29. September 2010
In Venen- und Gefäßkliniken werden junge und ältere Patienten behandelt, die Krampfadern oder Besenreiser haben, die offene Beine haben, die unter einer Thrombose leiden, die eine arterielle Verschlusskrankheit oder ein Lymphödem haben, sowie Patienten, die unter Gefäßerkrankungen wie Hämorrhoiden, Fisteln, Steißbeinabszessen, Enddarm-Geschwülsten, Nabelbrüchen und anderen Erkrankungen im Bereich der Venen und Gefäße leiden.
Venen- und Gefäßkliniken bieten verschiedene Untersuchungen im Rahmen der Diagnostik an. Der behandelnde Arzt führt zuerst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten über dessen Beschwerden und Vorerkrankungen. Je nach Art der Beschwerden ist es für den Arzt wichtig zu wissen, wann diese immer auftreten, ob sie sich bei Bewegung bessern oder verschlimmern, wie häufig der Patient Stuhlgang hat, wie die Ernährung aussieht, ob der Patient Grunderkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus hat, ob der Patient raucht, welchen Beruf der Patient ausübt usw.
Dann untersucht der Arzt den Patienten, indem er die Beine nach Krampfadern und Besenreisern absucht und abtastet, die Hämorrhoiden von außen begutachtet, den Bauch abtastet usw. Hat der Patient eine Venenerkrankung, so führen die Ärzte eine Doppleruntersuchung durch. Während dieser Untersuchung kann der Arzt feststellen, wie das Blut in den Beinen fließt und wie schnell dies geschieht. Der Arzt erkennt dies zum einen anhand einer sichtbaren Kurve, die am Gerät angezeigt wird, zum anderen durch spezielle Töne, die zu hören sind. Der Arzt kann durch diese Untersuchung feststellen, wie gut die Beine des Patienten durchblutet sind. In einigen Fällen wird auch eine so genannte farbcodierte Duplex-Sonografie durchgeführt. Dies ist eine Kombination aus der Doppleruntersuchung und einer Ultraschalluntersuchung. Zusätzlich zur normalen Doppleruntersuchung kann der behandelnde Arzt der Venen- und Gefäßklinik bei dieser Untersuchung die Größe, das Aussehen und die Form der Beinvenen und –arterien begutachten. Auch die Muskulatur kann während dieser speziellen Ultraschalluntersuchung kontrolliert werden.
Zusätzlich werden weitere spezielle Venenuntersuchungen wie die Venenverschlussplethysmographie oder die Lichtreflektionsrheografie durchgeführt. Durch diese Untersuchungen kann die Kapazität der Blutgefäße, die Ruhedurchblutung sowie eine mögliche Gefäßveränderung festgestellt werden.
Zur Diagnostik von Gefäßerkrankungen kann eine Darmspiegelung oder Enddarmspiegelung notwendig sein. Bei einer Enddarmspiegelung genügt es in der Regel, wenn der Patient vor der Untersuchung einen Einlauf durchführt, um den Enddarm zu reinigen. Bei einer großen Darmspiegelung muss eine spezielle Lösung getrunken werden, die den gesamten Darm reinigt. Bei einer Enddarmspiegelung wird ein starres Rohr in den After eingeführt, durch das der Arzt innenliegende Hämorrhoiden oder Fisteln diagnostizieren kann. Sollen weitere Teile des Darmes beurteilt werden, so verwendet der Arzt einen langen biegsamen Schlauch, das Endoskop, und führt diesen durch den After ein und schiebt ihn bis zum Darm vor.
Nach Abschluss der Diagnostik erfolgt die Behandlung in der Venen- und Gefäßklinik. Patienten, die Krampfadern haben, erhalten eine Venenoperation in örtlicher Betäubung. Je nach Art des Eingriffes setzen die Ärzte einen kleinen Schnitt in der Kniekehle und/oder Leiste und entfernen dadurch die störenden Venen. Einige Kliniken bieten auch eine Behandlung mit Laser an, bei der die Vene durch den Laser von innen verschweißt wird und nicht entfernt werden muss.
Auch eine Verödung der Venen ist möglich. Bei dieser Verödung spritzen die Ärzte ein Medikament direkt in die Besenreiser, wodurch diese abgebaut werden. Hierbei handelt es sich um einen kosmetischen Eingriff, den die Venen- und Gefäßkliniken anbieten.
