29. April 2008
(dgk) Röteln und Windpocken haben einiges gemeinsam: Es sind Virusinfektionen, beide können das ungeborene Kind schädigen, wenn eine Mutter in der Schwangerschaft daran erkrankt, und gegen beide Krankheiten kann man impfen.

Impfungen schützen vor Virusinfektionen, die in der Schwangerschaft das Ungeborne schädigen können.
Allerdings geht das nicht mehr während der Schwangerschaft: Impfungen mit Lebendimpfstoffen verbieten sich dann, denn sie enthalten abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Impfviren. An den Schutz vor diesen Virus-Erkrankungen muss man deshalb rechtzeitig vorher denken.
Röteln sind an sich eine harmlose, in vielen Fällen sogar unbemerkt verlaufende Virusinfektion, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Gefährlich sind die Röteln aber, wenn sich eine Schwangere infiziert, vor allem in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Bis zu 85 Prozent der Kinder werden dann geschädigt: Herzfehlbildungen, Trübung der Augenlinsen (grauer Star), Taubheit, Hirnleistungsstörungen und verzögerte Entwicklung sind die Folgen.
Sechs bis acht Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter haben keinen Schutz gegen Röteln. Junge Mädchen und Frauen sollten deshalb beim Gynäkologen durch eine Blutuntersuchung klären lassen, ob sie sicher vor Röteln geschützt sind. Ist der Antikörperspiegel zu niedrig, wird geimpft – am besten mit MMR-Impfstoff, der gleichzeitig auch vor Masern und Mumps schützt. Eine Schwangerschaft sollte danach für drei Monate verhütet werden. Wird dieser "Sicherheitsabstand" aber unbeabsichtigt nicht eingehalten, ist das dennoch kein Grund zur Panik. Sogar wenn versehentlich in der Frühschwangerschaft geimpft wurde, weil eine Frau noch nichts von ihrer Schwangerschaft wusste, ist niemals eine Schädigung des Kindes durch den Impfstoff beobachtet worden.
Windpocken werden von den hochansteckenden Varizella-Zoster-Viren verursacht. Sie gehören zu der Gruppe der Herpesviren, die charakteristischerweise nach einer Infektion lebenslang im Körper, in Nervenschaltstellen, bleiben. Bei der Gürtelrose (Herpes zoster) werden die Viren erneut aktiv. Grund ist ein Nachlassen der Abwehrkräfte, deshalb erkranken an Zoster oft ältere Menschen oder Patienten mit Störungen der Immunabwehr.
Windpocken sind am häufigsten bei Kindern bis zu sechs Jahren. Die Ansteckung erfolgt wie bei den Röteln über Tröpfcheninfektion oder über direkten Hautkontakt zu einem Erkrankten. Kinder im ersten Lebensjahr, Jugendliche und Erwachsene haben ein erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken. Komplikationen sind vor allem Lungen- oder Hirnhautentzündung, selten auch eine Gehirnentzündung. Was viele nicht wissen: Bedrohlich sind Windpocken bei werdenden Müttern vor allem in den ersten 20 Schwangerschaftswochen. Wie bei Röteln können auch hier Fehlbildungen beim Kind die Folge sein: Hautdefekte, Fehlbildungen an Armen oder Beinen und Entwicklungsstörungen. Erkrankt eine Mutter vier Tage vor bis zwei Tage nach der Geburt ihres Kindes, kann es beim Neugeborenen zu einer schwerstverlaufenden Varizelleninfektion kommen, an der ein Drittel der kleinen Patienten stirbt. Hier müssen sofort nach der Geburt Immunglobuline (Antiserum) und Virustatika gegeben werden. Deshalb gilt wie bei den Röteln: Lassen Sie sich vor der Schwangerschaft testen und gegebenenfalls impfen! Übrigens: Erkrankt die werdende Mutter an Gürtelrose (Herpes zoster), besteht – im Gegensatz zu der Erstinfektion – keine Gefahr für das Kind.
Weitere Informationen unter www.dgk.de
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Zu der Erkrankung Röteln der Ratgeber Masern, Röteln, Mumps & Co von Beat W. Hollenstein und Thomas Pfluger.