Anwendung und Ablauf von Untersuchungen und Behandlungen in der Humanistischen Psychotherapie

Wissenswerte Elemente und Grundlagen der Humanistischen Psychotherapie - von der Daseinsanalyse bis zum Psychodrama

Bei der Humanistischen Psychotherapie handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Humanistischen Psychologie. Die unterschiedlichen Verfahren dieser Therapieformen bezeichnet man häufig auch als dritte Kraft.

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Humanistische Psychotherapie

Neben den behavioralen und psychodynamischen Methoden sieht sich die Humanistische Psychotherapie als dritten Weg. Im Mittelpunkt des Geschehens steht das Aktivieren und Entfalten von menschlichen Ressourcen. So bildet ein ressourcenorientiertes Bild des Menschen, was konstruktive und kreative Veränderungen des Patienten anbelangt, den Grundpfeiler der Humanistischen Psychotherapie.

Das Menschenbild

Im Rahmen der Humanistischen Psychotherapie gilt der Mensch holistisch als bio-psycho-soziale Einheit. Er verfügt über die Ressourcen, die notwendig sind, um sich aus psychischem Leid zu befreien. Durch eine psychotherapeutische Beziehung ist es möglich, die Lebensprobleme zu bewältigen.

Dabei betrachtet die Humanistische Psychotherapie den Menschen als Subjekt im Rahmen seiner

  • biografischen
  • biologischen
  • ökologischen und
  • sozialen

Bezogenheiten. Diese können empathisch oder selbstempathisch erfasst werden. Dabei betrachtet man den Menschen, während er nach Wachstum, Autonomie und Selbstverwirklichung strebt. Da der Mensch über sich selbst reflektieren kann und fähig zur Kreativität ist, vermag er, sich während seines gesamten Lebens

  • weiterzuentwickeln
  • zu differenzieren und
  • zu gestalten.

Ziele der Humanistischen Psychotherapie

Im Rahmen der Humanistischen Psychotherapie sollen die Kreativität und die Vitalität des Patienten gefördert werden, ebenso wie seine Gestaltungsfähigkeiten und Ressourcen. Auf diese Weise lassen sich dysregulierte Zustände beseitigen und die Fähigkeit zur Selbstregulation fördern.

In der Humanistischen Psychotherapie werden zudem die Wahrnehmung und das Bewusstsein der Verantwortlichkeit für Umwelt und Mitmenschen gefördert. Auf diese Weise kann der Patient seine Grenzen erkennen, schützen und ausweiten, um einen sinnorientierten Lebensweg zu erreichen. Dabei erhält der Patient die Unterstützung des humanistischen Psychotherapeuten.

Bestandteile der Humanistischen Psychotherapie

Die Humanistische Psychotherapie umfasst unterschiedliche Behandlungsmethoden. Dazu gehören:

  • die Daseinsanalyse
  • die Gesprächspsychotherapie
  • die Gestalttherapie
  • die integrative Therapie
  • die Körperpsychotherapie
  • die Logotherapie
  • das Psychodrama

Im Folgenden stellen wir Ihnen diese Bestandteile im Detail vor.

Die Daseinsanalyse

Merkmale und Entwicklung

Die Daseinsanalyse orientiert sich philosophisch stark an dem deutschen Philosophen Martin Heidegger (1889-1976) und geht der phänomenologischen Methode nach. In den 40er Jahren entstand die Daseinsanalyse aus der Psychoanalyse.

Begründer der tiefenpsychologischen Therapie waren die Schweizer Psychiater Ludwig Binswanger (1881-1966) sowie Medard Boss (1903-1990). Beide entwickelten allerdings unterschiedliche Auffassungen über die Daseinsanalyse.

Die Bezeichnung "Daseinsanalyse" wurde Martin Heidegger entnommen. Dieser bezeichnete den Menschen als "Dasein", weil der Mensch weiß, dass er da ist. Während Ludwig Binswanger die psychiatrische Daseinsanalyse begründete, rief Medard Boss die psychotherapeutische Daseinsanalyse ins Leben.

