Untergewicht - Ursachen und Behandlung

Untergewicht ist das Symptom verschiedener Erkrankungen. Sowohl Babys als auch Erwachsene können von Untergewicht betroffen sein.

Die Entstehung von Untergewicht und wie man es behandeln kann

Ursachen

Untergewicht kann viele Ursachen haben, die nicht krankheitsbedingt sind. Stirbt ein geliebter Mensch, so schlägt dies vielen Menschen auf den Magen. Die Folge ist, dass sie keinen Appetit mehr haben und daher an Gewicht verlieren. Wenn die Trauerphase vorüber ist, nehmen diese Betroffenen jedoch rasch wieder zu.

Auch gestresste Menschen vergessen häufig das Essen oder kommen auch nicht dazu zu essen und nehmen daher ab. Babys, die unter Untergewicht leiden, trinken meist schlecht und nehmen daher nicht zu. Die Ursachen sind hier vielfältig und reichen von Anomalien im Bereich des Mundes bis hin zur Persönlichkeit des Babys (es gibt sich mit zu wenig zufrieden).

Erkrankungen

Patienten, die unter einer Hyperthyreose leiden, nehmen oft stark an Gewicht ab. Eine Hyperthyreose ist eine Überfunktion der Schilddrüse. Diese produziert zu viele Schilddrüsenhormone und verursacht unterschiedliche Beschwerden. Eine weitere Ursache des Untergewichtes kann auch eine Entzündung am Darm sein, wie zum Beispiel der Morbus Crohn.

Psychische Erkrankungen, die mit Untergewicht einhergehen, sind die Magersucht (Anorexia) und die Ess-Brech-Sucht (Bulimie). Bulimie-Patienten wiegen jedoch noch deutlich mehr als Patienten, die unter Magersucht leiden. Die Ursachen der beiden Erkrankungen liegen oft in der Kindheit wie zum Beispiel sexueller Missbrauch, Leistungsdruck oder die Trennung der Eltern.

Folgen

Hält das Untergewicht auf die Dauer an, führt dies zur Schwächung des Körpers. So kann es zu einem langsameren Stoffwechsel und Mangelerscheinungen kommen.

Bei Kindern läuft zudem das Wachstum langsamer ab. Tritt Untergewicht bei Frauen auf, besteht das Risiko einer verminderten Fruchtbarkeit sowie von Menstruationsstörungen.

Allgemein ist eine höhere Infektanfälligkeit zu befürchten. Eine weitere mögliche Folgeerscheinung durch Untergewicht stellt die Osteoporose (Knochenschwund) dar. Dabei kommt es schon durch harmlose Stürze zu Knochenfrakturen.

Wann zum Arzt?

Einen Arzt gilt es aufzusuchen, wenn das Untergewicht zu gesundheitlichen Problemen führt. Diese können sich durch

bemerkbar machen.

Diagnose

Diagnostizieren lässt sich Untergewicht anhand des Body-Mass-Index (BMI). Liegt dieser nach Angaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation) bei 18,5, ist die betroffene Person untergewichtig. Ab einem Alter von 65 Jahren wird der BMI auf 22 angehoben.

Weitere Untersuchungen

Beim Arzt können noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu zählt vor allem die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), mit der man das Verhältnis zwischen Körperflüssigkeiten und Körperfett bestimmt. Außerdem stellt der Arzt fest, ob eventuell eine Überfunktion der Schilddrüse oder eine entzündliche Darmerkrankung für das Untergewicht verantwortlich ist.

Behandlung

Wenn ein Mensch sehr schlank ist, stellt dies noch nicht zwangsläufig einen behandlungsbedürftigen Zustand dar. Erst wenn weitere Symptome auftreten oder ersichtlich ist, dass der Patient an Unterernährung leidet, muss eine ärztliche Behandlung erfolgen.

Bei Schilddrüsenüberfunktion

Bildet die Schilddrüse des Patienten zu viele Hormone, so führt dies zu einer Überfunktion, bei der der Patient unter anderem an Gewicht verliert.

