Wirbelbruch - Ursachen, Symptome und Behandlung wie z.B. die Kyphoplastie

Als Wirbelbruch oder Wirbelfraktur bezeichnet man den Bruch eines Wirbels oder auch mehrerer Wirbel der Wirbelsäule. Gründe dafür sind entweder starke Einwirkung von Gewalt oder Osteoporose.

Die Entstehung eines Wirbelbruchs und wie man ihn erkennen und behandeln kann

Definition

Wirbelbrüche kommen sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Menschen vor. Während bei jüngeren Menschen Wirbelbrüche durch Unfälle oder Stürze entstehen, kommt es bei älteren Menschen oftmals aufgrund von Osteoporose (Knochenschwund) zu Wirbelfrakturen.

Arten von Wirbelbrüchen

Etwa zwei Prozent aller Knochenbrüche sind Wirbelbrüche. Dabei unterscheidet man zwischen:

  1. Frakturen des Wirbelkörpers
  2. Frakturen des Wirbelfortsatzes
  3. Frakturen des Wirbelbogens

Bei Kompressionsbrüchen kommt es zu einem Zusammendrücken des Wirbelkörpers, Kantenabbrüche entstehen an der Vorder- und Hinterkante und bei Berstungsbrüchen kommt es zu einem Zerbersten der Wirbelkörper.

Aufbau der Wirbelsäule

Die menschliche Wirbelsäule setzt sich aus zwölf Brustwirbeln, fünf Lendenwirbeln und sieben Halswirbeln zusammen. Das Kreuzbein, an das sich das Steißbein anschließt, besteht aus fünf Kreuzbeinwirbeln.

Die einzelnen Wirbel wiederum bestehen aus einem Wirbelkörper. Dieser läuft an einem Bogen in einem so genannten Dornfortsatz aus und besitzt zwei Querfortsätze.

Hinzu kommen weitere Fortsätze, die als Facetten bezeichnet werden. Außerdem befinden sich die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern.

Die Wirbelbögen bilden einen Kanal, der Spinalkanal genannt wird. In diesem Kanal befindet sich auch das Rückenmark. Kommt es nun zu Brüchen der Wirbel oder der Wirbelsäule, kann dies schwere Folgen wie eine Querschnittslähmung haben.

Aufbau der Wirbelsäule als Grafik
Aufbau der Wirbelsäule als Grafik

Ursachen

Wirbelfrakturen entstehen in den meisten Fällen aufgrund von starker Gewalteinwirkung, wie bei einem Unfall. So sind oftmals Unfälle im Straßenverkehr für eine Fraktur der Wirbel ursächlich.

Aber auch sportliche Aktivitäten wie Skifahren, Paragliding oder Reiten können durch Stürze zu einer Wirbelverletzung führen.

Weitere Gründe sind Haushaltsunfälle, wie ein Sturz von der Treppe oder von der Leiter, Sprünge in seichtes Wasser oder Arbeitsunfälle wie z.B. der Sturz von einem Gerüst.

Erkrankungen

Neben der Gewalteinwirkung können aber auch Krankheiten die Ursache für eine Wirbelfraktur sein, wie:

Verlauf

In den meisten Fällen kommt es nach einem Wirbelbruch zu einem positiven Verlauf. Allerdings können bestimmte Fehlstellungen und Instabilitäten im Laufe der Jahre auftreten.

Wenn das Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen wird, kann es zu Querschnittslähmungen kommen. Diese nehmen in den meisten Fällen einen schlechten Verlauf. Bei Wirbelbrüchen, die durch Osteoporose verursacht werden, besteht die Gefahr von Beeinträchtigungen der Lungenfunktion und Folgeerkrankungen.

Symptome

Symptome eines Wirbelbruches sind unvermittelt einsetzende Rückenschmerzen. Diese können druckartig, stauchungsartig oder klopfartig sein. In einigen Fällen kommt es zu einer Buckelbildung in der Reihe des Dornfortsatzes.

Durch die starken Schmerzen besteht oftmals eine Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule. Für den Fall, dass das Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen wurde, können

auftreten. Im schlimmsten Fall droht eine Querschnittslähmung. Bei manchen stabilen Frakturen, bei denen sich Knochenstücke verkeilen, treten hingegen mitunter überhaupt keine Symptome auf.