Unterschiede zwischen Binswanger und Boss

Ludwig Binswanger befasste sich vor allem mit der Psychiatrie selbst und beabsichtigte, sie zu einer einzigen Wissenschaft zusammenzufassen. Dies war seiner Ansicht nach jedoch nur dann möglich, wenn sie auf einem philosophischen Menschenbild beruhte.

In den 40er Jahren wurde von Binswanger eine daseinsanalytische Methode entwickelt, um Geisteskrankheiten zu erforschen. Dabei untersuchte Binswanger nicht, woran der Patient litt, sondern die Welt, in der er existierte. Diese Weltentwürfe unterschieden nach Meinung von Binswanger den psychisch gestörten Menschen vom gesunden Menschen.

Medard Boss sorgte dafür, dass sich die Daseinsanalyse in eine psychotherapeutische Richtung entwickelte. 1971 wurde von ihm das "Daseinsanalytische Institut für Psychotherapie und Psychosomatik" gegründet.

Boss behielt die psychoanalytische Grundanordnung bei, ebenso wie die gleichschwebende Aufmerksamkeit, die freie Assoziation sowie die Abstinenz-Grundregeln. Eine bedeutende Rolle in der Arbeit von Medard Boss spielte zudem die Freundschaft zu Martin Heidegger. So wurde Boss erheblich von Heideggers Ereignis-Denken beeinflusst.

Daseinsanalytische Therapie

Die Daseinsanalyse begnügt sich nicht damit, Symptome auf bestimmte Erlebnisse in der Kindheit zurückzuführen. Vielmehr betrachtet sie diese als eine aktuelle Auseinandersetzung mit:

Dabei ist es wichtig, die Dinge, die den Patienten beschäftigen, präzise und wertfrei zu betrachten und zu verstehen.

Neben den Dingen, die der Patient dem Therapeuten direkt mitteilt, können die Beschwerden der Erkrankung, Wahrnehmungen des Körpers und Träume registriert werden.

Ebenfalls von Bedeutung ist das phänomenologische Vorgehen. Das bedeutet, dass nicht eine bestimmte Theorie über das Menscheninnere von Belang ist, sondern wie die Patienten reagieren und empfinden. Auf diese Weise wird dem Patienten ein neuer Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt möglich gemacht, wodurch er wiederum mehr Freiheit erlangt.

Geeignet ist die Daseinsanalyse sowohl bei psychosomatischen Beschwerden als auch bei sämtlichen psychischen Leiden.

Die Gesprächspsychotherapie

Merkmales

Die Gesprächspsychotherapie bezeichnet man auch als klientenzentrierte Psychotherapie, personenzentrierte Psychotherapie oder non-direktive Psychotherapie. Entwickelt wurde die erfolgreiche Methode von dem amerikanischen Psychotherapeuten Carl Ransom Rogers (1902-1987).

Rogers belegte, dass der Erfolg einer Behandlung nicht ausschließlich davon abhängt, auf welche Methode man dabei zurückgreift. Wichtiger ist hingegen, welche Verbindung zwischen dem Therapeuten und dem Patienten besteht.

Als die sechs wichtigen Grundpfeiler gelten dabei:

  1. Akzeptanz
  2. Empathiefähigkeit
  3. Offenheit
  4. Authentizität
  5. ein Zustand der Inkongruenz
  6. eine urteilsfreie Annahme
Ziele der Gesprächspsychotherapie

Mithilfe der Gesprächspsychotherapie hat der Klient die Gelegenheit, seine Konflikte zu erkennen. Dadurch ist es wiederum möglich, bisherige Verhaltensweisen zu verändern. Auf diese Weise lassen sich auch die Beschwerden indirekt beseitigen.

Der Patient und sein Selbstkonzept

In der Gesprächspsychotherapie wird davon ausgegangen, dass der Patient über die Tendenz zur Vervollkommnung und Selbstverwirklichung verfügt. Diese Tendenz sorgt unter günstigen Voraussetzungen dafür, dass sich die Persönlichkeit weiterentwickelt.

Das bedeutet, dass der Patient alles, was zu seiner Heilung notwendig ist, in sich trägt. So kann er seine persönliche Lage selbst am besten einschätzen und passende Lösungen herausfinden. Doch nicht immer stimmen das Selbstkonzept des Menschen und seine Handlungen miteinander überein, wodurch es zu Konflikten kommt.

