27. September 2010
Suchtkliniken behandeln Patienten, die abhängig von Suchtmitteln sind. Dazu gehören Drogen wie z.B. Cannabis und Heroin sowie Alkohol oder Medikamente. Diese Drogen werden von den Patienten eingenommen, geschnupft, getrunken, geraucht oder gespritzt. Auch Patienten, die zusätzlich unter einer Spielsucht, einer Kaufsucht, einer Computer- bzw. Internetsucht usw. leiden, werden in den Suchtkliniken behandelt. Lediglich Patienten, die akut selbstmordgefährdet sind, können in den meisten Kliniken nicht therapiert werden und somit nicht aufgenommen werden.
Die meisten Suchtkliniken haben sich auf die so genannte Entwöhnungsbehandlung spezialisiert. Zuvor muss der Patient sich jedoch einer stationären Entgiftung unterziehen. Diese wird in einem Krankenhaus oder teilweise auch direkt in der Suchtklinik durchgeführt. Über einen Zeitraum von etwa ein bis zwei Wochen wird der Körper unter ärztlicher Aufsicht von der Droge entgiftet. Der Patient erhält entsprechende Medikamente zur Linderung der Entzugserscheinungen. Wenn der Körper von der Droge entgiftet ist, kann sich die Entwöhnungsbehandlung anschließen, die je nach Art der Sucht etwa zwei bis vier Monate dauert. In der Regel wird diese Entwöhnungsbehandlung stationär durchgeführt. In einigen Fällen kann jedoch auch eine ambulante Entwöhnungsbehandlung in einer Suchtklinik sinnvoll sein.
Je nachdem, von welcher Droge der Patient abhängig war, wird eine individuelle Therapie erarbeitet. Dazu benötigt der Arzt der Suchtklinik sämtliche Vorbefunde des Patienten über bereits erfolgte Therapien und Entgiftungen (sofern die Entgiftung nicht in der gleichen Klinik durchgeführt wurde). Der Arzt untersucht den Patienten körperlich. Um die individuelle Therapie planen zu können, ist es für den Arzt der Suchtklinik wichtig zu wissen, wie oft, in welcher Situation und warum der Patient die Droge vor der Entgiftung konsumiert hat.
Welche Therapien im Rahmen der Entwöhnungsbehandlung in der Suchtklinik durchgeführt werden, hängt von der Art der Sucht und dem jeweiligen Patienten ab. Die Suchtkliniken bieten psychologische Beratung im Rahmen von Einzel- und Gruppengesprächen an. Die Gruppengespräche sind in der Regel immer Teil der Therapie, da sich hier die ehemals Abhängigen untereinander Halt geben und von ihren Sorgen und Problemen erzählen können. Während dieser Therapie erarbeiten die Patienten auch zusammen mit den Therapeuten Wege aus der Sucht und suchen nach Möglichkeiten, den Tagesablauf neu zu gestalten. Wenn Patienten die Droge bisher immer auf Partys konsumiert haben, so wird zusammen mit den Therapeuten nach einer Möglichkeit gesucht, was stattdessen zu einem festen Ritual werden könnte.
Während der Therapie erarbeiten die Patienten auch zusammen mit den Therapeuten einen Plan, um nicht rückfällig zu werden. Die Patienten werden bei diesen Therapien für die Rückfallsymptome sensibilisiert (z.B. aufkommende Gedanken an die Droge).
Patienten, die nur ein geringes Selbstbewusstsein haben, können an Selbstsicherheitsgruppen teilnehmen und lernen, ihre eigene Meinung ohne Angst zu vertreten.
Patienten, die leicht impulsiv reagieren und sich dann selbst nicht mehr unter Kontrolle haben, erhalten in den Suchtkliniken Lösungsstrategien, wie sie ruhiger reagieren können und sich nicht so leicht provozieren lassen.
Auch eine Raucherentwöhnung wird in den Suchtkliniken angeboten.
Die Patienten werden während der Behandlung in der Suchtklinik auch auf das Leben danach vorbereitet und können sich in Kursen zum Thema Bewerbung wieder fit für den Arbeitsmarkt machen.
Auch die Angehörigen werden in die Therapie mit eingebunden. Einige Suchtkliniken bieten für die Angehörigen eine einwöchige Komplextherapie an. Die Angehörigen sind dabei in der Suchtklinik untergebracht und nehmen zusammen mit dem Patienten an den jeweiligen Therapien teil.