Der Bruch der Wirbelsäule kann sehr schwerwiegende Folgen wie z.B. die Querschnittlähmung haben
Der Bruch der Wirbelsäule kann sehr schwerwiegende Folgen wie z.B. die Querschnittlähmung haben

Diagnose

Für die Diagnose eines Wirbelbruchs wird zunächst eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der auch die Nervenfunktionen überprüft werden. Anschließend erfolgt eine Röntgenuntersuchung, bei der man Aufnahmen aus verschiedenen Lagen anfertigt.

Weiterführende Untersuchungen

Für eine bessere Beurteilung der Wirbelbögen und des Spinalkanals kann auch eine Computertomographie (CT) vorgenommen werden. Auch Kernspin-Tomographien (MRT) kommen zum Einsatz, wenn Verdacht auf eine Beteiligung des Rückenmarks besteht. Dadurch lassen sich Bandscheibenvorfälle und Einblutungen besser diagnostizieren.

Behandlung

Bei der Behandlung von Wirbelbrüchen sind

  • die Beseitigung der Schmerzen
  • eine Behandlung der Nervenfunktionen und
  • eine Heilung der verletzten Wirbel

das Ziel. Am Unfallort sollte darauf geachtet werden, dass der Verletzte vorsichtig gelagert und transportiert wird. Die Wirbelsäule darf keinesfalls verdreht oder verbeugt werden.

Arten eines Wirbelbruchs

Wenn es sich bei einem Wirbelbruch um eine Dorn- oder Querfortsatzfraktur handelt, erfolgt eine konservative Behandlung.

Eine Halswirbelsäulenfraktur wird dabei mit Hilfe einer harten Halswirbelstütze, die auch Fixateur genannt wird, ruhig gestellt, sodass keine Bewegung der Halswirbelsäule mehr möglich ist. Manchmal genügt für die Ruhigstellung auch eine Halskrawatte.

Sind die Brustwirbelsäule oder die Lendenwirbelsäule von einer Fraktur betroffen, genügt oftmals schon die Verabreichung eines Schmerzmittels zur Therapie. Wirbelbrüche, die durch Osteoporose verursacht werden, behandelt man in der Regel mit Bettruhe und Schmerzmitteln. Später erfolgt eine Mobilisation mit einem Stützmieder.

Grundsätzlich gehören auch Krankengymnastik und medizinische Trainingstherapien zur konservativen Behandlung.

Bei pathologischen Wirbelbrüchen kommt es zum Einspritzen eines speziellen Knochenzements. Auf diese Weise wird eine Stabilisierung und Schmerzlinderung erreicht.

Operation

Bestehen bei einem Wirbelbruch Instabilität, offene Verletzungen oder Schäden an den Nerven oder dem Rückenmark, muss ein operativer Eingriff erfolgen. Dabei wird der Bruch gerichtet und die normale Form der Wirbelsäule wiederhergestellt.

Dazu verwenden die Mediziner Platten und Schrauben-Stangensysteme, damit die nötige Stabilität gewährleistet wird. Geborstene Wirbelkörper werden durch eigenes oder fremdes Knochenmaterial oder durch Titankörbchen ersetzt.

Für die Nachbehandlung ist das Tragen eines Dreipunkt-Stützkorsetts für mehrere Wochen erforderlich. Durch das Korsett lässt sich schon kurze Zeit nach der Operation eine Mobilisierung erreichen.

Mitunter kann auch ein minimal-invasives Verfahren zur Anwendung kommen...

Die Kyphoplastie zur Behandlung von Wirbelbrüchen

Bei der Kyphoplastie handelt es sich um ein medizinisches Verfahren zur Stabilisierung von Wirbelkörpern bei Wirbelfrakturen. Es wird zwischen substanzerhaltender und substanzzerstörender Kyphoplastie unterschieden.

Der Begriff "Kyphoplastie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "Wirbel bilden". Entwickelt wurde die Kyphoplastie Ende der 90er Jahre in den USA. Seit 2001 wird das moderne Verfahren auch in Deutschland eingesetzt.

Anwendungsgebiete

Zur Anwendung kommt eine Kyphoplastie in erster Linie, um Wirbelbrüche im Bereich von Brust- und Lendenwirbelsäule zu stabilisieren. Besonders häufig wird die Methode bei Patienten eingesetzt, die unter Osteoporose (Knochenschwund) leiden. Weitere mögliche Indikationen sind

  • Nekrosen der Wirbelkörper
  • Wirbelkörpermetastasen oder
  • angeborene Wirbeldeformitäten.

