Hunger - Ursachen und Behandlung

Hunger ist ein Zeichen für den gesunden Menschen, dass sein Körper Nahrung benötigt. Wenn der Hunger das Symptom einer Krankheit ist, erfolgen unterschiedliche Behandlungen.

Die Entstehung von Hunger und wie man ein krankhaftes Hungergefühl behandeln und lindern kann

Ursachen

In den meisten Fällen tritt der Hunger auf, wenn der Magen leer ist und der Körper mit dem Hungergefühl nach Nahrung verlangt. Das ursprüngliche und angeborene Hungergefühl tritt meist regelmäßig auf und zwar immer dann, wenn der Körper merkt, dass die Energie nachlässt. Säuglinge zeigen es deutlich, denn sie verlangen in gewissen Abständen automatisch nach Nahrung und hören automatisch mit der Nahrungszufuhr auf, wenn eine Sättigung auftritt.

Schwangere Frauen oder Frauen kurz vor ihrer Menstruation bemerken ebenfalls häufiger Hungergefühle. Die Ursache sind hier die veränderten Hormonmengen im Körper der Frau.

Auch generell lassen sich hormonelle Veränderungen als Auslöser für ein Hungergefühl ausmachen. Durch vermehrten Stress beispielsweise wird die Cortisolproduktion angekurbelt, was wiederum dazu führt, dass der Blutzuckerspiegel steigt. Fällt er schließlich wieder ab, kann es zu Hungergefühlen kommen.

Auch Geschmacksverstärker in Fertiggerichten, Chips und Co. sind Grund dafür, dass der Körper irgendwann kein natürliches Sättigungsgefühl mehr erreichen kann und viele Menschen unter Dauerhunger leiden und mehr Essen zu sich nehmen, als der Körper eigentlich benötigen würde.

Viele Kinder fangen im Kindergartenalter an, das Gefühl für den eigenen Hunger zu verlieren essen mehr, als der Körper braucht, weil die Nahrung so gut schmeckt und weil die Geschmacksverstärker Hunger auf mehr machen. Es zeigt sich deutlich, dass ein natürliches Körpergefühl viel wert ist und auch nur der angeborene Hunger wirklich auf den Nahrungsbedarf hinweist.

Erkrankungen

Hunger, der so gut wie immer vorhanden ist, oder so gut wie nie auftritt, weist darauf hin, dass eine Essstörung vorliegt. Essstörungen sind weiter verbreitet als man denkt, denn häufig fallen sie der Umwelt kaum auf. Das Hungergefühl wird selbst bei extremen Veränderungen von kaum jemandem als krankhaft empfunden.

Doch haben Ausschläge in jede Richtung meist einen tieferen Grund und zudem häufig nichts mehr mit dem ursprünglichen und angeborenen Hungergefühl zu tun. Normal sollte Hungergefühl nur dann aufkommen, wenn der Magen leer ist und der Körper neue Nahrung braucht, doch häufig ist das körpereigene System schon lange nicht mehr zuverlässig, denn immer mehr Menschen versuchen ihr Hungergefühl durch Tricks zu überlisten - dies ist auch eine der Folgen des Schönheitswahns, der heute gängig ist.

Das Hungergefühl tritt auch bei psychisch kranken Menschen auf, die es jedoch bewusst ignorieren. Dies ist zum Beispiel bei Patienten mit Magersucht der Fall. Bei der Magersucht hungern sich die Patienten sprichwörtlich zu Tode, wenn nicht rechtzeitig behandelt wird.

Eine weitere psychische Erkrankung ist die Bulimie, bei der die Patienten ebenfalls eine gewisse Zeit hungern, dann jedoch im Rahmen von Fressattacken Unmengen an Essen zu sich nehmen und hinterher das Gegessene wieder erbrechen.

Essen kann zum Beispiel auch zur Sucht und Ersatzbefriedigung werden; hier steht der Hunger nicht für einen Mangel an Essen, sondern viel mehr für einen Mangel an Zuneigung und Bestätigung.

Die Ursache des Hungers kann auch eine Unterzuckerung des Körpers sein. Diese tritt im Rahmen einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) auf, wenn der Blutzucker nicht richtig eingestellt ist oder der Patient sich nicht an die Anweisungen des Arztes hält.