Neben diversen Medikamenten, die Teil der Therapie sein können, wenden die Ärzte der Suchtkliniken häufig auch Behandlungsmethoden aus der Traditionellen Chinesischen Medizin an, wie z.B. die Akupunktur. Hier werden dünne Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen und regen dadurch den Energiefluss an.
Auch Ernährungsschulungen werden von den Suchtkliniken angeboten. Ein Ernährungsberater erklärt hier den Patienten, wie Lebensmittel gesund zubereitet werden und welche Nahrungsmittel für die ehemals süchtigen Patienten besonders gesund sind.
Sport spielt eine große Rolle in der Behandlung der Suchtkliniken. Hier wird die Kondition verbessert, so dass sich die Patienten in ihrem Körper auch wieder wohler fühlen können. In diesem Zusammenhang bieten die Suchtkliniken z.B. Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Tennis, Kegeln, Skifahren usw. an. Auch Frühsport wird regelmäßig durchgeführt.
Um die Patienten wieder in einen geregelten Tagesablauf zu bringen, führen die Suchtkliniken häufig Arbeitsgruppen durch, in denen die Patienten verschiedene Tätigkeiten in der Suchtklinik übernehmen müssen. So gibt es z.B. Hausmeisterdienste, bei denen die Patienten kleine Reparaturen durchführen, die Beleuchtung in der Suchtklinik kontrollieren sowie Zimmer der Klinik streichen und/oder tapezieren. Auch im Bereich Hauswirtschaft können sich die Patienten engagieren. Hier werden z.B. die Zimmer gereinigt und in der Wäscherei geholfen. Auch die Gartenpflege gehört zur Aufgabe der Patienten. Sie kümmern sich um die Bewässerung der Pflanzen und setzen neue Pflanzen ein. Auch eine Mitarbeit in der Küche der Suchtklinik wird oftmals angeboten.
Ergotherapie wird ebenfalls in den Suchtkliniken angeboten. Die Patienten arbeiten hier mit Materialien wie z.B. Ton oder Holz. Durch diese Maßnahme ergibt sich eine sinnvolle Freizeitgestaltung für die Patienten, mit der sie das eigene Handeln und Denken wieder fördern können.
Gegen Ende der Entwöhnungsbehandlung vermitteln die Suchtkliniken in der Regel Selbsthilfegruppen, an die sich die Patienten an ihrem Wohnort wenden können. Auch betreute Wohngruppen können von einigen Suchtkliniken angeboten werden. Nach abgeschlossener stationärer Behandlung bieten viele Suchtkliniken auch die ambulante Weiterbehandlung in der Klinik an. Zusätzlich hilft der Sozialdienst der Suchtkliniken auch den Patienten dabei, Arbeitslosengeld bzw. andere Sozialleistungen zu beantragen, eine Wohnung zu suchen und berät auch zur Schuldenregulierung. Patienten, die nach einer erfolgreich abgeschlossenen Entwöhnung wieder rückfällig werden und erneut ihre Droge konsumieren, werden umgehend wieder in der Suchtklinik aufgenommen.
In den Suchtkliniken arbeiten Fachärzte für Psychiatrie, Neurologie, Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Psychologen und Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Gesundheits- und Krankenpfleger (Krankenschwestern), Ernährungsberater, medizinische Fachangestellte, Verwaltungsmitarbeiter, Sporttherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Köche, Zivildienstleistende, Hauswirtschafterinnen und diverses Reinigungspersonal.
Die Suchtkliniken sind unterschiedlich aufgebaut. Je nachdem, ob ausschließlich Privatpatienten oder auch Kassenpatienten behandelt werden und auch ob nur Entwöhnungsbehandlungen oder auch die Entgiftung durchgeführt werden, unterscheiden sich die einzelnen Kliniken in ihrer Ausstattung. Jede Klinik verfügt jedoch über Patientenzimmer sowie Untersuchungs- und Behandlungsräume. Auch diverse Schulungsräume, einen Sportbereich sowie teilweise ein hauseigenes Hallenbad bieten viele Suchtkliniken. Die meisten Suchtkliniken liegen in ruhiger Umgebung und haben einen großen Garten mit diversen Freizeitmöglichkeiten für die Patienten.
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