24. Februar 2007

Dickdarmspiegelung Artikel

Keine falsche Scham - Darmspiegelung schützt vor Krebs

Sie sind 50 Jahre oder älter und fühlen sich gesund und aktiv? Bestens. Damit dies auch in den nächsten Jahrzehnten so bleibt, können Sie selbst viel für sich und Ihre Gesundheit tun, denn ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, stark an.

Die aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Darmkrebs und Vorsorge zu befassen: Jedes Jahr erkranken bundesweit etwa 70.000 Menschen an Darmkrebs, er ist damit die häufigste Krebsneuerkrankung in Deutschland. Rund 30.000 sterben an den Folgen. "Darmkrebs ist eine der wenigen Krebsarten, die – wenn sie sehr früh erkannt wird – relativ gut heilbar ist", so Prof. Dr. Gereon Börsch, Direktor der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Elisabeth-Krankenhauses in Essen. "In 90 Prozent der Fälle entwickelt sich dieser Krebs aus gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, so genannten Polypen. Viele dieser Wucherungen entarten im Lauf von sechs bis zehn Jahren zu bösartigen Tumoren. Da diese Tumore über viele Jahre keine Symptome zeigen, werden sie meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Therapiemöglichkeiten schon eingeschränkt, da sich möglicherweise bereits Metastasen gebildet haben, die in benachbarte Organe eingedrungen sein können. Umso wichtiger ist deshalb eine konsequente und regelmäßige Darmkrebs-Vorsorge. Bedauerlicherweise wird die Häufigkeit von Kolorektal-Karzinomen von vielen noch immer unterschätzt. Dabei ist die Früherkennung für die Prognose besonders entscheidend und kann lebensrettend sein!"


EKE - Prof. Dr. Gereon Börsch - Klinikdirektor der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie

400 qm Angriffsfläche

Der Darm unterteilt sich in Dünndarm, Dickdarm mit Enddarm und Analbereich und hat ausgebreitet eine Gesamtoberfläche von ca. 400 qm. Grundsätzlich können sich bösartige Tumore in jedem Darmabschnitt entwickeln. Im Dünndarm treten Tumore jedoch sehr selten auf, während Kolonkarzinome im Dickdarm und Rektumkarzinome im Enddarm sehr häufig vorkommen. Im Analbereich treten nur etwa zwei Prozent aller Darmkarzinome auf. Die Entstehung von Darmkrebs wird durch eine Reihe von Risikofaktoren begünstigt. Dazu zählen chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, oder besondere operative Folgezustände, wie die Ableitung eines Harnleiters in den Darm. Vor allem aber gehören Menschen, die unter Darmpolypen leiden, zur Haupt-Risikogruppe. Die erbliche Vorbelastung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Etwa 30 Prozent aller Darmkrebspatienten haben ihre Erkrankung geerbt. Ein familiäres Risiko zu erkranken liegt immer dann vor, wenn Verwandte wie Eltern, Geschwister oder Großeltern an Darmkrebs, Darmpolypen oder auch an einem anderen bösartigen Tumor erkrankt sind oder waren. Ein Umkehrschluss darf aber nicht gezogen werden. Denn, auch wenn keiner in der Familie an Krebs erkrankt war oder ist, heißt das noch nicht, dass man selber auch nicht erkrankt: Einer ist immer der Erste. Weitere Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und eine ballaststoffarme sowie fettreiche Ernährung werden ebenfalls mit einer höheren Rate an Darmkrebserkrankungen in Verbindung gebracht.

