25. August 2010
In den HNO-Kliniken werden Kinder und Erwachsene behandelt, die Erkrankungen oder Verletzungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich haben. Dazu gehören Krebserkrankungen wie z.B. der Kehlkopfkrebs, Mundhöhlenkrebs oder bösartige Tumore im Bereich des Rachens. Auch gutartige Tumore wie z.B. Polypen werden in den HNO-Kliniken operiert. Auch Patienten, die unter einer Schwerhörigkeit leiden, die eine chronische Ohren- oder Nebenhöhlenentzündung oder auch angeborene oder erworbene Fehlbildungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich haben, werden hier behandelt. Besonders Kinder werden in den HNO-Kliniken häufig wegen einer chronischen Mandelentzündung oder der so genannten Segelohren behandelt.
Im Bereich der Diagnostik werden in den HNO-Kliniken z.B. Allergietests, verschiedene Hörtests, eine Untersuchung im Schlaflabor, eine Laryngoskopie, eine Stimmfeldmessung oder –analyse usw. durchgeführt.
Vermutet der Arzt als Ursache für die Beschwerden des Patienten eine Allergie, so wird dem Patienten Blut abgenommen und dieses auf spezielle Allergiewerte untersucht. Zusätzlich erfolgen Allergietests wie z.B. der Prick-Test. Im Vorgespräch konnte der Arzt bereits einige mögliche Allergie auslösende Substanzen ausschließen, so dass bei der Durchführung des Prick-Testes nur noch die möglichen Stoffe zum Einsatz kommen. Von jedem dieser Stoffe wird dem Patienten ein Tropfen auf den Unterarm gegeben und jeweils leicht eingeritzt, so dass die Lösung in den Körper des Patienten gelangen kann. Reagiert der Patient nun allergisch auf einen oder mehrere dieser Stoffe, so rötet sich die jeweilige Stelle.
Im Bereich der Hörtests gibt es unterschiedliche Testverfahren. Bei Neugeborenen wird ein spezieller Hörtest angewandt, bei dem durch ein Gerät ein ganz leiser Ton in das Ohr des Säuglings gelangt. Durch die Reaktion der Gehörschnecke im Ohr auf diesen Ton kann festgestellt werden, ob das Baby hören kann oder nicht. Die so genannte Tonschwellen-Audiometrie wird überwiegend bei älteren Kindern und Erwachsenen durchgeführt. Der Patient hört hier über Kopfhörer auf jeweils einem Ohr einen Ton, der ganz leise beginnt und immer lauter wird. Immer, wenn der Ton gehört wird, muss der Patient einen Knopf drücken. Der Arzt kann so feststellen, wie früh der Patient die Töne hören kann.
Patienten, die z.B. schnarchen oder nachts Atemaussetzer haben, werden in einem Schlaflabor untersucht, das meist in die HNO-Kliniken integriert ist. Die Patienten verbringen hier ein bis zwei Nächte zur Untersuchung. Die Untersuchung beginnt jeweils abends. Dem Patienten werden verschiedene Elektroden zur Messung des Herzschlages, des Blutdrucks, der Atemfrequenz, des Sauerstoffgehaltes usw. angelegt. Anschließend legt sich der Patient hin und schläft diese Nacht im Schlaflabor. Die Mitarbeiter beobachten die Werte des Patienten über einen Monitor.
Bei der Laryngoskopie können die Ärzte der HNO-Kliniken den Kehlkopf genau untersuchen. Vor Beginn der Untersuchung erhält der Patient eine örtliche Betäubung des Rachens. Das Endoskop wird über die Nase in den Rachen vorgeschoben und endet schließlich am Kehlkopf. Der Arzt kann bei dieser Untersuchung die Schleimhaut sowie den Sprechvorgang und das Atmen des Patienten begutachten. Will der Arzt auch den Schluckvorgang untersuchen, erhält der Patient eine spezielle Lösung, die aufgrund ihrer Färbung im Endoskop des Arztes sichtbar wird. Der Arzt kann dadurch feststellen, ob der Schluckvorgang einwandfrei funktioniert.