Brüche im Selbstkonzept erkennen und überwinden

Im Rahmen einer Gesprächspsychotherapie unternimmt der Therapeut den Versuch, die Brüche, die im Selbstkonzept des Patienten auftreten, offen zu legen, indem er sich mit dessen aktuellen Problemen beschäftigt.

Im Rahmen eines offenen Gesprächs arbeitet man dabei die Probleme heraus. Auf eine Bewertung wird jedoch verzichtet, damit der Klient sich gut aufgehoben fühlt. Wichtig ist zudem, dass die Gesprächsatmosphäre warm und voller Anteilnahme ist.

Während des Gesprächs versucht der Therapeut, Verständnis für das, was der Patient sagt, zu zeigen. Auf diese Weise entsteht eine Atmosphäre, die der Klient als Wirklichkeit akzeptiert. Dadurch kann er wiederum sein Selbstkonzept verändern, um zu größerer Selbstachtung zu gelangen.

Indikationen

Zum Einsatz kommt die Gesprächspsychotherapie:

In beinahe jedem Lebensbereich hat sich die Gesprächspsychotherapie schon bewährt. Als weniger wirkungsvoll gilt sie jedoch bei Beziehungsstörungen und Angststörungen.

Die Gestalttherapie

Grundlagen

Die Gestalttherapie zählt zur erlebnisaktivierten Psychotherapie und ist phänomenologisch und hermeneutisch ausgerichtet. Sie zählt zur humanistischen Psychologie.

Begründet wurde sie von dem deutschen Psychiater Fritz Perls (1893-1970), dessen Frau Laura Perls (1905-1990) sowie dem amerikanischen Autoren Paul Goodman (1911-1972).

Im Mittelpunkt der Gestalttherapie steht eine noch nicht abgeschlossene Gestalt. Damit sind Erfahrungen oder Konflikte gemeint, die noch nicht abgeschlossen wurden. Stellt die Gestalt jedoch eine Belastung für den Patienten dar, ist es wichtig, die Erfahrung oder den Konflikt zu beenden.

Im Unterschied zu gesunden Personen vermeidet der Patient bestimmte Handlungen, Gedanken oder Gefühle. Dadurch besteht jedoch die Gefahr, dass er zu seiner Umwelt allmählich den Kontakt verliert.

Durchführung

In der Gestalttherapie geht es darum, Räume für aktuelle Bedürfnisse oder Gefühle anzulegen. Diese Gefühle dienen dazu, den Teil der Lebensgeschichte aufzuarbeiten, der bislang nicht verarbeitet wurde.

Auf diese Weise lassen sich

  • lästige Blockaden lösen und
  • mehr Energien für andere Lebensaufgaben erhalten.

Im Grunde genommen handelt es sich bei der Gestalttherapie um eine Widerstandsanalyse. Zur Psychoanalyse besteht jedoch der Unterschied darin, dass man den Widerstand nicht deutet, sondern ihn als Gestalt darstellt, wodurch er für den Patienten sichtbar wird. Im Zentrum des Geschehens befindet sich vor allem der Blockierungs- und Kontaktprozess und nicht das Material, welches man wegzensiert.

Erkenntlich werden die nicht abgeschlossenen Gestalten im Verhalten des Patienten, seines Selbstkontaktes und seiner Bewältigungstaktiken.

Vorgehen

Je nachdem, in welcher Bedürfnislage sich der Patient befindet, kommt eine bestimmte Figur aus dem Hintergrund zum Vorschein. Dabei kann es sich um

  • ein Gefühl
  • ein Bedürfnis
  • eine Wahrnehmung oder
  • eine kognitive Erkenntnis

handeln. Im gestaltpsychologischen Sinne drängt die jeweilige Figur dazu, geschlossen zu werden. Gelingt es, Kontakt zur Umwelt aufzunehmen, lässt sich die Gestalt schließen. Nachdem sie in den Hintergrund zurückgekehrt ist, folgt eine neue Figur.

Die integrative Therapie

Grundlagen

Bei der integrativen Therapie handelt es sich um einen modernen Ansatz von differentieller und ganzheitlicher Psychotherapie. Entwickelt wurde das Verfahren in den 60er Jahren von dem deutschen Psychologen Hilarion G. Petzold, der zugleich Mitbegründer des Fritz-Perls-Instituts ist.