Heißhunger

Eine extreme Form des Hungers ist Heißhunger. Dabei leiden die betroffenen Personen dermaßen unter Heißhungerattacken, dass sie dabei die Kontrolle über sich selbst verlieren.

Heißhunger entsteht zumeist durch physische oder psychische Störungen. Nicht selten verbergen sich hinter regelmäßigen Heißhungerattacken ernsthafte Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Aber auch

können Heißhunger auslösen.

Folgen

Wird der Hunger längere Zeit nicht gestillt, kann dies gravierende Auswirkungen auf den Körper haben. Gerade bei Jugendlichen besteht die Gefahr, dass es zu Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie kommt.

So droht durch diese psychischen Störungen ein erheblicher Gewichtsverlust, der sogar ein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen kann, da der Körper keine existentiellen Nährstoffe mehr erhält. Bei Frauen kommt es durch starkes Hungern zu hormonellen Veränderungen, die Störungen der monatlichen Menstruation oder dessen komplettes Ausbleiben zur Folge haben.

Bei Kindern ist das Auftreten von Wachstumsstörungen möglich. Im Extremfall droht der Tod durch Verhungern.

Wann zum Arzt?

Hunger bedarf normalerweise keiner ärztlichen Behandlung, da es sich dabei um ein normales Körpergefühl handelt. Leidet der Betroffene jedoch unter ständigen Heißhungerattacken oder Essstörungen wie Magersucht bzw. Bulimie, sollte ein Arztbesuch erfolgen.

Je schlechter das eigene Körpergefühl wird, umso mehr muss darauf geachtet werden, wie sich das Hungergefühl verändert und in welche Richtungen es Ausschläge gibt. Wer zum Beispiel bemerkt, dass sein Hunger nicht wirklich Hunger ist, der sollte unbedingt ein ärztliches Beratungsgespräch suchen, denn je früher man sich damit auseinander setzt, umso leichter fällt es, aus der Essstörung herauszufinden.

Diagnose

Hunger in Form von Heißhungerattacken kann mitunter ein Problem darstellen, welches ärztlich abgeklärt werden sollte.

Anamnese

Der Arzt befasst sich zunächst mit der Krankengeschichte des Betroffenen und ermittelt, seit wann die Hungerattacken bestehen und ob der Patient unter Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme leidet.

Außerdem gilt es zu klären, ob weitere Beschwerden wie Müdigkeit, Durchfall oder Schmerzen vorliegen. Des Weiteren sind Vorerkrankungen wie die Zuckerkrankheit sowie die Einnahme von bestimmten Medikamenten von Interesse, durch die es zu Heißhungerattacken kommen kann.

Weitere Untersuchungen

Nächste Schritte sind das Vornehmen einer körperlichen Untersuchung sowie eine Blutuntersuchung. Letztere dient dazu, den Blutzuckerspiegel, die Blutfettwerte sowie die Werte der Schilddrüse zu kontrollieren.

Erhärtet sich der Verdacht auf Diabetes, finden weitere spezielle Untersuchungen statt. Mitunter haben Hungerattacken auch psychische Ursachen. In solchen Fällen ist dann eine psychotherapeutische Untersuchung erforderlich.

Behandlung

Ein normales Hungergefühl muss nicht behandelt werden. Wenn der Mensch etwas isst, verschwindet der Hunger von selbst wieder. Grundsätzlich sollte man darauf achten, regelmäßig zu essen und vitamin- sowie ballaststoffreiche Lebensmittel zu bevorzugen.

Wer sich beispielsweise nur von Weißbrot ernährt, bekommt häufiger Hunger bzw. Heißhunger als jemand, der überwiegend Vollkornbrot isst. Auch fünf kleine Mahlzeiten sind für den Körper gesünder als drei große.

Bei psychischen Krankheiten

Wenn der Hunger das Symptom psychischer Krankheiten ist, erfolgt eine ambulante oder stationäre Behandlung. Dies richtet sich danach, wie lange der Patient bereits hungert und welche Folgeschäden sich dadurch entwickelt haben.

Die Patienten lernen während der Therapie wieder das normale Essverhalten. Die Behandlung findet bei einem niedergelassenen Psychologen oder in einer entsprechenden Fachklinik statt.

