25. Juni 2010
Von Andreas Hadel
Es gibt eine Reihe von Fragen, die im Alltag eines Fitness-Enthusiasten immer wieder hitzige Debatten in Gang setzen und voller Leidenschaft von allen beteiligten geführt werden. Ist Stretching vor dem eigentlichen Workout positiv oder kontraproduktiv? Oder wie viel Protein benötigt man als aktiver Mensch tatsächlich? Fragen wie diese lassen sich von mehreren Blickwinkeln betrachten und auch mit unterschiedlichen Herangehensweisen beantworten. Bei der Frage nach der Ursache von Muskelkater scheinen die Gemüter jedoch besonders in Erregung versetzt zu werden.
In den meisten Fällen dreht sich die argumentative Auseinandersetzung darum, was während des Trainings mit unseren Muskelzellen passiert. Die Kernfrage ist also letztendlich, ob Muskelkater durch Mikrorisse in unseren Muskelfasern und Bindegewebe entsteht oder durch die Ansammlung von Milchsäure. Hinsichtlich der Milchsäure wird jedoch häufig argumentiert, dass diese nach Trainingsende von unserem Organismus innerhalb von 60 Minuten abgebaut werden können. Und dazu kommt, dass Muskelkater auch mit ein- bis zweitägiger Verzögerung auftreten kann. Ist das überhaupt mit möglicher Milchsäure, die sich in den Muskelfasern angesammelt hat, zu erklären?
Milchsäure kann während und nach dem Training tatsächlich zu spürbaren Schmerzen führen. Abhängig davon, ob man eine Cool-Down-Phase in sein Workout integriert, kann dieser Schmerz etwas länger als eine Stunde anhalten. Bei Muskelkater ist neben Bewegungsschmerz auch eine Versteifung und Anspannung der betroffenen Muskeln zu spüren. Im Gegensatz zu dem Unbehagen, dass von Milchsäureansammlungen erzeugt wird, ist der Muskelkaterschmerz auch durch Druck auf die Muskeln deutlich zu merken. Obwohl es immer noch keine einheitliche Meinung gibt, stimmen die meisten wissenschaftlichen Aussagen darin überein, dass Muskelkater durch eine Art von Muskelschaden und daraus resultierenden Entzündungen entsteht. Die Theorie, die dabei in der Sportwissenschaft den größten Rückhalt findet, beinhaltet, dass die Aktin- und Myosinfilamente in den Muskelfasern durch ungewohnte exzentrische Kontraktionen beschädigt werden und so der empfundene Schmerz entsteht.
Übrigens, während wir passiv sind, wird Milchsäure mit der gleichen Geschwindigkeit abgebaut, wie sie erzeugt wird. Es kommt nur dann zu einer Schmerzen verursachenden Ansammlung, wenn wir wegen Training oder einer anderen körperlichen Belastung schneller Energie brauchen, als unser aerobes System unmittelbar zur Verfügung stellen kann. Wenn man nachdem Training noch eine Cool-Down-Routine ausführt, kann man den Abtransport der Milchsäure beträchtlich beschleunigen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Sie zum Beispiel an einem Sportfest oder Jedermann-Zehnkampf teilnehmen und mehrere Belastungsspitzen über den Tag verteilt haben. Aber eine Cool-Down-Phase macht sich auch dann unmittelbar bezahlt, wenn Sie am frühen Morgen trainieren und gleich nach Workout-Ende zur Arbeit müssen. Dann hilft ein Cool-Down wieder schneller die strapazierten Energiespeicher aufzufüllen.
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