Die integrative Therapie beinhaltet mehrere verschiedene Ansätze, zu denen gehören vor allem:

  • die Gestalttherapie
  • das Psychodrama
  • die aktive Psychoanalyse von Sandor Ferenczi (1873-1933)
  • die Neuropsychologie
  • die Neuromotorik
  • die Körpertherapie
  • die Verhaltenstherapie

Ziel und Zweck

Hilarion G. Petzold möchte mit den zahlreichen unterschiedlichen methodischen Ansätzen und Therapien ein Gespräch einleiten, das nach allen Seiten offen ist. Dabei soll sich eine eigenständige Metatheorie, bei der es sich um die transversale Hermeneutik oder Metahermeneutik handelt, entwickeln.

Ein Bestandteil der integrativen Therapie ist die bewegungsorientierte integrative Bewegungstherapie, die in den 70er Jahren von Hilarion G. Petzold entwickelt wurde.

In der integrativen Therapie wird davon ausgegangen, dass bei jedem einzelnen Patienten ein individueller, maßgeschneiderter Behandlungsplan erstellt werden muss. Dieser Therapieansatz lässt sich bei Bedarf flexibel an die Fortschritte der Behandlung anpassen und verändern.

Dabei müssen Rahmenbedingungen, Mittel und Zeit genauso berücksichtigt werden wie der Mensch als Ganzes mit Geist, Körper und Seele.

Die Körperpsychotherapie

Grundlagen

Bei einer Körperpsychotherapie oder Körpertherapie handelt es sich um verschiedene Verfahren zur Behandlung von Bewegungsabläufen und Körperhaltungen. Zu den möglichen Methoden, die zur Anwendung kommen, gehören entweder:

  • Schulungsanleitungen
  • manuelle Techniken
  • Mischungen aus Anleitungen und Techniken

Die unterschiedlichen Behandlungsverfahren haben miteinander gemeinsam, dass sie sowohl positive körperliche als auch psychische Veränderungen herbeiführen. So verfügen fast alle Körperpsychotherapien über eine psychosomatische Wechselwirkung.

Ursprung

Ihren Ursprung hat die körperorientierte Psychotherapie in der Arbeit des österreichischen Psychoanalytikers und Psychologen Wilhelm Reich (1897-1957). Dieser war mit den Behandlungsergebnissen der freudianischen Analyse nicht zufrieden. Deshalb nahm er Experimente mit Übungen vor, die sich auf den Körper bezogen.

Im Laufe der Jahre entwickelten sich schließlich immer mehr körpertherapeutische Schulen.

Zu den bedeutendsten Vertretern der Körperpsychotherapie zählen:

  • die Bioenergetik-Körperpsychotherapie von Alexander Lowen (1910-2008)
  • die Biodynamische Körperpsychotherapie von Gerda Boyesen (1922-2005)

Weitere anerkannte Körperpsychotherapie-Methoden sind:

  • die Biosynthese
  • Hakomi
  • die Posturale Integration
  • die Strukturelle Körpertherapie (SKT)
  • die Integrative Körperpsychotherapie
  • die Vegetotherapie von Wilhelm Reich

Die Bandbreite der zahlreichen Methoden ist mannigfaltig. So stehen bei einigen Verfahren eher die informationstheoretischen Aspekte im Vordergrund, während bei anderen energetische Aspekte gelten. Auch die Arbeit der verschiedenen Psychotherapien ist überaus unterschiedlich.

Verschiedene Methoden

Obwohl die Methoden der Körperpsychotherapie sehr verschieden sind, haben die meisten miteinander gemeinsam, dass Geist und Körper als Einheit betrachtet werden. Den Körper sieht man als Zugang zum "Selbst" an.

Dabei wird angenommen, dass es sich bei Gefühlen um fließende Kräfte handelt, sofern sie zu einem harmonischen und gesunden Ausdruck gelangen. Bei einer Behinderung dieses Ausdrucks kommt es zum Anstau von Kraft.