Prophylaxe schützt

Gezielte Vorsorgeuntersuchungen sind die einzige Möglichkeit, Darmkrebs im Frühstadium zu erkennen. Daher sollte jeder ab dem 50. Lebensjahr die jährlich empfohlenen Präventionsangebote wahrnehmen. Es gibt verschiedene Früherkennungsuntersuchungen: Die sicherlich einfachste und kostengünstigste ist der Hämocculttest, der jährlich angewendet werden sollte. Dieser Test auf verstecktes Blut im Stuhl kann von jedem Hausarzt durchgeführt werden. Blutungen, auch kleinste Mikroblutungen im Darm, können durch Polypen, Fissuren der Darmschleimhaut oder Tumore entstehen. Der Hämocculttest ist in der Lage, bereits geringe Mengen Blut nachzuweisen. Allerdings hat es sich gezeigt, dass nur etwa 35 Prozent aller Darmkrebserkrankungen durch diese Untersuchungsmethode entdeckt werden. Eine alternative zum Hämocculttest bietet der neuere immunologische Occulttest. Auch dieser kann unkompliziert zu Hause durchgeführt werden. Er bietet den Vorteil, dass er spezifischer nach Blutspuren in der Stuhlprobe sucht und dadurch genauere und zuverlässigere Ergebnisse liefert als die chemischen Hämocculttests. Die Kosten für den immunologischen Test werden zur Zeit allerdings noch nicht von allen Krankenkassen übernommen. Die sicherste und aussagekräftigste Untersuchungsmethode zur Früherkennung und Diagnostik von Darmkrebs ist die Darmspiegelung, die Koloskopie. Mit ihr lassen sich selbst kleinste Schleimhautveränderungen, Tumore oder Polypen aufspüren. Bis zu 90 Prozent aller tödlich verlaufenden Darmkrebserkrankungen wären durch eine regelmäßige Darmspiegelung, die spätestens alle 7 bis 10 Jahre wiederholt werden sollte, zu verhindern gewesen. Ab dem 55. Lebensjahr hat jeder Anspruch auf eine Darmspiegelung, als Früherkennungsmaßnahme. "Mit einem speziellen biegsamen und schlauchförmigen Instrument, dem Endoskop, wird während dieser Untersuchung das Innere des Darms betrachtet und die Darmschleimhaut nach Auffälligkeiten abgesucht", erläutert Börsch den Ablauf. "Ein elektronischer Video-Chip sendet dabei die Bilder aus dem Darminnern auf einen Monitor. Jede Veränderung der Darmschleimhaut kann so sichtbargemacht und ausgewertet werden. Zusätzlich können über Arbeitskanäle spezielle Operationsinstrumente eingeführt und Gewebeproben entnommen oder Darmpolypen abgetragen werden. Die gesamte Untersuchung dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Sie ist auch ohne eine Schmerzspritze meistens schmerzarm. Einige Patienten empfinden allerdings das Vorschieben des Endoskops als recht unangenehm. Auf Wunsch können daher Beruhigungsmedikamente verabreicht werden, wodurch man keinerlei Schmerzen oder Missempfindungen hat und von der Untersuchung gar nichts mitbekommt."

Um eine mögliche Erkrankung so früh wie möglich von einem Arzt diagnostizieren und behandeln zu lassen, sollte jeder auch auf kleinste Anzeichen achten: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, die oftmals als harmlos eingestuft werden, sollten ernst genommen werden. "Ich kann allen nur raten, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Denn, nur so kann man auch wirklich sicher sein, nicht an Darmkrebs erkrankt zu sein", unterstreicht Börsch die Wichtigkeit der Prävention. Die Scham und Skepsis gegenüber einer Darmspiegelung ist in der Bevölkerung noch sehr weit verbreitet. Daher lassen sich auch nur wenige Menschen, denen eine Darmspiegelung empfohlen wurde, tatsächlich spiegeln. Dabei haben Ärzte, die eine Darmspiegelung durchführen, viel Erfahrung und Routine mit dieser Untersuchung. Oftmals hilft es schon, die Angst und Scham zu überwinden, wenn eine Frau sich von einer Ärztin oder ein Mann sich von einem Arzt untersuchen lässt. "Sich selbst oder auch andere zur Untersuchung zu motivieren, kann lebensrettend sein", rät Börsch abschließend. "Denn, Darmkrebs als Todesursache wäre ausrottbar, vorausgesetzt, es würden konsequente und regelmäßige Präventionsmaßnahmen durchgeführt!"

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LESERMEINUNGEN (2)

Machen sie dann alles richtig

Sagen sie mir dann bitte was hat weibliches personal bei untersuchung zu suchen bei männer ist doch pervers oder?

  • Lesermeinung von peter
  • 29.03.10 12:21

Erblich belastete Patienten und gleichzeitig Polypenträger

Es ist nicht ganz klar, wie bei erblich vorbelasteten Patienten (meine Mutter und Grossmutter verstarben an den Folgen von Sigma CA) vorgegang...

  • Lesermeinung von Peschen@wananchi.com
  • 10.08.07 17:18

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