Im Vordergrund der Kyphoplastie steht die Bekämpfung der erheblichen Schmerzen, die bei einer Wirbelkörperfraktur auftreten. Als geeignet gilt das Verfahren jedoch nur, wenn eindeutig sicher ist, dass die Schmerzen auch tatsächlich auf einen Wirbelkörperbruch zurückzuführen sind.

Durchführung

Bei der Kyphoplastie wird zwischen zwei unterschiedlichen Techniken unterschieden: der substanzzerstörenden Technik (Ballon-Kyphoplastie) und der substanzerhaltenden Technik (Radiofrequenz-Kyphoplastie).

Substanzzerstörende Technik

Die substanzzerstörende Technik ist die ursprüngliche Technik der Kyphoplastie.

  • Bei diesem Verfahren führt man zwei Kanülen, die einen Durchmesser von vier Millimetern haben, mithilfe eines Ballons in den gebrochenen Wirbel ein.
  • Anschließend wird der Wirbel durch das Auffüllen des Ballons mit einem Kontrastmittel partiell aufgerichtet.
  • Im Anschluss daran erfolgt die Fixierung des Wirbels durch das Einspritzen von Knochenzement in die vom Ballon geschaffene Höhle.

Dieser Zement erhärtet sich in nur wenigen Minuten, was zur Stabilisierung des Wirbels führt. Das Verfahren hat allerdings den Nachteil, dass es dabei zur Verdrängung von gesunden Schwammknochen (Spongiosa) kommt.

Substanzerhaltende Technik

In der heutigen Zeit greifen die Operateure vorwiegend auf die substanzerhaltende Technik zurück,

  • bei der nur ein einseitiger Zugang zu dem gebrochenen Wirbelkörper erforderlich ist.
  • Mithilfe einer biegsamen Nadel lässt sich der Wirbelkörper präparieren. Falls es erforderlich ist, können auch vereinzelte Zementbahnen angelegt werden.
  • Nächster Schritt ist das maschinelle Einbringen eines hochviskösen, fast gummiartigen, Knochenzements in den Wirbelkörper.

Dieser Zement, der per Radiofrequenz aktiviert wird, verteilt sich wie ein Fächer zwischen der gesunden Spongiosa und umschließt sie. Außerdem wird der Wirbel wie ein Stempel aufgerichtet. Das Verfahren hat den Vorteil, dass Osteoporose-Präparate weiterhin an den Trabekeln des gebrochenen Wirbels wirken können.

Die Dauer des Eingriffs hängt davon ab, wie viele Wirbelkörper von einer Fraktur betroffen sind. Muss lediglich ein Wirbelkörper operiert werden, liegt die Operationsdauer zwischen 30 und 45 Minuten. Schon einen Tag nach dem Eingriff lässt sich der Patient wieder voll mobilisieren. In der Regel macht sich auch sogleich eine deutliche Schmerzverminderung bemerkbar.

Nachsorge und mögliche Komplikationen

Bettruhe ist nach der Durchführung einer Kyphoplastie nicht nötig. So kann der Patient rasch wieder aufstehen und sich normal bewegen. In manchen Fällen ist eine zeitweilige Versorgung mit einem Korsett sinnvoll, damit es durch die Schmerzfreiheit nicht zu übertriebenem Aktionismus kommt.

Komplikationen sind bei einer Kyphoplastie nur sehr selten zu verzeichnen. Als größtes Risiko gilt das Austreten von Knochenzement aus dem Wirbelkörper in den Rückenmarkskanal.

Weitere Komplikationen können

durch Knochenzement sein.

Vorbeugung

Um Wirbelbrüchen vorzubeugen, müssen Unfälle vermieden werden. Dies lässt sich durch Umsicht und bestimmte Sicherheitsmaßnahmen wie Airbags, Sicherheitsgurte oder dem Anlegen von Rückenprotektoren erreichen. Sind Menschen von Knochenschwund (Osteoporose) betroffen, sollten sie diese Krankheit so schnell wie möglich behandeln lassen.

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Quellenangaben
  • Arzt schaut Röntgenbild an © Kzenon - www.fotolia.de
  • spinal chord © Stephen Sweet - www.fotolia.de
  • Spinal Fracture © freshidea - www.fotolia.de

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