Langfristig besteht dadurch die Gefahr einer Erkrankung. Im Rahmen einer Körperpsychotherapie greift man vor allem auf physische Ausdrucks- und Bewegungsübungen zurück. Dabei gehen die Körperpsychotherapeuten davon aus, dass verdrängte Inhalte aus früheren Entwicklungsstufen über die Regungen von Gefühlen oder Körpersignalen zutage treten.

Die meisten Übungen im Rahmen einer Körperpsychotherapie zielen darauf ab, Unbewusstes oder Verdecktes zu erkennen und die gesunden Anteile der Persönlichkeit zu stärken.

Die Logotherapie und Existenzanalyse

Grundlagen

Bei der Logotherapie und Existenzanalyse handelt es sich um ein psychotherapeutisches Verfahren, das von dem österreichischen Psychiater und Neurologen Viktor E. Frankl (1905-1997) entwickelt wurde. Dabei ging Frankl einerseits von Alfred Adlers Individualpsychologie und andererseits von Siegmund Freuds Psychoanalyse aus.

Logopädie und Existenzanalyse befassen sich mit der Suche nach dem Sinn des menschlichen Daseins. Dabei ist der Mensch jedoch durchaus in der Lage, sich zu entscheiden und seine Entscheidungen auch zu verantworten. So lässt er sich weder von Umweltfaktoren oder Trieben beeinflussen.

Ziel und Zweck

Unter einer Logotherapie versteht man eine Behandlungs- und Beratungsmethode, die dabei hilft, bestimmte Krisensituationen zu meistern. Dazu gehören zum Beispiel

  • Fehlentscheidungen
  • Enttäuschungen
  • schwere Erkrankungen
  • Verluste oder
  • der Umgang mit dem Tod.

Aber auch Psychosen und körperliche Behinderungen lassen sich mit der Logotherapie behandeln.

Viktor E. Frankl bezeichnete die menschliche Sehnsucht nach dem Erkennen eines größeren Zusammenhangs als existenzielles Vakuum und schuf zu diesem Zweck in den 30er Jahren die Logotherapie, ebenso wie die Existenzanalyse.

Letztere befasst sich mit der Behandlung von seelischen Störungen, zu denen vor allem

  • psychosomatische Erkrankungen
  • Psychosen
  • Ängste
  • Sucht und
  • Depressionen

gehören. Dabei will die Existenzanalyse erreichen, dass der Patient mit innerer Zustimmung handelt und lebt. Da gerade in der heutigen Zeit viele Menschen unter seelischen Erkrankungen oder Gefühlen wie Leere und Sinnlosigkeit leiden, versucht die Logotherapie den Betroffenen dabei zu helfen, ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu führen. Dabei soll der Patient sich neu besinnen und mit der Welt auseinandersetzen.

Im Rahmen der Logotherapie wird die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen gefördert, damit er erkennt, welche Möglichkeiten zum Handeln und Erleben ihm zur Verfügung stehen. Letztlich obliegt die Entscheidung jedoch stets der einzelnen Person.

Anwendungsgebiete

  • Durchgeführt wird die Logotherapie als sinnorientierte Beratung und Begleitung. Diese kann in medizinischen, sozialen oder pädagogischen Bereichen oder während der Krankenpflege oder Seelsorge erfolgen.

  • Die Existenzanalyse kommt hingegen bei psychischen Verhaltens- oder Erlebensstörungen zur Anwendung. Dabei ist das Ziel, den Patienten aus seinen traumatischen Erlebnissen, Einseitigkeiten oder Verzerrungen zu befreien.

Das Psychodrama

Grundlagen

Ins Leben gerufen wurde das Psychodrama von dem österreichisch-amerikanischen Psychiater Jacob Levy Moreno (1889-1974). Moreno galt als Pionier von Gruppenpsychotherapie und Gruppenpsychologie und entwickelte das Psychodrama in seiner Eigenschaft als Arzt eines Flüchtlingslagers.

Nach Auffassung von Moreno verfügt jeder Mensch über ein künstlerisches Potential. Dieses lässt sich durch die Annahme von psychischen oder sozialen Rollen entfalten. Außerdem gilt der Mensch als soziales und schöpferisches Wesen und sollte die Mitverantwortung für die Welt, in der er lebt, übernehmen.

