eine muskelentspannende, krampflösende und schmerzstillende Wirkung verfügte.

Mit dem Schlafmittel Bromidia kam in den USA sogar ein Fertigarzneimittel heraus. Dabei handelte es sich um ein Elixier aus Cannabis- und Bilsenkrautextrakten, das mit Chloralhydrat und Kaliumbromid kombiniert wurde.

Als im Verlauf des 20. Jahrhunderts Arzneimittel auf den Markt kamen, die eine bessere Wirkung erzielten, verloren Cannabispräparate an Bedeutung. Darüber hinaus wurde die medizinische Verwendung von Cannabis deutlich eingeschränkt, weil es die Behörden zunehmend als gefährliches Rauschmittel einstuften.

Therapeutische Wirkung von Cannabis

Cannabiserzeugnisse haben positive Auswirkungen auf unterschiedliche Krankheiten und Beschwerden. Dazu zählen

Darüber hinaus kann Cannabis hilfreich bei der Palliativbehandlung von Krebserkrankungen und AIDS sein. Des Weiteren lindert es Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemo- oder Strahlentherapie.

Zurückzuführen sind die positiven Effekte auf die Inhaltsstoffe Cannabidiol und THC. Diese haben zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie, bei der die Patienten oft unter starker Übelkeit und Erbrechen leiden, eine appetitanregende Wirkung, was sehr hilfreich ist, da der Körper sonst durch zu wenig Nahrungsaufnahme weiter geschwächt wird.

Bei einer Multiplen Sklerose lassen sich mithilfe von Cannabis Krämpfe und Lähmungen unterdrücken, was die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert. Einige Ärzte halten Cannabis auch dazu geeignet, ADS bzw. ADHS zu behandeln.

Die IACM (Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin) setzt sich dafür ein, Cannabis in Deutschland zu medizinischen Zwecken verwenden zu dürfen.

Medizinische Cannabis-Zubereitungen

Zu den Staaten, in denen Cannabis für Medikamente genutzt werden darf, zählen derzeit

In Deutschland gilt Cannabis zur Herstellung von Arzneimitteln seit 2011 als verkehrsfähig und cannabishaltige Fertigarzneimittel werden als verschreibungsfähig eingestuft. In den Jahren zuvor ließen sich cannabishaltige Medikamente nur für begründete Ausnahmefälle verwenden und benötigten eine Erlaubnis vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte). Die erste Ausnahmegenehmigung erhielt im Jahr 2007 eine Patientin, die an Multipler Sklerose litt.

Dronabinol

Zu den cannabinoid wirkenden Einzelstoffen, die medizinisch zur Anwendung kommen, zählt vor allem Dronabinol. Dabei handelt es sich um teilsynthetisch hergestelltes Tetrahydrocannabinol.

Obwohl es in Deutschland produziert wird, ist es hierzulande als Fertigmedikament noch nicht zugelassen. Dagegen sind in den USA und Kanada Fertigarzneimittel in Form von Kapseln erhältlich.

In den meisten Fällen verschreiben Ärzte Dronabinol als Rezeptursubstanz für ölige Dronabinol-Tropfen oder Dronabinol-Kapseln. Da man Dronabinol aus juristischen Gründen aufwendig aus THC-armem Nutzhanf teilsynthetisch erzeugen muss, ist die Herstellung erheblich teurer als bei einer Produktion aus Rauschhanf.

Nebenwirkungen durch Cannabis

Bei einer Cannabistherapie kann es zu unterschiedlichen unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören

Eine wichtige Rolle dabei spielen die Höhe der Dosis, die Dauer der Therapie sowie die Darreichungsform.

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  • Bildnachweis: Isolated portrait of young woman showing a pill © Yuri Arcurs - www.fotolia.de

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