Je nach Art der Diagnose können in HNO-Kliniken viele verschiedene Behandlungen durchgeführt werden. Konnten die Ärzte einen gut- oder bösartigen Tumor diagnostizieren, so muss dieser meist operativ entfernt werden. Noch während der Operation wird der entfernte Tumor unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht, so dass der Arzt ggfs. noch mehr Gewebe entfernen kann. Patienten, die einen bösartigen Tumor haben oder hatten, werden meist auch mit einer Chemo- und/oder Strahlentherapie behandelt. Bei der Chemotherapie erhalten die Krebspatienten spezielle Medikamente, die so genannten Zytostatika, durch eine Infusion in die Vene. Während einer Strahlentherapie wird die Region bestrahlt, in der sich der Tumor befindet.
Hat ein Patient Kehlkopfkrebs, so ist es häufig notwendig, den Kehlkopf operativ zu entfernen. Dies hat jedoch schwerwiegende Folgen für den Patienten. Die Ärzte müssen während dieser Operation eine Verbindung zwischen den Atem- und den Luftwegen schaffen, da sonst die Nahrung in die Luftwege gelangt. Damit die Patienten weiterhin normal atmen können, legen die operierenden Ärzte ein so genanntes Tracheostoma (Luftröhrenschnitt), welches am Hals zu sehen ist. Wurde der komplette Kehlkopf entfernt, so kann der Patient auch nicht mehr sprechen. In den HNO-Kliniken können diese Patienten eine "Ersatzstimme" erlernen, die mit der Speiseröhre gebildet wird. Eine Alternative sind elektronische Geräte, die die Patienten ebenfalls in den HNO-Kliniken erhalten können.
Kinder, die unter abstehenden Ohren, umgangssprachlich auch Segelohren genannt, leiden, erhalten eine Operation, in der die Ohren angelegt werden.
Patienten, die auf beiden Ohren taub sind, kann oftmals ein so genanntes Cochlear-Implantat eingesetzt werden. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Die Ärzte legen eine Elektrode zur Gehörschnecke und implantieren das zugehörige kleine Gerät in das Ohr. Durch dieses Gerät ist dem tauben Patienten ein spezielles elektronisches Hören möglich, das jedoch mit dem normalen Hören nichts zu tun hat. Trotzdem ist es diesen Patienten durch den sehr teuren Eingriff möglich, wieder mit der Umwelt zu kommunizieren.
Auch ästhetische Eingriffe, die nicht medizinisch notwendig sind, werden in den HNO-Kliniken durchgeführt. In diesem Zusammenhang werden Falten aufgespritzt oder die Haut gestrafft, hängende Augenlider oder Tränensäcke korrigiert oder Narben entfernt.
In den HNO-Kliniken arbeiten Hals-Nasen-Ohrenärzte, Chirurgen, plastische Gesichtschirurgen, Anästhesisten, Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Allergologie oder der Schwerpunktbezeichnung Onkologie, Psychologen, Psychotherapeuten usw. Ebenso arbeiten auch viele nicht-ärztliche Mitarbeiter in den HNO-Kliniken. Neben Gesundheits- und Krankenpflegern (Krankenschwestern) arbeiten hier auch Operations- und Kinderkrankenschwestern, Logopäden, Audiologieassistenten, Sprachheilpädagogen, medizinisch-technische Assistenten, Verwaltungsmitarbeiter, medizinische Fachangestellte, Physiotherapeuten und viele Reinigungskräfte.
HNO-Kliniken sind entweder eigenständige Kliniken oder gehören zu großen Klinikkomplexen. Sie verfügen neben diversen Operationssälen über Untersuchungsräume wie z.B. eine schlafmedizinische Abteilung, die Phoniatrie und Pädaudiologie, die Audiologie und ein Tinnituszentrum. Im Bereich "Phoniatrie und Pädaudiologie" verfügen große HNO-Kliniken über eigene Berufsfachschulen für Logopädie. Hier können sich junge Menschen zu Logopäden ausbilden lassen. Die Kliniken verfügen über viele verschiedene Geräte, wie z.B. ein Gerät zur transkraniellen Magnetstimulation. Viele HNO-Kliniken verfügen auch über eine Abteilung für Patienten, die ein Cochlear-Implantat erhalten oder bereits erhalten haben. Schwerkranke oder frisch operierte Patienten werden auf der Intensivstation der HNO-Kliniken behandelt und rund um die Uhr betreut. Hier stehen auch Beatmungsgeräte zur Verfügung. In einer anderen Abteilung der HNO-Kliniken werden Endoskopien wie z.B. die Laryngoskopie durchgeführt. Auch ein Labor und eine Sonografieabteilung gehören zu den meisten HNO-Kliniken.
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