Patienten, die ein offenes Bein, auch Ulcus cruris genannt, haben, erhalten in den Venen- und Gefäßkliniken verschiedene Behandlungen. Zu Beginn wird meist ein spezieller Verband angelegt, um den Blutkreislauf, der durch die Venenerkrankung gestört ist, zu verbessern. Die offene Stelle am Bein wird regelmäßig desinfiziert und gereinigt. Helfen diese Maßnahmen nicht, so führen die Ärzte eine Operation oder in einigen Fällen auch eine Hauttransplantation durch.
Lymphödeme werden in den meisten Venen- und Gefäßkliniken durch eine Kombination aus Physiotherapie und einer Kompressionsbehandlung therapiert. Die Patienten erhalten dazu Anwendungen wie Lymphdrainage und manuelle Therapie sowie eine für jeden Patienten individuell erstellte Kompressionstherapie. Die Physiotherapeuten führen hier mit den Patienten auch spezielle Gehübungen durch, so dass die gestaute Lymphflüssigkeit im Bein wieder abfließen kann.
Bei Venenerkrankungen passen die Ärzte der Venen- und Gefäßkliniken den Patienten spezielle Kompressionsstrümpfe an, die nach Maß für jeden Patienten angefertigt werden. Die Ärzte erläutern den Patienten auch, wie diese Strümpfe angezogen werden, wann der Patient sie jeweils tragen soll und über welchen Zeitraum diese benutzt werden sollen.
Einige Venen- und Gefäßkliniken führen neben den kosmetischen Besenreiser-Eingriffen auch andere Schönheitsoperationen durch. Hier werden dann z.B. kleine Äderchen entfernt, die die Patienten als kosmetisch störend empfinden oder auch Falten gestrafft und Altersflecken entfernt.
Patienten, die unter Hämorrhoiden leiden, werden in den Venen- und Gefäßkliniken durch verschiedenartige Eingriffe behandelt. Kleinere Hämorrhoiden können oftmals durch eine Gummibandligatur verödet werden. Um die Hämorrhoide wird dann ein winziges Gummiband gelegt, so dass sie nicht mehr durchblutet wird und das Gewebe abstirbt. Auch herkömmliche Operationen sind möglich.
Da viele Beschwerden auf ungesunde Ernährung und/oder zu wenig Bewegung zurückzuführen sind, nimmt auch die Physiotherapie in den Venen- und Gefäßkliniken einen hohen Stellenwert ein. Die Physiotherapeuten üben mit den Patienten eine spezielle Venengymnastik zur Stärkung der Venen und leiten die Patienten auch an, diese Übungen zu Hause fortzuführen. Auch Lymphdrainage und andere Anwendungen aus dem Bereich der Physiotherapie werden von den Therapeuten angewendet.
Venen- und Gefäßkliniken führen viele der Eingriffe sowohl als ambulante Operation als auch als Operation im Rahmen einer stationären Behandlung durch. Dies richtet sich auch danach, ob der Patient für den Eingriff eine örtliche Betäubung oder eine Vollnarkose wünscht und um welche Art des Eingriffes es sich handelt.
In Venen- und Gefäßkliniken arbeiten Fachärzte für Dermatologie, Fachärzte für Chirurgie, Fachärzte für Innere Medizin, Fachärzte für Allgemeinmedizin und Fachärzte für Anästhesie. Die meisten Ärzte, die in den Venen- und Gefäßkliniken tätig sind, haben neben ihrer Facharztausbildung eine Zusatzausbildung in Phlebologie absolviert. Zusätzlich arbeiten Gesundheits- und Krankenpfleger (neue Berufsbezeichnung für Krankenschwestern), Operationsschwestern, medizinische Fachangestellte, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Ernährungsberater, Zivildienstleistende, Verwaltungsmitarbeiter und diverses Reinigungspersonal in den Venen- und Gefäßkliniken.
Venen- und Gefäßkliniken verfügen über Patientenzimmer und einige Untersuchungs- und Behandlungsräume. Die operativen Eingriffe werden in einem Operationssaal durchgeführt, zu dem in der Regel auch ein Aufwachraum und eine Intensivstation gehören. Im Operationssaal befindet sich neben einem Operationsmikroskop meist auch ein Laser.
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