6. November 2010
(pgk) Jedes Kind sollte rauchfrei aufwachsen dürfen. Seit langem ist bekannt, dass Kinder von Rauchern stärker zu Infektionen der Atemwege neigen. Dennoch wird von vielen die gesundheitsschädigende Wirkung des Passivrauchens für Kinder unterschätzt. So ist beispielsweise auch das Risiko einer Meningokokken-Erkrankung für Babys rauchender Eltern stark erhöht.
Ohnehin sind es Säuglinge und Kleinkinder, die am häufigsten von Infektionen mit Meningokokken betroffen sind. Mehr als 40 Prozent aller Meningokokken-Kranken sind Säuglinge und Kleinkinder in den ersten fünf Lebensjahren. Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung können die Folge sein. Die Meningokokken-Bakterien sind von einer schützenden Kapsel umgeben und entziehen sich so dem Abwehrsystem eines Säuglings, das erst noch "lernen" muss, diesen Erregertyp erfolgreich zu bekämpfen.
Sind Kinder ständig Tabakrauch ausgesetzt, steigt das Risiko für eine Meningokokken-Infektion stark an. Das zeigte beispielsweise 2002 eine Studie, die in Tschechien durchgeführt wurde (1). Nach Angaben der Wissenschaftler hatten die über einen Zeitraum von 18 Monaten untersuchten Kinder ein 2,6fach erhöhtes Risiko, wenn täglich der Rauch von 20 Zigaretten auf sie einwirkte. Rauchten beide Eltern, stieg das Risiko sogar noch weiter an. Bereits 1994 hatte eine amerikanische Studie auf diese Gefahr hingewiesen (2). Weitere Studien bekräftigen den Zusammenhang (3).
Wie die Forscher vermuten, liegt die Ursache für das erhöhte Risiko darin, dass durch den Tabakrauch die Schleimhäute im Nasenrachenraum stark angegriffen werden. Genau dort aber siedeln sich die Meningokokken zuerst an. Auf einer geschwächten Schleimhaut haben sie dann natürlich ein leichtes Spiel, können sich vermehren, weiter in die Blutbahn vordringen und im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung oder Sepsis hervorrufen.
Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die ausschließlich beim Menschen vorkommen. Altersabhängig tragen etwa 5 bis 30 Prozent der Bevölkerung diese Bakterien im Nasenrachenraum, meist aber ohne Krankheitssymptome. Für eine Übertragung ist ein enger Kontakt notwendig ("Tröpfcheninfektion"). Jährlich erkranken in Deutschland etwa 600 Menschen an einer Meningokokken-Infektion. Meningokokken verursachen Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen. Das Spektrum der Erkrankung reicht von leichten Verläufen mit spontaner Abheilung bis hin zu einem hochakuten Ausbruch, der trotz Behandlung in wenigen Stunden zum Tod führen kann.
Seit 2006 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung aller Kinder und Jugendlichen (ab einem Jahr bis zum 18. Geburtstag) gegen Meningokokken vom Typ C.
Quellen:
(1) P Kriz, M Bobak, B Kriz, Parental smoking, socioeconomic factors, and risk of invasive meningo-coccal disease in children: a population based case-control study, Arch Dis Child 2000;83:117-121, doi:10.1136/adc.83.2.117, http://adc.bmj.com/content/83/2/117.abstract
(2) Stanwell-Smith RE et al., Smoking, the environment and meningococcal disease: a case control study. Epidemiol Infect. 1994 Apr;112(2):315-28, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8150006
(3) siehe u.a. Übersicht auf: Meningococcal Disease and the fraudulent "science" blaming smoking and secondhand smoke, http://www.smokershistory.com/meningoc.html, und: Prevention of Meningococcal Disease, New England Journal of Medicine, Volume 356:524-526, February 1, 2007, Number 5, http://content.nejm.org/cgi/content/full/356/5/524
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