Psychotherapie Artikel

Erwärmung, Spiel, Abschluss: Phasen des Psychodramas und Einsatzmöglichkeiten

Das Psychodrama ist eine ungewöhnliche Methode zur Bewältigung von psychischen und personellen Konflikten. Es besteht aus drei Phasen.

Phasen und Elemente des Psychodramas

Ein ideales Psychodrama setzt sich aus dem Protagonisten, einem Therapeuten bzw. Spielleiter und mehreren so genannten Hilfs-Ichs zusammen. Dabei handelt es sich um Teilnehmer aus einer Gruppe, die vom Protagonisten ausgewählt werden. Diese Hilfs-Ichs repräsentieren entweder bestimmte Personen oder innere Anteile.

Obwohl der Rahmen des Psychodramas im Vorfeld festgelegt wird, bleibt die Gestaltung des Spiels hingegen offen. Dabei haben die Spieler die Aufgabe, ein bestimmtes Thema so umzusetzen, dass es ihren eigenen Vorstellungen entspricht.

Die drei Phasen des Psychodramas

Das Psychodrama läuft in drei Phasen ab. Phase 1 wird Erwärmungsphase genannt. Sie dient dazu, die Spielgruppe einzustimmen und das Thema, das behandelt werden soll, zu definieren. Die zweite Phase ist die Spielphase, in der die Gruppe das Thema spielerisch darstellt.

Schließlich folgt die dritte und letzte Phase des Psychodramas: die Abschlussphase. Dabei berichten die Mitglieder der Gruppe über ihre Erlebnisse und Empfindungen während des Spiels.

Die Elemente des Psychodramas

Zu den wichtigsten Elementen des Psychodramas gehört der Rollentausch. Dieser soll dazu beitragen, Verständnis für eine andere Person zu erlangen, indem man eine bestimmte Situation aus deren Blickwinkel erlebt. Dabei nimmt ein Hilfs-Ich die gleiche Haltung wie der Protagonist ein, um Gedanken und Gefühle in der Ich-Form auszusprechen.

Dieses Element wird als Doppeln bezeichnet und soll dazu beitragen, dass der Protagonist leichter seine eigenen Gefühle erkennt, wobei er das Gesagte auch korrigieren kann. Auf diese Weise wird dem Protagonisten dessen Handeln und Erleben erleichtert.

Ein weiteres Element ist das so genannte Spiegeln. Dabei wird eine Szene des Protagonisten von einem Doppelgänger wiederholt, der sowohl dessen Worte als auch dessen Gestik und Mimik imitiert. Der Protagonist nimmt sich dadurch wie in einem Spiegel wahr und kann emotionale Distanz herstellen.

Außerdem hat er die Möglichkeit, mit dem Spielleiter über das eigene Verhalten zu reden. Dabei entstehen auch neue Ideen, wie der Protagonist sein eigenes Verhalten positiv verändern kann. So trägt die emotionale Distanz oft dazu bei, mehr Kreativität zu entwickeln.

Einsatzmöglichkeiten des Psychodramas

Das Psychodrama bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. So kommt es im Rahmen einer Einzeltherapie, Gruppentherapie oder Familientherapie zur Anwendung. Aber auch für die Personal- oder Teamentwicklung sowie für die Drogenarbeit ist die Methode geeignet. Behandelt werden in erster Linie zwischenmenschliche Konflikte zwischen Paaren oder innerhalb von Gruppen.

Durch die spielerische Psychotherapie können die Teilnehmer die Ursachen der Konflikte erkennen und ihnen entgegenwirken. Indem sie neue Verhaltensmuster einstudieren, lassen sich alte und festgefahrene Verhaltensweisen abbauen.

Im Rahmen des Psychodramas werden auch Grenzen aufgezeigt und akzeptiert. Außerdem lernen die Teilnehmer, wie Frustrationen und Kränkungen besser zu verarbeiten sind.

In Deutschland wird das Psychodrama im Unterschied zu Österreich von den Krankenkassen nicht als ambulantes Psychotherapieverfahren anerkannt. Stattdessen führt man es in der Bundesrepublik vor allem in Kliniken durch. Psychodramen kommen aber auch häufig in betrieblichen oder pädagogischen Bereichen zur Anwendung.

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