Zu Beginn erhalten die Patienten meist Medikamente, die die Produktion der Schilddrüsenhormone hemmen. Diese werden über einige Monate hinweg eingenommen.

Anschließend ist häufig eine Operation notwendig, bei der die Schilddrüse soweit verkleinert wird, dass nur noch eine ausreichende Menge an Hormonen produziert wird. Patienten, die keine Operation wünschen oder bei denen die Operation nicht möglich ist, können auch mit der so genannten Radiojodtherapie behandelt werden. Die Patienten nehmen hier radioaktives Jod ein.

Bei einer Darmerkrankung

Hat die Darmspiegelung eine Darmerkrankung ergeben, so können auch hier Medikamente verordnet oder eine Operation notwendig werden. Bei der Operation wird ein Teil des Darmes entfernt. In einigen Fällen ist dann auch die Anlage eines künstlichen Darmausganges notwendig.

Bei Magersucht

Auch psychische Erkrankungen können hinter dem Untergewicht stecken. Patienten, die sich absichtlich fast zu Tode hungern, leiden unter Magersucht. In schweren Fällen werden die Patienten dann künstlich ernährt.

Dazu wird dem Patienten eine Infusion gelegt, die alle lebensnotwendigen Nährstoffe enthält. Da die Ursache der Magersucht damit nicht behoben ist, müssen die Patienten auch psychologisch betreut werden.

Meist findet die Therapie in einer speziellen Fachklinik statt. Zusammen mit einem Therapeuten erarbeiten die Patienten den Grund ihrer Krankheit und lernen wieder normal zu essen.

Bei Bulimie

Das normale Essen müssen auch Patienten wieder lernen, die sich absichtlich nach dem Essen übergeben. Wie die Magersucht-Patienten so müssen auch die Bulimie-Patienten psychologisch betreut werden.

Der Therapeut muss auch hier die Ursache für die Entstehung der Erkrankung herausfinden, um die Krankheit heilen zu können. Im Gegensatz zur Magersucht wird die Bulimie jedoch häufig im Rahmen einer ambulanten Therapie behandelt.

Bei Untergewicht bei Babys

Babys, die untergewichtig sind, erhalten meist eine spezielle Milchnahrung, die sehr kalorienreich ist. In schweren Fällen ist auch die vorübergehende künstliche Ernährung möglich.

Selbsttherapie

Geeignete Selbsttherapiemaßnahmen gegen Untergewicht sind nicht leicht zu finden. So gibt es zwar zahlreiche Tipps zur Abnahme von Gewicht, nicht aber für dessen Zunahme.

Darüber hinaus sollte durch einen Arzt zunächst abgeklärt werden, ob das geringe Gewicht eine gesundheitliche Ursache hat. Ist dies nicht der Fall, kann man einige Maßnahmen ergreifen, um wieder mehr Gewicht zu bekommen.

Ernährung bei Untergewicht

Erster Schritt ist das Absolvieren eines Ernährungsprotokolls. Dieses wird etwa sieben Tage lang geführt. Dabei berechnet man auch die tägliche Aufnahme von Energie.

Um das Gewicht zu steigern, wird empfohlen, am Tag mehrere kleine Mahlzeiten zu verzehren. Außerdem sollte möglichst auf gesunde Nahrungsmittel zurückgegriffen werden, die wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie Kohlenhydrate enthalten.

Darüber hinaus gilt es, die körpereigenen Fettdepots zu vergrößern. Als geeignete Lebensmittel, die viele Kalorien liefern und gleichzeitig gesund sind, werden vor allem

empfohlen. Ebenfalls zur Kalorienzufuhr geeignet sind

Da auch das Auge mitisst, sollten die Speisen appetitlich und dekorativ angerichtet werden.

Vorbeugung

Als beste Methode Untergewicht vorzubeugen, gilt der regelmäßige Verzehr von kalorienreichen Mahlzeiten. Dabei sollte man darauf achten, dass sich in den Nahrungsmitteln Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe befinden. Im Zweifelsfall kann auch eine Ernährungsberatungsstelle aufgesucht werden, die wertvolle Vorbeugetipps gibt und dabei hilft, einen Ernährungsplan aufzustellen.

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