Entwicklung

Die Idee für die Entwicklung des Psychodramas kam Moreno im Jahr 1910 in Wien beim Beobachten von spielenden Kindern. Schließlich bildete er Kindergruppen, mit denen er aus dem Stegreif spielte. Auf diese Weise legte Moreno den Grundstein für das Psychodrama und die Gruppenpsychotherapie für Erwachsene.

Morenos Devise dabei war, dass Handeln heilender sei als Reden. So war es seine Absicht, mithilfe von Rollenspielen Konfliktsituationen aufzuzeigen und diese spielerisch zu bewältigen.

Ablauf

Jacob Levy Moreno beschrieb das Psychodrama einmal als Aktionsmethode. Genau wie im richtigen Leben stehen im Psychodrama Handlungen in Szenen im Zentrum des Geschehens, die stets innerhalb einer Gruppe erfolgen.

Allerdings findet kein Ablauf nach einem geregelten, festen Schema statt. Ein Erlernen durch Beobachten ist nicht möglich. Aus diesem Grund ist die aktive Teilnahme am Psychodrama also unumgänglich.

Ein typisches Merkmal des Psychodramas ist die Zusammenarbeit zwischen einer Personengruppe, die sich zu bedingungsloser Vertraulichkeit verpflichtet. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Psychodramaleiter. Dieser arbeitet eine Geschichte für einen Protagonisten aus, der in den Mittelpunkt des Geschehens rückt.

Die drei Phasen des Psychodramas

Das Psychodrama läuft in drei Phasen ab.

  1. Phase 1 wird Erwärmungsphase genannt. Sie dient dazu, die Spielgruppe einzustimmen und das Thema, das behandelt werden soll, zu definieren.

  2. Die zweite Phase ist die Spielphase, in der die Gruppe das Thema spielerisch darstellt.

  3. Schließlich folgt die dritte und letzte Phase des Psychodramas: die Abschlussphase. Dabei berichten die Mitglieder der Gruppe über ihre Erlebnisse und Empfindungen während des Spiels.

Ein Gruppenmitglied muss also die erarbeitete Story auf der Bühne zum Besten geben. Ein extra angefertigtes Drehbuch gibt es jedoch nicht, sodass die Handlung aus der Situation heraus entsteht. Welche Szene das Mitglied der Gruppe mit den anderen Mitgliedern durchführen will, entscheidet es selbst.

Die Elemente des Psychodramas
  • Zu den wichtigsten Elementen des Psychodramas gehört der Rollentausch. Dieser soll dazu beitragen, Verständnis für eine andere Person zu erlangen, indem man eine bestimmte Situation aus deren Blickwinkel erlebt. Dabei nimmt ein Hilfs-Ich (ein Teilnehmer aus einer Gruppe, der vom Protagonisten ausgewählt wird) die gleiche Haltung wie der Protagonist ein, um Gedanken und Gefühle in der Ich-Form auszusprechen.

    Dieses Element wird als Doppeln bezeichnet und soll dazu beitragen, dass der Protagonist leichter seine eigenen Gefühle erkennt, wobei er das Gesagte auch korrigieren kann. Auf diese Weise wird dem Protagonisten dessen Handeln und Erleben erleichtert.

  • Ein weiteres Element ist das so genannte Spiegeln. Dabei wird eine Szene des Protagonisten von einem Doppelgänger wiederholt, der sowohl dessen Worte als auch dessen Gestik und Mimik imitiert. Der Protagonist nimmt sich dadurch wie in einem Spiegel wahr und kann emotionale Distanz herstellen.

    Außerdem hat er die Möglichkeit, mit dem Spielleiter über das eigene Verhalten zu reden. Dabei entstehen auch neue Ideen, wie der Protagonist sein eigenes Verhalten positiv verändern kann. So trägt die emotionale Distanz oft dazu bei, mehr Kreativität zu entwickeln.

Das Entwickeln neuer Verhaltensmöglichkeiten

Ein wichtiger Aspekt des Psychodramas ist das Aktivieren von kreativen Möglichkeiten und Ressourcen, um neue Verhaltensmöglichkeiten zu entwickeln. Das heißt also, dass bei einem Psychodrama bestimmte Verhaltensweisen der agierenden Personen in Szene gesetzt werden. Diese probieren bestimmte Handlungen aus und vergleichen sie dann miteinander.