Bei Diabetes

Wenn ein Diabetiker in den so genannten Unterzucker (Hypoglykämie) gerät, äußert sich dies unter anderem auch durch starken Hunger. Hier ist es wichtig, sofort Zucker zu sich zu nehmen.

Am schnellsten wirkt ein Stück Traubenzucker, jedoch eignen sich auch zuckerhaltige Getränke. Um den Unterzucker zu vermeiden, müssen Diabetiker regelmäßig den Zuckergehalt in ihrem Blut messen und gewissenhaft ihre Tabletten einnehmen bzw. das Insulin spritzen.

Selbsttherapie

Das beste Mittel gegen Hunger ist etwas zu essen. Etwas schwieriger gestaltet sich dies jedoch, wenn man sein Gewicht reduzieren oder sich gesünder ernähren möchte, was wiederum den Verzicht auf geliebte sättigende Speisen bedeutet. Doch mit einigen einfachen Tipps lässt sich das Sättigungsgefühl länger erhalten.

Grundsätzlich wichtig ist es, selbst bei großem Hunger langsam zu essen und gut dabei zu kauen. So hilft ein genussvolles Essen dabei, die Sättigung zu bemerken und den Verdauungstrakt zu schonen.

Viel Flüssigkeit

Als wirksames Mittel gegen Hunger gilt die Zufuhr von Flüssigkeit. So sollte man pro Tag mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Diese bewirkt ein spürbares Nachlassen des Hungergefühls. Gleichzeitig wird der Organismus gut durchgespült.

Der essentielle Bestandteil unseres Seins, das Wasser, hat keine Kalorien und ist daher der ideale Magenfüller für alle Diätiker, die sich ohne schlechtes Gewissen gesättigt fühlen wollen. Da eine ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr neben dem Sättigunsgefühl auch den Stoffwechsel in Gang hält, sollte man auch bei der Auswahl von Lebensmitteln auf einen hohen Wasserhalt achten.

füllen effektiv den Magen und schlagen mit wenig Kalorien zu Buche. Klare Suppen haben die gleichen Vorteile.

Richtige Ernährung

Ballaststoffe

Soll die Ernährung fettarm und gesund sein, empfiehlt es sich, vermehrt Ballaststoffe zu verzehren. Diese sorgen nämlich für ein Sättigungsgefühl, das längere Zeit anhält. Ballaststoffe findet man zum Beispiel reichhaltig in Vollkornbrot, Vollkornprodukten und Müsli.

Aber auch Obst und Gemüse verfügen über zahlreiche Ballaststoffe. Außerdem sind in ihnen Flüssigkeit und wichtige Vitamine enthalten.

Besonders gut geeignet zum gesunden Stillen von Hunger ist das Essen einer Banane, die man zwischendurch verzehren kann. Ballaststoffe können von unserem Organismus nur zu einem äußerst geringen Teil verdaut werden.

können bedenkenlos in steter Regelmäßigkeit auf dem Teller landen, ohne das angestrebte Kaloriendefizit in Gefahr zu bringen.

Protein

Kalorie für Kalorie ist nichts sättigender als Protein. Speisen, die reich an Protein sind, verlangsamen den Verdauungsprozess, so dass man sich schneller als auch länger satt fühlt. Protein stabilisiert zudem den Blutzucker, was es zu einem doppelt wirksamen Verbündeten im Kampf gegen das Magenknurren macht.

Gute Kohlenhydrate

Wer sich satt essen möchte, ohne sich dabei zu "überessen", sollte zu Kohlenhydraten greifen, die den Blutzucker und die Insulinausschüttung nicht auf eine Berg- und Talbahn schicken. Gemieden werden sollte alles, was aus Weißmehl hergestellt wurde, stattdessen greift man besser zu Vollkornprodukten aller Couleur.

Ungesättigte Fette in flüssiger Form

Ungesättigte Fette regen die Ausschüttung des CKK-Hormons an, das Appetit hemmend wirkt. Man sollte daher Olivenöl, Fisch, Rapsöl und Nüsse zu den Fettlieferanten der ersten Wahl erklären.

Vorbeugung

Um Hunger vorzubeugen, sollten die Mahlzeiten möglichst pünktlich eingehalten werden. Ist dies nicht möglich, kann man zwischendurch auch auf gesunde Snacks wie Obst, Joghurt oder Vollkornprodukte zurückgreifen.

Quellen:

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