Antidepressiva Artikel

Anwendung, Einsatz und Wirkung von Antidepressiva

Als Antidepressiva bezeichnet man Medikamente zur Behandlung von psychischen Krankheiten. Vor allem bei Depressionen und Angststörungen kommen sie zum Einsatz.

Antidepressiva gehören zu den Psychopharmaka. Sie werden in erster Linie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Darüber hinaus lassen sie sich aber auch bei zahlreichen weiteren psychischen Problemen anwenden. Dazu gehören Angststörungen, Panikattacken, Zwangsstörungen, gestörtes Essverhalten, Phobien, Antriebslosigkeit und posttraumatische Belastungsstörungen. Weitere Anwendungsgebiete sind Schlafstörungen, chronische Schmerzen und Entzugssymptome.

Der Großteil der Antidepressiva hat eine positive und stimmungsaufhellende Wirkung bei Depressionen. Diese Wirkung entfaltet sich dabei unabhängig von der Ursache der Depression. Der Anteil der Patienten, die positiv auf ein antidepressives Medikament ansprechen, liegt zwischen 50 und 75 Prozent.

Die Wirkung der meisten Antidepressiva liegt darin, dass sie in den Hirn-Stoffwechsel eingreifen. So sorgen sie dafür, dass wichtige Botenstoffe länger an ihren Wirkungsorten bleiben, indem ihr Abbau blockiert oder die Rückaufnahme in ihre Speicher verhindert wird. Zudem kann auch eine vermehrte Ausschüttung aus den Speichern bewirkt werden. Die Wirkung eines Antidepressivums hängt jeweils davon ab, welcher Botenstoff beeinflusst wird. Klassische Antidepressiva können mehrere Botenstoffsysteme beeinflussen. Durch ihre große Bandbreite sind sie gut wirksam. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie einige Nebenwirkungen hervorrufen. Zu hohe Dosen können sogar gefährlich werden. Daher werden die klassischen Präparate in erster Linie bei schweren Depressionen verabreicht.

Zu den klassischen Antidepressiva gehören vor allem Trizyklische und Tetrazyklische Antidepressiva. Trizyklische Antidepressiva (Trizyklia) kommen vor allem bei schweren Depressionen zum Einsatz. Darüber hinaus sind sie aber auch sehr wirksam bei Angststörungen, Panikattacken, Bulimie, Zwangsstörungen sowie chronischen Schmerzen. Durch die Trizyklia wird die Wiederaufnahme von Dopamin und Serotonin verhindert, wodurch es zu einer positiveren Stimmung kommt. Außerdem können sie entspannend wirken, indem sie den Histamin-Spiegel beeinflussen. Durch ein Eingreifen in den Noradrenalin-Haushalt kommt es zudem zu einer Stärkung des Antriebs. Auch Tetrazyklia funktionieren auf ähnliche Weise wie Trizyklia. Allerdings sind sie weniger stark, wodurch es geringere Nebenwirkungen gibt. Das hat aber den Nachteil, dass auch ihre Wirkung geringer ausfällt. Zum Einsatz kommen sie besonders bei älteren, antriebslosen Menschen, da sie durch ihre positive Wirkung auf den Noradrenalin-Spiegel den Antrieb der Betroffenen wieder stärken. Der Stimmungsaufhellende Effekt tritt allerdings erst nach zwei Wochen ein.

Weitere Antidepressiva sind so genannte MAO-Hemmer (Mono-Amino-Oxidase-Hemmer), die das Enzym Mono-Amino-Oxidase hemmen, das für den Abbau von Neurotransmittern verantwortlich ist. Allerdings haben MAO-Hemmer häufig Nebenwirkungen.

Zu den modernen Antidepressiva gehören Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), die das Transportmolekül, das für den Rücktransport des Botenstoffs Serotonin verantwortlich ist, blockieren. SSRI werden bei leichten und mittelschweren Depressionen sowie bei Soziophobien eingesetzt und wirken angstlösend, aktivierend und aufhellend auf die Stimmung. Weitere moderne Antidepressiva sind Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (NARI), die die Wiederaufnahme von Noradrenalin in die Nervenzellen verhindern, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI), die sowohl die Aufnahme von Serotonin als auch von Noradrenalin in die Nervenzellen hemmen sowie Atypische Antidepressiva, die die Ausschüttung von Noradrenalin und Serotonin erhöhen.

Eine Alternative zu den chemischen Antidepressiva stellen Phytopharmaka dar, die pflanzliche Wirkstoffe enthalten. Dazu gehört vor allem Johanniskraut, das bei leichten und mittelschweren Depressionen, Winterdepressionen oder beim Burn-Out-Syndrom eingesetzt wird. Der Vorteil des Johanniskrauts liegt vor allem in der besseren Verträglichkeit.

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