Außerdem erlebt der Protagonist die Handlungen aus verschiedenen Perspektiven. Gewissermaßen werden die Psyche selbst sowie ihre Probleme auf der Psychodramabühne inszeniert.

Ein Nachspielen findet während des Psychodramas nicht statt. Möchte der Protagonist in die Rolle einer Person schlüpfen, mit der er Kontakt aufnehmen will, kann er dies tun. Auf diese Weise lernt er die andere Seite der Interaktion kennen und betrachtet sein eigenes Gebaren im Spiegel einer anderen Person. Dabei hat er die Gelegenheit, Dinge zu sagen, die er normalerweise nicht mitteilen würde.

Hat der Protagonist seinen Part zu Ende gespielt, geht er wieder zurück in die Gruppe. Diese teilt ihm dann mit, ob sie bereits ähnliche Erlebnisse hatte. Dabei kann der Protagonist erfahren, wie die anderen Personen diese Situation erlebt haben und was in ihnen vorging.

  • Wird das Psychodrama korrekt angewandt, hilft es beim Kennenlernen anderer Menschen sowie des eigenen Handelns.
  • Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, neue Lösungen für scheinbar festgefahrene Probleme zu finden.

Das Psychodrama gilt für fast alle Altersgruppen als geeignet.

Nähe zum Theater

Die Bezeichnungen beim Psychodrama weisen Ähnlichkeiten zu Theaterbegriffen auf. So gibt es dabei:

  • Protagonisten
  • Antagonisten
  • Zuschauer

Die Rolle des Regisseurs übernimmt der Therapeut.

Einsatzmöglichkeiten

Das Psychodrama bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. So kommt es im Rahmen einer Einzeltherapie, Gruppentherapie oder Familientherapie zur Anwendung. Aber auch für die Personal- oder Teamentwicklung sowie für die Drogenarbeit ist die Methode geeignet. Behandelt werden in erster Linie zwischenmenschliche Konflikte zwischen Paaren oder innerhalb von Gruppen.

  • Durch die spielerische Psychotherapie können die Teilnehmer die Ursachen der Konflikte erkennen und ihnen entgegenwirken.
  • Indem sie neue Verhaltensmuster einstudieren, lassen sich alte und festgefahrene Verhaltensweisen abbauen.
  • Im Rahmen des Psychodramas werden auch Grenzen aufgezeigt und akzeptiert.
  • Außerdem lernen die Teilnehmer, wie Frustrationen und Kränkungen besser zu verarbeiten sind.

In Deutschland wird das Psychodrama, im Unterschied zu Österreich, von den Krankenkassen nicht als ambulantes Psychotherapieverfahren anerkannt. Stattdessen führt man es in der Bundesrepublik vor allem in Kliniken durch. Psychodramen kommen aber auch häufig in betrieblichen oder pädagogischen Bereichen zur Anwendung.

Humanistisches Psychodrama

Beim Humanistischen Psychodrama (HPD) gilt das Menschenbild der Humanistischen Psychologie. Das heißt, dass dabei sämtliche Methoden und Regeln der Humanistischen Psychologie befolgt werden. Diese wurden in den 80er Jahren in Duisburg von dem deutschen Psychologen und Psychodramatherapeuten Hans-Werner Gessmann entwickelt.

Dabei betrachtet sich das Humanistische Psychodrama als entwicklungsorientierte Psychotherapie. Zu den wichtigsten Aspekten zählen dabei vor allem Selbstverwirklichung und Selbsterfahrung.

Fazit

Nach Ansicht von Jakob Levy Moreno entsteht spontanes konstruktives Handeln, wenn der Protagonist es vermag, eine neue und sinnvolle Reaktion auf eine bestimmte Situation zu finden.

Durch die spielerische Darstellung lassen sich neue und alternative Verhaltensweisen ausprobieren. Außerdem soll den agierenden Personen dabei ihr Handeln bewusst gemacht werden, damit sie in der Lage sind, ihr Verhalten zum Besseren zu ändern.

Grundinformationen zur Psychotherapie

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Depressed Teen in Therapy © Lisa F. Young - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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