Krätze (Scabies) - Ursachen, Symptome und Behandlung

Unter Krätze versteht man eine Hauterkrankung. Sie wird von Krätzemilben hervorgerufen.

Die ersten Symptome treten in der Regel erst nach zwei bis acht Wochen auf

Mediziner bezeichnen die Krätze auch als Scabies oder Acarodermatitis. Dabei handelt es sich um eine parasitäre Hautkrankheit, die auf der ganzen Welt vorkommt. Sie wird Krätze genannt, weil sich die Erkrankten aufgrund von starkem Juckreiz ständig kratzen müssen.

Vorkommen und Formen

Krätze tritt vor allem in Entwicklungsländern auf. In Mitteleuropa zeigt sich die Erkrankung dagegen nur selten. Mitunter kommt es jedoch zu Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen wie

Aber auch einzelne Fälle können auftreten. Besonders betroffen davon sind ältere Menschen und Kinder.

Weltweit wird die Anzahl der Personen, die an Krätze erkrankt sind, auf 300 Millionen geschätzt. In der Medizin teilt man die Krätze in verschiedene Formen ein.

Die Klassifizierung richtet sich nach dem Ausmaß und den Symptomen. So wird zwischen

  • gepflegter Scabies
  • bullöser Scabies
  • nodöser Scabies
  • Borkenkrätze (Scabies norvegica) sowie
  • Krätze bei Säuglingen

unterschieden.

Ursachen

Verursacher der Krätze ist die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis). Dieser Erreger zählt zu den Spinnentieren und wird den Parasiten zugeordnet. Da sich die Krätzemilbe auf den Menschen spezialisiert hat, ist er ihr einziger Wirt.

Weibliche Krätzemilben haben eine Größe zwischen 0,3 und 0,5 Millimetern, während männliche Exemplare lediglich 0,2 bis 0,3 Millimeter erreichen. So lassen sich die Spinnentiere gerade noch mit bloßem Auge erkennen. Die Weibchen erreichen ein Lebensalter von 4 bis 6 Wochen.

Ab der zweiten Lebenswoche werden von ihnen pro Tag bis zu vier Eier gelegt. Ohne einen Wirt überleben die Krätzemilben maximal zwei Tage. Herrschen ungünstige Bedingungen, beträgt ihre Überlebenszeit nur wenige Stunden.

Gelingt es den Parasiten, auf die menschliche Haut zu gelangen, können sie sich dort fortpflanzen. Während die Milbenmännchen nach der Begattung sterben, bohren die Weibchen kleine Gänge in die äußerste Schicht der Haut, wo sie sich einige Wochen lang aufhalten.

Dort legen sie auch ihre Eier ab, aus denen bereits nach einigen Tagen Milbenlarven schlüpfen. Diese sind nach zwei Wochen geschlechtsreif und pflanzen sich wiederum fort.

Obwohl die Krätzemilben selbst den menschlichen Körper nicht angreifen, reagiert der Organismus jedoch auf ihre Abfallprodukte. So sondern die Parasiten zahlreiche Kotballen (Skybala) ab, was zur Aktivierung von speziellen Zellen und Botenstoffen führt.

Risikogruppen

Es gibt bestimmte Risikogruppen, die häufiger von Krätzemilben befallen werden als andere Menschen. Dazu gehören vor allem

Als grundsätzlicher Risikofaktor gilt zudem ein geschwächtes Immunsystem. Daher sind zum Beispiel AIDS-Kranke oder Menschen mit Krebserkrankungen besonders gefährdet, sich mit Krätzemilben zu infizieren.

Übertragung

Krätze zählt zu den ansteckenden Hautkrankheiten. Übertragen werden die Krätzemilben von einem Menschen auf den anderen. Zwischenwirte, wie bei vielen anderen Parasiten, gibt es dagegen nicht.

Für die Übertragung der Milben ist normalerweise ein längerer Körperkontakt nötig. In den meisten Fällen erfolgt die Übertragung durch

Dagegen sind kontaminierte Gegenstände für die Übertragung der Parasiten nur von untergeordneter Bedeutung.

Symptome

In der Regel treten die ersten Scabies-Symptome 2-8 Wochen nach der Ansteckung auf. Dann leiden die Betroffenen vor allem in den Nachtstunden unter starkem Juckreiz. Darüber hinaus kann es zu ekzemartigen Hautveränderungen wie

  • Rötungen
  • Pusteln
  • Bläschen und
  • Schuppenbildung

kommen. Die Bläschen enthalten Flüssigkeit oder Eiter, jedoch keine Krätzemilben. Mitunter bilden sich aus den aufgeplatzten Bläschen Krusten. Die Krätzesymptome zeigen sich vor allem an Körperstellen, die die Milben zum Ablegen ihrer Eier benutzen. Dazu gehören

Dagegen kommt es an Kopf, Nacken und Rücken nur selten zu Beschwerden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist jedoch auch ein Milbenbefall im Gesicht möglich. In manchen Fällen kann sogar der ganze Körper von den Symptomen betroffen sein.

Komplikation: Superinfektion

Eine eventuelle Komplikation der Krätze ist eine Superinfektion. So besteht durch das ständige Kratzen die Gefahr, dass Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken in die geschädigten Hautstellen eindringen und eine Infektion auslösen.

Darüber hinaus kann es zu

kommen.

Diagnose

Die Krätze zu diagnostizieren, ist nicht so einfach. So müssen die auslösenden Milben durch eine mikroskopische Untersuchung von Hautmaterial festgestellt werden. Eine weitere Diagnosemöglichkeit bietet das Betrachten der Milbenherde unter einem Dermatoskop. Des Weiteren lassen sich durch Verfahren wie ELISA oder PCR Antikörper gegen die Parasiten nachweisen.

Behandlung

In der Regel ist Scabies problemlos behandelbar. Um die auslösenden Milben zu beseitigen, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die man als Antiskabiosa bezeichnet.

Mittel der ersten Wahl ist Permethrin. Dabei handelt es sich um eine Creme, die der Patient auf den ganzen Körper aufträgt. Andere Mittel werden nur in Ausnahmefällen verwendet. Dazu gehören zum Beispiel

  • Allethrin
  • Benzylbenzoat und
  • Ivermectin.

Letzteres ist in Deutschland allerdings nicht zur Behandlung von Menschen zugelassen und kommt daher hierzulande nur in der Tiermedizin zum Einsatz. Über internationale Apotheken wird das systemisch wirkende Mittel jedoch angeboten.

Als unverzichtbare Grundmaßnahme gilt das tägliche Wechseln und Waschen von Kleidung und Bettwäsche. Auf diese Weise lässt sich einer Reinfektion entgegenwirken. Wichtig ist zudem, unmittelbare Kontaktpersonen des Patienten auf einen möglichen Milbenbefall zu untersuchen.

Meldepflicht

Erkranken nur einzelne Menschen an Krätze, besteht hierzulande keine Meldepflicht. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Hautkrankheit in Gemeinschaftseinrichtungen wie

auftritt. In diesem Fall ist der Leiter der Einrichtung verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt über den Krankheitsausbruch in Kenntnis zu setzen.

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